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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«Seit« 386 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 83 Die Polizei sprach mit den Arbeitern mild und einnehmend, beredete sie, die Stadt von den Dieben und Prostituierten zu reinigen; die Bourgeoisie sprach den Arbeitern für ihre an den Dieben begangenen Gewalttaten laut ihre Anerkennung aus. Die Dinge gestalteten sich derart, als hätten die Warschauer Arbeiter einen einzigen Feind — die Lumpenproletarier; als hätten das Proletariat, die Polizei und die Bourgeoisie das eine gemeinsame Ziel — die Stadt von den Dieben zu säubern. Mit der Polizei wurde friedlich geplaudert wie mit guten Freunden. Doch die Administration selbst zögerte nicht, alle Illusionen über ihre Freundschaft zu den Arbeitern alsbald zu zerstreuen. Sie versorgte in der Altstadt die Lumpenproletarier mit Waffen, verbarg sie in den Toreingängen, während in den Gassen Polizisten postiert waren. Zeigte sich in der Gaffe ein einzelner Arbeiter, so fielen über ihn allsogleich die „Boßjaki" her, töteten oder verwundeten ihn, die Polizei aber mischte sich nicht in den Streit. Kam jedoch ein größerer Trupp Arbeiter daher, um das Blut ihrer Genossen zu rächen, ließ sie die Polizi nicht durch. Der Plan der Regierung in Warschau ist klar. Sie wollte ein Maffakre zwischen Arbeitern und Lumpenproletariern Hervorrufen, um nachher gegen die Arbeiter einzuschreiten und die „Ordnung" wiederherzustellen. In der Stadt würde dann eine Schlächterei ausbrechen. Die Straßen Warschaus würden von Blut getränkt. Dann würde die Regierung den Ausnahmszustand über die Stadt verkünden und vor aller Welt darauf Hinweisen, daß die Juden selbst das Blutvergießen hervorgernfen, daß der jüdische Proletarier brutal und bestialisch sei, daß er geraubt und die Ordnung gestört habe und daß das Militär genötigt war, zu seiner Niederwerfung die äußersten Mittel anzuwenden. In diesem Sinne schrieben heute bereits polnische Blätter. Das alte Lied! Die Mitglieder unserer Organisation bemühten sich, soweit es möglich war, die Maffe zu beruhigen, das Spiel der Polizei vor ihr aufzudecken und derart weiterem Blutvergießen vorzubeugen. Bekanntlich hat sich wirklich erfüllt, was in dieser Proklamation angekündigt wurde, und die Herrschaft der Soldateska wurde in der Tat etabliert unter dem Vorwand, die Ruhe herzustellen, die, wie oben geschildert, von den Agenten der Polizei gestört worden war. Medizin im Talmud. Herr Dr. I. Pagel, Professor an der Berliner Universität, eine Autorität ersten Ranges auf dem Gebiete der Geschichte der Medizin, hat den sensationellen Vortrag „lieber den Versuch am lebenden Menschen", den er beim Deutschen Naturforschertage zu Breslau am 21. September 1904 (auch zur Abwehr der vehementen Angriffe in parlamentarischen Körperschaften gegen experimentierende Aerzte) gehalten, in Heft 9 und 10 der „Deutschen Aerzte-Zeitung" vom 1. und 15. Mai d. I. veröffentlicht und sich veranlaßt gesehen, seiner Publikation nachfolgenden Brief anzufügen: „Als eine für einzelne Kreise vielleicht willkommene Ergänzung sei ein mit dem Inhalt meines Vortrags allerdings nur in sehr entferntem Zusammenhänge stehendes Schreiben hier noch veröffentlicht, das aus Anlaß meines in Breslau gehaltenen Vortrages mir von dem auch als Naturwissenschafter und besonders als Vogelkundiger wohl berufenen Herrn Dr. P l a c z e k in Brünn (Mähren) zugegangen ist. Es lautet: Brünn, den 25. September 1904. Verehrtester Herr Professor! Den Referaten über die Vorträge im Naturforscher-Kongreß gestatten Sie mir freundlichst, einige vielleicht verwendbare Randglossen anzufügen: G a l e n u s aus Pergamus, der im zweiten Jahrhundert nach Ehr. lebte und ein System der Medizin stiftete, das sich beinahe 14 Jahrhunderte herrschend erhielt, hat den Bau des menschlichen Körpers nur an Affenleichen studiert, welche er zugleich als die menschenähnlichste Form unter allen Tieren erkannt hatte. Nach Celsus sollen schon Herophilos aus Chalcedon und Erasist r a t o s aus Keos (300 v. Ehr.) sogar lebende Verbrecher sezier' £ haben. Es wird auch angenommen, daß altägyptische Priester bere' Antbropotomie betrieben. Eine Vivisektion bei Menschen findet nach der Aufsi affung Raschis Erwähnung in Niddah 90d. Es sind da Mel Visionen. Nach der ersteren wird als Einwand gegen eine Ansicht R. 3 % m at I» angefüh^: , .. „Sklavinnen der Königin Kleopatra, dre zum Tode verurtellt waren, untersuchte man durch Vivisektion und fand am 4L. Tage nach der Empfängnis den Unterschied der Geschlechter bei den Embryonen entwickelt." Nach der zweiten Version der Tosista 4 erhob R. Jsmael den Einwand wider seine Gegner in einer halachistischen Anschauung. Da heißt es jedoch, daß man das männliche Geschlecht am 41. Tage, das weibliche erst am Slv Tage erkenne. Allerdingswird dem Berichte keine Beweiskraft zuerkannt: „man kann keinen Beweis bringen von Toren". Damit soll entweder die Unzuverlässigkeit ägyptischer Angaben dargetan oder die Vornahme einer Vivisektion verurteilt werden, Immerhin ist die Stelle für Aegyptologen bedeutsam schon des Nachweises wegen, daß die Aegypter Anthropotomie betrieben. Mehrere halachisiische Diskussionen über die Leibesfehler, welche einen Ahroniden zum Priesterdienste untauglich machen, ferner über Teile menschllcher Kadaver, die nach verschiedenen Kategorien verunreinigen — bei welcher Gelegenheit jener Sektionsbefund als Beweismaterial zum Behuf einer ritualgesetzlichcn Dezision angeführt wird — oder in Bezug auf Verstümmelungen, durch die ein Sklave seine Freiheit erhält, weisen ebenfalls mit Bestimmtheit auf mehrfache eingehende, pathologisch-anatomische Untersuchungen des menschlichen Körvers hin (Bechoroth 45s, Ohalot 1, 8; 2, i, Niddah 49d, Kiduschin 25s, 55s, Negaim 6, 7). Embryologische Forschungen, die Entwickiungsphasen des menschlichen Fetus betreffend und mit denen der Tiere verglichen, finden sich Niddah 25s, 3ls, Sotah 45b. Chirurgische Operationen werden erwähnt, welche man an Menschen und Tieren vorgenommen, die sogar etwas Organoplastische^: an sich haben: bei Menschen das Zunähen einer aufgeichlitzten haut; die künstliche Ersetzung eines verletzten Schädelteiles durch e «*• trockene Kürbisschale; ferner eine Art Tracheotomie bei einem Sc^st- — der Riß in der Luftröhre desselben verbunden und ausgefiillt mit : einem Rohrplättchen; die Luxation des Hüftknochens einer Henns^ ge- - heilt durch einen angelegten Röhrenverband; ein lebend abgerupfter Hahn wird in die Schürze eines Schmiedes gehüllt, der Ofeuwärme: ausgcsetzt und erhält ein neues stärkeres Gefieder Die letzteren V r-- suche werden ansgeföhrt von Simon b. Ehalafta, der den Beinamen: „Experimentator" führte und den Wahlspruch „ich will sehen und mich überzeugen", Chulin 56 b, 57 b. Beispiele von Ovariotomie bei Tiew finden sich Chulin 48 a, 55 d, besonders bei Kuh und Schwei ,, Bechoroth 26 b, Synhedrin 33 a.*) Schon lange gehe ich der Krebsfrage nach und habe vor Jahren dem Komitee für Krebsforschung in Berlin freundlich nommene Anträge vorgelegt. Sehr anregend wirkten daher <r lf „L die Darbietungen Dr. Kellings, welcher der bekannten veteroplastischen Erkläcungsweise durch ' die Annahme von p „aütären Eiweißzellen aus ordnu -gsfremden Tierleibern eine nein . wjMuna und dadurch eine unabsehbare Ausdehnungsfähigkeit gegeb ' U Der nächste Schluß, der sich für mich daraus e JLx TnltM. Wenn keimfähige Partikelchen aus einem Vogelkörper ffi1' durch ihre schmarotzende Weiterentwicklung solche ,JSUr kr' ' Heerungen im Menschenleibe anzürichten, so kan» Fähigkeit innewohnen, als Substanzen mit irgend .^n cy in einen kranken menschlichen Leib übertragen zu '“J" 1-i es auch nur nach einem Durchgänge durch Säugetiere. f «.feine Virulenz von Ptomainen ist daher vorderhand nicht zu dendrr An eure Vrrur z Doppelt überrascht haben mich als Dr als dilettierenden Mitforscher nach den K- #£!,? mit etwas wie froher Genugtuung erfüllt die NnteÄuckunaen von Frau Dr. Ra bi nowitsch, dre Tuberkulose he? verschiedenen Vogelarten >ch-'Än«°°dm.» auf L ».re.g°buKm7^L Ä1™ » •*—»<> Wte F°.,ch.mgsd°r K-lNug-,ch.n Th°°ri° krebsiae^Erkranke"/von^N'"' £' bof beispielsweise in Bayern das häufige üblM -ragen,? )arm und Speiseröhre auf die landesaenosi nkr^ ÄffS >e MÜckz'Mhren sei. Die große Menge herßabÄwächend und -en und der übermäßige Brergenuß wirken Betrstckt kommeauflockernd a uf die Gewebe und Phagozyten der rn ^biaen Baden uden Organe und machen sie zu einem aufnahme- T 98 grU(6 für die Wucherungen fremdartiger Gewebsteile. Gviftrmtpu ' auf Korsika, wo ein Hauptbestandteil der Nahrung in die Här^ gesteht, werden für das häustge Auftreten des Magenkrebses J yen der inneren Kastauienschale angeführt, iveri^ ®cr Mensch ist nicht nur das, was er ißt, er wird auch ,ffch krank von dem, was er itzt. sr Und wie es Berufskrankheiten gibt, so gibt es auch durch .tahrungswahl bestimmte Krankheiten. Wie über so vieles zum Schutze: der' Gesundheit, so geben die biblisch-talmudischen Speise-Gesetze gera de über das vorliegende Thema beachtenswerte Andeutungen: .. . *) Nachstehende später erfolgte. Erst'rnzung blieb unerwähnt, nämlich die gewiß sehr merkwürdige Talmü dstelle Baba Mezia 83 b, wo von einer- Narkose zum Zwecke einer O peration. wie von einem gebräuchlichen Vorgänge berichtet wird-: „Dev r R. Elasar, Sohn des Simeon, gabman ein Schlafmittel mnd bvaä ste ihn in ein Marmorhaus, wo jjjan ihm den Bauch ar rfschlitzte' und daraus eine große Menge Fett mit roten Wucherungen entfernte.'' ' Sollte unter dem „Marmo rhause" ein aseptisch hergerichte tes Operationslokal verstand-rn werden? (Pi.) **) Dr. K. will nämlich Carc inome der Si wrseröhre u. s. w. auf den Genüße von r o h e n E i e r n -jurückführrn. ('Pi.)

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