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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-15 · 24 (15.6.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
24 (15.6.1905)
Date
1905-06-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Sir. 24 Dr. Dlocv s MocbenscvrM. Seite 383 „Und das macht Ihrem bösen Herzen Freude — nicht?!" „Aufregung führt zu Irrtum, sagen unsere Weisen", erwiderte er. — „Ich bin Ihr Freund!" ' „Sie, mein Freund — ha, ha, ha", lachte ich krampfhaft. „Lachen Sie nicht, ich will Ihnen helfen!" „Sie, mir helfen?" Ich sah ihn mit durchdringenden Blicken an. „Ja, ich werde Ihnen helfen", sagte er, meinen Blick aushaltend, „nach allen Kräften helfen. Wenn Ihr Kind für's Militär bestimmt wurde, bin ich am wenigsten Schuld daran. Sie dürfen ja nicht vergessen, daß ich nicht der einzige Regierer bin. Ich habe das Möglichste für ihn getan, aber die Anderen stimmten gegen mich. Indessen noch ist nicht Alles verloren, wir können ja einen „Auslöser" für ihn kaufen." „Einen Auslöser", wiederholte ich mit gebrochener Stimme. „Wir sind arme Handwerksleute." „Kleine Ersparnisse werden sich vielleicht bei Ihnen finden. Was mich betrifft, so will ich Ihnen den Beweis geben, daß ich nicht blos mit Worten Ihr Freund bin", dabei drückte er mir dreißig Gulden in die Hand. „Sollte mehr nötig sein", fügte er hinzu, „so können Sie immer auf meine Hilfe rechnen, doch verpassen Sie nicht die Zeit. Tun Sie was sich tun läßt, ein „Auslöser" wird schon zu finden sein!" Ein geheimes Gefühl warnte mich, die Summe von ihm anzunehmen, aber es winkte Erlösung für mein Kind, für mein einziges, geliebtes Kind — ich strich die Summe ein. Es war mir, als hätte ich glühende Kohlen in die Taschen geschoben. Der rote Wölfele war unterdessen, ohne meinen Dank abzuwarten, aus der Synagoge verschwunden. Als ich meiner Frau den sonderbaren Fall mitteilte, faßte sie mich zuerst fast erschrekt bei der Hand, doch schüttelte sie darauf den Kopf, als wollte sie eine Grille verscheuchen. „Nein", sagte sie, „man soll die Menschen nicht immer verurteilen, hat doch Jeder ein Gewissen, warum nicht auch der rote Wölfele! Möglich, daß ihn sein Gewissen quält über das an uns begangene Unrecht und er will jetzt den Fehler wieder gut machen. Just an demselben Tage in der Dämmerungsstunde öffnete sich die Türe unseres Stübchens und ein struppiger, borstiger Kopf mit einem widerlichen Gesichte frug mit roher, heiserer Stimme hinein: „Braucht -man hier einen Auslöser?" Er fragte das, wie wenn er fragen würde: Kauft Jemand alte Hosen? .. . Doch wer von uns achtete darauf? Er schien uns in diesem Augenblick wie von Gott selber geschickt und fast in einem Atemzuge riefen wir. „Treten Sie nur näher, lieber Freund!" Mit täppischen, schweren Schritten stolperte der Trunkenbold näher und sank neben uns auf die Bank. Doch für Alles das hatten wir keine Augen; wir sahen nur, daß er gesunde kräftige Glieder hatte, daß er zum Soldaten wie geboren war. Er war just die rechte Ware für uns. Meine Frau behandelte ihn mit einer Art von Zärtlichkeit. Eiligst ließ sie ein großes Glas Schnaps holen und stellte unser Nachtmahl vor ihm hin, das er mit der Gier eines hungrigen Tieres verschlang. „Nun", begann der Mann, der seine Glieder zu Markte trug, „was können Sie für mich zahlen? Bin, wie Sie sehen, tauglich, auch meine Papiere sind in guter Ordnung." „Wir, müssen das eben vorher von Ihnen hören", erwiderte meine Frau, die ihn mit den Augen verschlang, wie eine Ware, die man um jeden Preis kaufen möchte. „Dreihundert Gulden", brummte er, „war ich ein Bruder dem Andern wert. Zahlen Sie und das Geschäft ist gemacht." Dieser Preis war für uns, auch wenn wir alle unsere Habseligkeiten mitsamt den dreißig Gulden, die mir der rote Wölfele gegeben, zusammen rechneten, eine unerschwingliche Summe. „Das können wir leider nicht zahlen", sagte ich, „wir sind blutarme Leute," Doch der Mann ließ mit sich handeln. „So red's", brüllte er uns an, „was könnt Ihr zahlen?" „Hundert Gulden wär das Höchste", meinte meine Frau zaghaft. Kein Geschäft gab er zurück. Mit Bangen verfolgten wir seine Bewegungen, ob er nicht aufbrechen will. Doch das tat er nicht. „Zweihundert Gulden", sagte er> „ist kleinstes, was ich nehmen kann. Könnt wohl wo größeren Preis erzielen, aber es gefällt mir just, mit Ihnen das Geschäft zu machen." Nach kurzer Zeit waren wir Handeleins, wir verglichen uns-auf hundertfünfzig Gulden. Der Preis sollte ihm ausbezahlt werden, nachdem er assentiert wird. Meine Frau ging in. ihrer Zärtlichkeit so weit, daß sie ihn beim Weggehen wiederholt ersuchte, sich den Kragen aufzuschlagen, damit er sich ja nicht erkälte; sie hätte ihn am liebsten bis zum andern Morgen bei sich behalten, damit ihm kein Unfall widerfahre. War er ja in diesem Augenblicke ein kostbarer Schatz in ihren Augen, der Erlöser, der Befreier ihres Kindes. Als er uns verließ, fielen wir einander wonnetrunken in die Arme und jauchzten: „Unser Sohn, unser einzig geliebter Sohn ist gerettet!" (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Soeben erschien im Verlage von I. Kauffmann in Frankfurt a. M.: „Ntrsrachah". Nach Osten. Eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Reisebericht von Rabbiner W. Reich, Baden bei Wien. Preis Mk. 1.— Die Schrift enthält die interessanten Berichte des gelehrten Badener Rabbiners über seine Teilnahme au der Gesellschaftsreise nach Palästina. Einen Teil dieser Berichte kennen unsere Leser bereits aus den Spalten dieses Blattes. Umsomehr dürfte Allen die vielfach ergänzte und erweiterte Gesamtausgabe willkommen sein. Die schön ausgestattete Schrift ist dem Präsidenten der Israel. Kultusgemeinde Baden, Herrn Moritz Leitner, gewidmet. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Redaktion und Administration: Wien, III/2, Untere Viaduktgasse 25. II. Jahrgang. Heft 6, Juui 1905. Inhalt: Doktor Max Diamant: Seelenadel. Heinrich Löwe: Jüdisch-Deutsch und Hebräisch. M e I x t: Die Chazaren. Martin Friedländer: Sieghardt Löwenstein. Dante A. L a t t e s: Die Erzählungen des Schalom Asch. B. S.: „Die Familie Zwi". Rundschau rc. Albert Katz: Biographische Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte und Sage. (Mk. 2.50, ged. Mk. 3.50.) Verlag für Moderne Literatur, Berlin W., Bülowstraße 105/106. S. Andorn» Crefeld: Die Psalmen im Religionsunterricht. Vortrag, gehalten auf der 47. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer im Rheinland und Westfalen. Preis Mk. — .30. Verlag von M. Lehrberger L Co., Rödelheim 1905. Morris Rosenfeld (G h e t t o l i e d er). Das berühmte Werk Rosenfeld's erschien soeben in böhmischer Uebersetzung. Der bekannte böhmische Dichter Jaroslav Vrchlicky, welcher zu den ersten Bewunderern Morris R o s e n f e l d gehört, hat Rosenselds Gedichte mit Pietät und einer nur ihm eigenen Art ins Böhmische übersetzt. Preis K 2.40. SSertogSpolekceskych akademikü zidü, Prag. Kriefkasterr. Dr. C. Der berühmte Romanist Hofrat Prof. Dr. Mussafia war der Sohn des Rabbiners von Spalato. Die Synagoge in Spalato ist 400 Jahre alt und im Synagogengebäude in Spalato hat Hofrat Mussafia das Licht der Welt erblickt. K. B. Sie stellen folgende Fragen: 1. Darf man am 1. T.ag Schewues eine Kuh schlachten, von welcher das Fleisch erst heute Sonntag zum Verkauf kommt, wo man doch gut am Donnerstag, Crew Jontef, oder gestern, Moze Jontef-Abend, hätte schlachten können? 2.. Darf man Fleisch bei einem Christenfleischhauer unbezeichnet belasten und als koscher verkaufen, darf man Jontef Fleisch bezeichnen oder durch Christen bezeichnen lassen? 3. Darf der Schachet auf einem Wagen, wo Pferde eingespannt und eine Kuh angebunden, fahren.? Antwort: Nein!

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