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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Mocb's MlocbenscbrtN. «ette SSI eingewandert find, haben sich nicht weniger als 567.276 zirka 69*17 Perzent aller Emigranten in den fünf Staaten New-Aork, Pennsylvania, Illinois, Massachusetts, New-Jersey niedergelassen. Die Zentral-Staaten. der gesamte Westen, sowie die umfangreichen aber menschenleeren Südstaaten bekamen von dem Segen der Einwanderung sehr wenig zu spüren. Daß die Einwanderer sich in einigen wenigen großen Städten zusammendrängen und, große Ghettos bildend, dem Lande zur Last und sich selber nicht zum Segen sind, ist ein Uebelstand, der um jeden Preis beseitigt werden muß, und wenn es nicht anders geht als durch ein Einwanderungsverbot, so wird das amerikanische Volk selbst vor diesem nicht zurückschrecken. Einstweilen ist man aber in Amerika noch weit davon entfernt. Wer im Besitz seiner gesunden Glieder und eines Barkapitals von 50 Dollars ist, respektive in Ermanglung des letzteren sich auf Freunde und Verwandte berufen kann, dem werden die Pforten der Vereinigten Staaten noch viele Jahre lang weit offen stehen. Zur Sprengung des großen Ghettos aber braucht es keiner Einwanderungsverbote. Es gibt noch andere weit weniger drastische Mittel, die ebenso sicher zu gleichem Zwecke führen. Auf eines dieser Mittel hat der neue New-Iorker Kommissär für Einwanderungswesen, Mr. Robert Watchorn, in einem kürzlich gehaltenen Vortrag hingewiesen. Es gibt in Amerika Millionen Hektar Land, die Arbeiter brauchen, ebenso gibt es Millionen von Arbeitern, die Land brauchen. Das Problem besteht nur darin, wie man diese auf einander so sehr angewiesenen Faktoren zusammen bringt. Nach einem vom General-Kommissär of Immigration Mr. Sargent in Washington genehmigten Plan soll fortan auf Ellis Island eine permanente Ausstellung sämtlicher Erzeugnisse der Vereinigten Staaten, sowie ein Arbeitsnachweis-Bureau eröffnet werden. Mit Hilfe dieser beiden Mitteln soll eine gleichmäßige Verteilung der Emigranten über das ganze Land angestrebt und verhindert werden, daß ein Einwanderer dahin geht, wo er nicht gebraucht werden kann und wo er selbst blos Enttäuschung erlebt. Daß der Staat New-Iork von Hünderttausenden Elenden und Hungernden wimmelt, während der mit allen Gaben der Natur reichlich gesegnete Staat Texas von einem Umfang des Deutschen Reiches im letzten Jahre nur 2297 Emigranten heranzulocken vermocht hat, soll hier konstatiert werden. Einstweilen wird die Dispersion der Einwanderer mit privaten Mitteln und auf privatem Wege betrieben. Die besten Erfolge haben immer noch die Juden darin erzielt, obgleich auch sie das Jahr über kaum 6000 Glaubensgenossen aus dem großen New-Iorker Ghetto entfernen konnten. Um die Sprengung des Ghettos ein wenig zu beschleunigen, hat sich die Agricultural Aid Society von Milwaukee entschlossen, eine große jüdische Kolonie auf folgender neuer Grundlage zu errichten: Die Kolonie wird nach dem System der Gutswirtschaft betrieben, d. h. die Kolonisten arbeiten auf der Kolonie als Taglöhner. Ihr Lohn soll in Milwaukee 5 Dollars die Woche betragen. Nach Ablauf eines Jahres werden alle Arbeiter, welche sich bewährt haben, definitiv als Kolonisten installiert werden. Man hofft auf diese Weise viele Hunderte von Lustmenschen zu tüchtigen Kolonisten zu machen. vermischtes. Wiener Kchiichtnerbot. Mittwoch Nachmittag erschien plötzlich eine Kundmachung des Bürgermeisters Dr. Lueger, daß mit dem 1. k. Monates das rituelle Schächten in den Wiener Schlachthäusern gänzlich aufzuhören habe. Es bleibt abzuwarten, ob die k. k. Statthalterei einen solchen brutalen Eingriff in die Gewissensfreiheit ruhig hingehen lassen wird. Die XXX iT. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz z« Wien findet am Dienstag den 6. Juni 1905 um 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1904; 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1904; 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer (§ 6 der Statuten); 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (8 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Der Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag, den 4. Juni 1905, um 12 Uhr mittags, findet im Tempel I., Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Claire Langfelder, Tochter des Religionsschulinspektors Herrn Dr. Leopold Langfelder, mit Herrn Josef Marx statt. Wien. Ein dreifaches, schönes Familienfest begeht die Familie des allgemein geachteten und bekannten Maierhofpächters und Milchhändlers Herrn Heinrich Landsberger (II., Hammer Purgstallgasse 8). Er feiert Donnerstag den 1. Juni l. I. mit seiner Gattin Marie das Fest der silbernen Hochzeit, gleichzeitig die Verlobung seiner Tochter Johanna mit Herrn mag. pharm. Max Guttmann und die Konfirmation seiner jüngsten Tochter, welche um 10 Uhr vormittags im Leopoldstädter Tempel stattfindet. Wien. Die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienene Artikelserie „Propheten und Psalmisten" von Rabbiner Dr. S. G e l b h a u s erscheint nunmehr auch in Buchform im Verlage der Buchhandlung Richard L ö w i t, I., Rothenthurmstraße 22. Baben. (Trauung.) Dienstag den 23. Mai l. I., um 1 Uhr nachmittags, fand im israelitischen Tempel zu Baden die Trauung des Fräulein Gisela Schäfer, Tochter des Kantors Herrn Jacob Schäfer, mit Herrn Gsza B r e i n e r statt. Aus Ischl wird uns berichtet: Wie alljährlich besucht auch heuer der bekannte und beliebte Komponist Herr D. Kah a n 6 aus Wien unfern Kurort. Herr D. Kahans, der zum 18. d. M. nach Ischl kommt, feiert am 22. Juni l. I. seinen 60. Geburtstag. Bei der allgemeinen Beliebtheit, deren sich die so reizvoll originellen Kompositionen in allengrößeren Kurorten von Weltruf erfreuen, ist es kein Wunder, wenn von Nah und Fern schon jetzt dem Jubilar zahlreiche Glückwünsche zukommen. Bei uns in Ischl, wo seine Kompositionen so oft gespielt werden und so viel Anklang finden, wird ihm natürlich der Tag die ihm gebührenden Ehren bringen. Agram. Wie wir erfahren, hat der jetzt am 1. Mai zum General der Kavallerie ernannte Adlatus des Oberkommandanten der königl. ung. Landwehr, Wilhelm Klobuear, sowohl Heuer, als auch in den vergangenen Jahren, anläßlich der Osterseiertage allen Soldaten mosaischen Glaubens mittels Erlasses erlaubt, nach jüdischem Ritus außer der Kaserne zu speisen, und angeordnet, daß dieselben nach Möglichkeit vom Dienste au den genannten Tagen befreit werden. Dieser Herr Oberkommandirende ist allgemein beliebt sowohl wegen seiner militärischen Tüchtigkeit, als auch wegen seiner liberalen Gefinnungsweise. P. Budapest. (Josef Scharf gestorben.) Ein der Hauptpersonen des Tisza-Eszlarer Prozesses, Josef Scharf, ist heute im Rochusspital im Alter von 65 Jahren gestorben. Der alte Mann wurde gestern gegen 10 Uhr abends auf der Straße von einem Schlagansalle erreicht und von den Funktionären der Rettungsgesellschast als unbekannter Patient ins Spital auf die Abteilung des Professors Angyan überfuhrt, wo er nunmehr, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu

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