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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Dlocb's Mocbenscbrtn. Seite 315 Allgemeines Archiv für die Juden Deutschlands. Im letzten Doppelheft der „Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" macht Dr. E. Zivier, der als Archivar des Fürsten Pleß bekannt ist, Mitteilung von seiner ersten archivalischen Informationsreise durch einen Teil Süddeutschlands. Die Reise wurde im Auftrag des von den B'ne Brith-Logen und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gemeinsam begründeten „Allgemeinen Archiv für die Juden Deutschlands" unternommen. Besucht wurden die Orte Worms, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Heidelberg, Mosbach, Speyer, Karlsruhe, Bruchsal, Straßburg, Sulz, Stuttgart, Ulm, Augsburg, Regensburg, München, Nürnberg, Fürth, Frankfurt a. M. Die genannten Gemeinden gehören zu den ältesten Gemeinden Deutschlands, die Erwartung war also nicht unberechtigt, daß sich hier ganz besonders wertvolles archivalisches Material stnden werde. Aber — wenn der Berichterstatter auch vor Verallgemeinerungen von diesem ersten Befunde aus warnt, so darf man doch sagen, daß sich im Allgemeinen die Befürchtungen, die Kundige diesem Archiv gegenüber hegten, bewahrheitet haben. Im Wesentlichen ist bisher unbekanntes Material nur für die neue und neueste Zeit — also etwa von 1650 bis zur Gegenwart — ermittelt worden. Indes erscheint es von großer Bedeutung, für die Erhaltung — welches Schicksal solche Akten erwartet, zeigt der Bericht allen klar — und wissenschaftliche Verzeichnung auch dieses Materials zu sorgen. Akten, wie die Notariats- und Gemeindebücher von Frankfurt a. M., die im 17. und teilweise auch schon im 16. Jahrhundert begonnen wurden, werden für die Verwaltungsgeschichte der jüdischen Gemeinden und auch die so dringend erforderliche Wirtschaftsgeschichte der Juden reichen Ertrag bringen. Auch die Emanzipationskämpfe und die Aufklärungszeit werden unter Beleuchtung solcher Gemeindeakten, beispielsweise der Sitzungsprotokolle des „Konsistoriums des unteren Elsasses" in Straßburg, intimere Schilderung fördern. Mit einem Wort, in dem Archiv kann wirklich das Material für eine künftige Geschichtsschreibung über die deutschen Juden in der Neuzeit gesammelt werden. Wann diese Geschichte geschrieben werden wird, ist im. Augenblick nicht so wichtig, als die Erhaltung des noch vorhandenen Materials für sie in die Wege zu leiten. Die jüdische Wissenschaft wird ja doch von der Kompendienschöpfung und Wissenschaftsgründung zur bescheidenen, gewissenhaften, opfer-, aber auch freudereichen Quellenarbeit ihrer Begründer zurückkehren. So kann auch die jüdische Wissenschaft die Schaffung dieses zunächst für praktische Zwecke gegründeten Archivs nur freudig begrüßen. Petersburg, lieber die russischen Greuelszenen wird gemeldet: In Melitopol, wo die Katastrophe schon lange vorher durch die bangen Gerüchte angezeigt worden war, hat die Regierung das Gesuch der Duma, die telephonisch berufenen Truppen in der Stadt zu belassen, nicht erfüllt. Nach sechstägigem Verweilen zogen die Truppen wieder ab, die Stadt war den feindlichen Elementen Preisgegeben und am 1. und 2. Mai erfolgte die Katastrophe. Als der stellvertretende Gouverneur, Senator Trepow, am 3. Mai in der Stadt eintraf, da war es sein erstes, aus der von ihm berufenen Versammlung von Vertretern der Bevölkerungsklassen den Juden ihre herausfordernde Haltung vor und während der Unruhen zum Vorwurfe zu machen und von ihnen unter Drohungen die Auslieferung der Waffen zu verlangen. Die Anzeige, daß ein Gendarmerieoffizier, der Rittmeister Belowodski, den Pöbel gegen die Juden geführt habe, niag ihn übrigens doch ein wenig erschüttert haben, denn er versprach schleunige Untersuchung. — In Simferopol, wo das Militär ausnahmsweise rasch zur Stelle war und die Massen verjagte, die das Haus des Juden Buchstab stürmen wollten, weil dessen dreizehnjähriger Sohn angeblich ein Heiligenbild in den Abtritt geworfen hatte, hat sich die hohe Administration in anderer Weise ausgezeichnet. Hier verlangte Senator Trepow von Buchstab, der die Tat seines Sohnes weder zu leugnen noch zu bestätigen vermag, daß er ein Entschuldigungsschreiben ufsetze und außerdem 1000 Rubel zum Besten der Armen spende. Gleichzeitig teilte er ihm mit, daß sein Sohn die Realschule und er selbst den Posten eines Chemikers im Gouvernementsamt zu verlassen habe. Den Vertretern der Juden riet Trepow, das Gerücht vom Heiligenbilde nicht zu verbreiten, selbst aber machte er es noch an demselben Albend offiziell bekannt. Nach dem Heiligenbilde hat man in der Senkgrube gesucht, es aber nicht gefunden. — In Dußjaty, einem kleinen Flecken im Gouvernement Rowno, sind die Mörder und Tumultuanten am 1. Mai auf keine Weise gestört worden. Ruhig konnten sie fich am hellen, lichten Tage, direkt vom Gottesdienste, zu einer Eisenwarenhandlung begeben, sie erbrechen, sich der nötigen Waffen und Werkzeuge bemächtigen und dann mit dem Rauben und Plündern beginnen. Von den 40 Magazinen des Fleckens ist keines unversehrt geblieben, 20 Häuser sind geplündert worden, und die einzige jüdische Familie, die Widerstand zu leisten wagte, hat furchtbar büßen müssen. Der Vater und zwei Söhne sind schwer verwundet, ein Sohn getötet. Einige andere Personen sind leicht verwundet. Die Ortspolizei hat absolut nichts getan, sich überhaupt nicht gezeigt, was sich mit ihrer numerischen Schwäche unmöglich entschuldigen läßt. Wäre nicht am Morgen des 2. Mai der Kreis-Jsprawnik mit Kosaken erschienen, so hätte die Judenhetze auch an diesem Tage fortgedauert. — Aber die relativ unblutige Judenhetze von Dußjaty tritt vollständig in den Hintergrund, wenn man der Ereignisse gedenkt, die fich in der großen Gouvernementsstadt Schitomir am 7. und 8. Mai zugetragen haben. Hier hat zwei Tage lang ein Straßenkampf gewütet, und erst am dritten haben die Behörden es für möglich befunden, ihm durch die Anwendung des reichlich vorhandenen Militärs ein Ende zu machen. 17 Tote und gegen 100 Verwundete werden offiziös zugestanden, aber in den kurzen Meldungen, die der Presse bis jetzt zugegangen find, wird bereits von 40 Toten gesprochen. Und ganz ebenso wie nach den Greueln von Kischenew ist im „Regierungs-Anzeiger" eine Kundgebung des Ministeriums des Innern erschienen, in der eine Reihe von Fällen aufgeführt wird, die die Juden als die wahren Schuldigen hinstellen sollen. Die Juden hätten ein Bild des Zaren als Zielscheibe benützt, beleidigende Aeußerungen über den Herrscher getan, der Polizei nicht gehorcht, Christen beschimpft und geschlagen rc. Das Ministerium hat daher den Gouverneuren die Weisung erteilt, nicht nur etwaige Unruhen sofort zu unterdücken, sondern auch den vernünftigen Teil der Juden klar zu machen, daß fie ihre „in den politischen Kampf verflochtenen Glaubensgenossen" davon abhalten müßten, durch ihr Benehmen den Haß der christlichen Bevölkerung zu erregen. Warum die Obrigkeit so spät eingeschritten ist, wird nicht erklärt, ja es wird sogar besänftigend bemerkt, die Unordnungen hätten „keine besonders große Ausdehnung gewonnen" und eine „relativ unbedeutende Zahl von Opfern" gefordert. Der 250. Jahrestag der Niederlassung der Israeliten in Amerika. Eine feste Form hat die Bewegung zur Feier des 250. Jahrestages der ersten Niederlassung von Israeliten in den Vereinigten Staaten oder richtiger in den Nordamerikanischen Kolonien angenommen. Es war im Jahre 1655, als zum ersten Male eine offizielle Erlaubnis zur Niederlassung in Nordamerika von der holländisch-westindischen Kompagnie erteilt wurde. Es wurde ihnen die Erlaubnis erteilt, „nach den neuen Niederlanden zu segeln, dort Handel zu treiben, da zu leben und zu verbleiben, unter der Bedingung, daß die Armen unter ihnen keine Last für das Gemeinwesen oder die Kompagnie würden, vielmehr sie selbst für ihre Armen sorgten". Diese Erlaubnis zur Niederlassung wurde an Israeliten verliehen, welche seit etwa einem Jahrhundert in Brasilien gelebt hatten, aber aus diesem Lande 1654 nach der Eroberung desselben durch die Portugiesen vertrieben worden waren. Bei einer öffentlichen Versammlung von Vertretern von israelitischen Vereinigungen, die in der spanischen und portugiesischen Synagoge abgehalten wurde, hatte man die Einsetzung eines Komitees von 1> Mitgliedern beschlossen, mit der Vollmacht alle Anordnungen für eine angemessene Feier zu treffen. Die Ernennung des Komitees wurde dem Vorsitzer der Versammlung Louis Marshall überlassen. Das Komitee ist nun ernannt und besteht aus folgenden Herren: Jacob H. Schiff, Vorsitzer; Dr. Cyrus Adler. Richter Samuel Greenbaum, Daniel Guggenheim, Prof. Jacob H. Holländer, Max I. Köhler, Edward Lauterbach, Adolph Lewisohn, Louis Marshall, Rev. Dr. H. Pereira Mendes, N. Taylor Phillips. Simon W. Rosendale, William

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