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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blocb's MocbenscbrM. und Hermann G l a ß; die Temesvarer israelitische Gemeinde durch Alexander Kahn »nd K u m m e l h e i m; die Ofner israelitische Gemeinde durch den Präsidenten Dr. Isidor Szabolcsi und Rabbiner Dr. Arnold K i s; die Obudaer israelitische Gemeinde durch den Präsidenten Samuel Ehrlich und Oberrabbiner Dr. Elias Adler; die Keßthelher israelitische Gemeinde durch den Rabbiner Dr. B ü chl e r; die Ujpester israelitische Gemeinde durch den Präsidenten Dr. L i ch t m a n n und Rabbiner Dr. V e n e t i a n e r; die Pester spaniolische israelitische Gemeinde durch den Präsidenten Michael A in m a r. Unter den Trauergästen wären alle Gesellschaftskreise vertreten. Hoch Und Nieder, Reich und Arm- Alle waren gekommen, um dem Dahingeschiedenen. der 35 Jahre hindurch der Seelsorger der Budapester Judenschaft gewesen, die letzte Ehre zu erweisen. Um 10 Uhr begann die Trauerfeier mit den vom Oberkantor Professor Lazarus und dem Tempelchor vorgetragenen Trauergefängen Hierauf bestieg der Schwiegersohn des verstorbenen Seelenhirten, der Nagykanizsaer Oberrabb'iner Dr. Eduard N e u m a n n, die zu Haupte« der Bahre aufgestellte Kanzel und hielt eine tiefbewegte, die andächtigen Zuhörer hinreißende Trauerrede, in der er bür Allem die herporragendeu Tugenden Dr. Kayserling's schilderte. Der eloquente Kanzelredner warf einen Rückblick auf die ganze Laufbahn des Dahingeschiedenen, der, von seinem heiligen Berufe erfüllt, seinen Gläubigen nicht nur ein Führer, sondern auch ein Vater war. Ein ganzes Menschenleben weihte er der Religion und der Verkündigung der heiligen Lehre derselben. Wenn Dr. Kayserling von der Kanzel das Wort Gottes verkündete, blickten die Tausende seiner andächtigen Zuhörer auf seine Lippen und hörten auf die flammenden Worte, mit denen er seine Gläubigen zur Betätigung der Religion aneiferte und begeisterte. Er lobte das Gute, geißelte jedoch auch mit unerschrockenem Mute das Böse. Aber auch die jüdische Wissenschaft verliert in dem Verstorbenen eine hervorragende Leuchte, deren Licht weit über die Grenzen des Vaterlandes, selbst über das Weltmeer hinaus hell erstrahlte. Ileberall, wo Gottes Wort verkündet wurde, war der Name Dr. Majer Kayserling hochgeachtet. Die Leiden unseres Volkes waren ihm ein offenes Buch, und wo er sie lindern konnte, tat er es selbst mit Opfern. Er war ein Weiser, wie ihn die heilige Schrift bezeichnet, in seinem Lebenswandel, in s inen Handlungen, als Mensch und als Lehrer. Seine starke religiöse Ueberjeugüng, fein Gottesvertrauen kannten keine Grenzen, sein strahlender Geist, die Güte seines edlen Herzens waren unermeßlich. Sein Lebenszweck war die Betätigung der beglückenden Liebe, zu der er die Tausende seiner Gläubigen aneiferte. Die Feder, die unzählige Bände zum Ruhme des Judentums niedergeschrieben, ist seiner Hand entfallen, sein Herz aber ist nicht verstummt und nie wird das Andenken an ihn verblassen/'denn sein 'Wirken als Rabbiner dieser Gemeinde wird unvergeßlich bleiben. In den Büchern der Wissenschaft aber wird da? Andenken Dr. Kayserlings selbst in den spätesten Zeiten mit goldenen Lettern verzeichnet sein. Mit einem Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen schloß Dr Neumann seine Rede, die auf die Trauergemeinde tiefe Wi knng übte. Sodann sprach Oberkantor Lazarus die rituellen Totengebete, welche auf die Anwesenden so ergreifend wirkten, daß kein Auge trocken blieb und lautes Schluchzen den weiten Raum erfüllte. Hierauf wurde der Sarg von den hervorragendsten Gemeindemitgliedern, unter Absingen von Trarierchö'reit, ans dem Gotteshause zum Leichenwagen getragen. Ter Trauerzug setzte sich nunmehr in Bewegung. Denselben eröffneten zahlreiche Wohltätigkeitsvereine mit ihren Fahnen, die Zöglinge des israelitischen Knabenwaisenhauses, des israelitischen Taubstummeninstituts und des israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines; dem Leichenwagen folgten die Familienmitglieder, der Präsident der israelitischen Religionsgemeindc Hofrat Sigmund Kohner, der Präsident der Ehewra-Kadischa Jakob B o s ch a n, die Vorstandsmitglieder der beiden Körperschaften, die zur Leichenfeier hieher gekommenen Rabbinen und Deputationen und eine unabsehbare Menschenmenge. Vor dem Kerepeser Friedhose und ans der L traße vor demselben hatte sich eine nach Tausenden zählende Menge angesammelt. Der Sarg wurde in den Vorhof des Gottesackers getragen, wo auch eine Kanzel aufgestellt war. Als Erster betrat Rabbiner Dr. Samuel Kohn die Kanzel, um von deni treuen Freunde und Arbeitsgenossen Abschied zu nehmen. Der greise Kanzelredner war tief ergriffen. Mit tränenerstickter Stimme sprach er die Worte des Abschiedes. Eine füufunddrcißigjährige innige Freundschaft hat ihn mit dem nunmehr dahingeschiedenen Kollegen verbunden und Hand in Hand mit ihm hatte er die schweren Agenden des Rabbinats der Pester israelitischen Nellgionsgemeinde zu versehen gehabt. Dr Kohn schilderte dann Dr. Kayserliug als Menschen, Prediger und Historiker; auf jedem dieser Gebiete war er eine hervorragende Erscheinung und wenn die Annalen der hiesigen Gemeinde längst vergilbt sein werden, der Name Dr. Kayserling's und dessen Wirken wird noch immer glänzend erstrahlen. Dann betrat Rabbiner Dr. W e i ß b u r g bie_ Kanzel. Von dem Bibelsatz ausgehend, daß jeder Weise drei Kronen besitzt, führte Redner aus, Dr. Majer Kayserling habe noch eine vierte Krone, die der Humanität besessen. Wenn es galt, zn helfen und zu raten, kannte er keinen Standes- oder Vermögensunb rschied; der unzähligen Menge der Armen war er ein bereitwilliger Helfer in der Not und er versagte ihnen nie feinen werktätigen Beistand. Aber auch als Lehrer war er eine hervorragende Erscheinung und seinen Berufsgenossen galt er als leuchtendes Beispiel. Was an Dr. Kayserling sterblich war, wird nunmehr der Mutter Erde übergeben, seine große Seele aber wird immer über uns schweben und sein Andenken wird bei Allen, die ihn gekannt, nie erbleichen. Der Rabbiner der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Doktor F e u ch t w a n g, der dann die Kanzel betrat, gab im Namen der Schwestergemeinde Wien der tiefen Trauer um das Ableben des hervorragenden Gelehrten Ausdruck. Er begann mit dem Worte des Dichters des Hohen Liedes: „Mein Freund stieg hinab in seinen Garten, in die duftenden Beete, blühende Lilien zu pflücken", denn der Gruß gilt dem geliebten Lehrer der großen Gemeinde, dessen Lebensprogramm und Wablspruch sich kurz in die Worte fassen läßt: „Ich gehöre meinem Freunde, und das ist mein Gott und mein Freund!' Sein Charakterbild und Wirken kann ich nur nach dem einmaligen und unauslöschlichen Eindrücke schildern, den der teure Verblichene in jener ernsten Stunde auf mich gemacht hat, als er an der Babre des nnvergeßlichen großen Rabbi Aron Jellinek stand; und es ist am besten dargestellt durch daS Wort der heiligen Schrift: „Kein Mensch war im Stiftszelte, als der Hohepriester kam, im Heiligtnme den Sühnedienst zu verrichten. bis er es verließ." Denn ebenso wie nichts Menschliches dem edlen Verstorbenen fremd gewesen ist, bat nichts Menschliches seinen heiligen Dienst gestört oder getrübt. Sowie es vom Hohepriester heißt: „Er nahm die Pfanne, gefüllt mit feurigen Kohlen, von dem Altäre, der vor Gott stand und füllte seine Hände mit duftigem Räucherwerk, um es ins Heiligtum zu tragen," so hat dieser edle Priester seines Volkes mit seinem Feuergeiste und mit seiner feurigen Seele das glühende Wort tiefsten Glaubens, erhabenster Tugend und umfassenden Wisse,.§ in die Herzen und Gemüter seiner Gemeindekinder gesenkt und mit vollen Händen den Segen seines umfassenden Wissens auf dem Gebiete heiliger und profanier Erkenntnis überreichlick ausgestreut. In glänzender poesievoller Rede würdigte der Ofner Oberrabbiner Dr. Arnold K i s den Verstorbenen als Lehrer und Seelenhirten. Ter eloquente Redner hob die glänzenden Eigenschaften Kayserlmgs hervor. Was Kayserling seiner Gemeinde und seinen Gläubigen gewesen, dies nochmals zu betonen, sei nicht notwendig, denn die Zehntausende, die sich bei dieser traurigen Feier versammelten, kamen mit aufrichtiger Trauer im Herzen, sie verloren in dem Dahingeschiedenen ihren Führer, denn so manchen führte er aus der Finsternis dem Lichte der Erkenntnis zu. KayserlingS Liebe zu seinen Glaubensgenossen steht ohnegleichen da. Mit goldenen Lettern wird die Geschichte die Tatsache verzeichnen, daß Tr. Majer Kayserling es war, der mit unerschrockenem Mute und zäher Ausdauer nicht eher ruhte, bis er die Gleichberechtigung der Schweizer Juden durchgeführt hatte. Schon damit allein hat sich der Dahingeschiedene ein Denkmal für ewige Zeiten gesetzt. Dr. Kis schloß mit einem Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen. Nachdem hierauf Oberkantor Professor Lazarus die rituellen Gr bete verrichtet hatte, wurde der Sarg unter Absingung von Trauerchorälen von den Vorstehern der Gemeinde und der Chewra-Kadischa zum Grabe getragen und in dasselbe gesenkt. Prag. (Enquete i n S ch u l s a ch e n.) Im Sitzungssaale des hiesigen Rathauses fand dieser Woche auf Einladung des jüdischen Vertreters im Landesschulrate für Böhmen Herrn Dr. Ludwig Bendiener eine Enquete statt, an welcher der Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Vertreter des Rabbinerverbandes, des Landeslehrervereines, die Religionslehrer an den Mittelschulen Prags und Vororte teilnahmen. Gegenstand der Beratung war die Vorlage eines einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen Böhmens, sowie die Beratung über eine ins Leben zu rufende Prüfungskommission für jüdische Religionslehrer. Nach einer mehrstündigen Debatte, bei welcher die Prinzipien für den Lehrplan im Allgemeinen besprochen wurden, wurden zwei Komitees gewählt, welche unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld die Beratung pflegen und Anträge stellen sollen, worauf die Mitglieder der Enquete nochmals Zusammenkommen und die endgiltigen Gutachten erstatten werden. Israelitischer Nächstenliebeverein in Prag. Vor kurzem fand im Altstädter Rathaussaale die Generalversammlung des israel. Nächstenliebevereines unter dem Vorsitze des Direktors Herrn Dr. Ludwig Bendiener statt. Der Vorsitzende gab zunächst der Trauer um die im Jahre 1904 dahingeschiedenen Mitglieder, insbesondere des Schriftstellers S. Kohn, der durch 43 Jahre Revisor des Vereines war, Ausdruck. Er gedachte ferner des in Sachsen verstorbenen Herrn Max Oppenheim, welcher dem Vereine das namhafte Legat von 20.000 K

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