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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 314 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 20 Professor Seligmann über Joses Israels. In der Gesellschaft für Konservierung jüdischer Kunstaltertümer sprach Professor A. F. Seligmann über Josef Israels' Probleme in der Malerei. Josef Israels, der achtzigjährige Greis, ist ein Moderner, sagte der Vortragende. Denn Israels findet Gnade vor den Augen der Evolutionisten. Auch Israels hat aber einst anders gemalt, nach jener Schule, wie er es bei Picot in Paris gelernt hat, hübsche historische Szenen, bis ihm plötzlich auf der einsamen Düne bei Zandfoort die Schönheit seiner Heimat neue Empfindungen eingab, die er mit seiner bisherigen Anschauung nicht mehr in Kongruenz bringen konnte. Aber er unterscheidet sich wohl von jenen Stürmern und Drängern, die, wie Manet, mehr für den Kunsthistoriker Interesse haben, als für den künstlerischen Genuß Suchenden und die keinen Zusammenhang mit der Tradition aufweisen können. Israels aber ist ein Moderner und beherrscht dennoch zugleich auch die Mittel, die chm die Tradition in die Hand gegeben, wie dies seine Werke aus den Sechziger- und Siebziger-Jahren deutlich zeigen. Allergings später wird Israels immer einfacher. Er malt jetzt Szenen aus dem Fischerleben, das Treiben des armseligen Volkes bildet jetzt sein Sujet. Schließlich kommt die Zeit, wo sich Israels mit der bloßen Skizze begnügt, er erreicht in der Vereinfachung eine unendliche Virtuosität. Allein auch in der Nähe betrachtet, haben diese Bilder einen großen Reiz, der Farbenauftrag an sich, die Behandlung des Materials u. s. w. üben eine künstlerische Wirkung. Israels arbeitet jetzt ohne Rücksicht auf das Erlernte oder aus die zu erlernende Technik, mit dem reinen Instinkt, in einem fast hypnotischen Zustande, ohne Rücksicht auf die Form — ein Nazarener in der Kunst, der nur auf den inneren Gehalt sieht, „mit einem Schatze von originaler Empfindung und einem warmen Herzen". Seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag erläuterte Seligmann durch Vorführung von Bildern Josef Israels' von seiner Entwicklungszeit bis in die Gegenwart, durch Gegenüberstellung mit Rembrandt-Bildern, mit dem er so oft verglichen wird, und endlich durch Vergleich mit dem ebenfalls modernen, aber so ganz anders wirkenden Liebermann oder Uhde. Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Kultusgemeinde hielt Sonntag unter dem Vorsitze des Hoftates Sigmund K o h n e r ihre Generalversammlung. Nach der Begrüßungsansprache des Präsidenten, der dem verstorbenen Oberrabbiner Kayserling einen ergreifenden Nachruf widmete, und der Vorlegung des Jahresberichtes ergriff Ministerialrat Dr. Ludwig B a l l a i das Wort. Er führte aus, daß für die Entwicklung des religiösen Lebens mehr Sorge getragen und mehr ständige Bethäuser errichtet werden sollen. Er wünscht ferner die Schaffung höherer konfessioneller Lehranstalten sür Mädchen. Im Uebrigen nehme er den Bericht gern zur Kenntnis. Max Szabolcsi nimmt das Präsidium gegen die Ausführungen des Vorredners in Schutz. Dr. Salomon Eulenberg kritisiert jenen Paffus des Berichtes, der den Austritt Dr. Wilhelm Väzsonyi's mit Bedauern zur Kenntnis nimmt. Väzsonyi hatte bekanntlich während der Abgeordnetenwahlen wegen eines gegen ihn agitierenden Beamten der Kultusgemcinde seine Stelle in der Repräsentanz niedergelegt. Redner beantragt, die Generalversammlung woge aussprechen, daß sie den Wiedereintritt Väzsonyis mit Freuden begrüßen würde. Abgeordneter Paul Sä-ndor ersucht, die Demission Väzsonyis, die dieser in momentaner Erregung gegeben, oicht zur Kenntnis zu nehmen. Abgeordneter Joseph V 6 ß i beantragt, die Generalversammlung möge aussprechen, daß sie die Demission Väzsonyis nicht zur Kenntnis nehme. (Lebhafter Beifall.) Die Generalversammlung beschloß in diesem Sinne und erteilte das Absolutorium. Nachdem der vom Generalsekretär Dr. Ignaz Goldziher unterbreitete Bericht des Rechnungsausschusses und das Budget zur Kenntnis genommen worden, wurden in den Ausschuß an Stelle Paul Tencer's Dr. Bela Bamberger und an Stelle Ludwig v. Krauß' Moriz L i n d e n b a u m, in die Rechnungsrevifionskomniission Dr. Franz S z e k e l y gewählt. Dem der Generalversammlung unterbreiteten Rechenschaftsberichte entnehmen wir folgende Daten: Der in der Leopoldstadt auszuführende neue Tempel soll, vom ursprünglichen Plane abweichend, in kleineren Dimensionen erbaut werden; die dahei ersparten Kosten sollen zur Ausrechterhaltung von Bethäusern in den Vorstädten verwendet werden. Für das aus dem Nachlasse von Ritter Ignaz Wechselmann zu erbauende Blindeninstitut ist 'der Baugrund im VII. Bezirk, Mexikostraße 60, käuflich erworben worden. Das von demselben Wohltäter gestiftete Lehrer-Pensionsunterstützungsinstitut ist im verflossenen Jahre ins Leben gerufen worden. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens ist ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Ein preußischer Kammerjunker israelitischen Glaubens. Herr Generalkonsul Max Goldschmidt in Frankfurt a. M. erhielt nach dem Tode seines Schwiegervaters Baron Wilhelm v. Rothschild das Recht, den Adel mit dem Namen Rothschild weiter zu führen und heißt seitdem Max v. Goldschmidt-Rothschild. Sein Sohn diente bei dem Gardedragonern in Karlsruhe als Einjähriger. Er wurde zum Offiziers-Aspiranten befördert und hatte auch die Absicht und den Wunsch, Offizier zu werden. Aber trotz der Erklärung des Herrn Kriegsministers von Einem, daß die jüdische Religion keinen Grund zur Ablehnung biete, wurde v. Goldschmidt-Rothschild vom Regiment abgelehnt. Hiervon erfuhr Se. Majestät der Kaiser. Der Kaiser gab seine Gesinnung in sehr deutlicher Weise kund — er ernannte den jungen Goldschmidt-Rothschild zum Kammerjunker. Das Offizierskorps des Regiments verstand diesen zarten Wink: der Einjährige von Goldschmidt-Rothschild wurde Offizier. Einem anderen uns vorliegenden ausführlichen Bericht entnehmen wir noch Folgendes: Es handelt sich um einen unserer Mitbürger und um den leistungsfähigsten Frankfurter Steuerzahler Herrn v. Goldschmidt- Rothschild, den Schwiegersohn der Baronin Willi v. Rothschild. Der junge Goldschmidt ist in Frankfurt, seiner Vaterstadt, ziemlich bekannt, man weiß daher, daß persönliche Qualifikationen vorhanden waren; außerdem hatte man den Frankfurter Millionärssohn ja bis zum Offiziers-Aspiranten befördert, dann erst lehnten ihn seine Regimentskameraden im Offiziersrang ab. Man kann sich denken, daß dieser Vorgang den Vater nicht wenig empörte. Herr Goldschmidt-Rothschild trug sich deshalb mit der Absicht, Frankfurt und Deutschland überhaupt den Rücken zu kehren und nach Paris überzusiedeln. Nun muß man aber in Betracht ziehen, daß der Schwiegersohn der verwitweten Baronin v. Rothschild mit dieser der stärkste Zensite, d. h. Steuerzahler in Frankfurt ist; hier zahlt, wie die Sonnemann'sche „Frankfurter Bürgerzeitung" (Nr. 100 vom 29. April) mitteilt, Herr Goldschmidt-Nothschild jährlich über 450.000 Mk. Gemeindesteuer und entsprechende Staatssteuer. Welch ein Verlust wäre es für Frankfurt, wenn die städtische Verwaltung diese kolossale Einnahme verlieren müßte! Dazu kommen noch die bedeutenden Kapitalien für Wohltätigkeitszwecke, für die Lebensführung der Familie! Nun erfteut sich aber die Großmutter des jungen Goldschmidt Frau Baronin Mathilde v. Rothschild der näheren Bekanntschaft der Großherzogin von Baden, der diese Affaire natürlich zu Ohren kam. Da in diesem Falle auch der Großherzog von Baden nicht eingreifen konnte, setzte er den obersten Kriegsherrn, den Kaiser von dem Verhalten der Karlsruher Dragoner in Kenntnis und der Kaiser ernannte den jungen Goldschmidt-Rothschild zum Kammerjunker, worauf er natürlich zum Offizier avancieren mußte. Daraufhin entschloß sich der Vater, seine Abgaben der Vaterstadt und dem Vaterlande nicht zu entziehen. Die Vielen, die jahraus, jahrein bei der Offizierswahl durchfallen, finden keine fürstliche Fürsprache, sie müssen die Ablehnung ruhig einstecken und sich mit den anderen trösten, denen es genau so wie ihnen erging. Schließlich wird doch der von dem obersten Kriegsherrn vertretene Standpunkt in den Offizierskorps allmählich noch die Beachtung finden, die er schon vermöge seiner Bedeutung verdient.

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