Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 266 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Str. 17 gewidmet hat und dafür lediglich den Wunsch aussprach, daß die mit den Zinsen Beteilten an seinem Geburtstage seiner im stillen Gebete gedenken mögen. — Die Einnahmen des Vereines betrugen im Jahre 1904: an Jahresbeiträgen 4937 K 50 h, an Spenden in Barem 29.120 X 57 h, an Interessen 15.638 K 8 1j, an Spenden zum Fonds 22.000 Iv usw. Dagegen wurden verausgabt für Unterstützungen an 1619 Personen 34.586 X 80 b, für religiöse Funktionen 1428 Iv 88 h, Gehalte und Pension 1700 K, Erbgebühr 1656 K 64 h usw. Der Vermögensstand des Vereines belief sich am Jahresschlüsse auf 406.240 K 39 1), daher ein Vermögenszuwachs gegen das Vorjahr von 31.504 K 75 h. Von Spenden sind außer dem oberwähnten Legate hervorzuheben: die von den Frauen Berta und Kamilla Petschek zuni Andenken an ihren Vater Herrn Dr. Nathan Nobitschek per 10.000 K, des Herrn Adolf Hahn 2400 K, Legate des Herrn kais. Rates Beer 2000 K, Jakob Edlen von Dormitzer 2000 K, nach Herrn Dr. Eger 1800 K, der Hinterbliebenen nach Herrn kais. Rat Seligmann Elbogen 3000 K nach Herrn Dr. Moritz Licht cnstern 2000 K, nach Herrn Alois Frankl 2000 K, nach Herrn Bernard Perlsee 2000 X usw. Obgleich das Vermögen einen bedeutenden Zuwachs aufweist, wurde hervorgehoben, daß dies nur eine Folge der Widmungen zum Fonds ist, während die Vereinsleitung bestrebt ist, die Einnahmen den verschämten Armen zuzuwenden und keineswegs einen Vermögenszuwachs eintreten zu lassen, was auch daraus hervorgeht, daß das disponible Vermögen zum Jahresschlüsse 1904 von 12.000 X 88 h auf 8756 K 63 h gesunken ist, daher eine Verminderung von 3325 Kl 25 li stattsand. Der Vorsitzende Herr Dr. Bendiener führte aus, daß in der hiesigen Gemeinde infolge der Initiative des Herrn M. Schick (großer Beifall) das Armenwesen reorganisiert wurde und daß sich viele Frauen und Herren dem Amte von Pflegern und Pflegerinnen unterziehen, daß die Armenpflege in der Prager Kultusgemeinde einen außerordentlichen Fortschritt aufweist und daß der Nächstenliebeverein diese Bestrebungen nach Kräften unterstützt und sich vor Augen hält, insbesondere verschämte Arme vor Verzweiflung, vor Not und Elend zu bewahren und daß der Verein auf viele Erfolge in dieser Beziehung Hinweisen könne. Hiebei wurden noch insbesondere die Verdienste des Obmannes der Armenkommission Herrn Gottlieb Schmelkes unter großem Beifalle hervorgehoben. Nachdem Herr Ludwig Deutsch dem Vereinsdirektor Herrn Dr. Bendiener für dessen Verdienste um die Leitung des Vereines und die erzielten Erfolge unter beifälliger Zustimmung den Dank ausgedrückt hatte, wurde zu den Ergänzungswahlen geschritten, wobei in den Vorstand die bisherigen Funktionäre, die Herren Ernst Busch, Heinrich Denhof, Dr. Julius Duschenes, kais. Rat Moritz Hahn, Dr. Sigmund Schneider und Sigmund Waldstein wieder- und Herr Alfred Pollak neugcwählt, und als Revisoren die Herren Alfred Bondy und David Troller wieder- und Herr Willibald Hirsch neugewählt wurden. Das russische Hilfskomitee in Mährisch-Ostran. Aus Mährisch-Ostran wird vom 17. d. M. berichtet: Nach fünfmonatlicher Tätigkeit, die mit großen Anstrengungen für philanthropische Werke verbunden war, hat mit dem heutigen Tage das Hilfskomitee für die russischen Emigranten feine Wirksamkeit eingestellt und sich aufgelöst. Es war für alle Herren, die sich dieser Mühewaltung freiwillig und mit dem Aufgebot aller Kräfte unterzogen, keine leichte Aufgabe, durch so lange Zeit den anstrengenden Dienst zu versehen, der sich weit über das gewöhnliche Maß der Hilfeleistung erstreckte; die Herren mußten auf alles bedacht sein, was für das Wohl der armen Emigranten notwendig war und auch den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen sollte. Die freiwillig übernommene Mission konnte nur durch die Hintansetzung der eigenen Berufspflicht zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden. Diejenigen Männer, die an der Spitze des Hilfskomitees den anderen Mitgliedern mit dem besten Beispiele vorangegangen, sind die Herren Moriz Kraßny, Direktor der Gutmann'schen Kohlenwerke, der zuerst als Obmann des Komitees fungierte, dann sein Nachfolger Herr Dr. Alois Hilf, Advokat, welcher später Herrn Dr. Max Beer mit der Obmannschaft betraute. Auch der Beamte David Meisel trug dazu bei, die Hilfstätigkeit immer im Gang zu erhalten. Während der Tätigkeit der Herren ereignete sich unter den Auswanderern nicht ein einziger Fall einer schweren Erkrankung. Czernowitz (Ein j ü d i sch er B ü r g erm e i st e r.) Da der bisherige Bürgermeister Freiherr von Kochanowski infolge hohen Alters auf das Amt resignierte, mußte für die restliche Funktionsperiode ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Zwei Kandidaten kamen in Betracht. Der Kandidat der christlichdeutschen — wie sich hier die deutsch-volklichen nennen — Felix- Baron Fürth und der bisherige Vizebürgermeister Regierungsrat Dr. Ed. Reiß, der zwar von keiner Partei kandidiert wurde, aber von den Juden als der ihrige auf ihr Schild gehoben wurde. Die Juden verfügen über 18, die Deutschen über 19 von 50 Sitzen. Keine Gruppe hat daher die Majorität. Das Zünglein an der Wage bildeten die 7 Rumänen, da die übrigen kleinen Gruppen erklärten, für Dr. Reiß, einen anerkannt integren und objektiven Mann zu stimmen. Es gelang Abgeordneten Dr. Straucher ein Kompromiß mit den Rumänen zustande zu bringen, indem er ihnen die freiwerdende 1. Vizebürgermeisterft^lle zur Verfügung stellte. Damit war die Wahl Dr. Reiß gesichert. Diese Wahl hat für die Juden im Lande eine ziemliche politische Bedeutung. Außer in Czernowitz sind noch jüdische Bürgermeister in Radautz — Dr. Burnstein, Storozynetz — Dr. Katz und Wiznitz — Larisch, überdies noch in vielen Marktflecken und Dorfgemeinden. Kromau. Im Alter von 76 Jabren starb, geachtet von den Glaubensgenossen und Andersgläubigen, Herr Max Weiß, der viele Jahrzehnte hindurch Knltusvorsteher, Ortsschulrat, Mitglied der Stadtrepräsentanz war und durch seine Fröniniigkeit, sowie durch sein wohltätiges Wirken und sein jüdisches Wissen sich auszeichnete. Die Beerdigungsfeierlichkeit fand denn auch unter allgemeiner Beteiligung der Gesamtbevölkerung statt; der Stadtvorstand mit dem Bürgermeister an der Spitze, der Kultnsvorstand mit seinen sämtlichen Mitgliedern waren anwesend. An seiner Bahre trauert eine Gattin, die mit ihm in 51jähriger Ehe glücklich gelebt hat, und drei Söhne, Edmund Weiß, Burcauvorstund der Länderbank, Med -Dr. Julius W en ß. gewesener Sekundararzt des Allgemeinen Krankenhauses, und der Inhaber der technischen Firma Heinrich Weiß, Schwiegersohn des Herrn Carl S e l i g m a n n im X. Bezirke. Die offizielle Judenhetze. Petersburg. Großes Aufsehen erregt in hiesigen liberalen Kreisen die unglaubliche Tatsache, daß vor einigen Tagen im „Regierungsboten", also im Ämtsblatte der russischen Regierung, ein ausführlicher Bericht über den schon vor Monaten zu Ende geführten Howeler Prozeß ivegen der antisemitischen Exzesse in größter Ausführlichkeit veröffentlicht wurde. Bezeichnend ist, daß in dieser Publikation eine antisemitische Brandrede des Advokaten Schmakow wörtlich wiedergegeben ist. Man erblickt in dem Umstande, daß diese Publikation unmittelbar vor Ostern erfolgte, eine Art Provokation, den Versuch, die Volksleidenschaften zu erregen und es ist deswegen nur sehr begreiflich, daß in den russischen Städten, in denen Juden wohnen, unter der jüdischen Bevölkerung große Beunruhigung herrscht. Die gesamte liberale Presse äußert sich in Ausdrücken höchster Entrüstung und Empörung über diese Publikation. Es wird festgenagelt, es sei ganz merkwürdig, daß gerade in einer Zeit, da man so viel mit liberalisierenden Tendenzen flunkert, solche Veröffentlichungen in amtlichen Organen möglich sind. In einzelnen liberalen Blättern erklärt man den Vorfall nur so, daß offenbar ein Uebergriff des Redakteurs des Blattes, er heißt Kulakowski, vorliege, der auf eigene Faust gehandelt habe. Es wird nämlich behauptet, die Sache sei so unerklärlich und ungeheuerlich, daß man kaum annehmen dürfe, die Veröffentlichung etwa auf einen speziellen Wunsch der Regierung zurückzuführen. Aus K i s ch e n e w wird gemeldet: Da die antisemitischen Hetzereien angesichts der herannahenden Osterfeiertage immer