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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Dlocb's Mocbenscbritt. Seite 363 jährigen Tätigkeit als Schriftführer zum Ehrenmitglied ernannt. Bei der konstituierenden Versammlung wurden die Herren I. Perlitz als Obmann, Gabr. Lieben, Obmannstellvertreter und Kassier wiedergewählt. Prag. Bei den im zweiten Wahlkörper der israel. Kultusgemeinde-Repräsentanz in Prag vorgenommeuen Wahlen wurden gewählt: Juwelier Ernst Busch, kais. Rat Siegmund H a u r o w i tz und Dozent Dr. Wilhelm Fischet. Im ersten Wahlkörper wurden gewählt: Dr. Arnold Rosenbacher, Dr. Markus Fischer, Kommerzialrat Richard E l b o g e n und Dr. K o h n e r. „Jüdischer Christenhaß". Folgende traurige, aber wahrheitsgetreue Begebenheit möge die Antisemiten auch eines Bessern belehren, wie sehr der Jude die Pflicht der Nächstenliebe ohne Unterschied des Glaubens heilig hält, und sogar sein eigenes Leben nicht schont, um das eines Christen zu retten, der in der Todesgefahr schwebt: In Zborow, einem Städtchen Ostgaliziens, fuhr ein Bauer in den dortigen, sich befindlichen großen Teich mit einem Wagen und ein Paar Pferden in die Schwemme. Derselbe kam aus Unvorsichtigkeit an eine Stelle, wo ihn eine bodenlose Tiefe des Wassers erfaßte und er in derselben versank. Dieses erblickte em Jude, ein Familienvater, der, sein eigenes Leben nicht schonend, sich ins Wasser stürzte, um ein fremdes Menschenleben zu retten, und leider selbst in der Tiefe des Teiches sein eigenes kühles Grab fand. Um diesen Unglücklichen trauert ein Weib mit zwei Kindern, die ihren Ernährer und Brotgeber verloren. — Welche Konsequenz werden der Judenfresser Schneider und Konsorten von dieser freiwilligen Aufopferung eines Juden für seinen andersgläubigen Nächsten ziehen? M. Markstein. Der neue Bürgermeister von Czerrrowitz. Vorige Woche fand im festlich geschmückten Rathaussaale zu Czernowitz die Angelobung des neugewählten Bürgermeisters, Regierungsrat Eduard Reiß, vor dem versammelten Gemeinderate durch den Landespräsidenten Ritter v. Bleyleben statt. In Erwiderung auf die Ansprache des Landespräsidenten, welcher die wichtigsten Aufgaben der Stadtverwaltung berührte und das friedliche Zusammenwirken aller im Gemeinderate vertretenen Nationen und Konfessionen zum Wohle der Stadt hervorhob, dankte der Bürgermeister für die allergnädigste Bestätigung seiner Wahl und versicherte die Bevölkerung und die Regierung, daß er seine Pflichten genau erfüllen werde. Der Bürgermeister schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Breslau. Am 19. v. M. feierte Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Fest seiner silbernen Hochzeit. Der Vorstand der Gemeinde überreichte ein paar prächtige silberne Leuchter und die israelitische Krankenverpflegungsanstalt einen Tafelaufsatz. Prachtvolle Geschenke und Blumenspenden wurden von Vereinen und Gemeindemitgliedern überreicht. Sämtliche jüdischen Vereine hatten ihre Vertreter gesandt, um dem Jubelpaare ihre Glückwünsche zu Überbringern Auch viele Vereine, die allgemeine Bestrebungen zum Ziele haben, waren vertreten. Auch eine Abordnung der Schulkinder unter Führung des Lehrerkollegiums war erschienen. Rabbiner Dr. Deutsch hielt eine Ansprache. Rabbiner Dr. Rosenthal antwortete allen Rednern in warmen und herzlichen Worten. Eine synagogale Feier am Sonnabend schloß das schön verlaufene Fest. München. Seit einiger Zeit besteht hier, Baaderstraße 3/t, ein israelitisches Kinderheim, wo israelitische kleine Kinder in Pflege sind von 8—12 und von 2—4 Uhr. Vorsteherin ist Frau Dr. Merzbacher, Witwe des rühmlichst bekannten seligen Herrn Dr. Eugen Merzbacher, Numismatiker, langjähriger und verdienstvoller erster Vorsteher der Religionsgesellschaft Ohel Jacob. Die älteste Tochter ist täglich bemüht mit den Kleinen. Außerdem sind noch 5 andere junge Damen abwechselnd ihr zur Seite. Dadurch ist es den ärmeren Frauen möglich, einem Erwerb nachzugehen, und so wirkt diese Einrichtung doppelt segensreich, Elisa Bloch. Jüngst wurde in Paris Elisa Block, eine Künstlerin, zu Grabe getragen, die zwar nicht unter den Höchsten ihres Faches glänzte, doch durch eine stattliche Zahl vortrefflicher Arbeiten sich allgemeinere Anerkennung erworben hat. Sie war eine Schülerin von Ehapu und hat eine Reihe größerer Monumente geschaffen, deren letztes der in Levallois-Perret zur Aufstellung gelangte Gedenkstein für die am Tschadsee gefallenen Offiziere ist. Unter den losen Büsten, die Frau Bloch modelliert hat, seien hier nur genannt: die Adrienne Lecouvreur für die Comedie Fran?aise, der Marschall d'Estrees, die weltbekannte Markedenterin, die im Kriege 1870/71 wichtige Depeschen verschluckt hat, um sie nicht in Feindeshand gelangen zu lassen (für das Armeemuseum), der König von Portugal, der General v. Galliffet, der Assyriologe Julius Oppert und der Astronom Camille Flammarion. Ihre bekannteste Leistung war der „Moses mit den Gesetzestafeln", eine Bronze (von Barbedienne vielfach gegossen). Frau Bloch, die übrigens auch journalistisch tätig gewesen ist, auf dem Gebiete der Frauenfrage, war Ot'ücier de l’Instruction publique und Inhaberin vieler ausländischer Orden. Eine „Lazarus-Straße". Bei Leipzig in A l t - S ch ön e fe ld' hat die frisiere Wiesenstraße, die auf dem Gelände entstanden war, welches dem Geh. Regierungsrat Professor Dr. M. Lazarus gehörte, dem Philosophen zu Ehren den Namen Lazarus-Straße erhalten. Wir können uns umsomehr dieser verdienten Ehrung unseres großen Glaubensgenossen freuen, wenn wir wissen, daß er dort auf seinem bescheidenen idyllischen Landsitz, welcher damals noch von einem kleinen Park begrenzt war, nicht nur den III. Band des „Leben der Seele" in dritter Anflage herausgegeben, die „Idealen Fragen" zum größten Teil verfaßt, sondern daß die Reden über Juden und Judentum (Treu und Frei) dort gesammelt und bearbeitet worden find. Ein Werk aber, das uns Juden nicht nur, sondern allen denkenden Lesern, denen die Bibel immer noch das „Buch der Bücher" ist, in Diktion und Gedankengehalt als ein wahrhaft klassisches erscheinen muß: der „Prophet I e r e m i a s", ist völlig im Schönefelder Landsitz entstanden, und — der erste Band der Ethik des Judentums. Mit unendlichem Fleiß saß der Gelehrte von früh bis spät an diesem letzten großen Werk und sinnend über ewige Menschheitsfragen und das Schicksal seines Volkes, haftete der Blick des Denkers auf den Bäumen der Straße, die nun seinen Namen trägt. Vermischtes. Wien. Am 11. d. M. findet die Verlobung des Fräuleins Elsa Hacker, Tochter des Herrn Edmund Hacker, Chef der En gros- Nürnberger Firma M. Hacker's Söhne, mit Herrn Moritz Herr mann statt. An demselben Tage feiert der Gesellschafter obiger Firma Herr Rudolf Hacker seine silberne Hochzeit mit seiner Frau Jda, geb. P o l l a k. Aus Anlaß dieser Doppelfeier erhielten wir den Betrag von K 10.— als Spende für die armen russischen Juden. Wiem. Sonntag den 11. d. M. findet die Verlobung des Fräulein Rosa Glücksmann, Tochter des Kartonnagewarenfabrikanten M. G l ü ck s m a n n, mit Herrn Siegfried Weiler statt. Wien. (Die amerikanischen Juden in Rußland.) Aus New-Aork wird berichtet: Der amerikanische Botschafter in Petersburg, Lengerke-Meyer, teilt offiziell mit, daß das neue russische Paßgesetz auch den Israeliten, die amerikanische Bürger sind, den Aufenthalt in Rußland gestattet, was zu erreichen einen 25jährigen Kampf gekostet hat. Wien. Wir machen unsere Leser auf eine Beilage zu der heutigen Nummer unseres Blattes aufmerksam, welche vom „Akademischen Verlag für Kunst und Wissenschaft in Wien und Leipzig" ausgeht. Die „Monumenta Judaica“ von August Wünsche, Jörg Lanz-Liebenf e l s und Moritz A l t s ch ü l e r bilden ein Unternehmen dieses Verlages, welches für jüdische Theologen sowohl, als auch für alle Freunde der jüdischen Wissenschaft und Literatur von dem bedeutsamsten Interesse ist. Sowohl Kennern des Talmud, als auch solchen, welche in seinem Wiffensgebiet sich erst heimisch machen wollen, ist dieses Werk wärmstens zu empfehlen.

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