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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 329 zu verleihen. Bezüglich der Geschäftstätigkeit bedauert er, daß nicht bedeutend reichere Mittel dem Vereine zur Verfügung stehen, damit derselbe seine ebenso notwendige als erfolgreiche Tätigkeit in größerem Maßstabe ausführen könne, hoffe auch, daß dies in der Zukunft durch reichere Zuwendungen ermöglicht werde und daß der verehrliche Kultusvocstand die bisherige, allerdings bescheidene Subvention im erhöhten Maßstabe widmen wird. Mit einem Danke an die Damen, die ihre Tätigkeit dem Vereine widmen, schloß der Vertreter des Kultusvorstandes. Die ausscheidenden Funktionäre Herren Baurat Theodor von G o l d s ch nl i d t, kais. Rat Moriz Hirsch, Emil Horner, Direktor Ignaz I o l l e s, Dr. Bela T a u s s i g und Hofrat Sigmund T a u s s i g wurden einstimmig wiedergewählt. Die gleiche Stimmeueinhelligkeit herrschte anläßlich der Wiederwahl der Zensoren pro 1905, der Herren: Jakob Mensch, S. Steiner und Moriz W a i z n e r. Zum Schlüsse hielt Herr kais. Rat Johann Lichtenst a d t seinen überaus anregenden und belehrenden Vortrag: „Jüdische Arbeit in Rumänien." Die Vorträge des Genannten gehören bereits zum ständigen Inventar der Jahresversammlungen dieses Vereines und erwecken von Jahr zu Jahr mehr Interesse, wofür ihm auch der Dank der Anwesenden durch den reichlichen Beifall in immer erhöhterem Maße zuteil wird. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger ifraelit. Waisen. Aus dem 44. Jahresberichte desselben seien einige Daten hervorgehoben: Der Verein führt unter seinem Schutze 64 interne, im Mädchen-Waisenhause XIX., Ruthgasse 21 untergebrachte, sowie 609 externe, in häuslicher Pflege befindliche Zöglinge. Der Aufwand für dieselben, auf beide Kategorien gleich verteilt, betrug pro 1904 rund 102.000 Kronen, bestritten teils durch Mitglieder-Beiträge und Spenden, teils aus dem eigenen Fond. Durch kaiserliche Entschließung wurde der Verein in die Reihe der aus der Staats-Wohltätigkeits-Lotterie zu beteilenden Anstalten ausgenommen. Gegenwärtig strebt der Verein auch die Errichtung eines Knaben- Waisenhauses an, dessen Bau durch ein Legat gesichert erscheint. Es bedarf nunmehr noch der Sicherung des Betriebes, d. i. einer jährlichen Auslage von 20.000 bis 24.000 K Man hofft auf die öffentliche, auf die Teilnahme edler Herzen. Sitz des Vereines T., Seitenstettengaffe 4, woselbst der Jahresbericht gerne ausgefolgt wird; des Präsidiums I., Fichteg. 4. Die Inden im Ackerbau. Die Generalversammlung des Ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines in Budapest eröffnete der Präsident Hofrat Armin Neumann mit einer interessanten Rede, der wir folgende Stelle entnehmen: „Während der Verein mit vollem Selbstbewußtsein, ja mit Stolz auf die Erfolge Hinweisen kann, die er in Bezug auf die Ausbildung von Handwerkern zu erreichen im Stande war, muß er mit Bedauern konstatieren, daß er auf dem Gebiete der Bildung von Ackerbauern kaum die Schwierigkeiten des Anfanges zn überwinden vermochte und daß sich die bezügliche Tätigkeit des Vereines nur in sehr engen Grenzen bewegte. Redner konstatiert mit Bedauern, daß seine in dieser so wichtigen Frage wiederholt erhobenen Mahnrufe bei den maßgebenden Kreisen nur geringen Widerhall fanden; jedenfalls nicht jenen, den diese so eminent wichtige Angelegenheit erheischen würde. Allein die bisherige Erfolglosigkeit seiner Bemühungen werde ihn nicht abschrecken, die Ackerbaufrage wieder und wieder aufs Tapet zu bringen, weil er von der durch nichts zu erschütternden Ueberzeugung durchdrungen ist, daß es sich hiebei um die Existenzfrage und die in der nächsten Zeit zu gewärtigende soziale Gestaltung der armen jüdischen Bevölkerung Ungarns handelt. Der Gestaltungsprozeß des modernen wirtschaftlichen Lebens vernichtet gerade jene Erwerbszweige, welche bisher der Nährboden der ärmeren jüdischen Bevölkerung waren. Die Hauptfaktoren nnseres Verkehrslebens, die Produktion und Konsumtion, find infolge der Entwicklung der Verkehrsmittel einander so nahe gerückt, daß zwischen beiden nur noch der vermittelnde Großhandel einen Platz findet, und was überhaupt dem kleineren Zwischenhandel zufallen könnte, wird durch die immer mehr um sich greifenden Konsumvereine absorbiert. Auch andere Erwerbsbeschäftigungen, insbesondere in der Provinz, wie das Schankrecht rc. werden allmülig expropriiert. Das find Tatsachen, über die man raisonnieren kann; aber keinerlei Kritik wird dieselben aus der Welt schaffen. Mit diesen Tatsachen muß man sich daher abfinden und das Ergebnis einer solchen Abrechnung kann nur darin bestehen, daß die ärmeren Klassen der ungarischen Judenschaft wieder mit der Mutter Erde in Verbindung gebracht werden müssen, von der sie seit Jahrhunderten künstlich losgerissen wurden. Denn es ist unwahr, daß der arme Jude keinen Berus für die Landwirtschaft besitzt oder daß der Jude infolge des ihm angeborenen Temperaments der spekulativen Beschäftigung, d. h. dem Handel zuneigt; nach dem Zeugnisse der Bibel und der alten jüdischen Geschichte waren die Juden Ackerbauer und nicht Kausleute. Die Erzväter haben Brunnen gegraben, um ihr Vieh zu tränken. Die Kundschafter, welche Moses in das gelobte Land entsandte, sprachen mit Begeisterung von dem fetten Boden des Landes, in welchem Milch und Honig fließt. Ein Teil der Festtage und Gebete der Juden find der Ernte und dem Regen gewidmet; ja der Mittelpunkt der ganzen aus wirtschaftlichen Grundlagen ansgebauten Konstitution der alten Juden war das mit jedem fünfzigsten Jahre sich wiederholende Jubeljahr, das Jahr der Bodenbefreiung. Nein, nicht Kaufleute, sondern kampferprobte Krieger und Ackerbauer waren die Bewohner Palästinas. In der Geschicklichkeit des Handels wurden sie von anderen Völkern weit überflügelt. Nur die Verfolgungen im Mittelalter drückten den Juden den Wanderstab in die Hand, hängten ihnen den Haufiersack um die Schulter, der ihren Rücken krümmte, nur die Bedrückung drängte sie in die licht- und luftleeren Krämerbuden, wo sie körperlich verkümmerten. Zu demjenigen Boden müssen daher die Juden zurückgeführt werden, welchem sie gewaltsam entrissen wurden, dorthin, wo sie keine Konkurrenz zu treffen vermag, wo Jedem Lebensfteudigkeit erblüht und das Selbstvertrauen gekräftigt wird. Der Jude soll wieder jenen Beruf finden, welchen ihm die Bibel mit den Worten zugewiesen, daß er mit harter Bodenarbeit im Schweiße seines Angesichtes sein Brot verdiene. Es soll wieder eine neue, in der freien Gottesnatur erzogene, muskelstarke, geistesfrische, selbstbewußte jüdische Generation zum Wohle der Nation und der jüdischen Glaubensgenossenschaft erzogen werden. Anderwärts wurden die Zeichen der Zeit bereits begriffen und Aequivalente für jene Erwerbszweige gesucht, von denen die Juden depossediert wurden. Vom Zionismus abgesehen,- den die ungarischen Juden schon infolge ihres Patriotismus perhorreszieren, kann auf die seit 1897 entstandene intensivere Bewegung in Deutschland hingewiesen werden, welche insbesondere in dem ,>Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" einen festen Stützpunkt fand. Auch soll der im Jahre 1893 in Ahlem (bei Hannover) durch die Munifizenz des Herrn Konsuls Simon gegründeten Gartenbau- Erziehungsanstalt aus dem Grunde Erwähnung geschehen, weil die Gründung einer solchen Anstalt durch unseren Verein trotz der beschränkten materiellen Mittel, über die derselbe verfügt, nicht unmöglich wäre. Die Anstalt, deren Entwicklung Simon seine beste Kraft widmet, umfaßt etwa 80 Morgen Landes, ist mit den nötigen Gebäuden versehen und nimmt sieben- bis vierzehnjährige Kinder auf, welche während des größten Teiles ihrer Zeit in der freien Natur beschäftigt find und mit dem nötigen Elementarunterricht versehen werden. Diejenigen, die die nötige Eignung bekunden, werden sodann als Lehrlinge für den Gärtnerberuf ausgebildet; es find im Laufe der Jahre über 80 Gärtner in der Anstalt ausgebildet worden, die teils in Gärtnerschulen als Lehrer wirken, teils als selbständige Gärtner sowohl der Anstalt als der deutschen Judenschaft zur

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