Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 864 Dr. Mocb's Mocbenscvrm. Nr 33 Wie«. (Zur Schächtfrage.) Der Verein der jüdischen Fleischhauer Wiens hielt am Sonntag den 28. Mai in Guth's Hotel eine gutbesuchte Versammlung ab, die über das Schächtverbot beraten sollte. Da jedoch mittlerweile dieses Verbot seitens der Statthalterei sistiert worden war, begnügte sich der Vorsitzende Herr Siegmund Kornmehl damit, der Versammlung dies mitzuteilen und sie aufzufordern, vom wirtschaftlichen Standpunkte die Sache zu besprechen, was auch durch mehrere Herren in ausführlichem Maße geschah. Nach Besprechung einiger interner Angelegenheiten wurde ein Antrag zum Beschlüsse erhoben, dahingchend, der Verein der jüdischen Fleischhauer habe sich mit dem Kultusvorstande ins Einvernehmen zu setzen, damit dieser strenge darauf achte, daß die Wiener Koscher-Fleischselcher nur Fleisch von geschachteten Tieren für ihre Zwecke benützen dürfen. Nach anderthalbstündiger Dauer schloß die Versammlung, Wi?« Am 1. Schewuostage vollendet Herr Bethausvorsteher Adolf S t i a ß n y sein 80. Lebensjahr und gleichzeitig das 40. Jahr seiner Wirksamkeit als Bethausvorsteher. Wie». (Spende.) Für die Hinterbliebenen der unglücklichen Opfer von Schitomir sind uns unter „Ungenannt aus Brünn" X 5 03, von Herrn Massin H ahn in Karbitz X 10.— zugekommen. Wie«. In besonders feierlicher Weise fand am Sonntag im Brigittenauer Tempel die Trau ng des Bauunternehmers Herrn Isidor Wünsch, Sohn des Tempelvorstehers Herrn Josef Wünsch, mit Frl. Ernestine Adler, Tochter des Herrn Samuel Adler, statt, und war das Gotteshaus aus diesem Anlasse siMich dekoriert, mit Guirlanden geschmückt und überaus zahlreich besucht. Nach dem Ma-Towu und Muepa-Gebete wurde ein deutsches Lied von Oberkantor Basier unter .Harfen- und Harmonium-Begleitung eindracksvollst vorgetragen, der Trauungsakt wurde von Herrn Rabbiner Dr. Bach unter Assistenz des Herrn Rabbiner Dr. Abeles weihevollst vollzogen, welch' Letzterer den Segen erteilte. Die große Beteiligung von Hochzeitsgästen war ein beredtes Zeugnis für die Popularität des Herrn Josef Wünsch, der als eifriger Tempelvorsteher und opferwilliger Philanthrop sich allgemeiner Sympathien erfreut —u. Brün«. Herr Religionsprosessor Dr. S t e i n h a r t hat sich mit Fräulein Bertha Sonnenschein, Tochter des Herrn Philipp Sonnenschein in Stadt-Liebau, verlobt. Pohrlitz Mittwoch den 31. Mai d. I. verschied hier Herr Jakob Schnabl, Vater des Herrn Dr. Isidor Schnabl, Kultusvorsteher in Wien und Schwiegervater des verstorbenen Rabbiners und Religionsinspektors der israelitischen Kultusgemeinde Wien Herrn Dr. Jonathan Wolf. Der Verblichene zählte zu den angesehensten und ältesten Mitgliedern unserer Gemeinde, in welcher er schon vor mehreren Jahrzehnten hervorragende Ehrenämter bekleidete. Ein lauterer, tadelloser Charakter, warmer Sinn für jüdisches Leben und die Traditionen unserer Religion, sowie ein vornehmes, dabei bescheidenes und schlichtes Wesen zeichneten den Verstorbenen aus, der sich darum in den weitesten Kreisen der hiesigen Bevölkerung der größten Hochachtung erfreute, die auch bei dem Leichenbegängnisse des Verblichenen zum Ausdruck kamen. Unter außerordentlicher Beteiligung fand dieses Donnerstag den 1. Juni d. I. nach dem hierortigen Friedhofe statt, wo Ehrwürden Rabbiner Josua Weiß dem Verstorbenen einen längeren Nachruf hielt. Am offenen Grabe richtete Herr Dr. Isidor Schnabl namens der Kinder, die in dem Heimgegangenen einen überaus fürsorglichen und zärtlichen Vater betrauern, ergreifende Worte des Abschieds an den Verewigten. Die kantoralen Funktionen besorgte Herr Oberkantor E. Roth unter Mitwirkung von Mitgliedern des Männergesangvereines „Frohsinn" in vorzüglicher Weise. Aus Anlaß dieses Leichenbegängniffes wurden als Kranzablösungsspenden unserer Kultusgemeinde für fromme und wohltätige Werke gewidmet: Von Familie Fanni Schnabl 10 X; Dr. Wolf, Brünn 20 X; Familie Jakob Schnabl 50 K; Dr. Kiraly 10 K; Familie der fei. Frau Amalie Bachrach 20 K; Julius Feiwel 10 X; Dr. Emil Kohn 10 K; Sigmund S. Schnabl 10 K; Albert Nassau 10 K; Dr. Moriz Schnabl 10 K; Ludwig Schnabl 10 X; Moriz S. Schnabl 5 X; Eduard Brunner 5 X. Zusammen 180 X. Krakau. (Konstituierung des israelitischen Kultusvorstandes.) Zum Präsidenten der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wurde Herr Dr. Sam. T i l l e r, zum ersten Vizepräsidenten Herr Dr. Rafael Landau, zum zweiten Vizepräsidenten der Großkaufmann Herr Abr. Margulies, einer der rührigsten Kultusräte, gewählt. In das Statutenkomitee: Jsak Birnbaum, Dr. Goldwasser und S. Pelz. Budapest. Das amtliche Blatt verlautbart eine Ernennung, die weit über die Grenzen Ungarns in Gelehrtenkreisen große Aufmerksamkeit erwecken wird. Der berühmte Orientalist Dr. Ignaz Goldziher, der bisher nur Titel und Charakter eines ordentlichen Professors erhalten, wurde zum ordentlichen Professor der semitischen Sprache und Literatur mit den systemmäßigen Bezügen an der Budapester Universität ernannt. Przemysl. Allgemeine Begeisterung herrscht hier über die glücklich vollzogene Rabbinerwahl. Herr Rabbiner Gedalja Schmelkes, derzeit in Kolomea, wurde als Rabbiner hieher berufen. Der neue Rabbiner ist ein Sohn unserer Stadt, ebenso hervorragend als Talmudist wie als Mann der Wissenschaft. Wir beglückwünschen die Gemeinde zu dieser Wahl. Ruttka. Der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde hat mit Rücksicht auf das große Elend, in welchem sich unsere Glaubensgenossen in Rußland befinden, und infolge' des Auf- .rufes der „Israelitischen Allianz" zu Wien ein Rundschreiben an sämtliche Mitglieder der Gemeinde gerichtet, sich an der eröffneten Spendensammlung zu beteiligen. Der bis jetzt eingegangene Betrag von 135 Kronen wurde der „Israelitischen Allianz" überwiesen. Mit Genugtuung können wir konstatieren, daß in unserer kleinen Gemeinde trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse sich fast alle Mitglieder sofort bereit gefunden haben, ihr Scherflein beizutragen, um das von der „Allianz" geleitete Hilfswerk zu fördern. Budapest. Am 17. v. M. fand für den verewigten Rabbiner der Pester Religionsgemeinde, Dr. M. K'ayserling, der auch langjähriges Mitglied der leitenden Kommission der Landesrabbinerschule war, im Bethause des genannten Institutes eine Gedenkfeier statt. Erschienen waren die Vertreter der Gemeinde, des Rabbinats, der Chewra-Kadischa, der Professorenkorps, die Familienangehörigen des Verblichenen rc. Das Minchagebet trug Oberkantor Prof. Lazarus vor. Die Gedenkrede hielt Rabbinatskandidat Dr. Moses Richtmann, der in beredten Worten die Bedeutung dieses Großen in Israel schilderte. Triest. In Mailand wurde Dr. Lazarus Frizzi zum Präsidenten der sanitären Einrichtungen der Stadtvom Stadtrat gewählt. — In Turin erhielt an der Universität Dr. Marius Donati eine Privatdozentur für praktische Chirurgie. — In Padua heiratete eine Komtesse und ein Generalstabshauptmann. Die Braut ist die Komtesse Corinaldi, der Bräutigam, der Sohn eines Artillerieobersten, heißt Roberto Legrs, beide Juden. — Der Oberrabbiner von Turin, Bolaffio, wurde vom König von Italien zum Ritter der italienischen Krone ernannt. — In Venedig wurde die Verwaltung der Polizei dem jüdischen Advokaten Rava übertragen. Bern. Fräulein vr. meä. Sophie Getzowa aus Nowogrudok (Rußland) ist zum ersten Assistenten am anatomischen Institut der hiesigen Universität ernannt worden. Kchenmos. Bon S. Frug, übersetzt von Malwina Blumberg. I. Gestern fuhr ich auf's Land. Ungeachtet des kühlen Wetters bringe ich vom Anfang des Monats Siwan den Sommer immer auf dem Lande zu. Sobald unser Planet in das Zeichen der Zwillinge tritt, beginnt es mich plötzlich ins „rauschende Grün" zu locken,- in „der alten Bäume Schatten — wo Hirsche grasen auf grünenden Matten..." Nachdem ich nach langen „Schales — utschuwos“ (Fragen und Antworten) endlich das kostbare Recht erhalten habe, jenseits der „Xore choschoh“ (der dunklen Berge), die nicht im Ansiedlungsrayon liegen, zu wohnen, und nachdem ich