Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 344 Dr. Klocb's MlocbenscbrM. -kr 82 Die von A. Rosenberg angesuchte Bewilligung zur Errichtung eines Bethauses in der Brigittenau wird mangels der statutarischen Voraussetzungen nicht erteilt. Stiftungsangelegenheitett: Die Jakob Josef und Fanny Schnabl-Armen-Stiftung im Gesamtbeträge von K 440.— wird an 20 Petenten verliehen. Ferner werden folgende, seit dem Plenum vom 14. Mai 1905 durch das Vertreter-Kollegium verliehene Stiftungen zur Kenntnis gebracht: 1. Die Otto Cohn-Stiftung für Realschüler (3 Plätze ä K 130.—); 2. Die Theodor und Alphons Glaser-Stiftung für Gymnasialschüler (1 Platz zu K 82.—); 3. Die Sir Gustavus Rathan-Armen-Widmung (2 Plätze a L 18.—); 4. Die Salomon Frankl-Ausstattungs-Stiftung (1 Platz zu K 380.—); 5. Aus der Freiherrlich von Rothschild-Künstler-Stiftung (3 Plätze a K 800.—) an drei Maler. 6. Die Siegmund Edler v. Wertheimstein - Studenten- Stistung (6 Plätze ä K 84.—). Behufs Abstellung des Andranges zu den Maskir-Andachten im Stadttempel wird beschlossen, am kommenden Sukkoth- Feste zur Abhaltung eines Gottesdienstes ein geeignetes Lokal in der Inneren Stadt, eventuell Leopoldstadt, zu mieten. Im Sinne des Antrages des Vertreter-Kollegiums wird die Fortsetzung der gärtnerischen Ausgestaltung des Währinger Friedhofes aus dem zweiten Teile desselben beschlossen. Die Dotation der „Historischen Vorkommission" wird für das Jahr 1905 von K 4000.— auf K 5000.— erhöht. Nach Bewilligung von periodischen Unterstützungen wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. Aus der Sitzung des „Allgemeinen Oefterreichisch- Jsraelitrschen Bundes" vom 15. Mai 1905. Der Präsident Herr Dr. Alfred Stern begrüßt die erschienenen Vertreter der dem Gemeinde-Bunde angehörigen Kultusgemeinden, sowie auch die anderen Persönlichkeiten und Mitglieder des „Bundes". Er erklärt mit Rücksicht aus die Erschienenen den Bundestag für beschlußfähig und die Sitzung für eröffnet. Er teilt mit, daß die Herren Vorstandsmitglieder: Doktor Arnold Rosenbacher, Prag; Dr. H. Fialla, Brünn; Ignaz Hahn, Linz; I. Ph. Glesinger, Teschen; Bernhard Biller, Graz; Dr. Alois Hilf, M.-Ostrau und Dr. Benno Straucher, Czernowitz, ihre Abwesenheit entschuldigt haben. Ferner beklagt er das Ableben der Herren Vorstandsmitglieder: Dr. H o r o w i tz, Präsideut der Kultusgemeinde Krakau; Heinrich K l i n g e r, Präsident der Kultusgemeinde Wien; Doktor Moriz Lichten st er n, Obmann der böhmischen Landes-Judenschast in Prag, welche sich um den „Bund" große Verdienste erworben haben; er hält denselben (die Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen) einen warmen Nachruf und bittet um die Ermächtigung, diese Beileidskundgebung dem Protokolle einverleiben zu dürfen, womit sich die Anwesenden einverstanden erklären. Der Präsident teilt weiters mit, daß die Kultusgemeinde Pilsen den Delegierten Dr. Josef Schanzer zu ihrem Vertreter beim Bundestage gewählt und entsendet hat, nachdem ihr bisheriger Bundes-Vertreter Herr kais. Rat Adolf L e v i t nicht mehr dem Kultusvorstande Pilsen angehört und sein Domizil geändert hat. Es wird sohin zur Tagesordnung geschritten. Herr Landesschulrat Dr. Gustav K o h n erstattet den Bericht über die Voickommenheiten seit der letzten Bundestag- Sitzung und bemerkt einleitend, daß die letzten zwei Jahre eigentlich nur Vorarbeiten gewidmet waren, die noch nicht abgeschlossen sind, daß sich einzelne Gemeinden und einzelne Personen um Rechtsschutz an den „Bund" gewendet haben, daß ein Teil dieser Eingaben, insoweit sie sich nicht für den „Bund" eigneten, der „Oesterr.-Jsraelitischen Union" in Wien zugemittelt wurden, welche die betreffenden Angelegenheiten auch mit bestem Erfolge durchführte, daß ein großer Teil, insbesondere die Zuschriften der Gemeinden im eigenen Wirkungskreise der Erledigung zugeführt wurden, und kann mit Befriedigung mitgeteilt werden, daß alle diesbezüglichen Eingaben die gewünschte Erledigung fanden. Von geringen Details absehend, sollen nur die wichtigsten Gegenstände in Kürze zur Kenntnis gebracht werden. 1. Anläßlich der Ritualmord-Beschuldigung hat Rabbiner H o r o w i z in Alsö-Kubin eine Broschüre über den Rabbiner- Kongreß in Krakau publiziert, in welchem Kongresse mehr als 100 Rabbiner der konservativsten Richtung eidlich gegen diese ebenso boshafte als lächerliche Beschuldigung Protest erhoben. Der Vorstand des „Bundes" hat durch Subventionierung diese Publikation gefördert. 2. Die Kultusgemeinde Horn wandte sich an den Vorstand des „Bundes" mit der Beschwerde, daß der dortige Gymnasial- Direktor mit Rücksicht darauf, daß in dem genannten Gymnasium weniger als 20 jüdische Schüler sich befinden und deshalb der jüdische Religions-Unterricht dort nicht erteilt wird, die Aufnahme der Note über jüdische Religion in das Schulzeugnis verweigerte. Das Unterrichtsministerium diesfalls begrüßt, gab den Bescheid, daß von Fall zu Fall eingeschritten werden müsse, weil eine allgemeine Weisung nicht zulässig sei, daß über jeweiliges Einschreiten die entsprechende Verfügung getroffen werden wird; ein ähnlicher Fall habe sich in der Bukowina in einem Gymnasium, wo die Mehrzahl der Schüler der griechisch-orthodoxen Konfession angehöre, bezüglich der katholischen Minderheit ereignet und es sei über Einschreiten die entsprechende Weisung gegeben worden. Die Kultusgemeinde Horn wurde von diesem Bescheide des Unterrichtsministeriums verständigt. 3. Der Vorstand hat sich in ganz besonderer Weise mit dem Religionsunterrichte befaßt und es wurde diesfalls zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes eine Enquete nach folgenden Richtungen eingeleitet: a) Einheitlichkeit eines Lehrplanes, allerdings nur in Form eines Rahmens-Normale unter Freilassung von Details; d) Schaffung von Lehrbüchern; e) Errichtung einer Präparandie zur Heranbildung .von jüdischen Religionslehrern. Es wurde diesfalls an sämtliche Kultusgemeinden ein Rundschreiben erlassen, welches zum geringen Teile mit dankenswerten Anregungen, zu einem nicht großen Teile mit Zustimmungserklärungen, zum weitaus größten Teile aber gar nicht beantwortet wurde. Der Vorstand hält aber diese Angelegenheit noch in weiterer Behandlung und wird in seinen Bemühungen nicht erlahmen. Die Einheitlichkeit des Lehrplanes, sowie die Schaffung von geeigneten einheitlichen Lehrbüchern ist durch die Autonomie auch kleinster Gemeinden sehr erschwert und die Besprechungen mit dem Ministerium haben gezeigt, daß im Unterrichtsministerium Geneigtheit für die Realisierung dieser wichtigen Angelegenheit vorhanden ist, daß aber zuvor die Schwierigkeit der verschiedenen Ansichten der einzelnen Kultusgemeinden überwunden werden muß. Am wichtigsten erscheint die Schaffung einer Lehrer-Bildungsanstalt für jüdische Religionslehrer, da insbesondere in der Provinz großer Mangel an zu diesem Zwecke ausgebildete Personen besteht. Die Wiener Kultusgemeinde will sich gerne an die Spitze stellen; doch sei die Mitwirkung zumindest der anderen großen Gemeinden erforderlich, in deren Interesse diese Anstalt ganz besonders gelegen sei. Ein Hauptinteresse haben aber diejenigen Gemeinden, wo derzeit noch konfessionelle Schulen bestehen. Leider fehlt es der Mehrzahl dieser Gemeinden an der richtigen Würdigung dieser Angelegenheit.