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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Blocb's MocbenscbrM. Sette 283 vergeßlichen großen Rabbi Aron Jellinek stand, und es ist am besten dargestellt durch das Wort der heiligen Schrift: „Kein Mensch war im Stiftszelte als der Hohepriester kam, im Heiligtum den Sühnendienst zu verrichten, bis er es verließ." Denn ebenso wie nichts Menschliches dem edlen Verstorbenen fremd gewesen ist, hat nichts Menschliches seinen heiligen Dienst gestört oder getrübt. Sowie es vom Hohepriester heißt: „Er nahm die Pfanne, gefüllt mit feurigen Kohlen von dem Altar, der vor Gott stand, und er füllte seine Hände mit duftigem Räucherwerk, um es ins Heiligtum zu tun", so hat dieser edle Priester seines Volkes mit seinem Feuergeiste und mit seiner feurigen Seele das glühende Wort tiefsten Glaubens, erhabenster Tugend und umfassenden Wissens in die Herzen und Gemüter seiner Gemeindekinder gesenkt und mit vollen Händen den Segen seines umfassenden Wissens auf dem Gebiete heiliger und profaner Erkenntnis überreichlich ausgestreut. Den Hohepriester Simon den Gerechten — so erzählt der Talmud im Anschlüsse -an jene Schilderung der priesterlichen Dienstesverrichtung — begleitete stets beim Betreten und Verlassen des Allerheiligsten eine ehrwürdige Greisengestalt, von der er nicht wußte, ob sie göttlich oder menschlich sei. Und als er sie nicht mehr erblickte, wußte er, daß seine irdische Laufbahn beendigt sei. So hat den edlen Dahingeschiedenen göttliche Gestalt und himmlisches Wesen stets begleitet von dem Augenblicke au, da er den Boden dieser ehrwürdigen Gemeinde betrat, bis zu diesem Augenblicke, in welchem er sie für ewig verläßt. Möchte uns alle doch, wenn wir nun diesen ernsten, heiligen Ort verlassen und heimkehren, jener Greisengestalt folgen, zum deutlichen Zeichen dafür, daß Rabbi Mayer Kayserlings' Geist fortleben und unsterblich sein wird. Möge der Duft der edlen Blume, die Gott gepflückt hat, sich dauernd und balsamisch verbreiten und neue Blumen sprießen lassen. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet. Innsbruck. Das israelitische Schul- und Kultuskomitee Innsbruck versendet folgenden Aufruf: In Innsbruck, der Landeshauptstadt Tirols, hat die Seeleuzahl der jüdischen Bevölkerung nunmehr zirka 200 erreicht. Unser bisher gemietetes Betlokal steht uns nun für die Folge nicht mehr zur Verfügung, und trotz eifrigster Umschau ist es infolge der Zeitströmung nicht gelungen, ein annähernd entsprechendes Lokal in Miete zu bekommen. Wollen wir anders das Judentum fördern und sein Ansehen Hochhalten, sind wir gezwungen, gerade hier, wo uns der rege Fremdenverkehr Glaubensgenossen aus allen Ländern zuführt, eine unserem Glauben und unserer Stellung würdige Stätte zu errichten, wo wir unsere Andacht verrichten können. Mit größter Opfermütigkeit haben wir bisher die nicht geringen Kosten für Anstellung eines Religionslehrers und Kantors aufgebracht und hat auch jeder Einzelne nach Kräften zur Erbauung eines würdigen Gotteshauses beigetragen. Die Ausführung des Projektes müßte aber an der Unmöglichkeit scheitern, die namhaften Kosten aus eigener Kraft aufzubringen, bestünde nicht die Hoffnung, daß uns die Hochherzigkeit unserer Glaubensgenossen nicht im Stiche lassen wird. Und so stellen wir vertrauensvoll an Ihre jederzeit bewährte Opferwilligkeit die herzlichste Bitte, uns durch eine entsprechende Beitragsleistung in unserem heiligen Werke gütigst zu unterstützen. Wohl wissen wir, daß ihre Güte, Ihr Opfermut schon wiederholt in Anspruch genommen wurde; auch wir haben stets gerne gegeben, aber in unserem Falle, wo das kleine Häuflein Juden in Tirol gewissermaßen eine Ausnahmsstellung einnimmt, ist Ihre Hilfe dringend geboten, Ihre Unterstützung ein heiliges Werk! Hochachtungsvoll Das israelitische Schul- und Kultuskomitee Innsbruck: W. Dannhauser, Louis Bauer, L. Dubsky, Sig. Abeles, Viktor Schwarz, W. Adler, Hugo Schwarz, S. Baum, S. Schindler, M. Brüll, S. Steiner. Die eingehenden Beträge werden öffentlich ausgewiesen und die Namen der Spender in einem Gedenkbuche verzeichnet. Auch die„Oesterr. Wochenschrift" ist gern bereit,Spenden für das zu erbauende Gotteshaus in Innsbruck zu notieren. Mit Rücksicht auf die besonders exponierte Lage unserer Glaubensgenossen in Tirol sieht die gefertigte Redaktion sich veranlaßt, vorstehenden Aufruf allen Wohltätern und Förderern jüdischer Angelegenheiten wärmstens und eindrivglichst zu empfehlen. Die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". Aufruf! Die israelitisch-deutsche Volksschule in der Landeshauptstadt Czernowitz beschließt mit dem Ablaufe des gegenwärtigen Schuljahres (1904/5) die ersten fünfzig Jahre ihres Bestandes. Bei der allseits anerkannten, ersprießlichen Wirksamkeit dieser das Oeffentlichkeitsrecht genießenden Volksschule, welcher eine große Kulturmission zufiel, geht die Kultusgemeinde-Repräsentanz daran, diesen Zeitabschnitt in der Lehrtätigkeit uuserer Volksschule f e st l i ch zu begehen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die ehemaligen Schüler und Schülerinnen dieser Lehranstalt sich dankbarst der Zeit erinnern werden, da sie ihren e r st e n Unterricht an dieser Schule genossen und sich für ihren Lebenslauf die e r st e n G r u n dlagen geschaffen haben; und darum dürfte es auch ihr dringender Wunsch sein, sich an der bevorstehenden Jubelfeier unserer Volksschule zu beteiligen. Die Unterzeichneten erachten es sohin als ihre vornehmliche Pflicht, die bevorstehende Jubelfeier den geehrten ehemaligen Schülern und Schülerinnen zur Kenntnis zu bringen und dieselben einzuladen, dem Unterzeichneten Kultusvorstande oder der Schulleitung ihre genauen Adressen, unter möglichster Angabe ihres Standes und Berufes, späte st ens bis Ende Mail. I. bekanntzugeben, damit das Festkomitee rechtzeitig in der Lage ist, bei Feststellung des F e st p r o g r a m m e s, sowie der herauszugebenden Festschrift auch auf die Mitwirkung der ehemaligen Schüler und Schülerinnen an den abzuhaltenden Gedenkfeierlichkeiten gebührende Rücksicht zu nehmen. Der Tag der Festfeier, sowie das Festprogramm selbst werden allen sich anmeldenden ehemaligen Zöglingen dieser Lehranstalt seinerzeit zugemittelt werden. Czernowitz (Bukowina), im April 1905. Der Obmann Der Präsident Der derzeitige der Schul-Sekrion: der Kultusgemeinde: Schulleiter: Dr. Wender. Dr. S t r a u ch e r. K. D u b e n s k y. Berlin. (Der zweite jüdische Turntag.) Am 23. und 24. April hat in Berlin die zweite ordentliche Versammlung der zur jüdischen Turnerschaft gehörigen Vereine, der sogenannte „Jüdische Turntag", stattgefunden. Außer den Vertretern des über 500 Turner zählenden Berliner jüdischen Turnvereins „Bar Kochba" waren folgende Bundesvereine vertreten: Köln, Wien, Mährisch-Ostrau, Bielrtz, Graz, Oderfurth, Stettin und Lemberg. Außerdem wohnten Abgeordnete der dem Verband noch nicht angehörenden jüdischen Turnvereine von München, Aachen und Posen den Beratungen des Turntages bei. Eingeleitet wurde der Turntag durch einen vom Turnverein „Bar Kochba" veranstalteten Palästinawein-Begrüßungskommers, zu dem außer Hunderten von Turnern nebst Angehörigen eine größere Anzahl von bekannten Führern der jüdischen Bewegung erschienen war. Der Turntag selbst wurde am 23. April durch den Vorsitzenden der „Jüdischen Turnerschaft", Dr. Ernst Tuch-Charlottenburg, feierlich eröffnet. Der Turntag hat an diesem und dem folgenden Tage eine Fülle von Arbeit in ersprießlichster Weise bewältigt. Zunächst galt es, den Mängeln der bisherigen Organisation abzuhelfen und ein Statut »u schaffen, das der Eigenart der fraglichen Verhältnisse gerecht wurde. Nach dieser Richtung hin ist ein voller Erfolg zu verzeichnen. Vor allem ist ein glücklicher Griff mit der Organisierung der sogenannten Obmannschaft, d. h. der Vorsitzenden der sämtlichen Verbandsvereine, getan worden. Dieses neue Organ gewährleistet eine engere Fühlungnahme der einzelnen Vereine mit der Zentrale. In propagandistischer Beziehung waren die Anregungen des - Dr. Ludwig Werner— Wien und Julius Berger—Köln besonders wertvoll. Die in den Referaten beider Herren niedergelegten Anschauungen und Vorschläge dürften lange Zeit hindurch die Richtschnur für die Tätigkeit der Verbandszentrale bilden. Auch die Ausführungen des Turnlehrers Rudolf Pollak-Wien über den Turnbetrieb in den jüdischen Turnvereinen werden in vielen Punkten für die Zukunft maßgebend sein. Zur Ermöglichung und Förderung einer systematischen und wirksamen Propaganda erscheint der Beschluß, ein'« Fonds für die „Jüdische Turnerschaft" zu schaffen, von außerordentlicher Bedeutung. Das Referat von Theobald Scholem—Berlin über die Stellung der Jüdischen Turnerschaft zu den anderen Turnverbändcn führte zur einstimmigen Annahme nachfolgender Resolutionen:

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