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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-15 · 24 (15.6.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
24 (15.6.1905)
Date
1905-06-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 370 Dr. Llocb's Mocbenscbritt. Nr. 24 Nun soll es wieder Frieden werden, und wieder offenbart sich die Hand des einen und einzigen Gottes. Als nach dem Blutbade von Kischenew Roosevelt, der hochherzige Präsident der Vereinigten Staaten, im Namen der Menschheit und Menschlichkeit eine Vorstellung gegen die unwürdige Behandlung der russischen Juden an den Zaren richtete, da wies der stolze Romanow diese Vorstellung mit beleidigendem Hochmut als einen Eingriff in seine Herrscherrechte zurück. Roosevelts Wort, so sagt man, erreichte nicht das Ohr des Zaren. Jetzt aber, wo die Macht dieses Zaren im Staube liegt, wo er selbst von . der Furcht um Thron und Leben geschüttelt wird, wo nur reine rasche Befriedigung des siegreichen Feindes noch Rettung verheißt — jetzt wußte Nikolaus das Ohr Roosevelts zu finden, jetzt weiß er dem mißachteten bürgerlichen Manne Dank dafür, daß er eine Aktion einleitete, die bei aller taktvollen Schonung der Empfindlichkeiten doch mehr oder weniger einen Eingriff in die Herrscherrechte des Zaren bedeutet.. Der Friede wird geschlossen werden, weil dem niedergetretenen Rußland nichts anderes übrig bleibt. Aber werden der Zar und seine Höflinge aus dem Gange der Ereignisse lernen, werden sie, verlassen von allen Heiligen, endlich erkennen, daß ihr Gott auch der Gott der Juden ist, die mit rührender Treue und Aufopferung ihre Pflichten gegen den Herrscher und das russische Vaterland erfüllen und zum Danke dafür in der unmenschlichsten Weise gemartert und gemordet werden? Wehe ihnen, wenn sie sich dieser Erkenntnis verschließen . .! Es ist eine böse Zeit — Throne wanken und Könige werden abgesetzt. _ Politischer Zionismus itufc Chilmth Zion.* ) Der VII. Kongreß steht vor der Tür, er dürfte diesmal friedlich verlaufen, daselbst wird weder von einem Ostafrika, noch von einem außerpalästinensischen Territorium gesprochen, sondern von der Besiedlung des heiligen Landes mit Juden, aber nicht mehr wie bisher im Sinne eines Charters oder anderer „Utopien"; die Beratungen werden vielmehr auf dem alten festen Boden der nüchternen Chowewe Zion gehalten werden. Gestehen wir es nur recht bescheiden ein, wir sind Chowewe Zion. Nicht etwa, daß wir unsere politischen Ziele aufgegeben hätten, denn wir alten Chowewim haben dasselbe Ziel vor Augen gehabt, wie die weiland sogenannte politische Richtung, nur haben wir die Erreichung desselben der geschichtlichen Entwicklung überlassen. Wir dachten ein im Lande die Majorität bildendes jüdisches Gemeinwesen zu bilden, das in gewissen historischen Ereignissen, wie etwa bei Einführung gewisser Länderautonomie. oder beim Uebergang des Landes in den Besitz eines anderen Staates im Namen eines solchen seine Forderungen zu stellen berechtigt wäre. Und sollte die ottomanische Regierung schon jetzt die Gemeindeautonomie einführen, so würde in Folge der großen Majorität der Juden in Jerusalem ein jüdischer Bürgermeister in der Hauptstadt unseres alten Vaterlandes funktionieren. HerA wollte dem umgekehrten Weg einschlagen, der aber, wie vorauszusehen war, mißlang, und wir stehen nun auf dem Standpunkte der Chowewe Zion. Es widerstrebt wohl so Manchem, das eiuzugestehen und man bezeichnet unser altes Kolonisationsprojekt als ein philanthropisches, wir hingegen glauben nicht umsonst Opfer gebracht zu haben, die 300.000 Franks, die Rumänien für die zwei Kolonien Sichron Jacob und Rosch Pina verausgabt hat, sind nicht verloren UKJtön ow ara bw 'Ja bj? “ianb nbv Wir haben experimentiert und Erfahrung für unsere Nachfolger gesammelt, und Erfahrung kostet Geld; die Menschen, die als Kolonisten hingingen, opferten ihre Habe und ihre Lebensexistenz für diesen Versuch, der Mut und Ausdauer erfordert, und solche Helden verdienen Unterstützung. Nur dem ist es zu verdanken, *) Dem eindringlichen Ersuchen des greisen Verfassers, seinem Appell an unsere Unabhängigkeit und Unparteilichkeit haben wir entsprochen, indem wir dem Artikel Raum in unserem Blatte gewähren, selbstverständlich ohne uns mit den Ausführungen irgendwie zu identifizieren. daß Prof. Marburg.erklären konnte, daß der Boden Palästinas und die Juden für die Gründung von Kolonien vollkommen geeignet sind. Denn jede Kolonisation setzt notwendig voraus die Gewißheit, daß der Boden. ertragfähig und daß . die Kolonisten die Fähigkeit für die Bodenkultur besitzen. Und dieses haben die Chowewe Zion in Rußland und in Rumänien zur Genüge, bewiesen, das ist ihr unbestreitbares Verdienst. Dieses wollte Herzl ignorieren, um selbst als origineller Schöpfer des Zionismus zu gelten. Ich fragte einmal Herrn Dr. Bloch in Wien, was er gegen Herzl habe, und erhielt zur Antwort: „Herzl behauptet, daß es vor Mathan Thora keine Gesetze gab. Sie werden sich wohl erinnern, als Sie, aus Paris kommend, wo Sie eine Mission in der Kolonisationsangelegenheit hatten, an einer Sitzung des Vereines Ahawas Zion in Wien mit mir teilnahmen, wo wir Ihnen eine Summe für die Kolonie Rosch Pina (G6-Ooni) mitgaben, damals als noch Herzl sein jüdisches Herz noch nicht wiedergefunden hatte." Aber trotz meiner differenten Ansicht, trotz meines (wohl nie geäußerten) Zweifels an dem Erfolg der Herzlichen Richtung machte ich den Dienst als gehorsamer Diener streng im Sinne derselben, indem ich mich der Majorität unterwarf, in der Meinuttg, diese Herren besitzen die erforderlichen Kenntnisse der Diplomatie und der Staatsökonomie, die mir, dem praktischen Arzt und Literaten, abgehen. Ich beschränkte mich daher aufs Zuwarten. i'maHn \t na rorm Das fand alles keine Gnade vor dem Herrn und ich wurde insgeheim zur Elimination verurteilt, und zwar mittels folgender Prozedur. 1. Es erging ein geheimer Erlaß an das rumänische Föderations-Komitee, meine Wahl zum dritten Kongresse zu hintertreiben. Ich erhielt eines Tages vom Letzteren als Beschluß einer ad hoc einberufenen Sitzung eine Zuschrift voller verlogener Anklagen und. Drohungen, die mit' einem Cherem. die größte Aehnlichkeit hatte. Es wurde in ganz Rumänien eine Hetze gegen mich veranstaltet, es wurde in Wort und Schrift gegen mich öffentlich geschimpft, in Jassy wurde ein Journal (,>Räsaretal JDftett") gegründet, worin berüchtigte Persönlichkeiten aus Braila und Galatz den schmutzigsten moralischen Dünger ablagerten, in Jassy beschäftigten sich Buben mit Verbreitung von Pasquillen rc. Und diesen Schmutz hielt das Aktionskomitee einer heiligen nationalen Aufgabe würdig, aber zu seinem Leidwesen erschien ich auf dem dritten Kongresse mit drei Mandaten aus Galizien. Diese wurden für den vierten hintertrieben, und ich erschien mit andern aus Galizien und der Bukowina und so ging es bis zum sechsten Kongreß, wo ich mit einem Mandate aus Amerika erschien. 2. Der Untersekretär Reich erhielt den Auftrag, mir den auf den ersten zwei Kongressen eingeräumten Ehrensitz zu verweigern, was er redlich tat. 3. An sämtliche dem Aktionskomitee gehorsamen Blätter erging der Befehl, sich mit mir in keiner Weise zu beschäftigen, weder meine Zuschriften anzunehmen, noch, von irgend. Jemand einen Bericht über meine in Wien, London und Basel, in -8 galizischen, 3 bukowinaschen und 7 rumänischen Städten, in manchen gar wiederholt im Interesse der zionistischen. Idee gehaltenen Vorträge und Reden zu veröffentlichen. Eine Klage bei Herzl— ich hielt diese Jnvektiven als von einer Unterströmung ausgehend — führte zu einer sehr erregten Korrespondenz unter uns. Auf seine gnädige Erlaubnis, bloß kurze Notizen für die „W eltimJargon" zuschreiben, schrieb ich ihm: „Das haben Sie selbst nicht geschrieben, man hat Ihnen den Brief zur Unterschrift unterschoben.Ich habe im Jargon nie geschrieben, wohl aber in hebräischer, deutscher, französischer, rumänischer und polnischer Sprache unzählige Artikel und zahlreiche Schriften verfaßt, und wenn Sie blos eine Seite von denselben lesen würden, Sie würden den Rahmen Ihres Wissens um vieles mehr erweitern, als ich aus allen Ihren Schriften zusammen. Ich stehe und falle mit dem Zionismus nicht, aber es wird Ihnen nicht gelingen, mich gleich Andern aus dem Zionismus zu verdrängen, ich bin ein älterer Zionist als Sie." Diese Geschehnisse befreiten mich von aller Rücksicht- und ich äußerte unverhüllt meine Meinung in den mir zur Verfügung

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