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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 280 Dr. Dlocb's MocbenscbrlN. Nr. 18 auf seiner Reise durch Galizien, Rußland und Rumänien gesammelt hatte. Trotz der großen Opfer, welche die „M onatschrift" dem Vereine auserlegt, haben wir dieselbe dennoch sowohl räumlich als inhaltlich weiter auszugestalten gesucht, ohne dafür ein besonderes Entgelt von den Mitgliedern einzuheben, weil das Vereinsorgan nicht nur ein unerläßliches Verbindungsmittel zwischen der Zentrale und den Mitgliedern darstellt, sondern nnter Umständen auch ein wichtiger Behelf ist, um über allgemeine Fragen des Judentums Licht zu verbreiten. So haben wir gerade jetzt, in dem Augenblicke, wo der niederösterreichische Landtag und der Wiener. Gemcinderat Beschlüsse gegen das rituale Schächten gefaßt haben, das Erscheinen einer wertvollen Artikelserie über dieses Thema veranlaßt. Der „Unionkalender" hat sich als unentbehrlicher Schematismus der österreichischen Kultusgemeinden in weiten Kreisen dauernd eingebürgert und es ist nur bedauerlich, daß wir die ständige Klage, daß mehr als 1000 Exemplare unbezahlt geblieben sind, auch diesmal erneuern müssen. Die Einnahmen aus dem Kalender betrugen K 6345*99, welchen Ausgaben im Betrage von K 4018*51 gegenüberstehen, so daß ein Reinertägnis von K 2327*48, d. i. um K 272*65 weniger als im Vorjahre, erzielt wurde. Wehmütig gedenken wir der treuen Genossen, die uns im abgelaufenen Jahre durch den Tod entrissen wurden. Wir beklagen insbesondere den Heimgang unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes, des Herrn Adolf R o s e n b a u m, der mit unermüdlicher Sorgfalt und Hingebung seine beste Kraft der „Union" widmete und seinem edlen, gemeinnützigen Wirken nur allzufrüh entrückt wurde. Wir betrauern ferner die Herren: Hermann Adler, Max Adler, Ignaz Ausch, Leopold Auspitz, Moritz Bermann, David Deutsch, Ferdinand Fuchs, Dr. Ph. Goldschmidt, Albert Janowitzer, Moriz Karpeles, Leopold Kry, Max Kerschbaum, Julius Klarnet, Heinrich Klinger, Heinrich Kohn, Max Krauß, Jacob Lieblein, Joses Lippa, Marcus Mandl, Philipp Mautner, Arthur Edler v. Mises, Dr. Philipp Neumann, Dr. Ignaz Pick, Dr. Alois Pollak, Sigmund Simon, Eduard Singer, Alexander Scharf, Jacob Schick, Alexander Taussig, Heinrich Teltscher, Sigmund Trebitsch, Karl Willner, sämtlich in Wien, ferner die Herren: Moriz Auer, Pilsen, K. N. Aufricht, Mähr.-Ostrau, Moriz Bauer, Soborten, Doktor Josef Bloch, Pilsen, Moriz Mosauer, Pilsen, Joachim Kohn, Pilsen, Rudolf Eisenschimmel, Pilsen, Jsak Braun, Wr.-Neustadt, Sigmund Brock, Rakonitz, Daniel Brumel, Klattau, Eduard Freund, Turn, Wilhelm Glaser, Leschkau, Leopold Heller, Teplitz, Carl Scheuer, Teplitz, Julius Otto, Teplitz, Samuel Hirsch, Proßnitz, Samuel Karpeles, Pribram, Adolf Klepetar, Pkibram, D. H. Robinsohn, Bielitz, M. Straßmann, Mährisch- Ostrau, Abraham Taussig, Jglau, Abraham Taussig, Nachod, Adolf Türk, Mähr.-Ostrau. Die geehrte Generalversammlung hat durch Erheben von den Sitzen das Andenken der Verstorbenen geehrt und wir erbitten uns die Ermächtigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverlciben zu dürfen. Zum Schlüsse sei es uns gestattet, allen Beiräten und Vertrauensmännern der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", ferner den Anwälten und Abgeordneten, welche in uneigennütziger Weise unsere gemeinnützigen Bestrebungen gefördert haben, öffentlich den innigsten Dank zu zollen. Dieser Dank gebührt auch der jüdischen Presse, insbesondere der „Oesterreichischen Wochenschrift", der „Welt", der „Wahrheit" und dem „Jüdischen Volksblatt". Geehrte Generalversammlung! Seit der Gründung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" sind zwanzig Jahre verfloffen. Es sind zwei Dezennien ehrlicher und unermüdlicher Arbeit für die Ehre und das Wohl des Judentums, auf die wir zurückblicken. Dennoch hat ihr Vorstand von einer festlichen Veranstaltung absehen zu sollen geglaubt, weil ihm die Notwendigkeit eines solchen Kampfvereines nicht eben als eine erfreuliche Tatsache erscheint. Auch der Ausblick in die Zukunft regt nicht zu Jubelfesten an. Mag das Wirrsal unserer inneren Verhältnisse ftiedlich gelöst oder gewaltsam durchhauen werden — die Judenschaft, in unserem Vaterlande wird auf eine weitere Bedrängung ihrer Position gefaßt sein müssen. Böse Beispiele verderben die besten Sitten, und die russische Regierungsweisheit, die Unzufriedenheit mit den bestehenden Staatseinrichtungen auf die Häupter der Juden abzulenken, hat längst schon auch in Mitteleuropa eifrige Adepten gefunden. Angesichts dieser drohenden Gefahr müssen wir alle Kräfte zusammenfassen und unsere Waffen scharf erhalten. Noch stehen Tausende und Abertausende unseren Bemühungen kalt und fremd gegenüber. Sie aufzurütteln und unausgesetzt an ihre Pflicht gegen die Gesamtheit zu wahnen, soll nicht nur die Aufgabe der Vereinsleitung, sondern auch jedes einzelnen Mitgliedes sein. Allerdings, in der Stunde der Bedrängnis werden uns auch die Gleichgiltigen und Lauen zu finden wissen. Aber wer im Kampfe bestehen will, muß sich bei Zeiten zu demselben rüsten. Und darum wiederholen wir immer von Neuem unseren dringenden Ruf an alle Juden: Schaart euch um uns, verstärket unsere Reihen, damit wir zu einer großen, achtunggebietenden Macht werden! (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) In der Diskussion über den Rechenschaftsbericht urgiert Herr Ehrlich die schon von früheren Generalversammlungen beschlossene Einsetzung von Bezirkskommissionen. Herr Mütter wünscht, daß die „Union" vermehrte Gelegenheit zur Aussprache über allgemeine, politische und wirtschaftliche Fragen biete und bespricht insbesondere die Schächtfrage. Sekretär Fleischer erwidert, daß die Schächtfrage nicht neu sei und vor allem in das Gebiet der Kultusgemeinde ressortiere, welcher die „Union", obwohl es sich dabei auch um staatsbürgerlich gewährleistete Rechte der Juden handle, den zustehenden Vortritt gelassen habe. Es sei unzweifelhaft, daß dieser Beschluß des Wiener Gemeinderates nicht Gesetzeskraft erlangen werde, gleich den Fällen der Städte Graz und Rumburg, in welchen die „Union" mit Erfolg interveniert und dadurch Präjudikate geschaffen habe, die auch heute anerkannt werden müssen. Herr Albert Winterberg bringt den Kässabericht zur Verlesung. Herr Dr. Josef Bloch beantragt angesichts der hervorragenden Leistungen, die aus dem Rechenschaftsberichte ersichtlich sind, dem Präsidium, ferner dem Vorstande und Beirate, endlich dem Sekretär und Bureau den wärmsten Dank der Generalversammlung zum Ausdrucke zu bringen. Dieser Antrag wird unter lebhaftem Beifalle angenommen und somit der Rechenschaftsbericht und der Kassabericht genehmigt. Herr Fuchs bringt die Ergebnisse der Vorstandswahlen zur Verlesung. Die ausscheidenden Herren Sigmund Mayer, kais. Rat Wilhelm Anninger und Jakob Jaiteles wurden einstimmig wiedergewählt. Zum letzten Punkte der Tagesordnung nimmt Herr Kraus das Wort und reklamiert die Ausführung des bereits gefaßten Vorstandsbeschlusses, im Schoße der „Union" ein Komitee für Kultusangelegenheiten einzusetzen. Redner wünscht ferner, die „Union" möge eine Organisation zur Regelung der akuten Frage der russischen Emigration ins Leben rufen, da die kompetenten Stellen der Meinung seien, die Auswanderer sollten eigentlich nicht auswandern, und die Leute dementsprechend behandeln. Herr kaiserl. Rat Anninger, der mittlerweile den Vorsitz übernommen, erklärt, daß er die Redefreiheit nicht beschränken wolle, daß aber der richtige Ort, die Gebarung der „Allianz" zu besprechen, die Generalversammlung der „Allianz" sei. Herr Dr. K a m i n k a warnt vor einer solchen Organisation, die mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Zu dieser Tätigkeit sei die „Israelitische Allianz" berufen. Die Mehrzahl der von der „Union" vom Polizeigefangenhause übernommenen Emigranten sei von der „Allianz" weiterbefördert worden. Sekretär Fleischer konstatiert dem gegenüber, daß in der Mehrzahl der Fälle, wo Emigranten von der Polizei übernommen wurden, die „Union" im eigenen Wirkungskreis he-

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