Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 24 (15.6.1905)
- Date
- 1905-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr 24 Dr. Llocb's MocdensLdrttl. Sette 375 das Regiment die Avantgarde, heraus die Arriöregarde gehabt," wie die Geschichte meldet. Von der 1. Eskadron erreichten 43, von der 2. gar nur 27 Kombattanten in Reih und Glied die preußische Grenze. Unter solchen Verhältnissen muß die Verpflegung zu den schwersten Aufgaben des Kommandos gehört haben. Ueber die Schwierigkeiten hat der Marketender des Regiments in uneigennütziger Weise hinweggeholfen. Die genannte Regimentsgeschichte schreibt dazu: „Dem Regiment folgte ein Zülzer Israelit, namens Moser, als Marketender. (Die Worte find auch im Text der Geschichte gesperrt gedruckt.) Derselbe hatte eine sehr hübsche Schenkmamsell Namens Friederike. Er ist zur Zeit des Waffenstillstandes 1813 noch beim Regiment gewesen. Wohin er dann geraten, war dem Herausgeber nicht zu ermitteln möglich. Im Regiment hat er fich ein ehrenvolles Andenken gegründet. In bedrängten Zeiten gab er wiederholt s seine gesamten Vorräte uneigennützig hin. Sein Name hat also das vollste Recht, in der Geschichte des Reginrents ausgezeichnet zu werden." Die Zukunft des Judentums. Von Anatole Leroy-Beanlieu. . Man hat mich in Amerika gefragt: „Welchen Weg sollen die amerikanischen Juden einschlagen?" „Sind Sie ein Anhänger der Assimilation? * Welches Schicksal steht den amerikanischen Judentum bevor? Hat es eine bestimmte Mission und welche ist das? Wird es nicht schließlich ganz verschwinden, wenn es sich assimiliert?" Diese großen Fragen über die Zukunft der Juden und des Judentums sind mir schon in anderen Ländern vorgelegt worden. Und wie mißlich sie auch sind, ich habe sie nicht unbeantwortet gelassen. Auch in den Vereinigten Staaten habe ich als gewissenhafter Mensch meine ehrliche Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, wie ich sie durch die Lehren der Geschichte gewonnen habe. Dürfen die Juden sich assimilieren? Gewiß. Sie dürfen sich in Amerika und Europa mit den Völkern assimilieren, unter denen sie leben und die ihre Bürgerrechte anerkennen. Sie dürfen Amerikaner werden in Amerika, wie sie Franzosen werden in Frankreich und Engländer in England geworden find. Sie dürfen alle partikularistischen Vorurteile beiseite werfen und sich dem modernen Leben und den modernen Sitten anpassen. Aber Assimilation bedeutet noch nicht Absorption. Der Jude in den Vereinigten Staaten kann ein guter und treuer Jude bleiben. Um ein guter Bürger der Republik zu werden, braucht er nicht seinen Glauben zu verleugnen und seine Traditionen aufzugeben; im Gegenteil, er soll seinem Gotte und seiner Bibel treu bleiben. Und denen, die mich nach der Mission des amerikanischen Judentums fragten, die wissen wollten, ob das Judentum auch in der neuen Welt weiter bestehen werde und ob es fich nicht von der amerikanischen Freiheit werde auflösen lassen, gab ich eine ähnliche Antwort. Das Judentum kann nur so weiter bestehen, wie es bisher seit zwanzig Jahrhunderten bestanden hat, d. h. als Religion. Wenn also die Juden in Europa oder in Amerika nicht verschwinden wollen, dann brauchen sie nur an ihrem alten Kult und an ihrem Glauben festzuhalten. Andererseits würden auch ihre Fähigkeiten, ihre Energie und ihre Intelligenz mit ihrer Religion verschwinden, denn diese allein hat ihnen die Individualität durch die Jahrhunderte bewahrt. Die Existenz der Juden hängt noch heute, wie immer, von dem Fortbestände des Judentums ab. Und die Mission dieses Judentums scheint mir mit seiner Bibel und seinen Propheten in Verbindung zu stehen. Es ist vor allem eine religiöse und eine moralische Mission, nämlich die, die Gottesidee aufrecht zu erhalten gegenüber dem wachsenden Materialismus und dem modernen Heidentum und die beiden großen Begriffe von der Väterlichkeit Gottes und der Brüderlichkeit unter den Menschen, die dem Judentum und dem Christentum gemein sind, zu verteidigen und zu verbreiten. Mit Hilfe Gottes daran zu arbeiten, daß Gerechtigkeit und Friede regieren, das ist eine Aufgabe, die dem Ehrgeiz der Juden beider Welten vollauf genügen kann. Und bei diesem großen Werke können die Juden Europas und Amerikas auf die Mitarbeit der besten ihrer christlichen Mitbürger rechnen. Korrespondenzen. Bericht der Baron Hirsch-Stiftung. Das Kuratorium der „Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Lolksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtum Krakau und im Herzogtum Bukowina" erstattet nachstehend Beucht über die Tätigkeit dieser Stiftung im Schuljahre 1903/1904. Dem ersten im. Artikel 2 der Statuten bezeichneten Zwecke: den Kindern israelitischer Eltern im Königreiche Galizien und im Herzogtum Bukowina den Volksschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften zu gewähren, war das Kuratorium durch die Erhaltung von Volksschulen und Abendschulen zu entsprechen bestrebt. a) Volksschulen. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in den 49 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 218 Lehrern in 179 Klassen 8*98 Schüler unterrichtet, lieber die Verteilung der wirkenden Lehrkräfte, die Kosten der einzelnen Schulen, des Unterrichtes, der Bekleidung und Beköstigung enthält die am Schlüsse des Berichtes angeführte Tabelle nähere Daten. Die Frequenz in den Schulen war größtenteils sehr gut und die erzielten Resultate vollkommen zufriedenstellend. In einzelnen Orten mußten allerdings über behördliche Anordnung die Schulen infolge ausgetretener Epidemien und Feuersbrünste kürzere oder längere Zeit geschlossen werden. So war die Schule in Zloczow vom 17. September 1908 bis 27. Dezember 1903. die Schule in MonasterzySka vom 17. September 1903 bis 18. Oktober 19 3 geschlossen und wurden die Schulen während dieser Zeit den Abbrändlern zu Wohnzwecken provisorisch überlassen. Auch in den Orten Buczacz, Czernelica und Delatyn, in denen Stiftungsschulen unterhalten werden, entstanden währenddes Schuljahres große Brände, von denen jedoch die Schulhauser verschom blieben. Dagegen wurde am 26. Juli 1904 das vom Kuratorium gemietete Gebäude in Brzesko eingeäschert, so daß in Ermangelung eines anderen geeigneten Lokales die Schule im Schuljahre 1»04/1905 nicht rechtzeitig geöffnet werden konnte. Abgesehen von diesen Störungen war der Schulbesuch sehr regelmäßig und die Zahl der Schüler in den meisten Orten reckt befriedigend, wenn auch in einzelnen Gegenden noch immer zahlreiche Knaben dem Unterrichte fernblieben. Wie bereits in früheren Berichten wiederholt hervorgehoben wurd?, war seit der Gründung der Schulen unsere Aufmerksamkeit stets darauf gerichtet, daß unsere Schulen nicht bloß Unterrichtsanstalten, sondern gleichzeitig Erziehungsinstitute sein müssen. Das Kuratorium hat deshalb gegenüber den sich immer wiederholenden Wünschen einzelner Faktoren auf Einführung des Halbtagsunterrichtes an der Ablehnung festgehalten, die Lehrer vielmehr angewiesen, außer den gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen in schulfreier Zeit dem Unterricht in Handfertigkeit (Slöjd), sowie der Pflege der Jugendspiele, dem Turnunterricht und der Veranstaltung von Ausflügen ihre vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Ganzen erteilten 9 Lehrer an 8 Schulen in 15 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit, an dem insgesamt 142 Schüler telinahmen. Am Turnunterrichte nahmen 5350 Knaben, an den Jugendspielen 5272, bei Veranstaltung von Ausflügen 8417 Knaben teil. Die Tätigkeit der Lehrer und ihre Leistungen wurden sowohl seitens der staatlichen Funktionäre (k. k. Landesschulinspektor, Bezirksschulinspektor, Ortsschulrat), wie seitens der durch die Stiftung bestellten Kreisinspektoren überwacht und lauten die Berichte in überwiegender Mehrzahl außerordentlich günstig. Auch die Zahl der Schulen, welchen seitens des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht das Oeffentlichkeitsreckt verliehen wurde, ist im Berichtsjahre gestiegen, so daß heute nachstehende Schulen mit dem Oeffentlichkeitsrecht ausgestattet sind: Bohorodczany, Bojan, Boryslaw, Chrzanow. Dombrowa, Delathn, Gologory, Gwozdzier, Jezierna, Kolomea, Mielec, Monasterzyska, Obertyn, Ottynia, Rawa ruska, Sadagora, Sassow, Sniatyn, Solotwina, Stünislau, Tarnow, Tysmienica, Zablotow, Zabno, Zborow, Zloczow; 24 Schulen sind höheren und 25 niederen Typus, 31 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung, an 18 Orten wurden Schulräume gemietet. Ungeachtet der sehr bescheidenen Mittel, über welche das Kuratorium neben den zur Erfüllung vertragsmäßiger Verpflichtungen erforderlichen Beträgen verfügte, ist es gelungen, im abgelaufenen Jahre in Bursztyn einen zwar bescheidenen, aber vollkommen entsprechenden Neubau mit dem Kesamtkostenaufwande von L 18.729-04 aufzuführen; ebenso hat das Kuratorium in Rozwadow um den Betrag von L 9841.68 für Schulzwecke ein Haus gekauft, das während der Ferien adaptiert und zu Beginn des Schuljahres 1904/05 zur Verwendung gelangte. Beide Beträge konnten aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden.