Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 310 Dr. Mocb's Mocbenscbrttt. Nr. L0 wirkliche Ersparnis bedeutet dies aber nicht. Es liegen verschiedene Projekte vor, die alle genauest geprüft werden müssen und derzeit Gegenstand eingehender Studien sind. Daß die Durchführung des einen oder anderen Entwurfes in jedem Falle noch mehr als K 6000'— erfordern werde, unterliegt für mich keinem Zweifel. Zum Kapitel „Religionsunterricht" will ich nur bemerken, daß der Beitrag aus dem Bezirksschulfonde trotz vermehrter Stundenzahl wieder eine Verminderung um rund K 1000'—, d. i. auf K 36.283' — erfahren hat. Dieser fast alleinigen Einnahme für diesen Zweck stehen Ausgaben im Betrage von K 149.885'— gegenüber. Das Kapitel „Zentralftiedhof" erzielte einen Ueberschuß von X 252.639.—, welcher wie folgt verwendet wurde: K 115.069.— wurden — gleichwie ein Teil des Ueberschusses des Kapitels „Beerdigungswesen" — dem Kapitel „Unterstützungen", K 137.569.— dem Friedhof-Erwerbungsfonde Angewiesen. Am Währinger Friedhofe wurde die gärtnerische Ausgestaltung fortgesetzt. Es wurden hiefür K 14.742.— verausgabt, von welchen K 2371.— durch die Zinsen der Ignaz von Liebenberg'schen Graberhaltungsstistung, X 7458.— durch die eingeleitete Sammlung gedeckt wurden. Mit der resultierenden Mehrausgabe wurde die Liebenberg-Stiftung belastet. Eine dringende. und meines Erachtens nicht lange zu verzögernde Arbeit ist die Standsetzung des ältesten jüdischen Friedhofes Wiens in der Seegasse. Ich habe im Vorjahre, ebenfalls gelegentlich der Vorlage des Rechnungsabschlusses, zum Kapitel „Spital" die Bemerkung gemacht, daß dieses Kapitel vom Standpunkte der Gemeindefinanzen das unerfreulichste ist, und daran den Wunsch geknüpft, daß durch private Wohltätigkeit der Gemeinde diese große Last wenigstens teilweise genommen werde. Früher als ich es selbst gedacht, ist diesem Wunsche durch die Ihnen allen bekannte hochherzige, zur vollen Belegung des Spitales gewidmete Spende des Herrn Baron Nathaniel Rotschild zu einem großen Teile die Erfüllung gefolgt. Ich glaube aber zur Richtigstellung einer vielfach verbreiteten irrigen Meinung darauf Hinweisen zu müffen, daß durch die erwähnte munifizente Spende wohl ein ansehnlicher Teil der Ausgaben für das Spital gedeckt ist, der weitaus größere Teil im Gegensätze zu anderen Großgemeinden aber nach wie vor von der Gemeinde getragen werden muß, daß also der Betätigung des Wohltätigkeitssinnes auf diesem Gebiete noch ein weiter Spielraum gelassen wird. Hinsichtlich der inneren Verwaltung des Spitales will ich nur bemerken, daß seit kurzer Zeit behufs Erzielung einer möglichst ökonomischen Gebahrung ähnliche Maßnahmen wie in der Versorgungsanstalt getroffen wurden. Wenn sich dieselben so bewähren wie in dieser Anstalt, kann auf eine nicht unwesentliche Ersparung gehofft werden. Ich glaube diesen Anlaß nicht vorübergehen laffen zu sollen, um dem Damenkomitee und insbesondere seiner rührigen Präsidentin, Frau Jda Diamant, für die anch im Berichtsjahre an den Tag gelegte unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit den wärmsten Dank auszusprechen. An Kultussteuer und Jmmatrikulationsgebühren sind im Jahre 1904 Li,170.589.— eingegangen, bloß um K 16.131 mehr als im Jahre 1903. Zum Schluffe will ich nur noch bemerken, daß der Saldo pro 1904 zur teilweisen Deckung des für das Jahr 1905 präliminierten Fehlbetrages per K 213.958.— verwendet werden soll. Ich bitte um die Genehmigung des Rechnungsabschlusses. Kultusvorsteher E l t b o g e n konstatiert nach dem Rechnungsabschluß vielfache Verbesserungen auf mannigfachen Gebieten der Verwaltung. Dankenswert ist auch die rechtzeitige Vorlage des Rechnungsabschlusses, der eine genaue Prüfung der einzelnen Posten ermöglichte. Dagegen tadelte er, daß bei dem Realitätenkonto Abschreibungen im Betrage von 100.000 Kronen vorgenommen wurden ohne Befragung des Plenums; das sei ein Hintansetzen der Rechte des Vorstandes. Wichtige Fragen sollen hier erst zur Diskussion und Beschlußfassung vorgelegt werden. Vize-Präsident kais. Rat Hirsch erwidert, daß Kollege Eltbogen selber eine lOperzentige Abschreibung angeregt hat, weil nach allgemeiner Ueberzeugung einzelne Objekte nur fiktive Werte darstellen. Die Konsequenz jener hier gegebenen Anregung findet Herr Eltbogen im Rechnungsabschluß. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß der Rechnungsabschluß nur einen Antrag des Vertreterkollegiums darstelle, über welchen heute erst Beschluß gefaßt werden soll; somit ist die Abschreibung ebenfalls zur Beratung und Beschlußfassung gestellt. Theodor R. v. Taussig: Es handelt sich lediglich um eine Gruppierungsfrage des Kapitalskonto rein buchhalterischer Natur, mehr Sache des Geschmackes, ohne allen praktischen Wert. Kultusvorsteher kaiserl. Rat Sachs hebt die Exaktheit der Buchführung hervor, die gründliche Arbeit des Beamtenkörpers, dank der Anleitung unseres trefflichen Finanzreferenten. Redner spricht den Wunsch aus, daß auch eine statistische Zusammenstellung der Steuereingänge nach den verschiedenen Steuerklassen alljährlich dem Rechnungsabschluß beigefügt werde. Dr. Markus Spitzer gibt seiner Befriedigung Ausdruck, daß der Rechnungsabschluß ebenso sehr von der tüchtigen, gesunden und ehrlichen Finanzverwaltung Zeugnis ablegt, als von dem konservativen, echt jüdischen Geiste, von welchem die Leitung der Gemeinde erfüllt ist. — Bedauerlich sei der Rückgang des Tempelbesuche'; in der inneren Stadt. Die Stammsitze der alten Familien werden von der jüngeren Generation nicht weiter beibehalten und müffen anderweitig vergeben werden. An Stelle des Stammpublikums ist ein fluktuierendes Element getreten. Das ist eine betrübende Erscheinung. Redner bespricht in entrüsteten Worten den Beschluß des Wiener Gemeinderates betreffend das rituelle Schächten, welcher nichts geringeres als ein Eingriff in das innerste Kultusleben' der jüdischen Gemeinde ist, so rücksichtslos und gewalttätig, wie man es in den finstersten Zeiten der Reaktion nicht gewagt hat. Er ersucht den Vorsitzenden um nähere Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit. Die Präparandie für jüdische Religiottslehrer. Auf das Gebiet des Schulwesens übergehend, erinnert Redner daran, daß die drei Monate bereits vorüber sind, während welcher Frist die zweite Kommission Anträge, betreffend die Errichtung einer Präparandre für jüdische Religionslehrer, hätte vorlegen sollen. Inzwischen ist die israelitische, Kultusgemeinde Prag mit hierauf bezüglichen Beschlüssen uns zuvorgekommen. Unsere zweite Kommission fand in ihrer Mitte keine Fachmänner, die betreffenden Pläne auszuarbeiten; sie hat deswegen es für nötig erachtet, eine eigene Kommission, ein Komitee mit der Aufgabe zu betrauen. Allein auch dieses Komitee hat die Arbeit nicht zustande gebracht, das Elaborat nicht vorgelegt, wodurch die Errichtung des Institutes naturgemäß eine schädliche Verzögerung erfährt. An Beantwortung der Anfrage des Herrn Dr. Spitzer erstattet der Vorsitzende über den Stand der Schächtfrage folgenden Bericht: Bericht des Präsidenten über die Schächtang'elegenheit. In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 9. November 1904 wurde über Antrag des Landesausschusses der Beschsuß gefaßt, die k. k. Regierung zu ersuchen, bezüglich der Ausführung des Schächtens, bezw. bezüglich Ausführung von gewerblichen Schlachtungen ohne vorherige Betäubung des Tieres ein Verbot zu erlassen, hierüber mit der Regierung Verhandlungen zu pflegen und in der nächsten Session Bericht zu erstatten. Weiters wurde in dieser Sitzung über Antrag des Abgeordneten Dr. Scheicher der Beschluß gefaßt, der Stadtgemeinde Wien zu empfehlen, für ihr Gebiet das Schächten zu untersagen. Da im Referat des niederösterreichischen Landtages ausgeführt wird, daß sich die Gegnerschaft wider das Schächten nicht auf den Schächtakt selbst, sondern vielmehr auf die Vorbereitungs-