Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 24 (15.6.1905)
- Date
- 1905-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 376 Dr. JSlOCb’S XPttlOCbenßCbCtft wt 94 Höchst erfteulich ist es, datz der Stiftung seitens der Firma » Grödel L Schmidt in Skole ein zirka 2000 Quadratmeter großer > Bauplatz in Skole behufs Erbauung eines Schulhauses schenkungsweise I ilberlaffen wurde, wofür auch an dieser Stelle der herzlichste Dank« zum Ausdrucke gebracht wird. Da überdies seitens der Spender die« hochherzige Zusage gemacht wurde, auch bei Aufführung eines Baues ß die Stiftung tunlichst zu unterstützen, dürfte das Kuratorium Wohl tn| absehbarer Zeit imstande sein, ungeachtet der außerordentlich knappen Mittel auch in Skole ein entsprechendes Heim für die Schule zu^ schaffen. [' Infolge der regulativmäßigen Gehaltserhöhungen, Quinquennal-, zulagen und Stabilisierungen stiegen die im Vorjahre für das Konto Volksschulen gemachten Auslagen, trotz des Abganges mehrerer Lehrer, die nicht ersetzt wurden, von X 416.162-35 auf 427.213-22. In dieser Summe ist auch ein Betrag von X 13.165 22 enthalten, den das Kuratorium für Lehrer, welche eine große Familie zu erhalten hatten und durch Krankheit oder Todesfall in eine Notlage geraten waren bewilligte. * Die Unterstützungsgesuche erreichten speziell im abgelaufenen Jahre eine so hohe Zahl, weil in den obgenannten Orten infolge der Feuersbrünste, in Boryslaw infolge der Wohnungsnot besonders ungünstige Verhältnisse entstanden, die das Kuratorium soweit als möglich berücksichtigte. Außerdem wurden an Lehrer, welche ihre Kinder außerhalb ihres Dienstortes zum Zwecke der Studien zu erhalten hatten, aus den Mitteln der Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich Stipendien im Betrage von X 4568 bewilligt. Schließlich wurden im verflossenen Schuljahre an 33 Lehrer Personalzulagen im Gesamtbeträge von X 5300 gewährt, so daß zu erwarten ist, daß die Verhältnisse eines größeren Teiles der Lehrerschaft konsolidiert werden. Neben den Auslagen für Volksschulen im Betrage von X 427.213-22 wurden für Unterstützung der Kinder durch Verteilung von 11.941 neuen Büchern, 82.731 Heften, 41 899 sonstigen Schulreq-isiten X 10.446-30 verausgabt. Aus den Mitteln der Jubiläumsstiftung gelangten an die unsere Schulen besuchenden Kinder zirka 160.000 Mittagsmahle, 1183 Mäntel, 1315 Paar Stiefel, 2500 Sommeranzüge und Kappen, 5000 Hemden und 7590 Sacktücher mit einem Kostenaufwande von K 85.189 67 zur Verteilung. An Subventionen wurden wie im Vorjahre für die Schulen in Brody und Zablocie im Gesamtbeträge von X 10.300-08 bewilligt. b) Abendkurse. Die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre abgehaltenen Abendkurse betrug 27, dieselben wurden von 1386 Schülern besucht und von 77 Lehrern geleitet. Die Kosten dieses Unterrichtes betrugen X 5474. In diesen Abendschulen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterwiesen, andererseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlaffen hatten und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnis der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders von Wert waren, wie z. B. Schlaffer, Drechsler, Tischler im Zeichnen, Kommis im Rechnen u s. w. e) Handwerk. Im Laufe des Jahres wurden auf Kosten der Stiftung 330 Lehrlinge freigesprochen, 113 bisher neu ausgenommen, so daß am Ende des Schuljahres 1903/1304 im Status der Stiftung 313 Lehrlinge verzeichnet waren. Die Bekleidung der Knaben, welche unsere Abendschulen besuchten, erfolgte aus den Mitteln der Baronin Klara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung. Für die Bekleidung der übrigen Handwerkslehrlinge wurde aus den Mitteln der Baron Hirsch-Stiftung ein Betrag von X 8136.62 verausgabt. Die Aufteilung der gegenwärtig untergebrachten Lehrlinge in den einzelnen Orten und bei verschiedenen Gewerben ist aus der nachfolgenden Zusammenstellung ersichtlich. Da durch den Freispruch eines Teiles der Lehrlinge wieder einige, wenn auch nicht bedeutende Mittel für diesen Stiftungszweck vorhanden sein werden, wird es möglich sein, auch diesen Zweig der Stiftungstätigkeit wieder in einem allerdings bescheidenen Maße aufzunehmen. Dank dem außerordentlichen Entgegenkommen des Vorstandes den „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" in Wien sind die Kosten der von dem Kuratorium untergebrachten ehemaligen Schüler der Baron Hirsch-Stiftungsschulen wesentlich geringer. Auch hat der genannte Verein sowie der „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" in Wien dem Kuratorium in Aussicht gestellt, im selbständigen, von der Stiftung abgesonderten Wirkungskreise unter gewissen Bedingungen in beschränkter Anzahl ehemalige Schüler der Baron Hirsch-Schulen bei Handwerkern unterzubringen. Desgleichen hat auch in diesem Jahre die Gutsverwaltung in Slobodka lesna Absolventen der Volksschule ausgenommen, um sie zu Landwirten heranzubilden. In einzelnen Orten, wo die Stiftung größere Gärten und Felder besitzt, wurden unsere Schüler von den Schulleitern in Gartenarbeiten unterwiesen. Außer den Ausgaben für die auf Kosten der Baron Hirsch-Stiftung s untergebrachten Lehrlinge wurden an 20 Zöglinge des Brodyer Waisen- * Hauses behufs Zuführung zum Handwerk und an 20 Handwerksr lehrlinge in der Bukowina Stipendien gewährt. Baron Nathaniel Rothschild. 69 Jahre alt ist, Baron Nathaniel Rothschild nach langem schweren Leiden verschieden. Als ältester Sohn des Barons Anselm Rothschild am 26. Oktober 1836 geboren, war Baron Nathaniel noch zu Lebzeiten seines Vaters nur kurze Zeit im Hause Rothschild aktiv tätig. Aus jener Zeit her erinnern sich noch heute die ältesten Mitglieder der Wiener Börse, den jungen Bacon regelmäßig im Börsensaale gesehen zu haben. Aber seine schon damals auftretende Krankheit ließ voraussehen, daß ihm eine aktive Teilnahme an den Geschäften des Hauses kaum beschieden sein werde. In der Tat bestimmte Baron Anselm v. Rothschild, daß nicht der ältere Sohn Nathaniel, sondern der jüngere, Baron Albert v. Rothschild, die Leitung des Hauses nach seinem Tode übernehmen solle. Baron Nathaniel blieb lediglich als stiller Gesellschafter an dem Hause beteiligt, ohne aktiven Einfluß auf die Geschäfte zu nehmen. Baron Nathaniel strebte nach anderer Betätigung. Nach zwei Richtungen hin suchte er seinem Leben Zweck und Inhalt zu geben. Das Wohltun in großem Style war das eine, die Pflege und Förderung der Kunst das andere Ziel, deren Erreichung er sich zur Lebensaufgabe machte. Baron Nathaniel stiftete das Offiziershospiz in Reichenau, ein jüdisches Hospiz in Karlsbad, das Elisabethspital in Wien, er machte Millionenspenden für die Poliklinik, für das Rothschild-Spital, er schenkte der Heilanstalt Alland ein Schloß. Das sind einige von den großen Wohltätigkeitsakten, von denen die Oeffentlichkeit erfuhr. Was aber Baron Nathaniel im Stillen getan hat, das wissen nur diejenigen, die sich an sein mildes Herz gewendet haben. Ungezählte Tausende hat er jedes Jahr den Armen und Bedürftigen gegeben. Nichts ist bezeichnender für seine Herzensgutes als die Tatsache, daß er, so oft ihm sein Hausalmosenier diese oder jene Summe als angemessen bezeichnete, den Betrag fast immer für zu gering fand und auf das Doppelte erhöhte. So übte er Wohltätigkeit in größtem Style, in der Stille noch mehr als vor den Augen der Oeffentlichkeit. Moderne Ritualmordfabrikation. In Nr. 13 der „Oesterreichischen Wochenschrift" haben wir von den Vorgängen in Zmigrod Notiz genommen, wo die Katharina Tabak das Gerücht am 19. März d. I. verbreitet hat, Juden hätten ihr Gewalt angetan und sie wäre beinahe das Opfer eines Ritualmordattentates geworden. Der Dienstgeber der Katharina Tabak machte hievon die gerichtliche Anzeige und infolge dessen wurden der 70jährige Josef Z i m e t, seine Frau, der 50jährige Sender Z i m e t, seine Frau und dessen Tochter sofort verhaftet und das Haus versiegelt. Da aber auch größere Judenexzesse zu befürchten waren, begab sich der Vizepräsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" in das Ministerium des Innern, um für die Aufrechthaltung der Ordnung Vorsorge zu treffen. Für die verhaftete Familie intervenierte der Jasloer Advokat Dr. Steinhaus. Die sorgfältigen gerichtlichen Erhebungen führten schon nach drei Tagen zur Enthaftung der beschuldigten Juden, gegen welche nunmehr auch formell die Untersuchung eingestellt worden ist. Eine ganze Reihe von christlichen Zeugen bestätigte, daß Katharina Tabak zu der von ihr angegebenen Zeit in einem weit entfernten Dorfe sich befand und daß ein solcher Ueberfall überhaupt nicht stattgefunden habe. Am 7. d. M. stand die genannte Katharina Tabak wegen jener verleumderischen Anschuldigung, beziehungsweise wegen Verbreitung falscher, beunruhigender Nachrichten vor dem Bezirksgericht in Jaslo als Angeklagte. Advokat Doktor Steinhaus intervenierte in uneigennützigster Weise für die angeschuldigten, verhaftet gewesenen Juden. Auf die Frage, wer sie zur Verbreitung ihres. Märchens verleitet hat, verweigerte die Katharina Tabak jede Auskunft.