Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 292 Dr Dlocb's Mocbenscbrttt. Nr. 19 Uerern;nr Kefordernng der Handmerke unter den inländische« Israeliten. Wien, Mai. Dem Berichte über das vierundsechzigste Vereinsjahr, der sich auch diesmal durch eine Fülle informativen und instruktiven Materiales auszeichnet, ist mit hoher Befriedigung zu entnehmen, daß der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" auch im letzten Jahre auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückzublicken vermag. Ein emsiges, eifriges Walten durchzieht alle Aktionen des Vereines und viel des ehrlichen, redlichen Schweißes wurde angewendet, den hehren Zielen und humanitären Zwecken nach jeder Richtung hin zu entsprechen. Mit Ende 1903 standen 696 Zöglinge in der Obhut, 1904 wurden neu ausgenommen 325, Summa 1021. Im letzten Jahre wird ein Abgang von 331 Zöglingen ausgewiesen, daher zum Jahresschlüsse 1904 in der Obhut noch 690 Zöglinge verblieben. Wird in Betracht gezogen, daß noch vor einem Lustrum nahezu 1000 Zöglinge im Stand verzeichnet werden konnten, so erscheint die extensive Tätigkeit allerdings reduziert. Allein hieran trägt nicht die Vereinsleitung schuld, sondern Umstände, auf die in der „Österreichischen Wochenschrift" schon vielfach hingewiesen worden. Dem Vereine gebricht es nämlich einfach an den materiellen Mitteln, alle sich von weit und breit, urb! et orbi, meldenden Zöglinge aufzunehmen. Dagegen wird der intensiven Tätigkeit umso größeres Augenmerk zugewendet, indem auf die Ausbildung der Zöglinge, den Anforderungen der Jetztzeit entsprechend, das größte Augenmerk zugewendet wird. Dem Vereine stehen in diesem Belange recht erfreuliche Erfolge zur Seite. Bei der im Berichtsjahre abgehaltenen „Lehrlingsarbeiten-Ausstellung" wurden die Arbeiten der Vereinszöglinge mit 5 silbernen, 9 bronzenen Medaillen und 4 ehrenvollen Erhöhungen prämiiert. Diese Prämiierungen gewinnen aber noch dadurch an Bedeutung, daß sich unter den Prämiierten Schlosser-, Schmiede-, Spängler-, Bronzearbeiter-, Bildhauer- Lehrlinge befinden. Der Vereinsleitung gebührt vollste Anerkennung, daß sie durch Beteiligung an dieser Ausstellung den Vereinszöglingen Gelegenheit geboten, mit Beweisen ihres Könnens und ihres Fortschrittes in die Oeffentlichkeit zu treten. Als Belohnung und Aufmunterung zu weiterem Fleiß und zu fortgesetzter Strebsamkeit hat der Vereinsvorstand den prämiierten Zöglingen Spenden in Form von Spareinlagen zugewendet. Der Vereinsvorstand hat mit der „Baron Hirsch- Stiftung" und mit dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" ein Uebereinkommen getroffen, dahingehend, eine größere Zahl Zöglinge aus Galizien in Obhut zu nehmen, u. zw. einen Teil gegen Vergütung der Kosten, einen Teil auf Rechnung des Vereines, um diesen galizischen Knaben die Erlernung eines Handwerkes zu ermöglichen. Dem Vereine sind im Berichtsjahre namhaftere Kapitalsspenden zugeflossen, dagegen zeigt dies erfteuliche Bild auch seine Schattenseite, denn wie der Bericht mit lebhaftem Bedauern konstatiert, haben sich infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse die Subventionen vermindert und die Mitgliederzahl erscheint geringer. Betreffs der Subvention mag die Motivierung richtig sein, nicht aber was die Zahl der Mitglieder anbelangt, insbesondere der Mitglieder, die sich aus Wien rekrutieren. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke" hat es nach vierundsechzigjähriger, emsiger und eifriger Wirksamkeit in Wien selbst nicht mehr als auf 500 Mitglieder gebracht. Das ist ein tasümouium paupertatis nicht für den Verein, deffen humanitäre, philanthropische Tätigkeit notorisch ist, aber — man verzeihe die Offenheit — für die Juden Wiens. Es dürste wohl eingewendet werden, daß es an Propaganda fehlt, aber auch dies ist nicht richtig, denn die Vorstandsmitglieder laffen es an eifrigen, unermüdlichen Bemühungen nicht fehlen, sei es durch persönliche Intervention oder in anderer Form, Mitglieder zu werben, es ist ihnen jedoch stets noch ein beschämend geringfügiger Erfolg hiebei zur Seite gestanden, beschämend nicht für die Werbenden, sondern für die zu Werbenden. Es ist ja richtig, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden Wiens derzeit tatsächlich sehr traurige sind. Unterzieht man aber die Liste der Steuerträger für die Kultusgemeinde Wiens einem Studium, so wird man von der Ansicht nicht abzubringen sein, daß von den 18.000 Balbatim zumindest ein gut Dritteil in der Lage wäre, den Mitgliedsbeitrag mit Leichtigkeit zu erschwingen. Der Vereinsvorstand darf sich daher durch die bisherigen negativen Resultate nicht abschrecken lassen, in der Propaganda nicht erlahmen und muß noch weiters die Werbetrommel rühren, u. zw. recht vernehmlich, daß sie überall dort vernommen werde, wo sie gehört werden soll. Denn es gilt die Sicherung des Bestandes des Vereines in der Gegenwart und die Schaffung einer von Wechselfällen freien Zukunft. Bestände die einer dringenden Notwendigkeit entspringende „Verein zur Beförderung der Handwerke" nicht, er müßte geschaffen werden. An die jüdische Bevölkerung, insbesondere an die Glaubensgenossen in Wien, die Zeugen des wahrhaft wohltätigen Wirkens des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den i n l ä n di sch e n Jsrae liten" sind, ergeht der warme eindringliche Appell, diesem Vereine in Massen beizutreten und hiedurch die Mittel zu bieten, alle oder zumindest einen Großteil jener Knaben in Obhut nehmen zu können, die von weit und breit nach der Metropole ziehen, ein Handwerk zu erlernen und sich damit die Möglichkeit zu sichern, eine Existenz zu gründen, in der sie in anständiger Weise und in einem ehrlichen, bürgerlichen Berufe ein Fortkommen finden können. Möge dieser in diesen Blättern des Oefteren schon ergangene Mahnruf diesmal fruchtbareren Boden finden, zum Wohle der ein Handwerk erlernenwollenden armen jüdischen Kinder. Läuarck Leer. Uereinsleken in den Wiener westlichen Kejirken. Die in den letzten Tagen abgehaltenen Hauptversammlungen des T a l m u d-T hör a-Vereines und des Israelitischen Armen- Unterstützungs-Vereines „Maskil el dol“ (Fünfhaus) gaben sowohl durch die zahlreiche Beteiligung seitens der Mitglieder, als auch durch die Lebhaftigkeit der geführten Debatten zu erkennen, daß das Vereinsleben in den westlichen Bezirken Wiens und damit auch das Interesse an den Fragen des Judentums hier in jüngster Zeit eine erfreuliche Steigerung erfahren haben. In der am 23. April d. I. abgehaltenen Jahresversammlung des Talmud-Thora-Vereines erstattete der Obmann Ehrwürden Dr. G r u n w a l d den Rechenschaftsbericht, wies auf die ftetig steigende Mitgliederbewegung hin und kennzeichnete die besonderen Leistungen des Vereines, der im Berichtsjahre in 5 Abteilungen an 223 Schüler, gegen 80 im Vorjahre, Unterricht erteilen ließ. Die auf Antrag des Herrn G e l b a r d durchgeführte Errichtung des Mädchenkurses zeitigte gleichfalls einen hohen Erfolg, indem schon im ersten Schuljahre 96 Mädchen an den Kursen in 2 Klassen teilnahmen. Das dem Vereine zur Verfügung stehende Schulzimmer reicht bei dem höheren Zuspruche von Schülern und Schülerinnen nicht mehr aus und bildet die Schaffung geeigneter Schullokalitäten, allenfalls eines eigenen Heims jetzt die Hauptsorge der Vereinsleitung. Der Unterricht soll stetig erweitert, insbesondere sollen noch Kurse für Mittelschüler geschaffen werden und die Einführung des Handfertigkeits-Unterrichtes, sowie von Jugendspielen wird in kürzester Zeit erfolgen. Die Leistungen der Herren Lehrer Wi esner und T e l t s ch fanden allgemeine Anerkennung. Aus Mitgliederkreisen wurde auch übereinstimmend der Tatsache Anerkennung