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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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teette 276 Dr. Llocb s Mocbenscbrm. Nr. 18 qnllgen, die von sämtlichen Rabbinern Deutschlands abgegeben wurde: „Die rituelle Schlachlmethooe — das Schächten — ist eine religiöse Satzung des Judentums, die im biblischen und nachbiblischen Schrifttum ihre Begründung hat." Im Ucbrigen will ich noch bemerken, daß ich mit den Antisemiten gegen alle Mißbräuche im Erwerbsleben und gegen alle Ausbeutung des Volkes kämpfe, aber mit dem Unterschiede, daß ich dabei die ch r i st l i ch e n Wucherer und Blutegel nicht ausschließe. Es gibt gute und schlechte Juden, wie es gute und schlechte Christen gibt; das dürfen insbesondere wir Christen nicht vergessen, die wir doch einmal mit den Hauptsemite» Abraham, Isaak und Jacob im Himmelreiche zu Tische sitzen wollen." Die Wochenschrift „Deutscher Schlachtviehverkehr" schrieb gelegentlich über dieses Thema: „So fern uns nun auch der rituelle Teil der Frage liegt, der manche Gemüter erhitzt, denen die angeblich humanitären Bestrebungen mitunter nur zum Deckmantel für den Antisemitismus dienen, so möchten wir doch feststcllen, daß die Militärkonservenfabriken in Mainz und Haselhorst die Rinder, auch Armour und andere Chicagoer Großschlächter Schweine und Schafe schächten lassen, weil bei keiner anderen Schlachtmethode ein so schnelles und vollständiges Ausbluten zu erreichen ist. Es ist das aber eine wesentliche Bedingung für die Haltbarkeit des Fleisches und für seine Verwendung zu eorneä und dolleä beet. Jedem Schlachtverstäridigcu ist die Tatsache bekannt, daß das Fleisch von Tieren, welche geschlachtet wurden, kurz nachdem sie größere körperliche Anstrengungen hatten, sich schlecht hält und eher in Fäulnis übergeht, als das Fleisch ansgeruhtcr Tiere. Es rührt dies von dem großen Zufluß an Blut in die Muskeln bei starker Bewegung her, das beim Schlachten nicht vollständig wieder auStritt. Daß das Schächten demnach, wegen des vollkommeneren Ausblutens bei dieser Schlachtmethode, günstig auf die Haltbarkeit des Fleisches einwrrkt, läßt sich nicht bestreiten. Daß es für die Tiere schmerzhafter als das Schlagen wirkt, ist in keiner Weise weder wahrscheinlich gemacht, noch viel weniger erwiesen, man müßte denn fälschlicher Weise die Reflexbewegungen, welche dem Tode vorangehen, als Schmerzenszeichen deuten wollen. Neben dieser Sachlage muß aber noch hervorgehoben werden, daß allgemein sanitäre Verwaltungsfragen, welche gleichen Bedingungen im Deutschen Reiche unterliegen, nur mißbrauch, lich zur Entscheidung durch die Behörden kleinerer Städte gebracht werden können." „Oesterreichisch-Israetitifche Union". Samstag den 29. April d. I. fand im großen Saale des „Hotel Guth", II., Stefaniestraße 14, unter dem Vorsitze des Präsidenten Sigmund Mayer die zwanzigste ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt, in welcher u. a. auch der erste Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Gustav Kohn, ferner die Herren Kultusvorsteher kaiserl. Rat Sachs, Sigmund Kauders, E l t b o g e n, kaiserl. Rat P o l l a k und Salo Landau teilnehmen. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigl die Herren: Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Heinrich Schreiber und Ignaz Simon. Der Vorsitzende Herr Siegmund Mayer, begrüßt die Versammlung und wies in seinen einleitenden Worten auf die im Osten sich vollziehenden weltgeschichtlichen Ereignisse hin. Der Zusammenbruch der russischen Autokratie werde voraussichtlich eine erlösende Wendung in der bisherigen grausamen Hintansetzung speziell der russischen Juden herbciführen, indem ftüher oder später die Freizügigkeit derselben in dem riesigen Reiche eintreten dürste. Hiemit wäre auch der wichtigste Teil der Judenfrage als gelöst zu betrachten. Redner führt weiter aus, daß die in Frankreich vollzogene Trennung der Kirche vom Staate gleichfalls auf die Lage der Juden günstig zurückwirken werde. Erst mit der Beseitigung der Staatsreligion könne eine wirkliche konfessionelle Gleichberechtigung und damit auch eine wirkliche soziale Gleichstellung der Juden platzgreifen. Redner berührt ferner den in Oesterreich eingetretenen Regierungswechsel und gibt der durch die bisherigen Erfahrungen gefestigten Ueberzeugung Ausdruck, daß auch das neue Ministerium, was die Abhilfe begründeter Beschwerden der jüdischen Staatsbürger betreffe, in demselben Geiste wirken werde wie die Regierung Dr. von Koerber's. Redner schließt mit der Bitte, daß unsere österreichischen Glaubensgenoffen, gleich den deutschen, jene Opferwilligkeit an den Tag legen mögen, welche sich aus der Tatsache ergibt, daß der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in kürzester Zeit sein Vermögen von 40.000 auf 80.000 Mark erhöht hat. Hierauf gelangte durch Herrn Sekretär Siegfried Fleischer folgender Rechenschaftsbericht zur Verlesung: Geehrte Generalversammlung! Weltgeschichtliche Ereignisse haben dem abgelaufenen Jahre ihre dauernden Spuren eingeprägt. Während im fernen Osten die Macht und das Ansehen jenes Riesenreiches erschüttert wurde, in welchem die Unterdrückung und langsame Aushungerung der Juden geradezu ein Regierungsprinzip bildet, hat in unserem Vaterlande die. jahrzehntelang andauernde nationale und konfessionelle Verhetzung zu einer Lahmlegung fast aller politischen und wirtschaftlichen Kräfte, ja sogar zur ernsten Gefährdung der staatsrechtlichen Grundlagen der Monarchie geführt. Getreu ihrem Grundsätze, für alle Uebel dieser Welt ausschließlich die Juden verantwortlich zu machen, haben die Antisemiten klerikaler und nationaler Couleur auch die Niederlagen Rußlands und die inneren Wirren Oesterreich-Ungarns den angeblichen Wühlereien des internationalen Judentums zugeschrieben. Aber sie konnten damit nicht einmal mehr die ungebildete Menge täuschen. In den breiten Massen des Volkes regt sich die Ahnung und in den Kreisen der Intelligenz dringt die Erkenntnis durch, daß ein Staat Selbstmord begeht, wenn er Hunderttausende seiner treuesten, arbeitssamsten und opferwilligsten Bürger rechtlos zu machen und aus dem Strome des wirtschaftlichen Stcebens auszuschalten sucht. Selbst die Führer der Christlich-Sozialen haben, wenn auch widerwillig und zögernd, diese Wahrheit anerkennen müssen. Schon vor mehr als Jahresfrist hat der Abgeordnete Dr. Pattai in einem Neujahrsartikel des „Deutschen Volksblatt" seinen Gesinnungsgenossen vorgehalten, daß sie „das Judentum überhaupt nicht vernichten werden", sondern sich damit begnügen müssen, den Juden zum Bewußtsein zu bringen, daß sie die Minderheit sind und daß sie sich daher den Gesetzen der christlichen Mehrheit zu fügen hätten. Dem gleichen Gedankengange begegnen wir in einer Rede, die Dr. Lueger jüngst in einer christlich-sozialen Versammlung über die Lösung der Judenfrage hielt. „Ich gehöre", sagte Dr. Lueger, „nicht zu den absoluten Judenfressern, aber ich gehöre zu jenen, welche sagen: wenn die Juden unter uns leben wollen, dann müssen sie sich der in der Stadt herrschenden Partei unterordnen." Dem gegenüber erklären wir immer wieder mit aller Bestimmtheit, daß wir die Berechtigung einer Parteiherrschaft niemals anerkennen werden, welche die verfassungsmäßige Gleichberechtigung verleugnet und die Juden zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabdrücken will. Wir haben dies dem christlich-sozialen Bürgermeister auch mit aller Deutlichkeit in jenem offenen Schreiben gesagt, mit welchem wir im Dezember v. I. seine Aufforderung zur wirtschaftlichen Boykottierung der Juden beantworteten. In diesem Schreiben hieß es: „Würde die von Ihnen propagierte Absonderung der Christen von den Juden zur Wahrheit werden, dann würden dies allerdings die mittleren und unteren Schichten der jüdischen Bevölkerung schwer empfinden, es würden aber auch Tausende von christlichen Gewerbetreibenden, Privatbeamten, Lehrern, Handlungsgehilfen, Arbeitern und Dienstboten, die von Juden und bei Juden Beschäftigung finden, ihres Erwerbes verlustig gehen. Zu innig verbunden ist die Tätigkeit und Tüchtigkeit der jüdischen Bevölkerung Wiens mit der allgemeinen ökonomischen Entwicklung dieser Stadt, als daß sie auf das Geheiß eines wenn auch noch so machtbewußten Bürgermeisters aus derselben ausgeschaltet werden könnte." Während so in der Reichshauptstadt die wirtschaftliche Boykottierung der Juden als Mittel zum Zwecke der Anerkennung der christlich-sozialen Parteiherrschast proklamiert wurde, betrieben die Rassenantisemiten in der Provinz diese Boykottierung als Selbstzweck. Mehr und mehr hat sich im abgelaufenen Vereinsjahre unser Rechtsschutzbureau mit dem Kampfe gegen diesen wirtschaftlichen Antisemitismus befassen müssen. Aus den Landstädten häuften sich die Klagen unserer Glaubensgenossen, daß der durch die judenfeindliche Gesetzgebung der letzten Jahre ohnehin über die Maßen erschwerte Existenzkampf durch die Aufforderung der Provinzpresse, bei Juden nicht zu taufen, mit

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