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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite ÄS4 Dr. LLocb's MocbenscbrM. Nr LI doch, daß er Ihr einziger Sohn ist! Kehren Sie nur ruhig nach Hause zurück. Niemanden von uns kommt es in den Sinn, Ihnen Ihr Kind assentieren zu lassen!" So überzeugungstreu klangen seine Worte, daß ich mit beruhigtem Harzen wieder nach Haufe kehrte. Die Atmosphäre in meinem stillen Heim war, wie immer, rein und sonnig. (Fortsetzung folgt.) „Die Einsiedlerin". Roman von Ulrich Frank. Schlesische Verlagsanstalt von S. Schottländer. Breslau 1905. Frau U&a Wolff-Frank, die unter dem Pseudonym Ulrich Frank seit Jahrzehnten zu den interessantesten literarischen Persönlichkeiten der deutschen Reichshauptstadt zählt, führt uns mit ihrer neuesten bedeutenden Schöpfung, dem Roman „Die Einsiedlerin", in das Getriebe der Weltstadt, in die Kreise des Künstlertums und der Aristokratie, die sie in so meisterhafter Weise zu schildern versteht. Der treffliche Roman ist eine Steigerung ihrer letzten mehr und mehr ausgereiften Romane, die zumeist in der Metropole des Geistes und der Intelligenz ihren Schauplatz gefunden haben, denen man als Motto Goethe's: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben, Und wo ihr's packt, da ist es interessant" voransetzen möchte und die im guten Sinne modern sind. Hat auch die begabte Schriftstellerin mit ihren eigenartig reizvollen Erzählungen aus dem jüdischen Leben einen überraschend glücklichen Schritt in eine andere Sphäre getan, ihr ureigentlichcs FÄd ist der moderne soziale, von gesundem Realismus durchwehte Roman. Hier bewundern wir ihre Erzählungskuust. chre reiche Erfindungsgabe am meisten. Ulrich Frank faßt ihren Schriststellerberuf mit hohem Ernste auf; sie versteht das Leben, besonders das wogende, brandende Großstadtleben, zu schildern, wie es ist; ihre Menschen, die sie uns vorführt, find Menschen von Fleisch und Blut, deren Schicksale unsere Teilnahme erregen, mit denen wir uns fteuen und mit denen wir leiden, und fie bewährt sich in diesem neuen interessanten Roman wieder als geist-, talent- und anmutsvolle «Schriftstellerin, als eine feine Kennerin des menschlichen und besonders des weiblichen Herzens, die den Forderungen der Kunst, wie dem Geschmacke und den Neigungen der Leser gerecht zu werden vermag. Mit sicherem, glücklichem Blicke hat Ulrich Frank in dem vor uns liegenden Roman die so grundverschiedenen Kreise der Künstlerwelt und der Aristokratie einander gegenübergestellt, zwischen denen eine tiefe, unüberbrückbare Scheidewand herrscht; die Vertreter dieser Kreise sind vorzüglich gezeichnet, insbesondere die Großmutter, die nicht eigentlich handelnd auftritt, aus deren Briefen jedoch Geist vom Geiste Simon Eichelkatz' weht, und geeignet, das höchste Interesse der Leser zu erwecken. Wir können diese künstlerisch und literarisch wertvolle Arbeit, die der ausgezeichneten Schriftstellerin einmütig die Anerkennung der Kritik eintragen und die Zahl ihrer Verehrer noch beiweitem vergrößern wird, warm empfehlen. Möchte Ulrich Frank uns noch durch viele reiche literarische Gaben erfteuen dürfen! Breslau. Regina N e i ß e r. Jüdisches Lebe« im Bilde. Im Verlag von I. Spiro, Berlin, Kurfürsten-Str. 148 find soeben 20 Ansichtskarten erschienen, welche die bekannte Picart'sche Sammlung holländischer Judenmilieus, sowie Bilder aus Kircher, Bodenschatz usw. trefflich wiedergeben. Dem größeren Publikum, welchem solche Szenen in dieser Form bisher nur nach den berühmten Oppenheim'schen Genrebildern geboten worden waren, wird mit diesem Unternehmen ein neuer Einblick in die Welt des jüdischen Familienlebens der Vorzeit eröffnet. Es empfiehlt sich, auf diesem Wege fortzufahren und auch andere Darskllungen Mischer Interieurs für billiges Geld Jedermann zugLuglich zu machen. Neue Bücher. Dr. M. Braun. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Verlag von Wilh. K o e b n e r, Breslau, Heft 3/4. März—April 1905. Inhalt: Philipp B l o ch: Die Kabbalah auf ihren Höhepunkt und ihre Meister. A. Ackermann: Der märkische HostienschänduNgsprozeß vom Jahre 1510. H. Schultze: Geschichte der Familie Wallich. (Fortsetzung.) Moritz Steinschneider: Mathematik bei den Juden (1551—1840). (Fortsetzung.) D. Simonsen: Hartwig Wesscly's Todestag. Mitteilung der Gesellschaft. E. Zivier: Eine archivalische Informationsreise. M. Brann: Bibliographische Uebersicht. KrirfkaZe«. K. S. Ein Mitglied der japanischen Gesandschaft in Wien, das bei einem Professor an der Wiener Universität juridische Vorlesungen hörte, besprach einst mit einem feinen ironischen Lächeln die Aufklärung und die Bildung der Europäer in religiösen Angelegenheiten und äußerte, daß ein Sohn Japans absolut unfähig sei, sich in die Seele derer zu versetzen, welche Menschen bedrücken und verfolgen, weil sie ihre eigenen Vorstellungen über das Göttliche und den Kosmos haben und durch besondere Feste und Zeremonien von anderen sich unterscheiden. Es dürfte daher geraten sein, nicht bloß Schirme zum Schutze gegen die sengenden Sonnenstrahlen, sondern auch etwas Toleranz aus Japan zu beziehen, wenn nicht zu befürchten wäre, daß sie unter den von Nächstenliebe triefenden Völkern wenig Absatz fänden. K F. Es ist bekannt, daß Schiller, als er auf dem von Wolzogenschen Gute Bauerbach ein Asyl gefunden hatte, mit einem Bauerbacher armen Juden viel verkehrte und desstn, trotz mangelnder moderner Bildung, geistvolle Unterhaltung und wohl auch dessen Witz gern auf sich einwlrken ließ. Der Jude hieß Mordochai und es leben noch Urenkel desselben auch in der betreffenden Gegend, welche auf den Umgang ihres Urgroßvaters mit Schiller stolz sind. — Bei der Feier im Jahre rtt59 iu Bauerbach und Meiningen ist dieser Umstände gedacht worden und die Manuskripte der Reden sowie die Tagespresse jener Zeit können darüber Aufschluß, geben, „Zionist." Auch die ,)Jüdische Rundschau" hat'Ue'^'NHe Beschwerde erhoben. § 25 der „Geschäftsordnung der Zionisten-Kongresse" lantet: „Die Plerlarsitzungen des Kongresses sind öffentlich." Das Aktions-Komitee hat dagegen verfügt, daß der Eintritt nur gegen Entreebillets von 20 Fres. gestattet wird. Daß die Erhebung eines Eintrittsgeldes von 20 Franken die Oeffentlichkeit der Beratungen aufhebt, braucht nicht weiter dargetan zu werden. „Heinrich P. in Kolin." Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß ein Blatt, welches angesichts der Vorgänge in Schitomir, Krasno und anderen Orten Rußlands seinen „leader“ mit dem Satze beginnt: „Und so schreitet der Kaiser von Rußland auf dem Wege der eingeschlagenen Reformen weiter" nicht ernst genommen werden kann. Sie bemerken auch ganz richtig, daß dieses Blatt schon seit Beginn und während der ganzen Dauer des „russisch-japanischen" Kriegenicht aufhörte, sich mit seinen Bemerkungen, „mit Vorsicht aufzunehmen (dre Redaktion)" lächerlich zu machen; alte Berichte über die. russischen Niederlagen empfahl es seinen Lesern mit Vorsicht aufzunehmen. Ueber Ihre wohl etwas drastisch zunr Ausdruck gebrachte Ansicht, daß diejenigen, die an der Spitze der russischen Regierung stehen, das Taucherhandwerk lernen müssen, wollen sie ihre stolze Flotte Wiedersehen, wollen wir, wenn wir anders nicht Ihnen auf das Gebiet des Prophezeiens folgen wollen, nicht streiten. „Eifriger Leser in L. U." Auch Ungarn können nach Cuba auswandern, doch empfiehlt es sich, mit der Zentralstelle für das Auswanderungswesen in Berlin Fühlung zu nehmen. „Ausfchnßmitglied". Leider nein. H. P. derzeit Teplitz. Der Anlaß ist denn doch allzu unbedeutend für die weitere Oeffentlichkeit. Bei einer anderen Gelegenhelt könnten die heutigen Fakten mit erwähnt werden. Notiz. Oesterreichische Dolksbank. Wir machen unsere Leser auf das in dieser Nummer befindliche Inserat aufmerksam. Die Genossenschaft „Oesterreichische Volksbank" wurde seinerzeit unter Mitwirkung hervorragender Glaubensgenossen begründet und bezweckt unter anderem, den Glaubensgenossen, welche ihre Ersparnisse nutzbringend anlegen wollen, Gelegenheit zu bieten, diese einem Institut anzuvertrauen, das weder offen noch versteckt antisemitischen Tendenzen dient. Es liegt deshalb im Interesse unserer Glaubensgenossen, dieses Institut zu fördern, zumal die Leitung in Händen liegt, welche die sicherste Garantie für das angelegte Kapital bietet.

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