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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 801 seitiger Ehrungen. An seinem Sarge trauert ein Sohn, Dr. Emil Wunder, Advokat in Leitmeritz, und eine Tochter, Witwe nach dem verstorbenen Oberkantor Klein. Die gleichalterige Gattin war ihm ein halbes Jahr im Tode voraus gefolgt. Die israelitische Kultusgemeinde Budweis publiziert nachstehende Traueranzeige: Die israelitische Kultusgemeinde Budweis gibt trauernd Nachricht vom am Morgen des 5. Mai 1905 im 88. Lebensjahre erfolgten Hinscheiden Sr. Ehrwürden des Herrn Kreisrabbiners Adam Wunder, Ehrenmitgliedes der israelitischen Kultusgemeinde Budweis, Ehrenbürgers der Stadtgemeinde Budweis, Besitzers des goldenen Verdienstkreuzes und der Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste, gewesenen langjährigen Mitgliedes des Gemeindeausschusses der Stadt Budweis und des deutschen k. k. Bezirksschulrates in Budweis, Mitgliedes des deutschen Ortsschulrates, Ehrenmitgliedes der „Chewra-Kadischa" in Budweis, Ehrenmitgliedes des Budweiser Geselligkeitsvereines und zahlreicher humanitärer Vereine. Der Verblichene wirkte nach Absolvierung der philosophischen Studien seit 1. Oktober 1845 bis in sein hohes Alter im israelitischen Seelsorge- und Religionslehramte, zunächst in Kuttenplan, seit 20. Mai 1862 in Budweis als Kreisrabbiner und Religionslehrer an den k. k. Mittelschulen, den Bürger- und Volksschulen. Die Verdienste des Verewigten um die Gemeinde und deren Angehörige, sein Wirken in der Seelsorge und in der Religionslehre, sowie sein Wirken im Dienste der Oeffentlichkeit und des Gemeinwohles sichern ihm ein dauerndes, ehrenvolles Gedenken. Die irdische Hülle des Dahingeschiedenenwird Sonntag den 7. Mai 1905 um halb 1 Uhr nachmittags zur ewigen Ruhe bestattet. * * * - ' Heber die Beerdigungsfeierlichkeit, welche am 7. d. M. stattgefunden, wird uns geschrieben: „In dem langen Trauerzuge schritten Abordnungen der Kultusgemeinden Wittingau mit Herrn Rabbiner Moses Bhann; Krumau mit Herrn Rabbiner Dr. L. Hirsch; Klattau mit dem Rabbln<-r Herrn Dr. S. Brett; Wodnian mit Herrn Rabbiner Sigmund Krauß und Sobieslau mit Herrn Rabbiner Gabriel Gottlieb, der gesamte Vorstand der Chewra-Kadischa, Herr k. k. Statthalterelrat Josef Krikawa, Herr Bürgermeister Taschek mit dem Herrn Vizebürgermeister Haas und den Herren Stadträten Zink, Jakob von Herminenthal und Dr. Jaksch sowie dem Staotverordneten-Kollegimn, Herr k. k. Kreisgerichtspräsident Weiß, die Direktoren und Professoren des deutschen k. k. Staatsgymnasiums und der deutschen k. k. Staatsrealschule, der deutschen Lehrerbildungsanstalt und der deutschen Lehrerinnenbildungsanstalt, der deutschen Bürger- und Volksschulen, eine Abordnung der evangelischen Gemeinde und zahlreiche Trauergäste. In der Zeremonienhalle, welche die Menge von Trauergästen nicht fassen konnte, brachte Herr Oberkantor Weiß den üblichen Trauer- Psalm zum Vortrage, worauf Herr Rabbiner Dr Krakauer eine zu Herzen gehende Trauerrede hielt. In derselben schilderte er in ergreifender Weise die Verdienste des Verstorbenen während seines 60jährigen Wnkens um seine Gemeinde und das Judentum überhauvt. Die formovllendete Rede machte auf die große Versammlung sichtlichen Emdruck. Hierauf sang der Tempelchor unter Leitung des Dirigenten Max Gans einen Choral. Sodann wurde der Sarg zu Grabe getragen. Am offenen Grabe hielt der Kultusvorsteher Dr. Kohn dem Verewigten einen warmen Nachruf. Weiters sprachen am offenen Grabe die Herren Rabbiner Dr. Brett (Klattau), Gottlieb (Sobieslau) und Dr. Hirsch (Krumau). Horn (N.-Oe.). In der am 4. d. M. stattgefundenen Wahl wurden gewählt die Herren: Dr. Otto Pariser (Sankt Bernhard), Vorsteher; David Schlesinger, Vorsteherstellvertreter; Ludwig Pollatschek, 4. Beirat; Jakob Kummermann, 2. Beirats- Leopold Mandl (Röhrenbach), Emanuel Deutsch (Pernegg), Siegmund Schick (Eggenburg) Ausschußmitglieder; Samuel Pollatschek, 1. Tempelvorsteher; Ludwig Pollatschek, 2. Tempelvorsteher. Stanislau. Am vorletzten Peffachtage hielt hier in der großen Synagoge der hiesige Kaufmann und Literat, Herr Alexander Wittels, der im März d. I. an der großen Israelitischen Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande teilgenommen, einen Vortrag über seine Eindrücke und Erlebnisse in Egypten und Palästina. Redner schilderte in geistvollen Zügen das heilige Land mit seinen antiken jüdischen Denkmälern und historisch denkwürdigen Stätten und entwarf auch auch ein farbenreiches Bild über die jüdischen Kolonien und deren Entwicklung. Der meisterhafte, von echt jüdischem Geiste durchwehte Vortrag rief lebhaftes Interesse bei den Zuhörern hervor, von welchen das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt war. G. Jaslo. Welche Blüten der Antisemitismus in unseren sogenannten besseren Kreisen zeitigt, davon gebe ich Ihnen eine kleine Probe. Der hiesige Gymnasialprofessor H a m e r, Klaffenchef in der VI. Klaffe, sagte gelegentlich zu seinen Schülern: „Jhr Studenten bringt mir keine Entschuldigungszeugniffe von einem jüdischen Arzt, der bereit ist, für eine Krone im Zeugnisse zu bestätigen, daß der Student sogar gestorben ist." Diese Aeußerung bedarf wohl keines Kommentars. Leider weigert sich der hier praktizierende jüdische Arzt Dr. Simon M e t h, gegen den betreffenden Gymnasialproseffor wegen dieser unqualifizierbaren Aeußerung eine Beleidigungsklage einzureichen. Indessen die obersten Schulbehörden sollten solche antisemitische Ergüffe von Lehrpersonen als eines zivilisierten Staates unwürdig nicht dulden. F. Kamionka. Bei meinem Sohne hier weilend, ereilte mich zu meiner großen Bestürzung die Hiobspost vom Hinscheiden eines der edelsten Männer der Stadt Brodys und ich fühle mich verpflichtet, diesem so früh Heimgegangenen einen kurzen Nekrolog zu weihen. Es gilt zwar einem katholischen Geistlichen, aber einem wahren Priester der Liebe, der als Perle und Leuchtstern seines Berufes und Standes nur betrachtet werden konnte. Seine Hochwürden von Swistelnicki, der selig Dahingeschiedene, war Katechet der römisch-katholischen Religion am Brodyer Gymnasium fast durch 16 Jahre, und während dieser Zeit hat er das Wort Gottes in der wahren Bedeutung christlicher Liebe gelehrt, Nächstenliebe ohne Unterschied des Glaubens, durch sein edles Beispiel voranleuchtend. Er haßte und verabscheute den Antisemitismus, beschützte und unterstützte jüdische Kinder, wo er nur konnte und wo sich ihm Gelegenheit darbot. Die jüdischen Studenten verehrten ihn auch wie einen Vater, der ihnen nie etwas zuleide tun ließ, der ihre jugendlichen Fehler stets mit Nachsicht behandelte. Er unterstützte oft Gymnasiasten jüdischen Glaubens beim Entrichten des Schulgeldes, beim Anschaffen der Bücher u. s. w., auch sonstige viele arme Juden fanden in ihm ihren Wohltäter, Gönner und Ratgeber. Es war wahrlich ein herzerhebender Anblick, diese freundliche, liebegewinnende Gestalt im katholischen Priestergewande einherschreiten zu sehen, wie dieser wahre Gottesmann auf Schritt und Tritt von Juden verehrt und geliebt ward. Jüdische Kinder küßten ihm die Hände, Erwachsene, selbst graubürtige Juden entblößten vor ihm ihr Haupt zu ehrerbietigem Gruße, und er hatte für jeden ein freundliches Wort, eine liebevolle Erwiderung. M. Markstein. Warschau. Am 1. Nissan feierte Saul Pinchas Rabbinowitsch (bekannt unter dem literarischen Pseudonym Scheser) seinen 60. Geburtstag. Dieser Schriftsteller blickt auf eine reiche und fruchtbare Tätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Literatur zurück. Er hat sich mit publizistischen und wissenschaftlichen Abhandlungen fast an sämtlichen erscheinenden hebräischen Monatsschriften und Jahrbüchern beteiligt. Seine Haupttätigkeit erstreckt sich auf die Erforschung der jüdischen Geschichte. Besonders bekannt ist hier seine Uebersetzung von Grätz' „Geschichte der Juden", die er gleichzeitig mit vielen gediegenen kritischen Bemerkungen und Richtigstellungen versah. Die Sprache seines Hebräisch ist geradezu klassisch zu nennen. Rabbinowitsch ist auch unserer modernen Sprachen in Wort und Schrift mächtig; so hat er auch auf russisch und deutsch Arbeiten veröffentlicht. Feuilleton. Ans finster« Zeiten. Eme Erzählung aus dem jüdischen Leben Galiziens vor fünfzig Jahren Von Nathan Samuely. Drittes Kapitel. „Inzwischen", nahm endlich der Blinde seine Erzählung wieder auf, „verstrich Monat auf Monat, Jahr auf Jahr, die Kinder wuchsen und gediehen, wie es in der heiligen Schrift heißt, wie zwei gottgesegnete Pflanzen. Jankele besuchte während dieser Zeit das Cheder, stieg mit jedemJahre eine Stufe höher, so daß

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