Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Dr. Dlocb's MocdenscbrM. Seite 341 (Abkürzung für: Leu zarich lihejot) werden immer ein glänzendes Zeugnis kritischen Scharfsinnes bilden, und es verlohnt sich, darüber nachzudenken, zu welcher allgemeinen Berühmtheit dieser Mann wohl gelangt wäre, wenn er seinen Scharfsinn nicht auf den Talmud, sondern auf die Literatur des griechischen und römischen Altertums verwendet haben würde. „I. H. Weiß ist ebenso aus sich selbst ein Geschichtsschreiber der jüdischen Tradition geworden. Allerdings hatte er bedeutende Vorgänger, Zunz, Rapoport, Jost, Grätz, aber er hat doch seinen eigenen Weg eingeschlagen, und die Einteilung, Anordnung und Darstellung seiner Geschichte der jüdischen Tradition zeigen von einer seltenen Konzeptionsfähigkeit. Der Umstand, daß sein Hauptwerk hebräisch geschrieben ist, hat überdies dazu beigetragen, daß in den Gegenden des Ostens, denen dieses Idiom zugänglicher ist, in den weitesten Kreisen das Interesse unserer Glaubensbrüder für wissenschaftliche Erforschung unserer Geschichte und Literatur wachgerufen wurde." vom Zabrmarkt des Lebens. Rußland und Amerika. Kabelmeldungen aus dem Jahre 1903. Washington, 25. Juni. Nach reiflicher Erwägung hat sich Präsident Roosevelt entschlossen, dem Wunsche des Ordens B'nai B'rith zu willfahren und die von den Mitgliedern dieses Ordens anläßlich der Kischenew-Greuel entworfene Petition an den Zaren aus dem üblichen diplomatischen Wege zur Kenntnis der russischen Regierung zu bringen. Aus einem von gestern datierten Schreiben des Staatssekretärs Hay an Leon Levi von New-Iork, Präsident des Ordens B'nai B'rith, und Simon Wolf von Washington, als Vertreter der Vereinigten jüdischen Gemeinden, ist ersichtlich, daß die Ueberreichung der Petition an die russische Regierung wahrscheinlich durch den amerikanischen Geschäftsträger in St. Petersburg erfolgen wird. Eine weitere Publikation der amerikanischen Regierung lautet: „Die russische Regierung hat es abgelehnt, die von mehreren tausend Bürgern der Vereinigten Staaten Unterzeichnete und auf Weisung des Präsidenten nach Petersburg gekabelte Petition bezüglich der Lage der Juden in Rußland entgegenzunehmen oder in Betracht zu ziehen. In der Konferenz in Oyster-Bay am Dienstag den 14. Juli besprach sich der Präsident mit den Herren Leo N. Levi, Simon Wolf und Oskar S. Strauß weg"n der Ueberreichung der Petition, und es wurde beschlossen, an den amerikanischen Geschäftsträger in St. Petersburg, Herrn Riddle, folgende Depesche abzusenden: „Staatsdepartement, Washington. D. C. 15. Juli 1903. Sie werden beauftragt, bei dem Minister des Auswärtigen eine Audienz nachzusuchen und ihm Folgendes zu unterbreiten: Exzellenz! Der Staatssekretär beauftragt mich, Sie davon in Kenntnis zu scheu, daß der Präsident eine von einer großen Anzahl Bürger der Vereinigten Staaten aller Religionsbekenntnisse und in den höchsten Stellungen sowohl im öffentlichen wie im Privatleben Unterzeichnete Petition bezüglich der Lage der Juden in Rußland, die an den Kaiser gerichtet'ist, erhalten hat." „Ich bin angewiesen, zu fragen, ob diese Petition von Ew. Exzellenz entgegengenommen und Seiner Majestät zur gnädigen Berücksichtigung übergeben werden wird. In diesem Falle wird die Petition sofort nach Petersburg gesandt werden." „Berichten Sie so bald als möglich über Ausführung dieser Instruktion H a y." Dieses Schriftstück wurde am 15. Juli abgesandt und am gleichen Tage wurde Herr Riddle vom russischen Minister des Auswärtigen informiert, daß im Hinblick auf die Veröffentlichungen, welche in den Blättern erschienen seien, die russische Regierung ihn in Kenntnis zu setzen wünsche, daß die Petition unter keinen Umständen entgegengenommen werden würde und daß dieser Entschluß der russischen Regierung unabhängig von irgend einer Erwägung des Inhaltes oder des Wortlautes der Petition gefaßt sei. Nach dieser Information richtete der Staatssekretär folgendes Schreiben an die Herren Strauß, Wolf und Levi: „Meine Herren! Ich bin vom Präsidenten angewiesen. Ihnen mitzuteilen, daß mein Departement von der amerikanischen Botschaft in Petersburg informiert ist, daß die kaiserliche Regierung von Rußland es abgelehnt hat, die Petition in Betreff der Lage der Juden in Rußland, die von einer großen Zahl Bürger der Vereinigten Staaten an Se. Majestät den Kaiser gerichtet war und welche das Departement aus Anweisung des Präsidenten und aus Ihren Wunsch ihrer hohen Bestimmung zuzuführen versuchte, entgegenzunehmen oder in irgend welche Erwägung zu ziehen. Ich bin, meine Herren, hochachtungsvoll der Ihrige John Hay." So weit die Kabelmeldungen aus dem Jahre 1903. Und nun Die Kabelmeldung im Jahre 190». London. Die „Morning Post" meldet aus Washington: Der russische Botschafter Gras Cassini hat aus Befehl der russischen Regierung in amtlicher Form persönlich beim Präsidenten Roosevelt gegen die beabsichtigte Reise des Kriegssekretärs Taft nach den Philippinen und Japan Einspruch erhoben. Graf Cassini legte dem Präsidenten dar, der Besuch Tafts aus den Philippinen und in Japan würde von den Japanern und von den europäischen Mächten als Ausdruck der Sympathie und der Ermutigung für Japan ausgelegt werden. Einer der Gründe des Einspruches soll der Umstand sein, daß Miß Alice Roosevelt die Reise mitmachen sollte. Präsident Roosevelt lehnte es ab, aus den Einspruch einzugehen und fügte hinzu, die für die Reise bereits getroffenen Bestimmungen würden nicht geändert werden. Eine Rede des österreichischen Kultusministers Härtel. (21h§ „Mitteilungen des Vereines zur Abwehr" vom 25. Mai in Berlin.) Vor wenigen Tagen hielt der österreichische Kultusminister Härtel im Reichsrat eine Rede, in welcher er die Uebersüllung der bestehenden Universitäten als eine Veranlassung zum Bau neuer Hochschulen erwähnte. Als er davon sprach, was gegen diese Uebersüllung geschehen könne, unterbrach ihn der Abgeordnete Schönerer mit den Worten: „Juden nicht zulassen." Aus diesen Zwischenruf hätte der Herr Minister folgende Rede halten können: „Der Abgeordnete, der mich unterbrochen hat, ist ein erbitterter Feind unserer Monarchie. Noch im August vorigen Jahres hat er dieser Feindschaft deutlichen Ausdruck gegeben, indem er der Stadt Eger mit Verzicht seines Ehrenbürgerrechts drohte, falls ihre Vertreter Seine apostolische Majestät zum Besuch der Stadt einladen würden, eine Drohung, die er, nachdem die Einladung erfolgte, auch tatsächlich ausgesührt hat. Die Feindseligkeit gegen den Monarchen entspringt seinem Haffe gegen das österreichische Staatswesen. Wir dürfen daher, wenn wir der Meinung sind, daß der Herr Abgeordnete richtige Schlüffe zieht, davon ausgehen, daß ein Vorschlag, den er uns macht, dem österreichischen Staate nur schädlich sein kann. Ich glaube dies auch für die Frage annehmen zu müssen, um die es sich hier handelt. Wenn die Zahl der Studierenden an Hochschulen beschränkt werden soll, so erfordert es augenscheinlich das Interesse des österreichischen Staates, diejenigen zuzulassen, welche ihre Pflicht erfüllen und fleißig studieren wollen, diejenigen aber nicht zuzulassen, welche die Universität nicht zum Studieren, sondern als ein Tätigkeitsgebiet für politische antiösterreichische und antimonarchische Demonstrationen zu benutzen suchen und bei ihren lärmenden Kundgebungen gelegentlich selbst vor dem Frieden des Krankenhauses keine Ehrfurcht gezeigt haben. Wenn die Unterrichtsverwaltung daher in die Lage käme, die Zahl der Studierenden beschränken zu müssen, wozu vorläufig keine Veranlassung vorliegt, so würde sie ihre Pflicht als österreichische