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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 362 Dr. Dlocb's MocbenscbrLtt. Nr. 23 einen Nachruf und der Sarg wurde in das Beth-Hamidrasch gebracht, wo Herr Lektor Friedmann dem Heimgegangenen Kollegen Abschiedsworte widmete. In der Leichenhalle des Zentralfriedhofes hatten Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Dr. Schmied! das segensreiche Lebensbild des großen Gelehrten vor der Trauerversammlung geschildert und am Grabe hielt ein Familienangehöriger, Herr Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz, dem verehrten Familienoberhaupt rührende Worte des Dankes und des Abschiedes. Wüstes vom Herrn Wüst. (Aus dem „Prager' Tagblatt".) Der antisemitische Landtagsabgeordnete W ü st hat im böhmischen Landtage folgende Interpellation eingebracht: „Im Laufe der letzten Jahre ereignete es sich, daß die hohe k. k. Statthalterei mehreren Ansuchen von Juden behufs Namensänderungen stattgab. So wurde auch einmal aus dem Träger des Namens Ochs ein Osthof, aus Abeles ein Albert, aus einem Kohn ein Kolbert, aus Löwy ein Lönhardt und jetzt wieder wurde dem Juden Moritz Abeles, Inhaber der Firma Moritz Abeles in Prag, bewilligt, daß er seinen bisherigen Namen ablegen und den Namen Arndt führen darf. Dies Vorgehen halten die Gefertigten als eine Beleidigung jener Familien, deren Träger des Namens in Ehren oft Jahrhunderte bestehen, einzelne Namen wie z. B. Arndt der gesamten deutschen Nation angehören und nun auf einmal durch Juden herabgesetzt werden. Würde der Name den betreffenden jüdischen Gesuchsteller nicht selbst aneckeln, so hätte derselbe keinen Grund, der Welt seinen ursprünglichen Namen vorzuenthalten; geschieht dies aus geschäftlichen Gründen, um durch Namensänderung der Welt den Juden zu verbergen, so ist diese Täuschung jedenfalls unstatthaft. Nachdem die in Ehren grau gewordenen christlichen Familien nicht dulden können, daß ein Jude ihren Namen willkürlich annimmt und dadurch die christlichen Träger des Namens in der Oeffentlichkeit herabgesetzt werden, so gestatten sich die Gefertigten die Anfrage: „Was gedenken Se. Exzellenz in Zukunft zu tun, um derartiges Ansuchen der Juden zu verhindern?". Bekanntlich ist die Namengebung der Juden in Oesterreich zu einer Zeit erfolgt, als an eine Emanzipation noch nicht zu denken war und es den Männern, die im Ghetto wohnen und sich durch einen gelben Fleck kenntlich machen mußten, gleichgiltig sein konnte, welchen Namen sie wählen oder welcher ihnen etwa von einem boshaften Bezirksamtmanne verliehen wurde. Wenn die Juden heute ihre auffälligen Namen durch besserklingende zu vertauschen suchen, um den äußerlichen Unterschied von allen anderen Staatsbürgern, die ihre Konfession nicht schon durch den Namen verraten, auftuheben, so kann man ihnen das nicht verübeln. Es ist Geschmacksache. Der Name Torquato Tasso bedeutet: Angeketteter Dachs; Dante heißt Hirschfell, Boccaccio — Großmaul, Bramante — Winseler und diese Berühmtheiten haben nicht daran gedacht, ihren Namen zu ändern, sondern waren bemüht, ihn berühmt zu machen. Herrn Wüst fehlt jedoch wohl die Legitimation zu seiner Anfrage, da es noch keinem Juden eingefallen ist, den Namen dieses Herrn anzunehmen. Herr Wüst sollte übrigens, wenn er im heiligen Namen des Deutschtums interpelliert, erst deutsch lernen und nicht solchen Unsinn schreiben wie: „deren Träger des Namens in Ehren oft Jahrhunderte bestehen" oder: „die in Ehren grau gewordenen christlichen Familien". Auch schreibt man „ekeln" nicht mit ck. — Bezeichnend ist, daß die Mehrzahl jener Abgeordneten, die Herrn Wüsts Interpellation unterschrieben haben, Agrarier sind, ein verheißungsvoller Anfang für die politische Betätigung der neuen Partei. Prag. Dienstag den 16. Mai fand in Prag unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Rosenbacher-Prag der Delegiertentag des „Gemeindebundes der isr. Kultusgemeinden Böhmens" statt, bei welchem folgende Gemeinden vertreten waren: Franzensbad, Austra, Dr. Max Löbl; Pilsen, Josef Hoftnann; Beneschau, Moritz Steindler; Reichenberg, Dr. Schnürmacher; Böhm.-Brod, Dr. Dux; Weinberge, I. Bayer; Münchengrätz, Gustav Stroß, kais. Rat Falkowicz; Komotau, W. Komarek; Teplitz, Steinwald; Hermanmestec, Dr. Ludwig Pik-Prag; Horowitz, Julius Bondy; Mühlhauscn-Rakonitz, Dr. Ad. Oppenheim; Jistebnitz-Breznitz, Dr. Rosenbaum; Nachod, Dr. Bendiner; Smichov, Grab; Eger, Dr. Kohner; Kolin, Kohljanowitz, Dr. Podvinec; Karlsbad, Moser; Karolinental, Dr. Porges; Böhm.-Leipa, Dr. Oesterreicher. Nach Erstattung des Berichtes, der sich mit der Wanderbettelfrage, verschiedenen Verwaltungsfragen und den Vorarbeiten eines selbständigen Pensionsinstitutes für sämtliche Funktionäre der Kultusgemeinden beschäftigt, wird über die letztere Frage eingehende Debatte geführt. Allseits wurde die Notwendigkeit einer derartigen Institution betont, jedoch derzeit die Gründung mangels der nötigen Kapitalien für nicht möglich gehalten. Es wurde dann ein Komitee gewählt, das sich mit dieser Frage beschäftigen und dem nächsten Delegiertentag Bericht erstatten soll. Israelitischer Nächstenliebeverein. Unter dem Vorsitze des Direktors Herrn Dr. Ludwig Bendiener fand im Altstädter Nathause die 64. Generalversammlung des Vereines statt. Herr Dr. Bendiener gab zunächst der Trauer für die im Vorjahre verstorbenen Mitglieder Ausdruck und gedachte insbesondere des Schriftstellers S. Kohn, welcher durch volle 43 Jahre als Revisor fungiert hatte, ferner des in Sachsen verstorbenen Herrn M. Oppenheim, welcher dem Verein das namhafte Legat von 20.« 00 Kronen gewidmet hat und dafür lediglich den Wunsch aussprach, daß die mit den Zinsen Beteilten an seinem Geburtslage seiner im stillen Gebete gedenken mögen. Den« vom Sekretär Herrn Dr. Julius Duschenes zur Verlesung gelangten Geschäftsberichte ist zu entnehmen: Die Einnahmen des Vereines beliefen sich im Jahre 1904 an Jahresbeiträgen X 4937*50, an Spenden in Barem X 29.120*57, an Interessen X 15.638 08, an Spenden zum Fonde X 22.000 u. s. w. Dagegen wurden verausgabt für Unterstützungen an 1619 Personen X 3« .586*50, für religiöse Funktionen K 1428*88, Gehalte und Pension K 1700, Erbgebühr K 1656*64 u. s. w. Der Vermögensstand des Vereines belief sich am Jahresschlüsse auf K 406.240*39, und ein Vermögenszuwachs gegen das Vorjahr von 31.504*75. Von Spenden sind außer dem oberwähnten Legate des Herrn Max Oppenheim hervorzuheben: Die Spenden der Frauen Berta und Kamilla Petschek zum Andenken an ihren Vater Herrn Dr. Natan Robitschek per X 10.000, von Herrn Adolf Hahn X 2400, Legat des Herrn kaiserl. Rates Beer X 2000, Jakob Edler von Dormitzer X 200 ', nach Herrn Dr. Eger X 1800, der Hinterbliebenen. nach Herrn kaiserl. Rat Seligman Elbogen 8000 Kronen, Herrn Dr. Moritz Lichtenstern X 2000, Alois Frankl X 2000, nach Herrn Bernhard Perlsee X 2000 u. s. w. Obgleich das Vermögen einen bedeutenden Zuwachs ausweist, wurde konstatiert, daß dies nur eine Folge der Widmungen zum Fonde ist, während die Vereinsleitung bestrebt war, die Einnahmen den verschämten Armen zuzuwenden und keineswegs einen Vermögenszuwachs eintreten zu lasten, was auch daraus hervorgeht, daß das disponible Vermögen zum Jahresschlüsse von rund X 12.000*88 auf X 8756 63 gesunken ist, daher eine Verminderung von X 3325*25 stattfand. Der Geschäftsbericht wurde einstimmig genehmigt; der Vorsitzende Herr Dr. Bendiener bemerkte hiezu, daß in der Gemeinde infolge der Initiative der Herrn M. Schick (großer Beifall), das Armenwesen reorganisiert wurde und sich viele Frauen und Herren dem Amte von Pflegern und Pflegerinnen unterziehen und daß die Armenpflege in der Prager Kultusgemeinde einen außerordentlichen Fortschritt aufweist. Der Nächstenliebeverein unterstütze diese Bestrebungen nach Kräften und halte sich insbesondere vor Augen, verschämte Arme vor Verzweiflung, vor Not und Elend zu bewahren, und könne auf viele Erfolge in dieser Beziehung Hinweisen. Hiebei wurden noch insbesondere die Verdienste des Obmannes der Armenkommission Herrn Gottlieb Schmelkes unter großem Beifalle hervorgehoben. Herr Ludwig Deutsch stellte hierauf den Antrag, dem Direktor Herrn Dr. Ludwig Bendiener für die aufopfernde Leitung des Vereines und die erzielten Erfolge den Dank auszudrücken, was unter großem Beifalle ausgenommen wurde. Bei den Ergänzungswahlen wurden die Herren Ernst Busch, Heinrich Denhof, Dr. Julius Duschenes, kaiserl. Rat Moritz Hahn, Dr. Sigmund Schneider und Sigmund Waldstein wieder- und Herr Alfred Pollak neugewählt und als Revisoren die Herren Alfred Bondy und David Troller wieder- und Herr Willibald Hirsch neugewählt. Prag. Unter ' den vielen Humanitäts- und Wohltätigkeits- Vereinen, die hier vielseitig woltätig wirken, ist der „Verein zur Beschaffung von Passahbedürfnissen" der einzige, welcher es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an streng rituell bereiteten Mazzos durch wöchentliche Einzahlungen zu besorgen. Dieser Verein hat am 28. v. M. seine Generalversammlung unter Vorsitz der Obmannes Herrn I. Perlitz abgehalten. Der vom Kassier Herrn Gabr. Lieben verlesene Kassa- und Geschäftsbericht, demzufolge der Verein heuer 141 Mitglieder zählte, wurde ohne Debatte genehmigt. Die statutengemäß aus dem Vorstande scheidenden Mitglieder Herr Hugo Eckstein, I. Kornführer, I. Stern wurden mil Stimmeneinhelligkeit als solche wieder- und Herr Bernard Guttmann neugewählt. Ebenso wurden die Herren: Simon Dewidels, S. Knina und JUDr. N. L. Kohner als Rechnungsrevisoren des Vereins wiedergewählt. Ueber Antrag des Obmanns wurde Herr I. Kornführer in Würdigung seiner lang-

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