Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 271 Quellen des Talmud, die zu dem Weltbilde des Altertums, sowie zur Geschichte desselben in irgend welcher Beziehung stehen. Erstes Unternehmen: Bibliotheca Eargumica wird als ersten (prima pars) hervorragendsten Teil jene w i ch t i g st e Uebersetzung enthalten, die bislang überhaupt noch nicht zugänglich gemacht wurde, nämlich die aramaeica; dieselbe soll in drei Bänden erscheinen, und zwar soll sie enthalten: I. Teil: Aramaeica. 1. Band: Targumim zum Pentateuch. 1. Abteilung: Onkelos. 2. Abteilung: Jonathan und Jeruschalmi, I. und II. 2. Band: Targumin zu den Propheten. 3. Band: Targumin zu den Hagiographen. Der zu diesem Teil gehörige Appendix soll die abschließenden Untersuchungen über sämtliche drei Bände enthalten. Ferner sind für die Bibliotheca Targumica in Aussicht genommen: Die Uebersetzung und Behandlung nachfolgender Quellen, deren jede wieder in einen Band zusammengefaßt werden soll. II. Teil: Samaritana. III. Teil: Syriaca. IV. Teil: Gothica. V. Teil: Arabien. Der zweite Teil der Mouumenta Judaica enthält: M on u m e n t a T a l m u d i c a. Die Behandlung dieses Teiles soll derart geschehen, daß jene Worte, Begriffe rc., die sich in irgend welcher Beziehung zu einer in der wissenschaftlichen Forschung eben zur Diskussion stehenden Frage befinden, herausgegriffen und sämtliche historische Stellen des Talmud, in denen dieses Wort eben vvrkommt, mit allen dazugehörigen Belegen, Verweisen rc. gebracht werden. So wird die erste Serie das derzeit so wichtige Gebiet des babylonischen Weltbildes behandeln und direkt den Titel führen: Babel und Bibel. So werden behandelt werden im Heft 1. und 2: rokia, Somajim, teliom, tekufa, adam rc. ferner: Planeten, Monate, Engel- und Gerichtsnamen diesseits und jenseits rc. Ueber diese Arbeit selbst gestatten wir uns Folgendes zu bemerken: Um bei den schwerwiegenden, sozialen und politischen Momenten, die außer den wissenschafttichen noch bei den Mouumenta Judaica in Betracht kommen, der Oeffentlichkeit die Voraussetzungslosigkeit der Arbeit nach jeder Richtung hin zu verbürgen, schien es am zweckmäßigsten, von den drei großen, hier vor allem beteiligten Konfessionen je einen hervorragenden wissenschaftlichen Vertreter als Herausgeber zu finden. Dieser Anforderung glauben wir in den Personen der vorher genannten Herren Herausgeber vollauf entsprochen zu haben. Die Arbeitsleistung ist derart durchgeführt, daß jeder der Herren Herausgeber mit einem für sein Gebiet in Betracht kommenden Kreis von Mitarbeitern vollständig selbständig arbeitet, und daß die von einander abweichenden Meinungen — seien dieselben philologischer, historischer rc. Natur — als selbständige Noten zu dem Text geführt werden, derart, daß für die abweichende Meinung jeder der Herren Herausgeber und Mitarbeiter selbständig signiert und allein die Verantwortung übernimmt. Anderseits ist aber bei den Stellen, bei denen diese drei getrennten Kreise übereinstimmen, geradezu die Gewähr, sowohl für die Richtigkeit der Uebersetzung, als für die der Auslegungen und Beziehungen gegeben. Das Arbeitsgebiet verteilt sich wie folgt: 1. Herr Dr. M. Altschüler behandelt: Grundtext, Textkritik, erste Uebersetzung, ferner die gesamte talmudische und jüdisch-orientalistische Literatur. Er erscheint als Vertreter der jüdischen Theologie. 2. Herr Professor Dr. August Wünsche behandelt: Die erste Revision des Manuskriptes, die außerjüdisch-orientalistische und insbesonders die patristische, arabische, syrische, assyriologische usw. Literatur. Er erscheint als Vertreter der protestantischen Theologie. Herr Dr. I. Lanz-Liebenfels behandelt: Die zweite Revision, sowie Belege, VertveisungenBeziehungen rc. zu: Septuaginta und Vulgata, zu Ulfilas, zur klassischen und germanistischen Literatur. Er erscheint als Vertreter der katholischen Theologie. Insgesamt wird jeder dieser Arbeitskreise das kulturgeschichtliche Gebiet nach der Richtung hin beachten, daß sämtliche in Betracht kommenden Stellen dieser Quellen in Beziehung gebracht w erden zu den neuesten archäologischen, philologischen, anthropologischen und s o n st i g e n F o r s ch un g e n. Es sei zum Schlüsse noch einmal erwähnt, daß jedem der Herren Herausgeber für das von ihm behandelte Arbeitsgebiet eine Reihe der hervorragendsten Gelehrten des In- und Auslandes zur Verfügung stehen. Zur Behandlung und Ausgabe der Mouumenta Judaica gelangen zuerst: Erstes Unternehmen: 1. Abteilung. Prima pars, wie oben erläutert. Die drei Bände dieses Teiles werden ungefähr 20—25 Hefte kl. 4U ä 5 Bogen enthalten. Jedes dieser Hefte gibt eine Lieferung und kostet im Subskriptionswege * Mark. Von den Mouumenta Talmudica kommen zuerst zur Behandlung und Ausgabe die Serie: Babel und Bibel. Es werden jährlich 4 Hefte erscheinen, von denen die entsprechende Anzahl bei Abschluß einer Serie zu einem Bande vereinigt wird. Der Subskriptionspreis jeden Heftes ist gleichfalls mit 8 Mark festgesetzt. Jeder Band wird zum Schlüsse ein alphabetisches Register haben, überdies soll nach Abschluß des ganzen Werkes ein Gesamtregister beigegeben werden. Sriefkastrrr. S. &. Der französische Räuberhauptmann Jakob, der Held des letzten Seusationsprozesses in Amiens, wurde von der Wiener Anlisenulenbande zu einem „Juden" gestempelt. In der Tat ist seine jüdische Abstammung eine antisemitische Erfindung. Er war kein Jude und stammt dok arischen Eltern ab. Er zeigte aber^auch bei Gericht echt arische Rasseneigenschaften, er rühmte sich seiner Schandtaten, weil er sie angeblich im Dienste der Menschheit ausgeführt habe. K. F „Alexei Iwanow" ist ein jüdischer Märtyrer, dessen Leidensgeschichte die russischen Tageszeitungen erzählen: Im Jahre 1845 ist Jdel Freidlin, wie viele Tausende anderer jüdischer Kinder, als ganz kleiner Knabe von den Behörden seinen Eltern entrissen, in einem fernen russischen Gonvernement in ein Kantonisten-Bataillon gesteckt, getauft und in einen „Alexei Iwanow" verwandelt worden. Die Taufe nützte jedoch bei dem vermutlich „erblich belasteten" Judenkuaben sehr wenig. Ovgleich er aus Furcht vor seinen Vorgesetzten regelmäßig in die Kirche ging, beobachtete er dennoch alle ihm bekannt gewesenen Vorschriften der jüdischen Religion, heiratete schließlich, nachdem er im Jahre 1867 seine lange Militärzeit absolviert hatte, ein jüdisches Mädchen und erzog seine Kinder streng im jüdischen Glauben. Ob dieser „Misselhaten" ereilte ihn sein Geschick in Form einer Anklage wegen Abfalls von der alleinseligmachenden Kirche. Freidliu war geständig, und die Sache endete damit, daß nrnn ihm den Namen Alexei Iwanow absprach und so wieder zum Jdel Freidlm „degradierte". Obgleich er somit vom Gericht freigesprochen war, wendeten ihm fortan die Behörden ihre liebevolle Aufmerksamkeit zu. Sein Recht, als alter Nikolcu'jcher Soldat überall in Rußland wohnen zu dürfen, konnte ihm zwar nicht genommen werden, dafür aber wurde un Jahre 1896 seine Ehe für ungillig und seine aus dieser Ehe hervorgegangenen Kliider für illegitim erklärt. Daraufhin beeilte sich die Polizei, seine Familie aus Smolensk ansznweisen. Vergebens bestürmte Freidlin alle Behörden bis hinauf zum Czaren mit Bittschriften und Petitionen. Schließlich ordnete der „heilige Synod" an, daß der Geistliche seines Sprengels nochmals den Versuch machen solle, den „Abtrünnigen" durch Ueberredung in den Schooß der Kirche zurückznführen. Da die Bemühungen des Batiuschka selbstredend erfolglos blieben, und Freidlin sich als „hartnäckiger Sünder" erwies, wurde er feierlich aus der russischen Kirche ausgestoßen, und man ließ ihn laufen. Jetzt endlich nach einem nahezu sechzigjährigen Martyrium darf Jdel Freidlin sich frei und offen wieder als Jude bekennen und ungestört nach den Vorschriften seines Glaubens leben. Sig. Läufer, Budapest. Ihre ' Einsendung gehört in ein zionistisches Paueiblatt und eignet sich nicht für die „Oesterreichifche Wochenschrift". A. in W. Es ist vom religionsgesetzlichen Standpunkte ans wohl zuläffig, em früher als protestantisches Bethaus bestandenes Lokal nach Entfernung der christlichen Embleme zu dem Zwecke anzukanfen, um das Gebäude sodann als Synagoge zu adaptieren. Dagegen muß allerdings die heilige Lade und der Stand des Vorbeters an der O stse ite angebracht sein. — Das „Eingesendet" wird in der nächsten Nummer mit einigen Begleitworten erscheinen.