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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Seite 357 Dr. Mocb's Wochenschrift. Nach der rabbinischen Auslegung des Bibelverses U B. M. 9. 4. ist es allen Menschen strenge untersagt, ein Stück aus einem lebendigen Tierleibe zu reißen und zu genießen. Es kam dies in alter Zeit öfter vor, sei es aus ungezügelter (Gier oder aus snperstitiösen Gründen — eine Perversität, der man :noch jetzt bei wilden Völkern begegnet. Es ist darin, wenn' überhaupt, nicht so sehr das ethische Motiv ' der Tierschonung zu erkennen, da ja auch das Rupfen lebendigen > Geflügels verboten ist (s. Eben Hasser 5), vielmehr das Diätetische; des Genusses zu erblicken, worauf auch die Blutscheu bei den Nahrungsmitteln zurückzuführen ist. Selbst ein Ei, worin ein Blutstropfen ^gefunden wird, gehört zu den verbotenen Dingen. Wie wäre es. wenn Sie die Güte hätten, unter Hinweis auf -obige Darlegung Frau Dr. Rabinowitsch zu bestimmen, Vögel auch auf karzinomatische Disposition oder Immunität zu prüfen? Die Untersuchungsergebnisse könnten von größter Bedeutung -für die Menschen-Krebs-Forschung alle Etappen hindurch — Aetiologie, "Pathogenie, Symptomatologie, Prophylaxe, Therapie, Diätetik — .zumal für erblich Belastete oder bei erworbener allgemeiner und lokaler Disposition — und Volks-Hygiene — werden. Darauf hinzielende Aufschlüsse aus eigenen Untersuchungen und Anschauungen bin ich auf Wunsch zu erteilen gerne bereit. Dr. B. P l a c z e k. Krankenpflegerinnen für Jerusalem «nd Palästina. Jerusalem, im April 1905. In der Reihe der humanitären Institutionen und allgemeinen Wohlfahrts-Organisationen, welche werktätige Nächsten- und Bruderliebe nach und nach in Jerusalem und dem Heiligen Lande begründet haben, befindet sich eine, auffallender Weise bisher so gut wie gar nicht beachtete, höchst beklagenswerte und allgemein sehr schmerzlich empfundene Lücke, welche mit der Errichtung eines besonderen philanthropischen Instituts ausgefüllt werden soll, um damit einem längst vorhandenen dringenden Bedürfnis, soweit wie nur irgend möglich, Rechnung zu tragen und Abhilfe zu schaffen. Wie bekannt, ist der Orient, teils wegen des oft an ein und demselben Tage mehrfach wechselnden und schwankenden Klimas, teils wegen Mangel an zweckentsprechenden, ausreichenden hygienischen und sanitären Einrichtungen und prophylaktischen Vorkehrungen, Belehrungen und Vorschriften seit alter Zeit bis auf den heutigen Tag ein nie erlöschender Herd für die verschiedenartigsten Krankheiten und verderbenbringenden Seuchen geblieben, welche oft, wie dies erst vor zwei Jahren und auch heuer wieder in Palästina und Jerusalem der Fall war, unter der ganzen Bevölkerung grassieren und mit unerbittlicher Vehemenz ohne Rücksicht auf Stand, Alter und Geschlecht ihre zahlreichen Opfer fordern. Dank der allgemein und reichlich geübten Wohltätigkeit fehlt es nun speziell in Jerusalem nicht gerade an genügenden, auch für außergewöhnliche Ereignisse zweckmäßig und untadelhaft eingerichteten Krankenhäusern; können doch manche derselben vom Standpunkt der heutigen medizinischen Wissenschaft in jeder Beziehung geradezu als Musteranstalten bezeichnet werden; auch von einer Aerztenot kann kaum die Rede sein. Was aber nach einer von dem Unterzeichneten eigens angestellten Umfrage bei jüdischen, mohammedanischen und christlichen Aerzten und Spitälern allgemein, von den Aerzten nicht minder als von den Kranken als eine wahre Kalamität empfunden wird, ist der sozusagen vollständige Mangel an eigens für ihren Beruf theoretisch und praktisch vorgebildeten Pflegerinnen, wie solche heutzutage in Deutschland und anderwärts nicht nur in den Städten, sondern auch schon in vielen Landgemeinden ihre so wertgeschätzte segensreiche Tätigkeit entfalten. In ihrer Verlegenheit haben sich die einzelnen Spitalärzte ihr Pflegepersonal aus der eingeborenen Bevölkerung notdürftig selbst herangebildet; wenn man aber bedenkt, daß in den meisten Fällen diese Personen nicht einmal im Stande find, zu lesen und zu schreiben, mag man zugleich ermessen, inwieweit von Seiten derselben die Anordnungen des Arztes eine verständnisvolle, pünktliche und befriedigende Ausführung und die bedauernswerten Kranken eine hingebende, zartfühlende, gemütvolle, tröstende, leiblich und seelisch aufrichtige Pflege finden können. Begreiflicherweise ist schon in gewöhnlichen Krankheitsfällen, namentlich aber in Zeiten herrschender Epidemien die Lage in den Familien und Privathäusern, insonderheit der ärmeren Bevölkerung, noch weit trostloser und verzweifelter; hier find die armen, bedauernswerten Kranken oft gänzlich rat- und hilflos ihrem traurigen Schicksal überlassen, und manches Auge bricht und schließt sich frühzeitig im Tode, manches Her^ steht still, das bei richtig geübter, umsichtiger und aufopferungsvoller Pflege noch länger zur Freude und zum Wohlergehen der fassungslos zurückgelassenen Angehörigen geschlagen hätte. Bei Betracht solcher unerträglichen Zustände, wie sie besonders unter der zahlreichen armen jüdischen Bevölkerung herrschend find, mag man es einigermaßen begreifen, wie sich jüdische Kranke, ungeachtet der ihrem Glauben und religiösen Bekenntnis drohenden Gefahr in steigendem Maße dazu herbeilassen, die deutschen und englischen Missions-Krankenhäuser aufzusuchen, wo sie über die empfangene, aufmerksame, teilnahmsvolle Pflege seitens der „lieben, guten Schwestern" nicht genug Löbens und Rühmens machen können. Erfteulicherweife ist in der letzten Zeit auch in der hier erscheinenden Zeitschrift „Haschkapha" wieder der Kampf gegen die Schulen, Aerzte und Krankenhäuser der Mission energisch ausgenommen worden, aber erreichen wird man mit den dahin zielenden Bemühungen nur dann etwas, wenn man, wie das anderwärts geschieht, so auch hier bemüht ist, den unstreitigen Vorteilen, welche die konfessionell geleiteten christlichen Missionsanstalten bieten, von jüdischer und nichtjüdischer Seite aus den verschiedensten Gebieten ihrer Betätigung ein entsprechendes, vollwertiges Aequivalent entgegenzusetzen. Dies beabsichtigt aber der Unterzeichnete auf dem Gebiete des Unterrichtswesens, als speziell der Krankenpflege, indem er dahin strebt, in Verbindung mit einer gleichfalls dringend gebotenen deutschen Sprach-, Handarbeits- und Haushaltungsschule eine Station für konfessionslose, zu ihrem Berufe: in Theorie und Praxis allseitig ausgebildete Hospital- und Privatkrankenpflegerinnen zu eröffnen, welche, ohne in religiöser Hinsicht, wie die Misfions-„Schwestern" durch Bekehrungs¬ und Propaganda-Gelüste irgend welchem Argwohn Raum zu geben, gleicherweise unter der jüdischen, mohammedanischen und christlichen Bevölkerung Jerusalems und Palästinas ihre wichtige und segensreiche soziale Hilssarbeit aufnehmen sollen. Der Unterzeichnete ist zu diesem Behufe mit dem religiös und politisch völlig parteilosen, nur aus Humanitären Beweggründen und speziell mit dem Blick auf die Notlage des Orients vor nicht langer Zeit gegründeten „Auslandpflege-Verband vom Frauendienst" durch dessen Sekretär Herrn kgl. Kreisarzt Dr. Zimmer in Berlin, in Verbindung getreten, um von dem genannten Verein für seine Absichten in Jerusalem und Palästina die notwendige Unterstützung und das für die Ausführung derselben geeignete Personal zu erhalten. Das letztere Ersuchen hätte nun keinen Anstand; Hilfskräfte ständen mehr als genügend zur Verfügung; für die Gründung eines vor allen Dingen nötigen, eigenen Heims ist aber der junge Verein, welcher sich deshalb bisher nur auf Stellenvermittlung beschränken mußte, leider zu schwach, um irgend nennenswerte Opfer aus der Vereinskasse zu dem genannten Zweck leisten zu können. Unter diesen Umständen sieht sich der Unterzeichnete zur Erreichung seiner dem allgemeinen Wohl gewidmeten Bestrebungen genötigt, an die mithelfende Teilnahme und Wohltätigkeit der allgemeinen Oeffentlichkeit zu appellieren, und er glaubt sich, obwohl nominell nicht zu der jüdischen Glaubens- und Religionsgemeinschaft zählend, doch berechtigt, zu diesem Zwecke sich auch der jüdischen Preffe bedienen zu dürfen, umso eher, als die aus seinen Bemühungen entsprießenden und zu erhoffenden Segnungen, wenn nicht ausschließlich, so doch am ersten und meisten der großen und erfreulicher Weise immer mehr wachsenden jüdischen Bevölkerung von Jerusalem und Palästina zu Gute kommen werden. Es liegt auch nicht das geringste Hindernis vor, es wäre im Gegenteil höchst erwünscht, wenn in dem zu gründenden Heim auch jüdische Pflegerinnen Aufnahme finden würden, welche in demselben in aller Unbeschränktheit nach den Lehren und Vorschriften ihrerReligion leben und später ihren eigenen Glaubensgenoffen in dienender.Liebe zu rettenden

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