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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 284 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 18 1. Der zweite Jüdische Turntag erklärt, dass die Stellung der „Jüdischen Turnerschaft" gegenüber den anderen Turnverbänden gegeben ijl durch den § 2 der Satzungen, welcher lautet: „Die „Jüdische Turnerschaft" bezweckt die Pflege des Turnens als Mittel zur Heining des jüdischen Stammes im Sinne der national-jüdischen Idee. Unter National-Judentum verstehen wir das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte, sowie den Willen, die jüdische Stammesgemeinschaft auf dieser Grundlage zu erhalten. Der Verband verfolgt keine politischen Zwecke." Der „Jüdische Turntag" stellt fest, daß sich diese Zwecke und Ziele nur in der „Jüdischen Turnerschaft" erreichen lassen. Aggressive Tendenzen liegen der „Jüdischen Turnerschaft" fern. 2. Der zweite „Jüdische Turntag" gibt seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß jüdische Mitglieder des Kreises 15 b der „Deutschen Turnerschaft" trotz der judenfeiudlichen Stellungnahme des Kreises 15 b fick nicht ihres jüdischen Volkstums bewußt geworden, sondern in der „Deutschen Turnerschaft" verblieben sind. Nach Erledigung der Neuwahlen und nach der Bestimmung des nächsten Turntagsortes, wozu einstimmig Wien gewählt wurde, schloß der Vorsitzende Dr. Ernst Tuch den zweit'« jüdischen Turntag. Ciu jüdischer Held in Port Arthur. Der jüdische Gefreite Josef Trumfelder, welcher die Belagerung von Port Arthur mit durchgemacht hatte, hat wegen folgender Heldentat den militärischen Orden vierter Klasse und als Ergänzung dazu den der zweiten und dritten Klasse erhalten. Bei der Verteidigung des Winkelberges wurde er an der Hand so schwer verletzt, daß ihm diese nach langwieriger Krankheit amputiert werden mußte. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause bat er seinen Hauptmann um Erlaubnis, wieder in der Front kämpfen. zu dürfen. Diese Heldentat wurde in einem Tagesbefehl des 27. sibirischen Regiments vom 12. Dezember v. I. wie folgt gefeiert. Der Gefreite der 7. Kompagnie, Josef Trumfelder, hat sich an seinen Hauptmann mit folgender Bitte gewandt: Mir ist zwar nur noch eine Hand übrig geblieben, aber diese Hand ist die, rechte, und ich vermag mich mit meinen Kameraden nach wie vor am Kriege zu beteiligen. Ich bitte daher, mir einen Revolver- und einen Säbel zu geben. So spricht ein echter russischer Soldat und seine Worte werden mit goldenen Lettern in der Geschichte unseres Regiments verewigt werden. Es ist dies umso merkwürdiger, als dieser Soldat und Held nur Jude ist. Der Verfasser des Befehls mußte zu einer weitläufigen Apologie Zuflucht nehmen, um die Beförderung des tapferen Kämpen zum Vize-Unteroffizier zu entschuldigen." Er mußte sämtliche Kriegsverdienste des bescheidenen Helden (es gab deren eine ganze Anzahl), die erhaltenen Belohnungen aufzählen, er mußte bemerken, daß Trumpeldor „von seinem Rechte, als Invalide entlassen zu werden, keinen Gebrauch gemacht hat", und daß er, die Gefahr verachtend, sein Leben aufs neue zum Kampf gegen den Feind anbot. Auf diese Weise", schließt der Befehl, „bringt Trumpeldor auf dem Altar des Vaterlandes mehr, als unser Eid verlangt". Als Belohnung dafür, daß er mehr gebracht hat, als man verlangte, erhielt er mehr, als ein Jude erhalten darf, selbst wenn er außergewöhnliche Heldentaten verübt. Er wurde zum jüngeren Unteroffizier ernannt. In dem Befehl heißt es ferner: „Ich befördere Trumpeldor zum jüngeren Unteroffizier für seine Verdienste und Unerschrockenheit, die er oft bewiesen hat. Seine gute Bildung (er ist Zahnarzt) gibt mir Grund zu der Ueberzeugung, daß er als Vorgesetzter nicht weniger Nutzen bringen wird, denn als Gemeiner, und daß er andererseits seine Untergebenen nicht fühlen lassen wird, daß er Andersgläubiger ist, daß er im Gegenteil als Vorgesetzter sich ihre herzliche, nicht nur äußerliche Achtung gewinnen wird. Und wie soll man einen Menschen nicht achten, insbesondere einen andersgläubigen, der im Dienste des Vaterlandes sein Leben aufs Spiel setzt, wenn er hierzu nicht mehr verpflichtet ist!" („Nowosti" Nr. 92.) Petersburg. Dem soeben ausgegebencn Jahresbericht der hiesigen Anwaltskammer entnehmen wir folgenden interessanten Passus: „Der Vorsitzende des höchsten Petersburger Gerichtshofes hat den Vorstand der Kammer aufgefordert, ihm die jüdischen Anwaltsgehilfen anzugebcn, welche nach seiner Ansicht geeignet sind, in den Stand der Rechtsanwälte erhoben zu werden. Darauf sandte der Vorsteher der Anwaltskammer an den Präsidenten des Gerichtshofes nachfolgendes Schreiben: „Hochgeehrter Herr Jnnocenz Kladjewitsch! Weder ich noch meine Kollegen sind leider imstande, dem Wunsche Ew. Exzellenz nachzukommen. Sämtliche jüdischen Rechtsanwaltsgehilfen sind ihrem Charakter und ihrer Fähigkeit nach vollkommen lvürdig, in den Anwaltsstand erhoben zu werden. Andernfalls wären sie von uns nicht einmal als Gehilfen zugelassen worden. Wollten wir sie jetzt noch einmal auf ihre Fähigkeit hin prüfen, so würden wir die Nichtauserwählten nicht nur schwer kränken, sondern auch erheblich in ihrem Erwerb schädigen, da sie dadurch vor ihren Klienten als minderwertig erscheinen müßten. Daher bin ich gezwungen, Ihren Vorschlag abzulehnen." New-Aork. Ein Ausschuß namhafter Bürger beschloß, den bevorstehenden 250. Jahrestag der ersten Landung von Israeliten in Amerika großartig zu feiern. Die gegenwärtige gesamte Ziffer der (amerikanischen jüdischen Kolonie beläuft sich auf 1,500.000, die überwiegend in der Stadt New-Iork ansässig sind, wo die armen, aus Osteuropa stammenden Ghettobewohner das Gros der sozialistischen Partei bilden, während die übrigen mit den deutschen Parteien ununterscheidbar vermischt sind. vermischtes. Wien. (Aus dem Mai-Avancement.) Der Major Herr Wilhelm H u s s e r l im 77. Jnf.-Neg. in Przemysl wurde zum Oberstleutnant befördert. Oberstleutnant Husserl stammt aus Proßnitz in Mähren, ist im Jahre 1873 freiwillig zum Militär gegangen, hat die Kadettenschule zu Brünn besucht und wurde im Jahre 1876 zum Leutnant ausgemustert. Wien. (Verein zur Abtvehr des Antisemitismus.) Die Vereinsleitung hat den als ausgezeichneten Kämpfer für die Menschenrechte bekannten ehemaligen Legationssekretär Dr. jur. et phil. Grafen Coudenhove- Kalergi in das Präsidium kooptiert. Wien. Der akademische Verein zionistischer Hochschüler aus Rußland „Leo Pinsker" veranstaltet zum Abschluß seiner in dieser Saison veranstalteten Vorträge aus der ostjüdischen Jargonliteratur Samstag den 6. Mai d. I. im Theatersaale des Hotel „Bayerischer Hof", II., Taborstraße 39 (Eingang: Obere Augartenstraße), einen Theaterabend. Zur Aufführung gelangt „Di kamUje Zwi", Tragödie in vier Akten von David Pinski. Das Wiener jüdische Publikum gewinnt hierdurch die Möglichkeit, dieses hochbedeutsame, in Berlin mit großem Erfolg aufgeführte Stück aus dem russisch-jüdischen Verfolgungselend kennen zu lernen. Dem am Theaterabend zur Ausgabe gelangenden Programme wird auch eine Jnhaltsausgabe des Stückes in deutscher Sprache beigedruckt. Beginn präzise 8 Uhr abends. Das Reinerträgnis fließt russisch-jüdischen Hilfszwecken zu. Preise der Plätze: Parquet K 3.—, Parterre J. Platz K 2.—, II. Platz K 1.—, Galeriesitz K 1.- , Stehplatz K —.60. Karten sind zu haben: Im akademischen Verein „Leo Pinsker", IX., Bleichergasse 6; Cafe „Augartenbrücke", ll., Ob. Donaustraße; Cafe „Börse", I., Wipplingerstraße; im Zionistischen Kongreßbureau, IX., Türkenstraße 9; Verlag „Zion", II., Untere Augarterlstraße 9, und bei M. Hammer, I., Rotenturmstraße 31. Wien. Am 8. Pessachtage gedachte Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Adolf Schmied! bei der Haskara sein, r geschätzten Freundes, des verew. Dr. M. Kayserling in dapest, in besonders feierlicher Weise, um, wie er sagte, „das Andenken dieses Großen in Israel zu ehren und als nachahmenswertes Beispiel hinzustellen". Die den großen Leopoldstädter Tempel bis auf den letzten Platz füllende Schar der Andächtigen hörte stehend diesen Dr. Kayserling würdigen Nachruf an.

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