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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blocb s Moebens hrm< Seite 297 Den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete der nachstehend abgedruckte Aufruf, der nach langen Beratungen einstimmig gebilligt und angenommen wurde. Die Teilnehmer der Konferenz gingen von vornherein von der Ueberzeugung aus, daß bereits eine Klärung der vorhandenen Differenzen stattgefunden habe und daß es demnach angezeigt sei, eine feste Basis für die weitere Arbeit aller Zionisten zu finden. Im Uebrigen beschäftigte sich das Zentralkomitee mit den inneren Angelegenheiten der Zionistischen Partei in Deutschland. Es wurde die Herausgabe eines A. B. C.-Buches, einer aufklärenden Broschüre über Palästina, und die Neuauflage der Nordau'schen Broschüre „Der Zionismus und seine Gegner" beschlossen. Außerdem soll ein zionistisches Adreßbuch herausgegeben werden. Die Drucklegung desselben, ebenso die notwendig gewordene Neuauflage der Schekelblocks sollen insbesondere dahin abgeändert werden, daß die Blocks selbst, wie die einzelnen Quittungen wieder hebräische Aufschriften erhalten. Außerdem lagen Berichte des Zentralbureaus, des Schatzmeisters, sowie des Preßausschusses und der Literarischen Kommission vor. Von der Einberufung eines besonderen Delegiertentages vor dem 7. Kongreß wurde Abstand genommen. Dagegen wurde beschlossen, daß die Landsmannschaft in Basel zwei Tage vor Eröffnung des Kongresses zusammentreten soll. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: An die deutschen Zionisten! Das Herannahen unserer Kongresse war für uns immer das Signal zu einer erhöhten Anspannung unserer Kräfte zu einer inneren und äußeren Sammlung. Mehr aber noch als sonst wollen und müssen wir uns zum 7. Kongresse rüsten: Der Führer, der uns die Tribüne geschaffen, von der aus wir der Oeffentlichkeit unsere Hoffnungen und Wünsche mitteilen konnten, der die Bedeutung dieser Tribüne durch die Macht seiner Persönlichkeit erhöhte, ist uns entrissen worden. Damit ist die Bewegung in unsere Hände gelegt. Mit gesteigertem Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber unserer Idee, gegenüber unserem Volke, müssen wir an die Ausführung der Arbeit herantreten. Dazu kommt, daß das jüdische Leben in seiner tragischen Vielgestaltigkeit uns immer wieder vor neue Probleme stellt, die Antwort von uns heischen. Die Zeit, die seit dem 6. Kongreß verstrichen ist, war ausgefüllt von ernsten und bedeutsamen Auseinandersetzungen. Diese Erörterungen rührten auch an die Grundfesten unseres Programms, ließen uns manchmal befürchten, daß neue Strömungen, die dem Wesen des Zionismus widersprechen, zur Geltung kommen könnten. Aber diese Auseinandersetzungen waren auch nicht ohne Nutzen. Wir haben sie nicht zu bedauern, wenn wir gelernt haben, die Grenzen und den Umfang unserer Bewegung klar zu bestimmen. Nun heißt es — und das vermehrt den Ernst unserer Vorbereitungsarbeit — gerade bei der nächsten Tagung, die unsere Delegierten aus allen Ländern wieder zusammensührt, nach dem Kampf der Geister die Einheit unserer Anschauungen, die Einheit unserer Organisation kraftvoll in die Erscheinung treten zu lassen. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ruft daher schon jetzt die Zionisten Deutschlands auf, die Einheit ihrer Anschauungen öffentlich zu bekräftigen und damit die Einigkeit der Organisation zu dokumentieren. Wir brauchen keine neue Flagge zu enthüllen: Auf Grund des Baseler Programms haben wir uns gesammelt, aus seinem sicheren Boden stehen wir heute, und an seinen Sätzen wollen wir nicht rütteln lassen. Nur den Sinn dieses Baseler Programms wollten wir unzweideutig feststellen in einer Erklärung, zu der sich die Mitglieder des Zentralkomitees in ihrer Sitzung einmütig bekannt haben. Wir geben diese Erklärung zum Schutze unseres Programmes gegenüber allen Aspirationen, die es in seinem innersten Wesen verändern wollen, tor allem gegenüber den „Territorialisten". Ihnen wollen wir sagen, daß das Baseler Programm mit Palästina steht und fällt. Diese Erklärung soll aber auch ein Wegweiser sein für die Richtung, in der sich unsere Bewegung demnächst entwickeln soll. Bei der Feststellung unserer Aufgaben und unserer Arbeitsmethoden haben wir nichts grundstürzend verändert. Alle Tätigkeiten und Methoden, deren Notwendigkeit für uns feststand oder aus der Entwicklung der Bewegung sich ergab, wurden gleichwertig nebeneinandergestellt und alles berücksichtigt, wodurch unser Zionismus das sein kann, was wir von ihm fordern: Eine weitausschauende politische Bewegung. Ueber den großen Zielen soll aber das Kleinste nicht übersehen, über der Kleinarbeit auch nie der Ausblick ins Große verloren werden. Wenn darum in unserer Erklärung die Notwendigkeit von Arbeiten in Palästina besonders hervorgehoben und detailliert wird, so ist doch eine deutliche Demarkationslinie zwischen Sinn und Zweck dieser Tätigkeiten und den Bestrebungen der anderen Kolonisatoren gezogen. Unsere nächsten Arbeiten in Palästina sind nicht Selbstzweck. Wir wissen, daß sie der künftigen Entwicklung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina die gesunden Grundlagen geben werden, und nur im Hinblick auf dieses Gemeinwesen wollen wir sie leisten. Das ist das Eine. Das Zweite aber ist: Daß diese Arbeiten die Politik unserer Bewegung stärken, uns bei unseren Verhandlungen mit den Regierungen unterstützen sollen. Unsere politischen Arbeiten aber sollen sich nicht nur auf eine Basis in Palästina stützen: Wir müffen immer mehr daran arbeiten, die Massen des jüdischen Volkes der nationalen Organisation zuzuführen, wir müffen immer mehr dazu tun, die moralischen und materiellen Kräfte unserer Bewegung zu erhöhen. Das Zentralkomitee hielt es darum für angebracht, noch einmal an die Punkte des Baseler Programmes zu erinnern, die die Stärkung des Volksbewußtseins, die Kräftigung unserer Institutionen und Fonds zum Inhalt haben. Mögen die Ergebniffe ernster Stunden, in denen wir alles prüften, was den Zionismus bewegt, die deutsche Organiation festigen und zu neuer Arbeit anspornen, zur Ehre und zum Nutzen unserer Idee. Möge das Beispiel unserer Einmütigkeit auch auf unsere zionistischen Brüder in den anderen Ländern einigend wirken und sie mit neuer Hoffnung und Tatkraft erfüllen. Deutsche Zionisten! Wir fordern euch auf, unverzüglich an die Arbeit zu gehen und dafür zu sorgen, daß der 7. Kongreß sich zu einer würdigen und fruchtbringenden Kundgebung gestalte. In den nachfolgendem Thesen find die Ergebnisse unserer Beratungen zusammengefaßt: Erklärung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Wir erblicken im Baseler Programm die unerschütterliche Grundlage des politischen Zionismus. Demnach ist das Ziel der zionistischen Bewegung die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Wir lehnen daher den Territorialismus ab, der als Ziel der Bewegung an die Stelle Palästinas ein anderes Land setzen will. Da sich das Ostafrikaprojekt schon jetzt als undurchführbar erweist, ist es für uns nicht erforderlich, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Im Uebrigen sind wir der Ansicht, daß die Ausführung von Kolonisationsprojekten außerhalb Palästinas und seiner Nachbarländer nicht Sache der zionistischen Organisation sein soll: Als die nächsten Aufgaben der Bewegung betrachten wir: 1. Aufrechterhaltung und Ausbau der angeknüpften politischen Beziehungen. 2. Systematische Ausgestaltung unserer bereits vorhandenen Positionen in Palästina, um die realen Unterlagen und die nötige Stärkung für unsere politischen Aktionen zu schaffen. Im einzelnen erstreben wir in dieser Hinsicht: Wiffenschaftliche Erforschung des Landes und seiner Verhältnisse. Förderung wirtschaftlicher Unternehmungen, Länderwerb und Stärkung der Anglo-Palestine Company. Umwandlung der städtischen Bevölkerung in ein produktives Element.

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