Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Dlocb s MocbenscvrLN< Teile 361 empfiehlt deswegen eine unmittelbare persönliche Propaganda in« den einzelnen Bezirken. H Vereinsmitglied Herr Fuchs empfiehlt, allen Steuer-A trägern der Kultusgemeinde Mitgliedskarten der „Israelitischen» Allianz" und Posterlagscheine zuzusenden. D Der Bericht wird sodann einstimmig genehmigt und dem '■ J Vorstand das Absolutorium erteilt. Die austretenden Vorstands- Mitglieder Em. Baumgarten, Emil Horner, Dr. Arthur K u r a n d a, Bernhard P o l l a k, Jul. Reitlinger nahezu einstimmig wiedergewählt. Herr Rabbiner Dr. David beantragt, der Vereinsl«ütung für ihre hingebende segensreiche Tätigkeit im Dienste unserer unglücklichen Glaubensgenossen, ebenso dem Vereinssekretär Herrn Dr. Kaminka für seine außerordentlichen und ersprießlichen Leistungen den Dank der Generalversammlung auszusprechen.1 Architekt Oscar Marmorek verwahrt sich dagegen, daß der Dank für die Vereinsleitung mit einem solchen für den Sekretär verquickt wird. „Während wir in Anerkennung der Verdienste des Vorstandes ungeteilter Meinung sind, herrschen in sehr vielen und wichtigen Kreisen über das Wirken des Sekretärs Herrn Dr. Kaminka erhebliche andere Anschauungen und Auffassungen. Wir können darum einen solchen Antrag nicht ohne Widerspruch hinnehmen. Man sollte die Generalversammlung, die ruhig und ohne oppositionelle Störungen verlaufen ist, nicht mit einem grellen Mißton schließen. Es wäre darum von einer Abstimmung über den Antrag abzusehen." Der Vorsitzende, Herr Dr. Alfred Stern, dankt zunächst allen Rednern für die dem Präsidium und der Vereinsleitung gewidmeten Worte der Anerkennung. Die Wirksamkeit aber des Vereinssekretärs zu beurteilen, ist zunächst und vor Allem der Vereinsvorstand in der Lage, der ihn bei der Arbeit sieht. „Wir, die wir Zeugen seiner Tätigkeit sind, haben alle Ursache, mit ihr zufrieden zu sein", sagt der Präsident ^und erklärt sod'ann die Generalversammlung für geschlossen. Ein antisemitischer Stationsvorstand. In der „Deutschen Zeitung" vom 4. d. M. erschien folgendes Inserat: Sommerfrische Seebenstein mit neuerrichtetem großartigen Flußbade, romantische geschützte Lage, sind Sommerwohnungen nach Wunsch, für christliche Familien zu vermieten. Nähere Auskunft erteilt der Verschönerungsverein und die Gemeindevorstehung, sowie auch der Stationsvorstand in Seebenstein. Der Fall, daß ein ganzer Ort antisemitisch durchseucht ist und nur auf christliche Sommerfrischler reflektiert, ist ja nicht mehr selten, und wenn die Seebensteiner Bauern mit ihrem Verschönerungsverein auf die Gesellschaft der Wiener Rassenantisemiten reflektieren, so ist dagegen nichts weiter einzuwenden. Es fällt ohnehin seit Jahren keiner jüdischen Familie mehr ein, den Sommer in Seebenstein zu verbringen. Dagegen muß in allem Ernste die Frage aufgeworfen werden, wie der Stationsvorstand von Seebenstein dazukommt, die antisemitischen Neigungen der dortigen Bevölkerung durch die Erteilung von Auskünften zu befördern. Seebenstein liegt an der Eisenbahnlinie Wien— Aspang. Eine Transportgesellschaft hat keinerlei Politik zu treiben und darf weder philonoch antisemitisch sein. Die Eisenbahn Wien—Aspang hat dazu umsoweniger Ursache, als ihr auch die Schneebergbahn gehört, ein Unternehmen, das ohnehin nicht besonders günstig steht und durch den Wegfall jüdischer Ausflügler gewiß arg geschädigt würde. Wir hoffen, daß die Verwaltung der Eisenbahn Wien— Aspang von den antisemitischen Allüren ihres Seebensteiner Stationsvorstandes bisher keine Kenntnis hatte und daß diese öffentliche Anzeige genügt, um sie zu veranlassen, dem erwähnten Herrn seinen Pflichtenkreis klarzumachen. Antisemitische Geographie. Das „Deutsche Volksblatt" hat sich für das Eiddedcn inCkuari einen eigenen Berichterstatter geleistet und der Mann hat, wie aus seinem aus Konstantinopel datierten sehr anschaulichen Bericht > hervorgeht, die Stätte des Schreckens sehr eingehend besichtigt. Nach seiner drastischen Schilderung hat er dort ganz schauderhafte Dinge gesehen. Man höre nur: Man sieht die Einwohner im Freien in Zelten kampieren. Dann „sieht man ein großes Zelt aufgerichtet, über dem eine weiße Flagge mit rotem Halbmonde — das türkische Rote Kreuz I— weht, ein Zeichen, daß hier Verwundete gepflegt werden". Dann weiter: „Der breiten Hauptstraße, die vom Landungsplätze nach dem Bulgurlu hinaufführt, geradeaus folgend, begegnet man vielen Leichenzügen — gleichfalls Opfer der Erdbebenkatastrophe, deren Welt über hundert gezählt werden. Der Spaziergang durch die Straßen der Stadt ist geradezu lebensgefährlich. Nicht nur daß der Mauerschutt, die Steine und Balken den Weg ausfüllen, über die man förmliche Kletterpartien machen muß, sondern man ist namentlich in den schmalen, winkeligen Gassen fortwährend in Gefahr, von den beim Einsturze noch stehen gebliebenen, sich aber fortwährend abbröckelnden Mauerresten getroffen zu werden. ... Es tut einem wirklich das Herz weh, wenn man die altehrwürdigen Baudenkmäler, die stets das Hauptinteresse der Fremden auf sich konzentnerten, jetzt in einem so desolaten Zustande sieht, in den sie durch die Erdbebenkatastrophe versetzt worden sind. Der schöne Bau der Jskelesi Dschami und der Jeni Walide Dschami mit ihren Minarets, der Sultankiosk» das Kloster der heulenden Derwische — alles weist furchtbare Beschädigungen an den Mauerwerken auf, und es ist fraglich, ob dieses oder jenes Baudenkmal überhaupt noch wird erhalten werden können. Einen trostlosen Anblick bietet auch der große Friedhof — der größte des Orients —, deffen Grabsteine geborsten oder umgestürzt sind und deren Trümmer die Gräber verdecken!" — Alle diese schrecklichen Dinge will der Originalberichterstatter des „Deutschen Volksblattes" mit eigenen Augen gesehen haben, und man muß es ihm ja glauben, denn das „Deutsche Volksblatt" wird doch seine Leser nicht auch noch auf dem harmlosen und neutralen Gebiet der Tagesneuigkeiten betrügen. Irgendwo muß doch die berühmte christlich-arische Wahrheitsliebe, die einst über semitische Tücke und Verlogenheit triumvhieren soll, zum Durchbruch kommen. Ja, aber wie hat denn der Originalberichterstatter des „Deutschen Volksblattes" in Skutari alle diese Greueldinge seben können, wo doch in Skntari gar kein Erdbeben war? Nämlich in dem Skutari nicht, das der Berichterstatter so unverkennbar genau nach dem Bädeker zeichnet. Dieses Skutari liegt nämlich in Kleinasien am südlichen Ufer des Bosporus und gerade gegenüber der Weltstadt Konstantinopel, während jenes Skutari, wo wirklich die Erde bebte, in Albanien am Bojanafluß und am Ufer eines sumpfigen Sees nur wenige Wegstunden von der adriatischen Küste und von der österreichischen Grenze entfernt liegt. Hätte der Originalberichterstatter, ehe er seine imaginäre Reise antrat, den Balkan-Bädeker besser zu Rate gezogen oder wenigstens in die zeitgenössischen Judenblätter einen Blick geworfen, so hätte er nicht so gründlich in die Irre fahren können. Das kommt aber davon, daß sich die Redakteure des „Deutschen Volksblattes" ihre geographische Bildung von ihrem Ehef Vergani liefern und von diesem zaubergewaltigen Herrn, der, wie es scheint, nicht einmal das Adriatische vom Marmarameer zu unterscheiden weiß, sogar auf geographische Entdeckungsreisen schicken lassen. („Arbeiter-Zeitung".) Zionistische Parteiführung. Das zionistische Aktionskomitee verlautbart folgenden Beschluß: „Das Große Zionistische Aktionskomitee hat einstimmig beschlossen, dem am 27. Juli in Basel zusammentretenden Zionistenkongreß ein Kollegium, bestehend aus den Herren Dr. Max Nordau-Paris, David Wolffsohn-Köln, Profeffor Dr. Otto Warburg-Berlin für die Leitung der Bewegung vorzuschlagen. Die genannten Herren haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, die Kandidatur anzunehmen. Max Nordau wird hauptsächlich die politische Arbeit fortführen. David Woffsohn wird die Organisation und Finanzangelegenheiten leiten und endlich die Gegenwartsarbeit in Palästina den Händen Otto Marburgs insbesondere anvertraut sein." Lektor I. H. Weiß. Das Leichenbegängnis des greisen Lektors I. H. Weiß fand Donnerstag, am 1. Juni vom Trauerhause, II. Czerningasse 9, statt. Anwesend waren: der Präsident der isr. Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern, mit dem Vizepräsidenten k. k. Landesschulrat Dr. Gust. Kohn und den Vorstehern Baurat Fleischer, Architekt Oskar Marmorek, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, kais. Rat. Sachs, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, H. Sekretär Dr. Adler, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Bauer, Dr. Dawid, Dr. Feuchtwang, Dr. Gelbhaus, Dr. Grunwald, Dr. Mandl, Papo, L. Reich und W. Reich aus Baden, die Vorsteher des Bet-Hamidrasch Gottlieb B e t t e l h e i m und Dr. Leopold Kohn, der Vorsteher der Chewra-Kadischa Jakob Kann. In Vertretung der israelitischen Gemeinde Gr.-Meseritsch waren die Vorsteher Herr I. H. Müller und H. Fuchs erschienen. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Guttmann. Im Trauerhause hielt Rektor Dr. S ch w a r z dem Verblichenen