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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Blocb s Mocbens örm. Sette 281 holfen hat und nur die Minderheit an die „Allianz" geschickt wurde. Herr Winterberg betont, daß der „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" eine verhältnismäßig große Anzahl russischer Emigranten in Wien unterbringe und daß sich dieselben als tüchtige Arbeiter bewähren. Man möge bei Arbeitsbedarf auf dieselben Rücksicht nehmen und sich an den Arbeitsnachweis, II., Taborstraße Nr. 59 wenden, wo immer eine große Anzahl dieser bedauernswerten, heimatlosen und tüchtigen Arbeiter aller Kategorien zu finden ist, und man wird so in der schönsten Weise zur Lösung dieser schwierigen Frage beitragen. Redner ersucht die verehrten Anwesenden, diese Anregung auch in weiteren Kreisen zu propagieren. Herr Dr. Mintz jun. unterstützt den Antrag Kraus, welcher der Vereinsleitung zur sorgfältigen Vorbearbeitung zugewiesen werden möge. Herr Kraus polemisiert gegen die Ausführungen Doktor Kaminka's und bemerkt, daß anläßlich der in Frankfurt a. M. stattgefundenen Zusammenkunft die „Allianz" Pflichten übernommen habe, die sie bis heute nicht erfüllt hätte. Herr Dr. M i n tz sen. führt aus, daß es kein Verdienst, sondern eine weise Pflichterfüllung sei, unseren hilflosen russischen Glaubensgenossen mit Herz und Gefühl zur Seite zu stehen. Er betrachte die „Union" vermöge ihrer außerordentlichen Leistungen als das berufenste Organ, um den Kern für eine allgemeine Organisation zur Regelung der Emigration zu bilden und so diese schwierige Frage zu lösen. Redner schließt sich dem Anträge an, daß die „Union" mit anderen Korporationen an die Einsetzung eines solchen Komitees schreite. Herr L ö b l teilt das Resultat einer Unterredung mit dem kanadischen Finanzminister, Mr. Fielding, mit, wonach in Kanada an Einwanderer Grund und Boden und auch Reiseunterstützungen vergeben werden. Herr Dr. K a m i n k a weist die gegen die „Israelitische Allianz" erhobenen Vorwürfe zurück (Rufe: Sprechen Sie über die Behandlung der Auswanderer!) und bemerkt, daß die preußische Polizei auf Wunsch der Berliner Wohltätigkeitsvereine Emigranten, die keine Schiffskarten besitzen, an der Grenze zurückhalte. Die „Allianz" habe in Krakau, Oswiecim und Mähr.- Ostrau Komitees eingesetzt (Rufe: Sprechen Sie von der Behandlung in Wien!) und sei darauf bedacht, die Emigranten nicht nur zu expedieren, sondern ihnen auch an der Ankunftsstelle Arbeit zu verschaffen. Herr Professor Dr. E h r m a n n wendet sich unter lebhafter Zustimmung der Versammlung gegen die Behauptung Dr. Kaminka's, daß die preußische Polizei auf Wunsch der jüdischen Wohltätigkeits-Institutionen unbemittelte Auswanderer die Grenze nicht passieren lasse, und betont die aufrichtige Liebe und Hingebung, mit welcher die genannten Körperschaften sich ihrer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen annehmen. Dieser Vorfall sei nur auf die Intervention der verschiedenen Schiffahrts- Gesellschaften zurückzuführen, denen unbemittelte Auswanderer Unannehmlichkeiten bereiten. Herr Max Markus führt Beschwerde über die angeblich rücksichtslose Behandlung der russischen Emigranten im Bureau der „Israelitischen Allianz". Herr Dr. K a m i n k a bemerkt zur tatsächlichen Berichtigung, daß er mit den Emigranten selbst nichts zu tun habe. Die Verhandlungen mit denselben werden nicht von ihm, dem Sekretär, sondern von 2 Vorstandsmitgliedern der „Allianz" geleitet. Herr Dr. Mintz sen. bemerkt, daß man mit der Geheimtuerei nicht vorwärts komme. Wenn man sich an die große Oeffentlichkeit wende, wie dies in Amerika geschehe, so werde man genügende Mittel aufbringen. Das zu bildende Komitee möge nur in kurzen Zwischenräumen ausführlichen Bericht für die Oeffentlichkeit erstatten. Der Antrag, die Vereinsleitung der „Union" möge die Bildung eines selbständigen Komitees zur Regelung der russischen Emigration in sorgfältige Erwägung ziehen, wird hierauf unter stürmischem Beifall angenommen und die Versammlung von dem Vorsitzenden mit dem Ausdrucke herzlichen Dankes geschlossen. Korrespondenzen. Das Hilfswerk für die russischen Emigranten. Wie wir erfahren, war das Hilfskomitee für die russisch-jüdischen Emigranten in M ä h r.- O st r a u, das während der verflossenen fünf Monate so segensreich gewirkt hat und über dessen Schließung wir vorige Woche eine Notiz brachten, ein von der Israelitischen Allianz zu Wien eingesetztes Komitee, dem sämtliche Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und Weiterbeförderung der Emigranten sowie Schiffskarten für dieselben nach den Vereinigten Staaten, bezw. Kanada und Argentinien von Wien aus gesandt wurden. Aehnliche Komitees waren von der Wiener Allianz auch in Krakau und Oswiecim eingesetzt und hatten zum Zweck, den Hauptstrom der Emigranten vom unnützen Umwege über Wien abzuhalten und die transportfähigen Leute schon von Oderberg aus nach ihren überseeischen Zielen zu expedieren. Es mußten infolge dessen auch grundsätzlich die an den genannten Stationen auf Grund der bestehenden Landungsvorschriften als für die Emigration ungeeignet bezeichneten Flüchtlinge auch in Wien in deren eigenem Jntereffe von jeder Weiterbeförderung ausgeschlossen werden. Die Zahl der seil dem Herbst v. I. durch die hiesige Allianz beförderten Personen dürfte 2500 betragen. Seit der Frankfurter Konferenz im Dezember v. I. haben sich an dieser Aktion auch der „Hilfsverein der deutschen Juden" die Pariser „Alliance Jsraslite Universelle" und soweit die Ermöglichung der Einwanderung in Kanada in Betracht kam, das Londoner Komitee beteiligt. Eine Eingabe der Kultusgemeinde. Die Eingabe, die das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien an den Bürgermeister gerichtet hat und von der im Gemeinderatsbericht die Rede ist, hat folgenden Wortlaut: In dem im letzten Amtsblatte der Stadt Wien vom 18. April 1905 Nr. 31 enthaltenen stenographischen Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 14. April befindet sich das Referat des Herrn Stadtrates Dr. Krenn „Ueber das Schächten". Da dieses Referat geeignet ist, bei den Mitgliedern des Gemeinderates eine falsche Anschauung über diese religiöse Institution hervorzurufen, sieht sich der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dessen gesetzliche und statutarische Ausgabe es ist, für den Bestand und die Erhaltung der religiösen Einrichtungen innerhalb der Kultusgemeinde zu sorgen, veranlaßt, im Nachstehenden die wesentlichsten der im erwähnten Referate enthaltenen Jrrtümer richtigzustellen. Die Behauptung, „es ist kein einziges Kulturvolk von ganz Europa und von der ganzen Erde, das die Schächtfrage zu einer konfessionellen oder religiösen Frage gemacht hätte", entspricht nicht den Tatsachen. Die 'meisten europäischen Staaten betrachten und respektieren das Schächtgebot als eine religiöse Vorschrift der Juden, so auch Oesterreich, welches durch Entscheidungen seiner obersten Behörden (Ministerium und Verwaltungsgerichtshof) das Schächten als eine konfessionelle, beziehungsweise religiöse Angelegenheit anerkannt hat. Als im Jahre 1887 eine Petition des Verbandes deutscher Tierschutzvereine wegen obligatorischer Einführung der vorgängigen Betäubung der Schlachttiere an den deutschen Reichstag gerichtet wurde, haben sämtliche Rabbiner und sämtliche (2037) jüdischen Gemeinden Deutschlands in Gegenvorstellungen beteuert, daß sie eine derartige, einem Schächtverbote gleichkommende Verordnung als einen Gewiffenszwang empfinden würden, da das Schächten eine auf biblischer Vorschrift beruhende, unbedingt verbindliche Satzung der Juden sei. Ueber die Petition der Tierschutzvereine beschloß der deutsche Reichstag, entsprechend dem Anträge des katholischen Zentrums, daß über jenen Teil der Petition, welcher sich auf das jüdisch-rituelle Schlachten bezieht, zur Tagesordnung über-

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