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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 270 Dr Blocby0 Mocbenscbrttt. Nr. 17 heurer Anstrengung, nachdem sie sich früher sekundenlang geräuspert, geächzt und gekrächzt, die 12. Nachtstunde hervor . . . Der Blinde blies eine Rauchwolke nach der anderen vor sich hin und fing endlich an, mit tiefernstem Tone folgende Geschichte zu erzählen: (Fortsetzung folgt.) Literatur. Predigte» von Oberrabbiner Dr. Margulies. Soeben ist vom Floreiizer Oberrabbiner Tr. S. H. Margul ics ein Band Predigten erschienen unter dem Titel: ..Otseorsi Sacri“. Firenze, Tipografia Galletti & Cassuto 1905. Dieser Band, 176 Seiten stark, enthältFest-Sadbath-Predigten und einige Gelegenheitsreden. Bevor ich auf die Beurteilung dieser Predigten eingehe, sei es mir gestaltet, mich in einigen Worten mit der geehrten Person des Verfassers zu befasten, wozu seine den Predigten vorausgeschickte Einleitung zwingt. Oberrabbiner Margulies ist augenblicklich nicht etwa einer der besten Theologen Italiens, sondern entschieden der beste, was die italienischen Rabbiner gern oder ungern auch — zugeben müsst». Wenn auch ein viel gelesenes und doch im gewissen Sinne bei vielen Lesern aus bestimmten Gründen wenig geachtetes Blatt Oberrabbiner Margulies wegen seiner Einleitung angreift, in einer nicht gerade noblen Weise, so beurteilen jedenfalls die Leser den Redakteur der Zeitichrift — über Margulics haben sie schon ihre feststehende Meinung. Es läßt sich nicht leugnen und mögen sich die Herren Kollegen aus Italien noch so ärgern — Margulies ist nun doch der Erste, der es verstanden, der Predigt zu ihrem Rechte zu verhelfen. Es bleibt ein unvergeßliches Verdienst Margulies', daß er das italienische Judentum zu neuer, frischer Arbeit anrcgt, daß er dem Verfall des ita.ienischen Judentums mit eiserner Faust entgegentritt und es zu neuem Leben zwingt. Es ist leider eine bekannte Tatsache, daß das Judentum in Italien in den letzten fünf Dezennien erschreckend zurückgegangen ist, und die Ursachen oes so beklagenswerten Zustandes, des so traurigen Niederganges will ich in knappen Worten andeuten: 1. Die geringe Anzahl der Juden (kaum über 40.000.) 2. Die volle Berechtigung im wirklichen Sinne des Wortes (so paradox eS auch klingen mag). 3. Die staatliche vorgefaßte Vernachlässigung aller kirchlichen Institutionen. 4. Die vollständige Assimilation. 5. Der Gedanke, die Einheit Italiens zu starken, die Vereinigung aller zu einem Volke, zu einem Reiche hat alle geistigen Kräfte in Anspruch genommen. 6 Die geringe winzige Opferwilligleit für jüdische Zwecke. Dazu tritt auch noch der Umstand hinzu, daß die Predigt kaum zweimal im Jahre sich vernehmen ließ, Leichenreden äußerst selten, nur bei sehr, sehr angesehenen Persönlichkeiten, Tiauungsreden fast gar keine. Alles hat einen Wert, sobald darnach eine Nachfrage vorhanden ist. Die Rabbiner haben es nicht verstanden, das Publikum für eine moderne Predigt zu gewinnen, und was versäumt worden ist, läßt sich nicht im Handumdrehen nachholen. Das Publikum besucht keine Tempel, die Rabbiner haben nicht vor wem zu predigen, folglich ist das Gebiet ein unbebautes und ganz vernachlässigtes. Welchen Kampf es also Margulies gekostet haben mag, bis er ein Publikum für seine Neuerungen und für seine Bestrebungen gewonnen hat, kann ich ihm leicht nachfühlen, da Triest mit Vorliebe dem Guten wie dem Schlechten der italienischen Judenheit nur allzu gerne folgt, und leider bewahrheitet sich wieder das Wort: Ein Kranker hat Hunderte Genude anstecken können, aber Hunderte Geriude haben schwerlich einen Kranken „gesund anstecken" können. Margulies' Predigten würden es wohl verdienen, genauer und eingehender besprochen zu werden, und zwar jede einzelne; aus Mangel an Raum, und um den Leser nicht mit homiletischen Auseinandersetzungen zu belästigen, will ich mich kurz fassen. Würde man nicht wiffcn, daß Margulies kein Italiener ist, so könnte man schwören, in einer so schönen, schwungvollen, kernigen, dichterischen Sprache kann nur einer schreiben, der nicht nur die Sprache genau kennt, sondern sie auch fühlt. Vergegenwärtigt man sich noch die tadellose toskanische Aussprache, die Margulies schon in Fleisch und Blut übergegangen, so begreift man sehr wohl den Zauber, den er auf seine Zuhörer ausübt. Margulies ist noch ein starker Anhänger der strengen dreiteiligen Predigt, (Einleitung, erster Teil, zweiter Teil) der aufgenommene Gedanke wird scharf erfaßt und streng logisch durchgeführt und ausgeführt. Seine Predigten „II euere d’Israele“ oder „L'avvenire del Giudaismo“, „La religione e la societä“ sind geradezu Musterpredigten. Was mir aber trotz aller. Vorzüge — die man den Margulies'schen Predigten mit Recht nachrühmen kann, auffällt — ist ein Mangel an der schönsten Würze einer Predigt — an schönen Midraschim. Weßhalb der Midrasch so selten zu Worte kommt, kann ich mir leicht vorstellen — das geringe Verständnis seiner Zuhörer hat wahrscheinlich Margulies veranlaßt, keine allzuschwere Kost seinen Zuhörern zu verabreichen, da ja für die Leute der Midrasch nicht ein Bindeglied darstellt, sondern vielmehr den Zusammenhang auseinanderreißt. Diesem Umstande hat wohl der Verfasser Rechnung getragen, da er aber der Erste ist, der einen ganzen Band Predigten veröffentlicht, natürlich meine ich in Italien — so sollen diese Predigten aber auch Musterpredigten sein für Rabbiner! Von diesem Standpunkte aus hätte Margulies sich keine Beschränkungen auferlegen sollen. Die Gelegenheitsreden haben mir noch viel besser gefallen, sie sind außerordentlich lebendig, frisch, die zartesten menschlichen Saiten berührend. Wie geschickt Margulies sein Publikum zu behandeln weiß, ersieht man aus der am Grabe Saccraoti's gehaltenen Leichenrede. Bei solchen Worten wird sich der Vorstand den Pflichten — wenn auch nur moralischen — sicherlich nicht entzogen haben. Ich habe mich bemüht, zwar kurz sein zu wollen — mußte aber, wenn auch noch so flüchtig, so manches berühren, auf daß man die italienischen Verhältnisse auch nur einigermaßen verstehe. Der Verfasser hat sich durch die Veröffentlichung seiner Predigten ein hohes Verdienst erworben, dieser eine Band wird auch mehrere folgen lassen, und id) bin sicher, die anderen italienischen Rabbiner, denen ja von Natur aus schon eine gewisse temperamentvolle Beredsamkeit gegeben ist — werden Margulies die Siegespalme aus diesem Gebiete abzuringen versuchen, ich bin sogar überzeugt, daß dies ihnen der Oberrabbiner von Florenz gönnen würde. Die Predigten sind Herrn Professor M o i s e F i n z i, Advokaten in Florenz, gewidmet. Finzi hat es ehrlich verdient, ein derartiges Monument noch bei Lebzeiten zu bekommen. Finzi ist unmittelbar eine der stärksten Säulen des italienischen Judentums, und ihm hat Italien es zu verdanken, daß es Margulies zu seinem Vorkämpfer hat. B r e t t h o l z. Neue Bücher. Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. Der Anteil der Juden am Unt erri cht s wef en in Preußen. Preis Mk. 1.50. Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin-Halenfee, Westphälifche Straße 46. Berlin 1905. Dreiundzwanzigster Bericht über die Lehraustatt für die Wiffeufchaft des Judentums iu Berlin, erstattet vom Kuratorium. Mit einer wissenschaftlichen Beigabe von Dr. E. B a n e t h : Ser Mischna- Traktat Abot mit Maimuni's arabischem Kommentar. Berlin 1905. Dr. M. Marge!. Deutsch-Hebräisches Wörterbuch. Vollständig in 40 Heften, Heft 19 und 20, 21 und 22. Preis eines Heftes 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen 15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega 1904. Monument« Judaiea. Der neugegründete Akademische Verlag für Kunst und Wissenschaft, an dessen Spitze einige bekannte, jüngere Gelehrte stehen, plant die Herausgabe eines großen, monumentalen Werkes, daß sowohl für die Wissenschaft überhaupt, wie für das Judentum insbesondere von größter Bedeutung werden dürfte. Nach dem von der Anstalt in Gemeinschaft mit den Herren Herausgebern ausgearbeiteten Plane werden die Monumenta Judaiea, entsprechend ihrem Titel, jene in Beziehung zur Bibel stehenden Quellen enthalten, die bislang wenig oder überhaupt nicht übersetzt, geschweige dem wissenschaftlich behandelt worden sind. Es kommen demnach für dieses Programm zwei Hauptrichtungen in Betracht: Für die erste Hauptrichtung: Die ersten Uebersetzungen der Bibel, die geradezu als Primär-Quellen angesehen werden müssen, deren Kenntnis aber bislang aus philologischen und anderen Gründen besonders der h i st o r i s ch e n Forschung verschlossen war. Für die zweite Hauptrichtung kommt hier jenes große Werk in Betracht, das trotz der ziemlich bedeutenden Literatur, die darüber vorhanden ist, eigentlich noch heute als ein Buch mit sieben Siegel erscheint, nämlich der Talmud. Die Monumenta Judaiea werden demnach entsprechend diesen beiden Hauptrichtungen auch in zwei große Unternehmungen zerfallen: Das erste Unternehmen führt den Titel: Bibliotheca T a r g u m i c a, das sind sämtliche ersten Uebersetzungen des Alten Testamentes. Das zweite Unternehmen führt den Titel: Monumenta T a l m u d i c a, das sind jene historischen Stellen und

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