Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021626--14555-3039271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 358 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 23 Engeln werden könnten. Unter der Leitung des Unterzeichneten ist es gänzlich ausgeschlossen, daß infolge seiner eigenen religiösen Ueberzeugung und Stellung irgendwo oder irgendwie in anstoßender Weise gegen die jüdische Religion, deren Lehren und Gebräuche interferiert werden könnte. Der Unterzeichnete nennt sich zwar mit Vorliebe „evangelisch", aber wie er gelegentlich einer Kontroverse mit einem angesehenen Mitglied der Berliner jüdischen Gemeinde in Nr. 43 der „Israelitischen Wochenschrift" vom 21. Oktober 1904, S. 603, nachgewiesen, ist dieses Wort nicht christlichen, sondern hebräisch-jüdischen Ursprungs, und haben es sich die Juden, wie so vieles andere Wahre, Schöne und Gute einfach von den Christen wegnehmen lassen, ohne jemals ernstlich ihr geistiges literarisches Eigentum zu reklamieren. Mit der Bezeichnung „evangelisch" ist also nicht ohneweiters -gesagt, daß der Schreiber nun auch mit den sich ebenfalls so nennenden konfessionellen Trinitäts-Kirchen- und Missionschristen identisch sein müsse; er bekennt im Gegenteil frei und öffentlich, daß er in Glaubenssachen mit diesen Kreisen wenig oder gar keine Berührung und geistige Gemeinschaft hat und religiös durchaus auf den Boden des rein geistigen, jüdisch-prophetischen Monotheismus der aus demselben sich ergebenden Ethik-, Gnaden- und Versöhnungslehre steht. Aus Liebe zu der hebräischen Sprache und dem jüdisch-hebräischen Schrifttum hat der Unterzeichnete schon vor einigen Jahren in den ersten Tagen seiner Niederlassung in Jerusalem behufs Praktischer Erlernung und Uebung der hebräischen Sprache als Hospitant die deutsche Edler von Lämelschule besucht, auf Einladung des Direktors, Herrn E. Cohn, aushilfsweise auch einige Zeit an dieser Anstalt als Lehrer gewirkt, und ist es während dieses Zeitraumes, wenigstens in religiöser Hinsicht, zwischen ihm, der Direktion und der Lehrerschaft niemals zu Differenzen gekommen. Mehr wie einmal hat'Schreiber dieser Zeilen auch schon hier und anderwärts zu seiner Beftiedigung in der Synagoge seine religiöse Erbauung gefunden. Was auch der Neid, die Bosheit und Rachsucht an erlogenen bösartigen Schmähungen, schändlichen Verleumdungen und rohen Grausamkeiten ersonnen und in die Tat umgesetzt, der Unterzeichnete hält nicht zurück mit seiner Bewunderung einer Volks- und Religionsgemeinschaft, welche aus dem Tiegel der Leiden, wie erprobtes Gold aus dem Feuer, nur immer geläuterter und veredelter hervorgegangen, welcher die Menschheit in religiöser, kultureller und sozialer Hinsicht ihre höchsten Güter, Errungenschaften und Jedale verdankt, und ohne welche dieselbe auch heute noch unfehlbar in völlige Reaktion, Barbarei, Obskurantismus, leibliche und geistige Tyrannei und Knechtschaft, zurücksinken würde. Möge dieses fteimütige und ungeheuchelte Bekenntnis, für welches man ihm mancherorts wenig Dank wissen wird, genügen, um den Unterzeichneten mit seinem so hochwichtigen, der Gesamtbevölkerung von Jerusalem und Palästina ohne Unterschied der Religion, Konfession oder Nationalität zugedachten Humanitären und sozialen Unternehmen besonders auch in jüdischen Kreisen zu empfehlen und allgemeiner tatkräftiger Unterstützung wert zu halten; es wäre dies auch ein günstiges Omen für eine bessere, fteundliche und versöhnliche Gestaltung der vielfach unerfteulichen religiösen und konfessionellen Zustände in der Heimat und in Jerusalem, „unser aller Mutter". Für den Bau oder Erwerb eines eigenen Heims für erstmalige Sicherstellung des Gehaltes der Pflegerinnen, welcher später aus sicher zu erwartenden Einnahmen ergänzt oder verringert werden könnte, wird im Augenblick eine Summe von von etwa 20—30.000 Mk. erforderlich sein. Falls dieser, in jeder Hinsicht vorteilhafteste Plan aber nicht sofort zur Ausführung kommen kann, ließe sich auch die Möglichkeit ins Auge 'fassen, geeignete Räumlichkeiten vorerst nur in Miete zu nehmen, wodurch die momentanen Ausgaben sich wesentlich verringern würden. Es wird also ganz von der Aufnahme und dem Eindruck abhängen, welchen die vorstehenden Ausführungen bei der Allgemeinheit finden und Hervorrufen werden, inwieweit das geplante heilvolle, humanitäre und soziale Reformwerk zur Ausführung gelangen kann. Möge darum jeder Leser und Liebhaber Zions nach Kräften sein Scherflein zum Gelingen der guten Sache beitragen*) und dabei, eingedenk des Wortes: „Eine jede edle Tat trägt ihren Lohn in sich selbst", versichert sein, daß er damit nicht nur Hunderte und Tausende armer Mitbrüder aus schwerer Notlage befreien, sondern als Freund und Wohltäter der leidenden Menschheit auch seinen Namen und seiner guten Tat für alle Zeiten ein unvergängliches, ehrenvolles und gesegnetes Andenken stiften wird. Phil. Kieserndorf, Jerusalem. bl. 8. Die in dem vorstehenden Artikel enthaltenen Angaben und Vorschläge, betr. einen allgemein herrschenden Notstand, und die deshalb dringend gebotene Gründung einer Station für vorgebildete Hospital- und Privatkrankenpflegerinnen in Jerusalem, haben die nachstehend genannten Aerzte in Jerusalem durch eine gemeinsame schriftliche und durch das deutsche Konsulat beglaubigte Erklärung im vollen Umfange bestätigt und zu den ihrigen gemacht. * * * Dr. Mazarsky, erster Arzt im israelitischen Hospital Misgab Ladach; Dr. Abonschedid, zweiter Arzt im israelitischen Hospital Misgab Ladach; Dr. Einsler, Arzt im deutsch-israeli- - tischen Hospital Bicur-Cholim; Dr. Mazie, Arzt im deutsch-israelitischen Hospital Bicur-Cholim; Dr. Severine, Arzt im russischen Hospital; Dr. Photios, Arzt im städtischen türkischen Hospital; Dr. N. Spiridon, Arzt im griechischen Hospital; Dr. G. Geroussy, Arzt im griechischen Hospital; Dr. Michalowitsch, Arzt in Rothschild-Hospital; Dr. Friedman, Arzt von Lemaan Zion; Dr. Grußendorf, Arzt des deutschen Diakonissen- Krankenhauses; Dr. Puffeles, praktischer Arzt; Dr. Armenag, Sanitätsinspektor für Stadt und Provinz Jerusalem; Doktor Nagourney, praktischer Arzt. Korrespondenzen. Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien. Dienstag am 6. Juni fand im Saale der israelitische Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, die diesjährige Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. In Abwesenheit des zur Kur in Karlsbad weilenden Präsidenten Herrn David Ritter von Gut mann wurde die Generalversammlung von dem Kultuspräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern, Vizepräsident der Allianz, geleitet. Nach Konstatierung der rechtzeitigen Ausschreibung und der Anwesenheit einer beschlußfähigen Anzahl von Mitgliedern erklärt der Vorsitzende die 32. Generalversammlung für eröffnet. Der Vorsitzende widmet zunächst dem verstorbenen Beirat Hosrat v. Borkenau und dem Stifter des Vereines Alexander Scharf warme Worte des Gedächtnisses und fährt sodann fort: „Wir beklagen ferner den Verlust mehrerer langjähriger Mitglieder und eifriger Förderer der Israelitischen Allianz, darunter des Herrn kaiserl. Rates Heinrich Klinger, gewesenen Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, der unseren Bestrebungen stets ein warmes Interesse entgegenbrachte. „Zu den Männern, um deren Verlust während des verflossenen Jahres weite Kreise der Judenheit getrauert und die durch ihre weitumfassende Tätigkeit für die jüdische Gesamtheit und ihre Bestrebungen, das Judentum zu heben, sich ein ehrenvolles Andenken gesichert haben, zählen wir Dr. Theodor Herzl (gestorben 27. Juli 1904) in Wien, F. D. Mocatta (ge- *) Geldsendungen, Zuschriften rc. sind an den oben Unterzeichneten unter der Adresse: Jerusalem, Deutsche Po st (Palästina) oder an Herrn Kgl. Kreisarzt Dr. Zimmer, Sekretär des „Auslandpflegeverbands vom Frauendienst", Berlin, P l a n u f e r 88, mit der Beifügung: „Für Krankenpflege in Jerusalem und Palästina". Quittung erfolgt durch die Blätter, deren Redaktion und Expedition zur Empfangnahme und Uebermittlung von Gaben sich ebenfalls gern bereit erklären.