Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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bette 300 Dr. Llocb's Mocbenscbrm. Nr. 19 Wie«. (Auszeichnung.) Herr Bankier Moriz Freund wurde mit Allerhöchster Entschließung am 21.April d.J. durch eine mit der Allerhöchsten Namenschiffre in Brillanten gezierte Busennadel von Sr. Majestät dem Kaiser ausgezeichnet. Wien. (Verlobung.) Frl. Johanna Neufeld, Tochter des Herrn Heinrich Neufeld, Präses der Chewra- Kadischa Fünfhaus, hat sich mit Herrn Solomon Melcher verlobt. Luttdeuburg. Am 8. Mai fand unter ganz besonders großer Beteiligung seitens der Bevölkerung, der politiscben und Kultusgemeinde die Beerdigung der allgemein verehrten Frau Katharina Holländer, der Mutter des hiesigen Bürgermeisters Herrn Moriz Holländer und Kultusvorstandes Herrn Josef H o l l ä n d e r, statt Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich der Zug vom Trauerhause nach dem Friedhofe. Die Trauerhalle war dicht gefüllt, als Herr Oberkantor S. M. P e r e Im a n n den Joschew Beseser mit seinem Knabenchore intonierte; hierauf hielt der hiesige Rabbiner Ehrwürden Dr. G r o ß in schwungvoller und ergreifender Rede der Verblichenen einen Nachruf. Die Trauerfeier schloß durch Absingung des Lellsrvisi mit Chor von S u! z e r, worauf die Leiche in der Familiengruft beigesetzt wurde. Kaiserl. Rat Salomo« Buber in Lewberg. Die amtliche „Wiener Zeitung" meldet die Ernennung Salomon Buber's zum kaiserlichen Rate. Wir haben vor längerer Zeit bereits die Auszeichnung, welche dem verehrten Gelehrten zugedacht war, in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erwähnt. Wir wußten, daß eine Auszeichnung dieses hochverdienten Mannes in Aussicht stand. Indessen hatte sie eine Verzögerung erfahren. Nunmehr wird sie offiziell in der amtlichen „Wiener Zeitung" gemeldet. Salomon Buber nimmt nicht bloß eine hohe soziale Stellung ein, — er ist eines der leitenden Vorstandsmitglieder hx israelitischen Kultusgemeinde Lemberg, Handelskammerrat, Präses der Geschäftshalle, Vizepräsident der Volksküche, Zensor der Oesterreichisch-ungarischen Bank, Mitglied der Bernstein-Stiftung, sowie zahlreicher philanthropischer Vereine, — er hat sich auch um die Literatur und die WBMchaft des Judentums wie vielleicht keine zweite PersönüöAjt in der gegenwärtigen und vergangenen Generation verdient gemacht. Mit Mühe, Fleiß und Erudition hat er alte schlumernde Schätze geweckt, aus dem tiefsten Dunkel an's Tageslicht gefördert und derart eine ganze Bibliothek voll wichtiger Geistesarbeiten unserer Väter dem lebenden Geschlecht geschenkt. Wir erinnern z. B. an die „Pesikta de Rab Kahana" (1868), an den Midrasch Abkir, (Wien 1883), Midrasch Lekach-Tob, (Wilna 1884), den Originalmidrasch Tanchuma, (Wilna 1885), Midrasch Elehha-Debarim Zutta, (Wien 1885), Sifre d'Agadta, (Wilna 1886), Midrasch Tehillim (1891), Midrasch Mischle (1893), Midrasch Agada (1894) rc. rc. Sämtliche alte Manuskripte, welche der verehrte Editor herausgab, versah er mit gelehrten und wiffenschaftlich bedeutsamen Einleitungen, welche ebenso sehr von seinem Fleiße, seiner ungeheueren Belesenheit, als auch von seinem Scharfsinn Zeugnis ablegen. Außerdem hat er eine große Zahl historischer Aufsätze publiziert, welche in den verschiedensten wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind. Auch zu den Werken anderer gelehrter Zeitgenossen hat er wertvolle Anmerkungen und Ergänzungen geliefert. All seine Werke vollständig zusammenzustcllen, reicht der uns zugemessene Raum in den Spalten unseres Blattes nicht aus. Wir verweisen auf die ausführliche Biographie Bube r's in der „Jüdischen Encyklopädie" Band III. Seite 409. Die jüdische Wissenschaft und Literatur ist Salomon Buber als ihrem eifrigsten und erfolgreichsten Pfleger und Förderer zu hohem Danke verpflichtet. Wir beglücktvünschen ihn vom Herzen zu der wohlverdienten kaiserlichen Auszeichnung. Budapest. (Ungarische Tempellieder.) Die Vorstehung der Pester isr. Kultusgemeinde betraute im vorigen Jahre Josef P a t a i mit der Abfassung ungarischer Tempellieder. Der begabte Poet hat seiner Aufgabe entsprochen und eine Kommission, bestehend aus dem Oberrabbiner Samuel K o h n, Direktor Josef Banoczi und Universitätsprofeffor Dr. Ignaz G o l d z i h e r, hat die Arbeit Patai's überprüft, über welche sie sich in anerkennendster Weise äußert. Die Kultusgemeinde wird nun dafür sorgen, daß die gelungenen Verse in Musik gesetzt werden. Oberkantor Bachmann. In der letzten Nummer unseres Blattes haben wir den Tod des berühmten Oberkantors am Rombachtempel der Budapester Gemeinde erwähnt. Das Leichenbegängnis fand unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Pester Gemeinde am 2. Mai, nachmittags, statt. Den gesanglichen Teil der Trauerzeremonie versahen in erhebender und künstlerisch vollendeter Weise Oberkantor Professor Lazarus und Oberkantor Bela G u t t m a n n. Im Hause sprach Rabbiner Dr. Julius Werßburg und in der Trauerhalle am Friedhof hielt Rabbiner Feldmann dem Verblichenen einen ehrenvollen Nachruf. Bei offenem Grabe verabschiedete sich Prof. Lazarus im Namen der Kantoren und der Beamten der israelitischen Kultusgemeinde vom verstorbenen Kollegen, worauf Oberkantor Guttm a n n im Namen des österreichisch-ungarischen Kantoren- Bereines dem Verblichenen folgenden Nachruf widmete: Mein verewigter Freund und Kollege! Wehmutsvoll und tiefergriffen trete ich an deines Grabes Rand, um dir namens des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereins, wie im eigenen die letzten Grüße zu entbieten. Was du warst und wie du gewesen, wurde bereits von deinen ehrwürdigen Amtsgenossen ergreifend entrollt und mit beredten Worten gewürdigt, so daß mir ergänzend hinzuzusügen kaum mehr erübrigt. „Chikau mamtakim vechnlo machmadim“. Das Wort, das seinen Lippen entfloß, war süß gleich Honigseim, sein ganzes Wesen war schlichte Bescheidenheit, selbstlose Güte und gewinnende Liebenswürdigkeit. Jakob Bachmann seligen Angedenkens verband mit seiner auf der Meisterschaftshöhe sich behauptenden Gesangskunst — in des Wortes bester Bedeutung — die Wahrheit und Vortrefflichkeit des Schliach Zibbur und des Baal Tfilah, der harmonisch die alttraditionellen Weisen mit dem zeitgemäßen Synagogengesange zu vereinen wußte und diesen Weisen der hergebrachten Tradition durch die Zauberfiille seines herrlichen Organes Ehren und Bedeutung gab. i-vnprrra msn irr* renn! Wie tief erschütternd und gewaltig ergreifend wirkte dieser Klageruf von den Lippen des Entschlummerten, und wie wird deine andächtige Gemeinde an diesem Neumondsabbath zunächst diese eine von deinen unzähligen Glanzleistungen schmerzhaft vermissen. Unerreicht warst du in deiner Kunst, weil sie durchaus dein eigen gewesen, und stets schöpftest du aus dem unversiegbaren Born deiner eigenen Individualität, deren Grundzüge alle deine Werke unverkennbar an sich tragen, (“ßps mm “pnine») „Szifszausecho dauwaus Bakewer“! Deine Lippen werden im Grabe noch durch diese deine Werke sich fortbewegen, und uns deinen Amtsgenossen, die wir aus deinen Gesängen schöpfen, dieselben interpretierend dir nachzuahmen bestrebt sind, uns allen wirst du stets als leuchtendes Musterbild fortleben. — Möge deine gramgebeugte Witwe, sowohl als deine verwaisten Kinder das erhebende Bewußtsein stärken und ausrichten, daß sie das Glück hatten, dich Vater und Gatten nennen zu dürfen, und daß es ihnen vergönnt gewesen, sich zu sonnen im Ablganze deines lichtvollen Ruhmes. — Gewiß werden sie noch lange die wohlverdienten Früchte deiner unvergänglichen Verdienste in dieser Großgemeinde fortgenießen als die treuen Erben deines großen Namens. Du aber edelster Sangesbruder ziehe hin in das Reich göttlichey Friedens und der Seligkeit. Amen! Kreisrabbiner Adam Wunder gestorben. Rabbiner Dr. Wunder, eine weithin bekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit, ist hvchbetagt in Budweis gestorben. Adam Wunder, der ein Alter von 88 Jahren erreichte, lebte seit 1862 in Budweis, war aber nicht nur als Seelsorger, sondern auch im öffentlichen Leben als Mitglied der Gemeindevertretung, des Bezirks- und Ortsschulrates, als Religionslehrer an den deutschen Mittel- und Bürgerschulen tätig. Bon der Stadtvertretung war er für seine Verdienste zum Ehrenbürger, vom Kaiser durch Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnet worden. Anläßlich seines 50jährigen Jubiläums als Rabbiner war er Gegenstand all-