Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 328 Dr. Bloch's Wochenschrift. Str. 21 Korrespondenzen. Zionistische Parteileitung. In dieser Woche haben hier die Versammlungen des großen zionistischen Aktionskomitees stattgefunden. Zur Konferenz stnd 24 Mitglieder des Komitees aus allen Teilen der Welt erschienen. Unter a'.-deren wohnten den Beratungen auch vier Vertreter der rustischen Juden bei. Dr. Max Nordau entschuldigte sein Fernbleiben von der Konferenz in einem aus Karlsbad datierten Schreiben mit Krankheit. In seinem Schreiben trat Dr. Nordau für die Annahme des Angebotes der englischen Regierung ein; sollte sich Uganda für die Besiedelung als nicht geeignet erweisen, so möge man ein anderes Territorium zu erlangen trachten, da an Palästina unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen kaum zu denken sei. Eine Deputation wurde zu Dr. Nordau nach Karlsbad entsendet, um ihn zur Annahme der Präsidentenwürde zu bewegen. Dr. Nordau übernahm die Führerstelle, er wird dem am 27. Juli in Basel beginnenden Zionistenkongreß präsidieren Und die politischen Geschäfte der Organisation führen. In der Sitzung wurde über den Bericht der nach Ostafrika entsendeten Kommisfion verhandelt, doch werden die diesbezüglichen Beschlüsse geheim gehalten, um dem Kongreß nicht zu präjudizieren. Zur Frage des Hausiergesetzes. Vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus erhalten wir folgende Erklärung: «Die jüngst im Abgeordnetenhause stattgehabte Beratung des Hausiergesetzes verschaffte — wie vorauszusehen war — einzelnen antisemitischen Heißspornen die lang ersehnte Gelegenheit, ihr Schimpfregister ganz aufzuziehen und den an gesammelten Unflat über eine Kategorie von Menschen auszugießen, welche dem schutzlos preisgegeben find. Am gründlichsten erledigte sich hiebei seines Vorrates an christlicher Nächstenliebe wieder ein Priester der römisch-katholischen Kirche, indem er sich zum Vergleich der Hausierer mit Filzläusen verstieg. Auf eine sachliche Widerlegung dieses Vergleiches verzichten wir. Bei gebildeten Kreisen wird für gewöhnlich vermieden, auch nur den Namen dieses Insekts auszusprechen. Auch über die ethische Seite dieser sinnigen Aufftellung wollen wir mit dem durch die Immunität gefeiten Redner nicht rechten. Uns liegt die Sache der Vernunft am Herzen. Da müssen wir vor allem den gewählten Herrn Abgeordneten fragen, wie er sich denn überhaupt den Absatz von Jndustrieartikeln, namentlich auf dem Lande, vorstellt. In diesem Falle nützt wohl der bloße Glaube nichts, hiezu gehört etwa Erwägung. Die einfachste Erwägung läßt erkennen, daß weder der Produzent, gleichviel ob Großindustrieller oder Kleingewerbetreibender, noch der Konsument sich von dem Orte ihres Berufes so leicht entfernen können, sondern daß es stets Aufgabe einer eigenen zähen Schichte der Bevölkerung bilden muß, den Vertrieb bis in die entferntesten Flecken und Täler durchzuführen Dieser ewig wandernde, nie müde „Nomade", deflen ausgleichender Beruf darin besteht, zu verhindern, daß sich auf der einen Seite riesige Vorräte ansammeln, während andererseits Bedarf hiesür vorhanden ist, aber mangels an Gelegenheit nicht gedeckt werden kann — das ist eben der Hausierer. Seine, wenn auch unbewußte Mission ist es daher, Hunderttausenden fleißiger christlicher Hände Beschäftigung zu verschaffen. Daß dieser so viel geschmähte, gleichwohl aber so nützliche Vermittler zwischen Erzeugung und Absatz zumeist Jude ist, schadet güviß nicht der Raschheit und Menge des Umsatzes — ihn aber gewissermaßen mitverantwortlich zu machen für etwaige „Pofeüvare" ist einfach lächerlich, da nicht er, sondern der christliche Handwerker die Arbeit ausführt. Gegen schlechte Qualität gibt es einen sehr einfachen Schutz: Man kaufe nicht. Allein auch die, billige Ware ist eine große nationalökonomische Notwendigkeit. Was hilft die beste Beschaffenheit dem kleinen Manne, loenn er sie nicht bezahlen kann? Nicht ieder ist päpstlicher Hausprälat, bischöflicher Konsistorialrat, Landesausschuß, Landtags- und Reichsratsabgeordneter dazu. Der erste österreichische Rechtsschutzverein für Hausierer hielt im Saale „Zum goldenen Widder" eine Versammlung ab, an welcher auch die Abgeordneten Dr. Vogler und Dr. Ofner, sowie als Vertreter der Handelskammer Dr. Mickusch teilnahmen. Nach dem Referate des Rechtsanwaltes des Vereines Dr. Heinr. Scharfmesser bechsloß die Versammlung folgende Resolution: „Die versammelten Hausierer geben im eigenen sowie im Namen sämtlicher befugten Hausierer Oesterreichs ihrer Verzweiflung über die durch die tief beklagenden Beschlüsse des Abgeordnetenhauses vom 13. Mai 1905 geschaffene Situation Ausdruck und richten an das hohe Herrenhaus die dringende Bitte, das an Härten ohnehin reiche Hausiergesetz in der Fassung des Herrenhauses aufrecht zu halten, um, der Stimme der Gerechtigkeit und Humanität Gehör schenkend, den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses seine Zustimmung zu versagen." Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender. Am 13. d. M. fand im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde die XVI. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. An Stelle des erkrankt gewesenen, nunmehr aber in voller Rekonvaleszenz sich befindenden Präsidenten Herrn Baurates S t i a ß n y führte Herr Hofrat T a u s s i g den Vorsitz. Er begrüßte die erschienenen Mitglieder, den Vertreter des Kultusvorstandes Herrn Baurat Ritter von Goldschmidt, ferner die Vertreter hervorragender Wiener Humanitäts-Vereine, die ihre Delegierten zu dieser Versammlung entsendet hatten: Herrn Ortsschulrat S. Heit, Präsident des Vereines für Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehöriger Israeliten; Frau Geisenhaimer vom Frauenhort; Herrn Ober-Inspektor Reiser vom Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten; Herrn Dr. S t r a ß e r vom Verein Fides; Frau Weiß vom Brigittenauer Wohltätigkeitsverein und Herrn S. Brod vom Verein zur Hebung der Gewerbe. Der Vorsitzende dankte dem Kultusvorstande für die Ueberlassung des Sitzungssaales, ferner dem Damen-Komitee für die im Berichtsjahre mit so vieler Hingebung, außerordentlichem Fleiße und warmem Interesse ausgeübte Tätigkeit. Schriftführer Dr. Bela T a u s s i g erstattete hierauf den Rechenschaftsbericht. Demselben entnehmen wir,.daß, wie bereits im vorjährigen Berichte erwähnt, Herr Rudolf K o h n unserem Verein als stiftendes Mitglied beigetreten ist. Im abgelausenen Jahre wurden 21 Gesuche um Darlehen im zustimmenden Sinne erledigt und insgesamt K 2234'— an Darlehen gegeben. Eine große Anzahl von Gesuchen mußte abschlägig beschieden werden, teils weil dieselben in den Rahmen der Vereinsstatuten nicht paßten, teils, und es muß dies mit tiefem Bedauern hervorgehoben werden, weil die Mittel des Vereines nicht hinreichend waren. Seit dem 1. Jänner 1905 wurden neuerlich 24 Darlehen bewilligt per zusammen K 2610'—, so daß seit der Gründung des Vereines bis zum Tage der Generalversammlung insgesamt 629 Darlehen von zusammen K 92.240'— bewilligt wurden. Der Bericht gedenkt der Verdienste des Vizepräsidenten Dr. Arthur K u r a n d a um die rechtsfreundliche Vertretung und des Rechnungsführers Gustav Frankl um die Kassaverwaltung. Das Komitee für die Baurat S t i a ß n y - S t i ft u n g hat sich konstituiert und Herrn Hosrat T a u s s i g zu seinem Vorsitzenden gewählt. Der Rechenschaftsbericht wurde über Antrag der Zensoren welchen Antrag Herr S. Steiner stellte, zur Kenntnis genommen und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Sohin drückt Herr Baurat von G o l d s ch m i d t die Sympathien des Vorstandes für den Verein aus, hebt die hervorragenden Verdienste des bedauerlicher Weise abwesenden Vereinspräsidenten Herrn Baurates S t i a ß n y hervor und bittet den Vorsitzenden, den Gefühlen der Verehrung und der Freude über die Genesung desselben namens der Versammlung Ausdruck