Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 24 (15.6.1905)
- Date
- 1905-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 374 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 24 gestellt werden soll, und wir haben das schöne Bewußtsein, unsere Pflicht in diesem einen Falle erfüllt zu haben. Unseren zahlreichen Zwanzig Krouen-Steuerträgern wird diese. Mehrauslage jährlicher K 4.— kein unerschwingliches Opfer sein und die Steuerträger der höheren Kategorien mögen ihren Stolz dareinsetzen, für ihre armen Glaubensgenossen ein Opfer gebracht zu haben, dessen segensreiche Wirkung den kommenden Generationen zugute kommen wird, wenn „des Handwerks goldener Boden" von unseren Glaubensgenossen gezimmert, sie Alle festen Fuß fassen läßt, und unsere Widersacher verstummen macht in der gehässigen Anklage, daß wir Juden die manuelle Arbeit scheuen. Sind wir Steuerträger der Hauptstadt nur erst mit gutem Beispiele voraugegangen, so werden die Steuerträger aller anderen österreichischen Kultusgemeinden unserem Beispiele nach Möglichkeit folgen müssen, weil wir dann, aber auch nur dann, berechtigt sind, von den Gemeinden, aus welchen Lehrlinge nach Wien kommen, um in dem Vereine Aufnahme zu finden, Beiträge zu fordern für die Kinder ihrer Gemeinde. Es ist nicht gut möglich, eine genaue Ziffer anzugeben, welche dann dem gedachten Zwecke zufließen würde, wie sie aber auch sei, eines wird sie bezeugen: die von uns selbst leider viel zu wenig bekundete, von unseren Gegnern aber immer behauptete Solidarität des gesamten Judentums. Möge sie sich in diesem Falle glänzend erweisen. Aus einem Briefe des früheren amerikanischen Gesandte» in Berlin «nd Ex Präsidenten der Coruell Universität Professor Andrew White. In einem Antwortschreiben des berühmten amerikanischen Gelehrten und Diplomaten Andrew White auf verschiedene Anfragen des den Lesern dieses Blattes bereits bekannten amerikanischen Politikers Hon. Simon Wolf, der ihn u. a. über die Bedeutung einer Stelle in seiner unlängst veröffentlichten Autobiographie interpellierte, finden wir folgende allgemein interessierende Stelle: „Sie werden mir glauben, daß, indem ich die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt (Die Talmudlehrer in Rußland) lenkte, ich nur den Wunsch hegte, zu einer besseren Entwicklung des Judentums beizutragen und nicht etwa einen Vorwurf gegen dasselbe zu erheben. Gott weiß es, daß nach meiner Ansicht es eines der größten Wunder ist, daß ein Jude, gleichviel wie gut es ihm heute gehen mag, wenn er an die lange Reihe der seinem Stamme zugefügten Grausamkeiten denkt, noch an einen Christen ohne Abscheu und Haß denken kann. Die bloße Tatsache, daß Juden und Christen noch so gut zusammen fortkommen können, wie es der Fall ist, ist für mich ein Beweis für die angeborene Güte der menschlichen Natur. In Betreff Ihrer Anfragen, was amerikanische Bürger jüdischer Abstammung tun sollten, um bessere Ergebnisse in Rußland selbst zu erzielen, so weiß ich nichts besseres, als daß Sie weit und breit klare, wohl begründete Meldungen über die in Rußland gegen die Juden verübten Greuel verbreiten und sie auf jede mögliche Weise nach Rußland zurückwirken lassen. Rußland ist keineswegs so gleichgültig gegen die Meinung der Welt, wie Viele glauben, und wie man in Rußland selbst glaubte, bis man dort anfing, die Früchte der allgemeinen Verabscheuung seiner Politik in der ganzen Welt zu ernten. Alles, wozu ich raten kann, ist: lassen Sie fortgesetzt die Welt erfahren, was Rußland getan hat und was es tut, und gleichzeitig setzen Sie alles, was in Ihrer Macht steht, daran, zu verhüten, zu mildern und hoffentlich schließlich zu beseitigen die Uebelstände, welche naturgemäß aus dem Beieinanderwohnen der verfolgten Juden in unseren großen Städten entstehen. Vermehren Sie Ihre technischen Schulen und bewirken Sie so viel als möglich, daß die Leute sich in den neueren Teilen des Landes niederlassen. Was Ihre Frage anbetrifft, ob es eine Aussicht gebe, einen neuen Vertrag abzuschließen über das Aufenthaltsrecht von Amerikanern jüdischen Glaubens, so würde ich raten, den Gegenstand beständig im Auge zu behalten und mit Nachdruck die Frage zu betreiben, sobald nach Ihrer Ansicht sich eine Gelegenheit zeigt, etwas dafür zu tun. Die jetzige Zeit scheint mir so. gut dafür zu sein wie irgend eine andere. Ich muß Ihnen gestehen, daß hinsichtlich dieser Frage, die mich bereits seit lange sehr interessiert, mich nichts so sehr entmutigt hat als die Tatsache, daß die große Geldmacht, die in so bedeutendem Maße in den Händen der Juden sich befindet, mehr Rußland, den ärgsten Feind der Juden, als Japan begünstigt, das tatsächlich den Kampf für bessere Ideen und indirekt für die Emanzipation der Juden in Rußland kämpft." Abendwahlkelch nnd Ansteckungsgefahr. Die Frage betreffend die Uebertragung von Krankheitserregern, insbesondere von Tuberkelbazillen durch den Abendmahlkelch hat in der letzten Zeit mehrfach die Oeffentlichkeit beschäftigt. Um nun über die Angelegenheit ins Klare zu kommen, wurde Herr Profeffor Dr. A. Möller (Leipzig) dazu veranlaßt, im Versuchswege eine Entscheidung herbeizuführen. Eine Anzahl von Resten, die in den Abendmahlkelchen mehrerer Gemeinden nach vollendeter Feier zurückgeblieben waren, wurde auf ihren mikroskopischen Inhalt geprüft und einzelnen Versuchstieren in der üblichen Weise eingeimpft. Herr Professor Dr. Möller faßte seine Ansicht dahin zusammen, daß im allgemeinen eine Uebertragung von Tuberkulose durch den Abendmahlkelch vielleicht nur selten stattfinden dürfte. Die Möglichkeit muß also zugegeben werden. WaS von der Tuberkulose gilt, trifft auch für andere Infektionskrankheiten, so für Influenza zu, deren Bazillenkultur aus Abendmahlkelchresten gelang. Bedenkt man nun aber auch andererseits, so entwickelt Professor Möller in der Nummer 14 der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" eine Ansicht weiter, daß am Abendmahl besonders körperlich nicht mehr ganz rüstige Menschen, Rekonvaleszenten, durch Krankheit und Siechtum geschwächte Leute, besonders gerne teiknehmen, so ist die Möglichkeit von Krankheitsübertragung noch größer. Noch größer aber ist die Gefahr einer Uebertragung, wenn im Munde Wundflächen vorhanden sind, wie das ja stets zu sein pflegt. Lues und Aktinomykose sind so leicht übertragbar; ebenso Soor, Stomatitis, Angina, Aphthen. Hiernach müßte man also, wie man gemäß den gewöhnlichsten hygienischen Regeln gemeinsame Eß- und Trinkgeschirre nach dem jedesmaligen Gebrauche reinigt, auch beim Abendmahlkelch dasselbe verlangen. Während man es nicht nur für unappetitlich, sondern geradzu für gesundheitsschädigend hält, - Speise- und Getränkereste anderen zu geben, trinken beim gemeinsamen. Kelche außer dem ersten Teilnehmer alle nacheinander von dem Reste, der noch durch Brotkrummen veruneinigt ist, die dem Munde der Teilnehmer beim Trunk, bei dem ja bekanntlich immer ein kleiner Teil des Mundinhaltes in das Trinkgefäß zurückgeht, entfallen sind. Wer sich einmal einen solchen Kelch mit dem Weinrest nach gemeinsamer Benützung angesehen hat, wird sich gewiß schon aus ästhetischen Gründen für die Abschaffung des direkten Trinkens aus einem gemeinsamen Kelche entschließen. Manche Menschen nehmen am Abendmahle nicht teil, weil sie eine unüberwindliche Abneigung davor haben, mit anderen aus demselben Kelche zu trinken. Wir empfehlen diese Angelegenheit dem Wiener Gemeinderat zur geeigneten Beschlußfas s u n g. Ein jüdischer Marketender. Aus der „Geschichte des Königlich Preußischen 6. Husaren- Regiments (ehedem 2. Schlesischen). Zusammengfftellt von Ernst Graf zur Lippe-Weißenfeld, Berlin 1860 (R. Decker)" verdient eine Stelle der Vergessenheit entrissen zu werden. Das Regiment gehörte mit zu den preußischen Truppen, die 1812 zwangsweise als 27. französische Division nach Rußland ziehen mußten. Es hat unter den schwierigsten Umständen gefochten. „Herein hat