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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 22 Dr. JSlocb’s MocvenscdrM. «elte 843 lich berührten ihn die Exzesse der Judenfeinde und die daraus entstandenen Leiden seiner Brüder, die ihm als Juden wie als Menschen wehe taten bis in seines Herzens Grund, und die Zukunft des jüdischen Volkes - wenn auch nicht des Judentums — verursachte ihm bittere Sorgen. Darum auch hielt er es für seine Pflicht, in seinem Hause wie in der Gemeinde, an deren religiösen Leben er ebenso innig wie offen teilnahm, für die Stärkung und Belebung des jüdisch-religiösen Sinnes nachdrücklichst einzutreten. Nichts ist in dieser Hinsicht bezeichnender für ihn, als folgende Eintragung die sich auf dem vergilbten Schutzblatte eines alten zerschlissenen Machsors von seiner Hand verzeichnet fand: „Diese Festgebete habe ich von meiner Mutter geerbt. Nach mir sollen sie meinem ältesten Sohn gehören und auch fernerhin als Familienreliquie von Vater auf Sohn übergehen. Geschlechter mögen daraus Gottesfurcht lernen und religiösen Trost schöpfen. Dies ist mein Wille und mein Wunsch." Mitten aus einem idealschönen Familienleben, das er mit seiner edlen, ihn abgöttisch liebenden Gattin und sieben reizenden Sprößlingen in unaussprechlicher Innigkeit führte, aus einem besonders in der Hauptstadt weitverzweigten Kreise von Freunden, in deren trauter Gesellschaft die liebenswürdigsten Züge seines einnehmenden Wesens und seiner heiteren, - humorvollen und lebensfrohen Natur in gewinnendster Weise lervortraten, aus erfolgreicher wissenschaftlicher und Lehrtätigkeit heraus wurde der teure Mann nach mehrwöchentlicher Krankheit und dennoch unversehens gerissen. Bei der am 16. Mai in der Vorhalle des Universitätsgebäudes stattgefundenen ersten Leichenfeier lag dem Schreiber dieser Zeilen die schmerzlich-süße Pflicht ob, dem erst vor kaum drei Jahren gewonnenen teuren Freund und Gönner Geleitworte auf dessen Weg in die Ewigkeit nachzurufen. Nachdem noch der Dekan der philosophischen Fakultät Professor Posta im Namen der Kollegen und ein Studierender in Vertretung der Schüler von dem Toten Abschied genommen hatten, wurde die Leiche nach Budapest überführt, wo am folgenden Tage eine zweite solenne Trauerfeier stattfand, bei welcher nach einer trefflichen Rede des Rabbiners Dr. W e i ß b u r g Professor G o l d z i h e r namens der Akademie der Wissenschaften und abermals Prof. Posta für die Universität Klausenburg tiefempfundene Worte des Dankes und der Anerkennung sprachen. Ein Ehrengrab, von der Pester Chewra-Kadischa zur Verfügung gestellt, nahm die entseelte Hülle auf. Ueder dem Grabe aber schwebt das Gedächtnis des Gerechten als ewiger Segen. Dr. M. Eisler Rabbiner der isr. Kultusgemeinde und Privat-Dozent an der Universität in Klausenburg. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 28. Mai 190» unter dem Vorsitze des 1. Vize-Präsidenten Herrn Dr. Gustav Kohn. Beginn der Sitzung halb 11 Uhr vormittags. Im Einlaufe befindet sich eine Einladung der „Israelitischen Allianz" zu der am 6. Juni 1905, 6 Uhr abends, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde stattfindenden Generalversammlung. Das Ansuchen der „Israelitischen Allianz", anläßlich der neuerlichen blutigen Exzesse in Rußland einen Beitrag zu bewilligen, wird der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugesührt. Der gleichzeitig gestellten Bitte, die Herren Rabbiner und Prediger zu ersuchen, in ihren Predigten am bevorstehenden Schewuoth-Feste auch der unsäglichen Not der durch eine ununterbrochene Kette von Verfolgungen aus der Heimat gedrängten Glaubensbrüder zu gedenken und dadurch das Interesse für die Hilfsaktion in weiteren Kreisen der hiesigen Gemeinde zu erwecken, wurde durch eine diesbezügliche Verständigung an die Herren Rabbiner und Prediger bereits Rechnung getragen. Ferner befindet sich im Einlaufe ein Dankschreiben des Religionslehrervereines „Esra" für die erfolgte Regulierung der Religionslehrerbezüge. An Spenden werden bekanntgegeben: Bon Frau Hermine Spitzer zur dauernden Erhaltung ihrer Gruft auf dem Zeinral-Friedhofe - K 3200.— Entnahme des Inhaltes der Sammelbüchsen und Opferstöcke im Gemeindetempel Stadt: für die Armen-Anitalt .K 154.98 für ine Chewra-Kadischa . . . „ 90.33 für die Israel. Allianz mr Unterstützung armer jüdischer Auswanderer . . „ 30.20 für die Armen der österr.-ung. Gemeinden in Jerusalem . „ 53.70 „ 329.!9 Bon Herrn Ludwig Riedl für die Brigittenauer Schulküche „ 320.— „ Herrn Michael Straffer s. A. für israel. Arme „ 100.— „ einem ungenannt sein Wollenden: für die Armenanstalt . . . K 50.— für den Präsidialfond für Unterstützungen „ 50.— „ 100.— „ Herrn Moriz Bruckner in Budapest für die Armen der israelit. Kultusgemeinde (Kran.mblösuugsspeude nach Herrn Direktor Moriz Bauer s. A durch die Redaktion der „Neuen Freien Presse") „ 25,— „ Herrn I. Herzog für eine arme jüdische Familie „ 8.— „ Frau Amalie Baseches, Wäschestücke sitr Verteilung au Arme „ Frau Estella Kraus aus deiu Nachlasse ihres fel. Vaters, Herrn Fabi Falles, eine,Sammlung hebräischer Geber- und wissenschaftlicher Werke, einen Talith samt Kittel und Rock. Aufhebung des Wiener Schächtverbotes. Vor Uebergang zur Tagesordnung wird der Erlaß der Statthalterei vom 26. Mai 1905 im Wortlaute zur Verlesung gebracht, mit welchem die Vollziehung des Gemeinderatsbeschlusses vom 28. April 1905, insoserne sich derselbe aus das jüdisch-rituelle Schächten bezieht, als gesetzwidrig untersagt wird. In den Gründen wird yervorgehoben, daß der Gemeinderatsbeschluß vom 28. April 1905 mit dem die allgemeine Glaubens¬ und Gewissensfreiheit und die innere Selbständigkeit der anerkannten Kirchen- und Religionsgesellschaften gewährleistenden Artikeln 14 und 15 des Staatsgrundgesetzes vom 21.Dezember 1867, R.-G.-Bl. Nr. 142, und mit dem § 25 des Jsraeliten-Gesetzes im Widerspruche steht, sowie auch, daß bei dem rituellen Akte der Schächtnng von einer Mißhandlung des Tieres oder einer Tierquälerei nicht gesprochen werden könne. Vertreter Dr. Rappaport beantragt, dem Präsidium für seine zielbewußte Haltung und für die so schleunig durchgeführten Schritte in dieser Angelegenheit den Dank auszusprechen, welchen Antrag das Plenum akklamiert. Erster Vizepräsident Dr. Kohn dankt für die Anerkennung und bemerkt, daß das Präsidium in dieser Angelegenheit nur seine Pflicht getan habe, und hebt die überaus dankenswerte Tätigkeit des Oberrabbiners Dr. Güdemann hervor. Architekt Oskar Marmorek stellt folgenden Antrag: „Die Frage der Heranziehung immer weiterer Kreise unserer Gemeinde zu Beitragsleistungen für die großen Verpflichtungen, Aufgaben und Ausgaben ist seit Jahren Gegenstand lebhaftesten Interesses unserer Gemeindemitglieder. Bei den letzten Vorstandswahlen wurde von allen Parteien einmütig die Herabsetzung des Census als dringende Forderung ausgestellt und den Kandidaten das Mandat nur unter der Bedingung übertragen, daß sie für die Herabsetzung der Minimalsteuerleistung und im Zusammenhänge damit für die Erweiterung des Wahlrechtes sich energisch einsetzen würden. Seit der Neukonstituiernng des Vorstandes ist aber bisher nichts geschehen. Ich stelle den Antrag: Der Vorstand wähle aus dem Plenum eine eigene Kommission von höchstens sieben Mitgliedern, welche die Ausgabe erhält, die Frage eingehend zu studieren und spätestens im Monate Oktober dem Plenum Bericht zu erstatten und Anträge zu stellen." Der Antrag wird der geschäftsordnungsmüßigen Behandlung zugesührt. Folgenden Vereinen werden Subventionen pro 1905 bewilligt: Den Bethausvereinen „Moutefiore", „Marpeh-Lanesesch", „Chassidim", „Chewra Bet-Hatfilah", „Gemilas Chesed", „Liwias Chen", Wieden-Margarethen, den Schulvereinen für den IX. und X. Bezirk und dem Vereine zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina.

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