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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-23 · 25 (23.6.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 391 täfelung aus dem 17. Jahrhundert zu besuchen, da dachte er, hier mag auch M u s s a f i a als Kind gesessen haben. Aber der meä. stuäLosus wurde Philologe, Hofbiblioteksbeamter, Lehrer von Prinzen, ordentlicher Professor und da mußte — der Rabbiners o h n weichen. In Italien, in Florenz, ist er gestorben, in einem Lande, in dem man durch Wissen und Begabung zu den höchsten Stellen kommt, ohne Familie und Abstammung zu verleugnen. Wie wehmütig muß es Mussaffia ums Herz gewesen sein, wenn er dessen gedachte. _ Philateles. Inden und Griechen. (Aus einer Rede des Geistlichen Henry Ward Beecher in New-Aork.) Die Juden waren es, die der Welt eine Religion gaben, deren Genius die Entwickelung der Männlichkeit förderte. Mit andern Worten, sie gaben der Welt eine sittliche Religion zum Unterschied von einer bloß verehrenden und abergläubischen Religion. Ungeachtet aller Andacht und Verehrung, die auch bei den Juden im höchsten Maß anzutreffen waren, war doch das unterscheidende Merkmal der Religion Israels, daß sie die weltliche Führung der Menschen beeinflussen wollte. Sie erschöpfte sich nicht in Hymnen und Gebeten. Sie beeinflußte den Charakter der Menschen und suchte vor allem und mehr als alle Religionen zu jenen Zeiten Männlichkeit zu entwickeln. Denn der eigentliche Sinn des alttestamentlichen Wortes „Rechtschaffenheit" war das, was wir jetzt unter Männlichkeit verstehen. Suchen, ein rechtschaffener Mann zu werden, das war die unterscheidende Eigentümlichkeit der jüdischen Religion. Sie bildete ein Geschlecht von Männern heran, die Wahrheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit. Sittlichkeit, Sanftmut und Bescheidenheit pflegten. Sie erzog ' Männer, die nicht ihres Gleichen hatten. Die Griechen haben wohl bessere Tempel gebaut; aber obgleich die Juden niemals Marmor gemeißelt haben, so haben sie besseres getan, sie haben Männer gemeißelt. Während — so fährt Beecher fort, nachdem er eingehend auf die wunderbaren Leistungen der Griechen hingewiesen — die Griechen Ebenbilder der Menschheit ansertigten, schufen die Juden die Menschheit, machten sie Männer. Dahin zielte in Wahrheit die Religion der Juden.... Das sittliche Gefühl der Menschheit, die lebhafte Konzeption von Recht und Unrecht hat ihren Ursprung bei den Juden. Hunger und Durst nach Rechten war bezeichnend für die Juden schon in ältester Zeit; und wir haben den Anstoß nach dieser Richtung erhalten aus den Schriften und durch das Vorbild der Juden. Schönheit, Ebenmaß, Harmonie waren die Sehnsucht der Griechen, die aber niemals nach dem Guten sich sehnten. Den Juden mangelte der Sinn für Schönheit (?? Siehe hohes Lied!!) die sich in der Materie zeigte, aber sie waren entflammt für seelische Schönheit und sie suchten in dem Menschen eine innere geistige Schönheit zu schaffen, wie die Griechen-eine körperliche. „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu Dir." In der Literatur des ganzen Erdballs findet man nicht eine zweite solche inbrünstige Auslassung, und das ist nur eine von zehntausend Aeußerungen der Sehnsucht des jüdischen Geistes nach dem Göttlichen. Die moralische Literatur, dis uns von diesem Volke überkommen ist, ist gleichfalls ein Schatz für die Welt gewesen. Das Menschengeschlecht hat sich an Homer gelabt, an Plato, Aristoteles, Seneca, Cicero und ein oder zwei Autoren des fernen Ostens. Aber nirgends hat es solche Nahrung für den inneren Menschen gegeben, wie in der Weisheit Salomos, in den Psalmen Davids und seiner Schule und in den Mahnungen jener großen Staatsmänner auf einsamer Höhe, der hebräischen Propheten, die Meister der Staatsweisheit waren in dem Zeitalter, in welchem sie lebten. Mißbrauch der Statistik oder falsche Moralstatistik. In einem diese Ueberschrift tragenden Artikel wendete sich die katholische „Germania", Hauptorgan des Zentrums, kürzlich scharf gegen die Art, mit der man häufig mit allerhand Zahlenmaterial den sittlichen Wert oder die Wertlosigkeit der einen oder andern Konfession zu beweisen sucht. Wenn man so Moralstatistik treibe, komme man zu dem Schluß: also ist der Protestantismus gebrandmarkt durch den Selbstmord seiner Bekenner, der Katholizismus durch die Körperverletzungen und der Mvsaismus durch die Betrugsvergehen ihrer Bekenner. Dazu bemerkt die „Germania" wörtlich: „Und doch ist dieser Schluß so falsch, wie nur etwas falsch sein kann. Denn er berücksichtigt nicht die soziale Stellung, die ökonomische Lage und die Berufe der Delinquenten. So ist das Vergehen des Wuchers, Bankerotts und der Zuwiderhandlung gegen § 147 der Gewerbeordnung eben ein nicht der mosaischen Religion, sondern dem Handel und Gewerbe eigentümliches Vergehen. Wer nun weiß, in welchem Maße die Juden an diesen Berussarten beteiligt sind, hat sofort den Schlüssel für die größere Belastung der Juden an diesen Delikten. Eine gerechte Statistik müßte also berechnen, wieviel handeltreibende Juden kommen auf handeltreibende Christen und wieviel Juden sind im Verhältnis zu Christen wegen Wuchers u. s. w. bestraft worden. Eine gerechte Statistik muß aber bei den Katholiken auch deren wirtschaftliche Lage berücksichtigen. Nun ist es ja kein Geheimnis, daß die Katholiken im allgemeinen in einer schlechteren wirtschaftlichen Lage sich befinden. Es handelt sich für die Bewertung einer Konfession um den Grad der Religiosität, das Leben nach dem Glauben und den Einfluß der religiösen Vorschriften auf die Handlungen des Einzelnen. Davon aber kann die Moralstatistik nicht das Allergeringste aussagen. Und doch wäre das für ein objektives Ergebnis die Hauptsache. Wir geben der Reichsstatistik (Bd. 69, II, 37) Recht, wenn sie ihre Betrachtungen über den Zusammenhang zwischen Religion und Verbrechen mit den Worten schließt: „Es kann nicht nachdrücklich genug davor gewarnt werden, solche Daten zugunsten oder ungunsten dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses in dem Sinne zu verwerten, daß dadurch eine Wirkung desselben auf die Kriminalität erwiesen sei." Das sozialdemokratische „Norddeutsche Volksbl." bringt unter der Spitzmarke „ Arme und reiche Juden" folgenden Artikel: Die sozialdemokratische Presse hat schon oft die sehr ehrenvolle Rolle gewürdigt, die viele jüdische Studenten, Arbeiter und Handwerker im russischen Befreiungskampf spielen. Sie hat mit ihrem Beifall nicht gekargt, wenn jüdische Genossen Heldentaten ausführten und sich zu allen Seiten mit Entschiedenheit gegen die grausamen Judenmetzeleien gewendet, wie sie in Schitomir, Kischenew, Homel und zahlreichen anderen Orten verübt wurden. Die sozialdemokratische Partei hat überhaupt zu allen Zeiten den Rassenhaß niederzukämpsen gesucht und die vollste Gleichberechtigung aller Menschen vertreten. Trotzdem kommen immer wieder liberale Blätter mit der Anschuldigung vom „Antisemitismus" der Sozialdemokratie, den sie in einzelnen Ausdrücken unserer Presse gefunden haben wollen. Demgegenüber sind einmal ein paar Worte am Platze, die den Sachverhalt klarstellen und unser Verhältnis zum Judentum von den Grundsätzen einer proletarischen Politik aus beleuchten. Gerade Rußland bietet dazu geeigneten Anlaß. Während die armen Juden dort entsetzlich leiden, zögern die reichen Juden im übrigen Europa keinen Augenblick, der zarischen Regierung Millionen und Abermillionen für die Fortführung ihres Systems zuzuschanzen. Jüdische Großbankiers in London, Paris und Berlin nehmen die Millionenanleihen Rußlands zur Emission an und jüdische Geldmänner kaufen sie auf zur höheren Ehre Rußlands. Kürzlich sahen wir sogar in der „Woche" den russischen Minister Witte, der sich zu Anleihezwecken nach London begeben hatte, abgebildet, wie er Arm in Arm mit irgend einem Mendelssohn oder Rothschild durch die Weltstadt walzte. Und angesichts solcher Verleugnung ihrer Raffensolidarität, angesichts solcher Verräterei im Interesse des Rebbach verlangen die judenliberalen Blätter von uns Sozialdemokraten womöglich, wir sollten vor allem, was jüdisch heißt, mit den Händen an der Hosennaht stramm stehen? Wir Sozialdemokraten haben gar keine Ursache, die reiche Judensippe anders zu behandeln wie die Junkersippe, wenn ihre Klaffenhaltung dazu herausfordert.

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