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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'Jh. 19 Dr. Blocb’s Wocbenscbrttt Seite 295 eine hervorragende Stellring ein und galt als ein hochherziger Förderer von küustleri'chen und rvissenschoftlichen Bestrebungen. Direktor Bauer besaß ein edles und gutes, echrjüdisches Herz, er konnte nicht achtlos an den traurigen Erscheinungen drs sozialen Elends vorübergeben, übte Wohltärigkeit mit bochberz'gem Sinne, widmete auch seine Arbeitskraft hervorragenden Wohlfahrtsinstitutionen und war auch Kurator der galiziichen Baron Hirsch-Stiftung. An seiner Babre trauern außer der Witwe vier Söhne und zwei Töchter. Der älteste Sohn ist Bankier in London, ein anderer ist Direktor des W stböbm'schen Bergbauvercines. Seine beiden Töchter sind mit den Brüdern Ferdinand im« Dr. Gustav Bloch in Wien vermählt. Ein älterer Bruder des Verstorbenen, Chevalier Rafael Baue r, ist österreichisch-ungarischer Generalkonsul iu Brüssel und Verwaltungsrat und Direktor der Bauque de Paris et des Pays-Bas. Ein anderer Bruder, Ludwig Bauer, ist Justizrat in Augsburg. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 7. Mai 11 Uhr vormittags am Wiener Zentralfriedhofe statt. Die Teilnahme an der Leichenfeier war derart, wie sie auf dem Zentralfriedbof überhaupt noch nicht gesehen worden ist. Zu vielen Hunderten kamen die Trauergäste, die allen Kreisen der Wiener Kesellsckiaft angehörten. Die Beamtenwelt, die Finanz- und die industriellen Kreise waren vollzählig vertreten. Die Zahl der Trauergäste war so groß, daß kaum der dritte Teil der Erschienenen in der gerännilgen Zeremonienhalle Platz finden konnte. Weitaus die größere Zahl der Leidtragenden füllte den Platz und die Alleen vor der Zeremonienhalle. In der rechten Seiteuhalle waren die Kranze niedergelegt worden. Ihre Zahl betrug mehr als tausend. Von der Zeremonienhalle standen bis zur Gruft, in der die Beisetzung erfolgte, in dichtem Spalier Diener aller Banken mit brennden Windliästern. Die schmerzgebengte Witwe Bauers, Frau Jeanette Bauer, wohnte, einer letztwilligen Verfügung des Gatten gemäß, der Leichenfeier iiid>t bei. Seine Söhne und die übrigen männlichen Verwandten standen tränenden Auges beim Kopfende des Sarges. Obcrkantor Singer trug, begleitet vom Chorpersonal, einen Trauerpialm vor, der tiefergreifend wirkte. Tann trat Oberrabbincr Tr. G üdemann an das Kopfende des Sarges und hielt dem Verblichenen einen formschönen Nachruf, in dem er den glänzenden Eigenschaften Bauers vollste Gerechtigkeit widerfahren ließ. Als erster Redner sprach sodann der Vizepräsident des Administrationsrates des Wiener Bankverein, Herr Adolf Ritter v Schenk. Er könne vor Schmerz kaum die richtige» Worte finden. Er habe schon am Samstag der Geistesgaben, der Herzensgüte und der hervorragenden Wirksamkeit Bauers im Bankverein gedacht. Er lernte Bauer in seiner Sturm- und Traikgperiode kennen und kannte ihn, als das höhere Alter die Wogen wohltätig glättete. Hingebungsvoll hat Bauer stets den ihm anvertrauten Interessen treu gedient, die Fahne des Instituts oft zum Siege geführt, sein Herz und seine hilfsbereite Hand dem Guten und Edlen stets offen gehalten. Tie Teilnahme an der Leichenfeier lege Zeugnis von der Wertschätzung ab. In allen Herzen werde die Blume der Erinnerung leben. Ter Engel des Friedens möge Bauers Grab umschweben. Er möge in Frieden ruhen. Man werde seiner stets dankbarst in Ehren gedenken. Nachdem Ritter v. Schenk geschlossen, sprach Direktor Karl Stögermaher. Er rühmte Bauers hervorragende Begabung, seinen scharfen Verstand, die große Ausdauer und die warmfüblende und bewegliche Seele, die sich den schwierigsten Situationen mit Leichtigkeit anpassen konnte, und die i orzüge seines Herzens und seines Charakters. Im weiteren Verlaufe seiner Rede rühmte Direktor Stögermayer die großen Verdienste Bauers um den Bankverein, der durch ihn zu dem großen Institute mit den ansgebreiteten Verbindungen, den ausgedehnten Gesdiäften und dem großen Wirksamkeitsgebiete wurde. Bauer hat sich durch seine Fähigkeiten und beispiellose Rührigkeit die Anerkennung weitester Kreise und durch Liebenswürdigkeit und Herzensgüte die Sympathien und Verehrung aller erworben. Er rühmte ihn als edlen Menschenfreund und hob hervor, daß die Freunde, die ibm zur baldigen 25jährigen Jubelfeier Beweise ihrer Liebe darzubringen gedachten, nun an seiner Bahre stehen. Tie Kollegen versprechen ihm, seines Wirkens und seines großen Beispiels stets eingedenk zu sein. Sein Andenken werde stets fortlcben. Im Gedenken der Kollegen sei er nicht gestorben. Er lebe in ihnen und im Bankverein weiter. Als dritter Redner sprach Generalsekretär Dr. Adolf Gelinek und nahm namens der Beamtenschaft vom allgeliebten Direktor Bauer Abschied. Auch er wies auf die Vorbereitungen zum 25jährigen Jubiläum des Eintrittes Bauers in den Verein hin — und statt dessen herrsche nun Klage und Weinen. Alle, vom ersten bis zum letzten, hatten ihm jederzeit innige Verehrung, aufrichtige Liebe enigegcngebracht. Nicht aus dem kalten Pflichtgefühl des Angestellten gegen den Vorgesetzten entstammte die warme Zuneigung. Bauer wollte stets durch vornehme Gesinnung, durch tieferes Empfinden das Dienstverhältnis veredeln. Er hat es bei der großen Schar der Untergebenen wirklich erreicht, ermdjt durch das leuchtende Vorbild unermüdlicher Arbeitskraft, durch hohe Ziele, durch Werke, die er geschaffen, durch anfmunternde Worte der Anerkennung, durch Förderung besonderer Talente, durch selten liebevolles Mitgefühl für das Wobl und Webe jedes Einzelnen. Sein Andenken werde in Liebe und Dankbarkeit fortleben. Er gelobte, daß alle den Geist behüten, in dem er sie zu leben und zu arbeiten gelehrt. Als letzter Redner nahm Ministerialrat Kamill Kuranda namens der Freunde vom Verblichenen Abschied und hob insbesondere seine trefflichen Charaktereigenschaften und persönlichen Züge hervor. Damit schloß die Reihe der Lobredner. Der Sarg wurde zur Gruft getragen und in die Tiefe gesenkt. Nach ' Ubr schloß bte Trauerfeier. Zur Frage des Gebührenäguivalentes von Stiftungen. Die Stistsbriefe der als „Seelenstiftungen" oder ähnlichen Bezeichnungen konstituierten Stiftungen enthalten meist die Bestimmung, daß ein Teil des Stiftungserträgnisses den Armen zu verabfolgen sei, welche dem am Todestage des Stifters abzuhaltenden Gottesdienste beiwohnen. Derartige Stiftungen erzielten auch bezüglich des den Armen zufallenden Teiles des Stiftungserträgnisfes keine Befreiung vom Gebührenäquivalente, indem die Finanzbehörden die Stiftungen nicht als reine Wohltätigkeitsftiftungen ansahen, weil den zu beteilenden Armen die Teilnahme an den gottesdienstlichen Uebungen zur Pflicht gemacht erscheine. Jedenfalls eine sehr materialistische Auffassung nach dem alten do ut des! Prinzipielle Entscheidungen in dieser Frage füllte der Verwaltungsgerichtshos über Beschwerden der Prager Kultusgemeinde am 23. September 1903, enthalten in der amtlichen Sammlung unter Nr. 1973 — 1975, auch in dieser Wochenschrift (Nr. 51 ex 1903) abgedruckt. Besonders wichtig ist die Entscheidung in Sachen der Dr. Jonas Eger'schen Armenstiftung, in welcher darauf hingewiesen wird, daß, wenn es dem Stifter lediglich um die Verrichtung der Gebete an feinem Sterbetage und nicht auch um die Förderung der Wohltätigkeit zu tun gewesen wäre, er den Stiftungsgenuß schlechthin dem Beter, nicht aber dem Armen, am Gottesdienste Teilnehmenden Hütte zukommen lassen. Kürzlich hatte die k. k. ^mährisch-schlesische Finanzlandesdirektion über mehrere gegen die Gebührenäquivnlentpslicht derartiger Seelenheilstiftnngen daraus Hingelviesen, daß die Mitwirkung bei der Seelenheilpslege seitens der zu beteilenden Armen der Stiftung nicht den Charakter einer Wohllätigkeitsstiftung nehme, weil die Gebetsverrichtung nicht als materielle Gegenleistung angesehen werden könne. Die Finanzlandesdirektion hat die Befreiung von Gebührenäquivalente verweigert, aber lediglich infolge einer undeutlichen Fassung der Stistsbriefe: in diesen wird nämlich ein bestimmter Teil des Stiftungserträgnisses dem Rabbiner zugewiesen, der Rest soll nach Ermessen der Stiftungsverwaltung unter die Tempelfuuktionäre und die bei der Seelenheilpslege mitwirkenden Ortsarmen verteilt werden. Daraus deduzierte die Finanzbehörde, es stehe nicht fest, welcher Teil der Stiftung für Wohltätigkeitszwecke bestimmt ist. Jedenfalls ist damit indirekt zugestanden, daß die Stiftungen zum Teile Wohltätigkeitsstiftungen seien. Für die Zukunft mögen daher die Kultusgemeinden darauf bedacht sein, bei derartigen Stiftungen im Stistsbriefe den den Armen zukommenden Teil des Stiftungserträgnisfes stets ziffermäßig genau festzusetzen, weil sich dann für den diesem Teile entsprechenden Kapitalsbetrag der Stiftung die Befreiung vom Gebührenäquivalente dürste erzielen lassen. Brünn. Dr. Richard Fialla. Eine Präparandie für jüdische Religionslehrer. Man schreibt uns aus Böhmen: Die Prager Kultusgemeinde-Repräsentanz hat in ihrer Sitzung vom 2. April 1905 über Antrag des Herrn Dr. M. Fischer beschlossen, die altehrwürdige Talmud-Thora-Schule zu reorganisieren und an dieselbe eine Präparandie für jüdische Lehramtskandidaten, die sich zu Religionslehrern heranbilden wollen, anzugliedern. Bereits vor einigen Jahren haben der Israelitische Landeslehrerverein in Böhmen und die unter Vorsitz des Herrn Dr. L Bendiener im Dezember 1902 in Prag abgehaltene Enquete zur Regelung des Religionsunterrichtes nach dem ausgezeichneten Referate des Magistratsrates Dr. A. Stein in Prag dafür sich ausgesprochen,

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