Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 360 Dr. Btocb’s Mocbenscbrttt. Nr. 23 hilfesuchenden russischen Flüchtlinge in unserem Bureau nicht wesentlich vermindert, da fortwährend Leute, die einen Teil der Reisekosten besaßen, oder deren Ziele die Schweiz, Frankreich und andere westliche Länder waren, sich in Wien ansammelten. Den anstrengenden Dienst der individuellen Einvernahme und Beratung eines Jeden versahen täglich in der bereits geschilderten Weise Mitglieder des Präsidiums. Denjenigen Flüchtlingen, denen nur wenig zum Betrage einer transozeanischen Schiffskarte fehlte, ergänzten wir das Fehlende, indem wir sie außerdem von den uns seitens der Gesellschaften gewährten bedeutenden Ermäßigungen profitieren ließen und sie für unsere Kosten zu den Hafenstädten beförderten. Diejenigen, welche näherliegende Ziele in westlichen Ländern hatten, unterstützten wir zur Reise dorthin. Unser Wiener Expeditions-Journal für die russischen Emigranten weist seit dem 12. Oktober 1904 über die Bewegung folgende Zahlen aus, welche sich jedoch nur auf die durch unser Bureau mit Schiffs- und Bahnkarten, oder mit letzteren allein versehenen und durch unseren Vereinsdiener expedierten Personen beziehen und die sehr zahlreichen Fälle nicht enthalten, wo wir den Petenten Geldunterstützungen gewährten, damit sie selbständig Weiterreisen. Es wurden von Wien aus durch unser Bureau befördert: 12.—31. Oktober 1904 52 Personen, November 1904 302 Personen, Dezember 1904 434 Personen, Jänner 1905 89 Personen, Februar—März 1905 62 Personen, April bis Mitte Mai 1905 48 Personen; zusammen 987 Personen. Außerdem hatte unser Bureau, in permanentem Kontakt mit den galizischen Komitees und mit Mährisch-Ostrau stehend, aus Grund einer detaillierten Berichterstattung unserer Vertrauensmänner die Organisation der Beherbergung und Verpflegung zu kontrollieren, die Zusammensetzung der Listen zu prüfen und die überaus mühseligen und komplizierten Vorbereitungen für den Abgang der Gruppen zu treffen, welche auch mehrmals die persönliche Intervention unseres Sekretärs an den Asylstationen erforderlich machten. Wie erwähnt, war von der Frankfurter Konferenz vorgeschlagen worden, daß zum Schutze der Emigranten in allen Ländern an den hiesür geeigneten Punkten Komitees eingesetzt werden, deren Aufgabe es wäre, die für eigene Kosten reisenden Auswanderer hinsichtlich der Ziele und Verbindungen zu beraten, sie der Ausbeutung durch Agenten zu entziehen und ihnen Ermäßigungen für Bahn- und Seefahrt zu verschaffen. Für Oesterreich hatten wir die Begründung derartiger Komitees in einer Reihe von Orten an der russischen Grenze in Erwägung gezogen. Aber in einer zu diesem Zwecke von uns im Jänner 1905 veranstaltetem Beratung der Delegierten sämtlicher österreichischen, in Frankfurt a. M. vertreten gewesenen Organisationen wurde übereinstimme nd die Ansicht geäußert, daß die Einsetzung der Komitees wenn dieselben eine ersprießliche. Wirksamkeit entfalten sollen, an bie Voraussetzung des Bestehens russisch-jüdischer Komitees an den A ustritts-Orten geknüpft ist, durch welche die Emigrationslustiaen , '^on in ber &eimat über bie Aussichten ihres Vorhabens dicr 'orb-rNch-n^ materiellen Mittel, di- BidinMngen der Zulassung Landung n s. w aufgeklärt g-u;$4". -vaiwss insolanae pinp^&-^aü ^"gewiesen, ' Seite nicht stattfindet, durch die l^inn$ russischer unüberlegte, nach der Forderung W ^ouKomilees dir . haltende Emigration Konferenz hintanzm zu bekämpfenden Mißständ/slck, tt würde und die 4 mrde daher eine BeschluAass,,^, würden. Es w zum Eintritte normale? Gegenstand zunächst bis , -isation in Rußland Ädm'^nÄ^'buug einer Organ i Wiener Burea« -rr-werden von unseren Bureau Heroen von unseren ser von im ® “'f Anfragen aus Rußland ne ,'ermationen erteM^"^" Migration bezügliche^ Jn- Jn letzter Zeit sind innerhalb der russischen Judenheit allgemein wieder die Hoffnungen auf eine baldige Emanzipation oder wenigstens auf eine Abschaffung der besonders drückenden Ausnahmsgesetze erwacht. Zu diesem optimistischen Geist haben zunächst mehrere Konzessionen beigetragen, die die Regierung bereits gemacht hat. Welchen geringen Wert aber leider derzeit noch die optimistischen Erwartungen für die nächste Zukunft der Juden in Rußland haben, tritt zur Genüge durch den traurigen Umstand hervor, daß in den letzten Wochen wieder eine Reihe von Juden- Massakres stattgefunden hat, unter denen besonders diejenigen von Schitomir (Hauptstadt von Volhynien) und Melitopol (Taurien) sich in ähnlicher Weise wie diejenigen von Kischenew und Homel abspielten, nur daß die Zahl der Ermordeten infolge der tapferen Selbstverteidigung der Juden eine geringere war. In Schitomir wurden durch die von Polizei und Militär geschützten Plünderer und Mörder siebzehn Juden niedergemetzelt, zumeist junge Männer, Mitglieder der jüdischen Wehrorganisation, die heldenhaft gegen den aufgehetzten Pöbel kämpften. Zahlreiche Verwundete starben außerdem im Spitale. Angesichts dieser trostlosen Verhältnisse und da unsere verfügbaren Mittel durch die oben geschilderte Aktion nahezu erschöpft wurden, richten wir hiermit an unsere Freunde den dringenden Appell, uns durch hochherzige Spenden in den Stand zu setzen, das Hilfswerk für die unglücklichen Opfer der brutalen Verfolgung auch weiter wirksam zu fördern. Die geehrten Leitungen unserer Filialen sowie die Kultusvorstände und Rabbinate, namentlich der größeren Gemeinden, ersuchen wir, nach Tunlichleit engere Sammlungen zu veranstalten und uns für die so unmenschlich gehetzten russischen Glaubensgenossen zur Verfügung zu stellen. (Geldsendungen sind an das Präsidium der Israelitischen Allianz zu Wien, I., Weihburggasse 10, zu richten.) In der Diskussion ergreiftzunächst das Wort Herr M. Baum. .Redner' erinnert,, daß laut § H des Statuts die Generalversammlung „im März oder April" einzuberufen sei, während . wir heute bereits den 6. Juni zählen, in einer vorgerückten Jahreszeit uns befinden, welche für eine rege Vereinstätigkeit nichts weniger als günstig ist. Nach 8 6 des Statutes „besteht der Beirat aus 15 Mitgliedern", während er tatsächlich derzeit nur 7 Mitglieder zählt. Angesichts der hohen und wichtigen Aufgaben, welche die Leitung der Allianz derzeit zu erfüllen hat, sollte auf so viele Arbeitskräfte nicht verzichtet werden. In Bezug auf die Propaganda wünscht Redner eine erhöhte, mehr zielbewußte Tätigkeit; vor Allem sollten in den einzelnen Wiener Bezirken Agitationsversammlungen veranstaltet werden, um den lokalen Mitgliederstand zu heben. Ferner empfiehlt Redner, an die Vorstände sämtlicher Gemeinden der Monarchie Zirkulare mit einem Aufruf zu senden, der in den Synagogen zu plakatieren wäre, eventuell auch in jedem Bethaus Opferbüchsen zur Unterstützung der armen russischen Emigranten und Verfolgten auszustellen. Der Vorsitzende Herr Dr. Alfred Stern dankt dem Redner für seine instruktiven Ausführungen. Die Einberufung der Generalversammlung verspätete sich in diesem Jahre wegen der vielen außergewöhnlichen Arbeiten, die zu bewältigen waren. In Zukunft soll die Generalversammlung wieder rechtzeitig einberufen werden. In gleicher Weise soll eine Ergänzung und erhöhte Inanspruchnahme des Beirates stattfinden. Auch die übrigen Anregungen des Redners wird die Vereinsleitung in eingehende Beratung ziehen. Herr Rabbiner Doktor Feucht wang konstatiert, daß die Leitung der „Israelitischen Allianz" nach allen Richtungen die hohen Pflichten und Aufgaben, die sie übernommen, voll und ganz, erfülle. In Bezug auf die Propaganda empfiehlt er ebenso wie der Vorredner eine Agitation in den einzelnen Wiener Bezirken. Der Kultusvorstand hat zwar die Rabbiner ersucht, anläßlich der bevorstehenden Festpredigten der „Israelitischen Allianz" wärmstens zu gedenken, allein Redner ist in Bezug auf den Erfolg solcher Predigten sehr skeptisch. Er