Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 268 Dr. Bwch's Wochenschrift. Skr. 17 Handw erker S ed erfeier. Wie in den Vorjahren, veranstaltete auch in diesem Jahre der Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten eine solenne Sederfeier für 400 seiner Zöglinge, diesmal im Etablissement Edelhofer im II Bezirke, und überwachten das Arrangement derselben die Vorsteher, die Herren E. Horner und F. Reifer. Die Zöglinge erschienen alle in ihrem «guten Gewände" und machten die Riesentische mit den jugendlichen frischen und andächtig gestimmten jungen Leuten auf die anwesenden Ehrengäste einen besonders guten Eindruck. Den gesanglichen Teil besorgte Kantor Pekarnik vom Tempel in der Müllnergasse in würdiger Weise, während Professor A n t s ch e r l den oratorischen Teil bei lautloser Stille und gespannter Aufmerksamkeit der mehrhundertköpfigen Zuhörerschar absolvierte. Jedem der jungen Gäste wurde auf Kosten des Vereines ein kräftiges Mahl verabreicht und schieden alle mit aufrichtigem Danke von den Veranstaltern dieser schönen Festlichkeit. Wien. (Ehrung.) Zu dem vornehmsten und auf dem Gebiete der Wohltätigkeit hervorragendst wirkenden landsmannschaftlichen Vereinigungen der Residenz zählt der „Humanitätsverein der Trebitscher in Wien", an dessen Spitze der Herr k. k. Hofrat Siegmund T a u s s i g steht. Dieser Verein, bemüht seinen hilfsbedürftigen Landsleuten bereitwilligst mit Rat und Tat zur Seite zu sein, erfteut sich vom Tage seiner Gründung an der ganz besonderen Unterstützung und Förderung seitens seines Mitgliedes, des auch sonst wegen seines hervorragenden Wohltätigkeitssinnes bekannten Großindustriellen Herrn kais. Rat Salomon Kohnberger. Um nun diesem seinem Gönner den verdienten Dank in besonderer Weise zum Ausdrucke zu bringen, hat der „Humanitätsverein der Trebitscher in Wien" in seiner letzten Generalversammlung mit Stimmeneinhelligkeit beschlosten, den Herrn kais. Rat Salomon Kohnberger zu seinem Ehrenmitgliede zu ernennen. Die Ueberreichung des künstlerisch ausgeführten Diploms an den Herrn kais. Rat Kohnberger erfolgte im Beisein der Familienangehörigen desselben durch eine Deputation des Vereines, bestehend aus dem Obmanne Herrn k. k. Hoftal T a u s s i g, den beiden Stellvertretern Herren Jacques Schwarz und Direktor A. Bauer, sowie dem Kaffier des Vereines Herrn Leopold Schnürmacher. Die hiebei gewechselten Ansprachen waren voll tiefster Innigkeit. Karlsbad. Zum Assistenten im städtischen Sprudelsalzwerk in Karlsbad wurde von 73 Bewerbern Herr Dr. phil. Hugo Lang, Sohn des verstorbenen Hausarztes des gewesenen israelitischen Kurhauses Markus Lang, mit 21 von 34 Stimmen gewählt. Wieliczka - Älasm». Am 23. April l. I. veranstaltete der hiesige Frauen- und Mädchen-Verein „Miriam im Vereinslokale einen Vortragsabend zugunsten der hiesigen Hilfsbedürftigen, welcher einen glanzenden Verlauf nahm. Ein distinguiertes Publikum füllte das Lokal bis zum letzten Plätzchen und zollte den Vortragenden vollen Beifall. Die Präsidentin Frau S. Templer eröffnete den Abend und hielt einen lehrreichen Vortrag über „die Gastfreundlichkeit der Juden". Dann hielt einen interessanten Vortrag Herr Ad. H i r i ch über „Zion und Uganda". Es folgten Vorlesungen und Deklamationen, bei denen insbesondere Fran Vizepräsidentin S. Herschthal, Frl. Kaffierin F. Lax, die kleine Templer und kleine Lax großen Bestall geerntet haben. Olmütz. Im Sitzungssaale unserer Gemeinde hielt am 24. l M. der Sekretär der Oesterrcichisch-Jsraelitischen Union, Herr Fleischer, einen bochintereffanten Vortrag über die segensreiche Tätigkeit des Rechtsschutzbureaus dieses Vereines. Die von Herzen kommenden, warmen begeisterten Worte erweckten allgemeine Befriedigung und ernteten lebhaften Beifall der gespannt lauschenden Zuhörerschaft Wir hoffen, daß der Erfolg nicht ausbleiben wird. Mähr.-Weißkirchen Bei der am 25. d. M. stattgefundenen Vorstandswahl der Chewra-Kadischa wurden die Herren Leopold Riesenfeld, Sigmund R i n d l und Sigmund N e u m a n n, als Kassier Julius G e ß l e r, als Revisor Sig. Kober gewählt. Lemberg. (Trauung.) Donnerstag den 4. Mai l. I., nachmittags 6 Uhr, findet im israelitischen Tempel zu Lemberg die Trauung des Fräulein Leonie Caro, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. I. Caro, mit dem Architekten Herrn Michael Ulam statt. Temesvar. „Opfern im Verborgenen geben, sind Blumen, die im Grabe leben." Diesen senteuzvollen Spruch hat wohl selten eine Dame sich so entsagungsvoll zu eigen zu machen gewußt, als Frau Babette Brück, die edelsinnige Gemahlin unseres geschätzten Mitbürgers Herrn Simon Brück. Alljährlich zu Beginn der hohen Osterfeiertage, läßt es sich Frau Brück nicht verdrießen, die Hütten der Armen persönlich aufzusuchen und in munifizentester Weise für den Ostertisch derselben zu sorgen. Von der ob ihrer sprichwörtlichen, bei allen Gelegenheiten bewährten Hochherzigkeit bekannten Vereinskassierin des Fabriker isr. Frauenvereines, Frau Minna B a ch r u ch, hingebungsvoll unterstützt, ließ Frau Brück auch diesmal an über hundert hilfsbedürftigen Witwen und Waisen hundert Rationen schmackhaften Fleisches zur Verteilung bringen. Helle Freudentränen und heiße Dankesworte waren der Lohn für diese echt jüdische menschenfreundliche Tat. Fiume. (Trauung.) Dienstag den 2. Mai l. I. um halb 1 Uhr mittags findet im israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Charlotte G e r l o c z i, Tochter des Herrn Rabbiners M. Ad. Gerloczi, mit Herrn N. Sandor B e r e g i, öffentlichen Lehrers zu Moor, statt. Lissabon. Auch in Portugal will man jetzt auf einmal die Juden haben. Man erinnert sich, daß, als in diesem Jahre die Lissaboner neue Synagoge, ein vornehm schöner Bau, eingeweiht wurde, die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, der Vertreter des Königs und Abgesandte der Geistlichkeit anwesend waren und die Zeitungen Artikelserien über die Feier und über die Gebräuche der „Sephardim" brachten. Diese Sympathie im Lande für die Juden soll nun nach dem Plane eines Redakteurs des „Seculn", der größten (demokratischen) Lissaboner Zeitung, dazu benutzt werden, im Landesinteresse russische Juden allmählich zum Ackerbau heranzuziehen. Der fruchtbare Boden Portugals wird nur sehr schwach bebaut, denn die heimischen Bauern sind nicht arbeitsam und weite Strecken vortrefflichen Ackergeländes liegen brach. Den Juden sollen Parzellen unter der Bedingung zugeteilt werden, sie nicht eher zu verlassen, bis fie sie durch Bezahlung selbst erwerben können. Feuilleton. Ans finster« Zeiten. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben Galiziens vor fünfzig Jahren. Von Nathan Samuely. E r st e s K a p i.t e l. Ich kann mir das blinde Schneiderlein nicht gut in Erinnerung bringen, ohne gleichzeitig die alte Synagoge mit ihrer vielgeschweiften Wölbung vor Augen zu haben, ihren halberblindeten Bogenfensterchen, ihren großen, in die Wand eingemauerten Schränken mit den bestäubten, ehrwürdigen Folianten, ihrer heiligen Bundeslade, über welcher vergoldete Cherubim schwebten, die im Munde Birnenzweige trugen, und schließlich ihrem großen Eisenofen, welcher im Winter so stark geheizt wurde daß er wie Feuer glühte. Hinter diesem Eisenofen war eben der Stammplatz des blinden Schneiderlein, dort verzehrte er das Stückchen Brot mit den gebratenen Kartoffeln, die wir ihm früh und abends spendeten; dort schlief er nachts, ohne die Kleidungsstücke abzulegen, auf der nackten Bank, nur ein kleines Bündelchen zu Häupten, das ihm als Kopfkissen diente und das er wie ein Kleinod immer bei sich trug. Dort murmelte er auch seine Gebete, die Psalmen Davids, die er alle auswendig mit einer gar rührenden Melodie herzusagen wußte. In diesem ftommen Tagewerk wurde er sehr oft von uns, den Lernbachurim*) gestört, die wir ihn häufig bestürmten, uns manche seiner Geschichten zu erzählen. Er durfte unsere Bitte nicht abschlagen, weil ja auch wir ihm gar viele Dienste leisteten. Wir füllten seine Dose mit Schnupf- und sein kleines tönernes Pfeifchen mit *) Lernjünger.