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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 17 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Seite 263 Zwischen den zwei verschiedenen Richtungen der Juden, sowohl in Betreff der Vortragssprache während des Gottesdienstes, wie auch wegen der sehr divergierenden Ansichten, da die Juden des Ostens einen großen Teil der traditionellen Lehre nicht kannten und schließlich' sich manchen daraus resultierenden Satzungen widersetzen mußten, nicht fehlen können. Diese Reibungen haben auch zu Ohren des Kaisers kommen müssen, oder wendeten sich beide Parteien an ihn, um Recht zu suchen, demzufolge dieses Edikt er flössen ist, worin dieser Streit voll zum Ansdrucke kommt Ter Kaiser, selbstverständlich die griechische Sprache begünstigend, entscheidet, daß ..Diesenigen mehr im Rechte sind, die das Griechische (neben dem Hebräischen) zum Vorlesen hinzuziehen", und empfiehlt er hiezu die Uebersetzungen der Septuaginta und des Aquila. Will man in diesem Schriftstücke nicht suchen, was darin nicht enthalten ist, und nimmt man es wörtlich, wie es ist, kommt daraus klar zum Vorschein, daß es sich um einen Streit der Juden des Ostens mit denen anderer Richtung handelt. Diese letzteren haben jenen, wie aus dem Edikt zu entnehmen, nicht bloß wegen des Vortrages der griechischen Uebersetzung opponiert, sondern scheinen sie auch beim Kaiser der Verbreitung von häretischen Ansichten während des Vortrages beschuldigt zu haben, indem sie in Erbanungsvorträgen oder in Auslegung der heiligen Schrift während des Gottesdienstes vieles in den Text hineininterpretierten, was in der Schrift nicht enthalten wäre, und überdies die Resurrektion und das jüngste Gericht leugneten, auch die Schöpfung Gottes als durch Engel vollbracht sich vorstellten. Diese Beschuldigungen, die das Edikt erwähnt, können nur gegen die Juden des Ostens gerichtet sein, da man solche Anschauungen nirgends antrifft, nur bei ihnen, wofür das Buch der Jubiläen am besten Zeugnis ablegt. Dieses Buch gibt sich als eine „Wiederholung" der heiligen Schrift aus (6, 33. zc.) und bildet eine Paraphrase derselben, enthält aber Vieles, was in der Schrift nicht vorkommt, so auch werden manchen Geboten und Verboten ganz andere Motive untergelegt und schildert dieses Buch die Genesis durch Engel vollzogen; auch wird die Resurrektion negiert. (23, 48.) Alles stimmt haarklein auf die Juden des Ostens. Der Kaiser, bei allem Sinn für Bildung und seinem Streben nach Ordnung, durch die Justinianische Gesetzgebung sich ein Denkmal für spätere Zeiten errichtend, war im Grunde genommen ein Fanatiker in Reliaionsfragen. begünstigte stets die Orthodoxie und haßte Ketzer. Seine Aversion erstreckte sich auch auf jedwede freie spekulative Richtung in Religionsfragen und entspringt die Schließung der neuplatonischen Universität in Athen gleich nach seiner Thronbesteigung auch dieser Abneigung gegen die Philosophie Die ortbodoxen Juden oder Rabbinen fanden daher auch bei ihm mit ihren Rekriminationen gegen die Inden des Ostens ein williges Ohr und geriert er sich da als Sachwalter der orthodoxen Interessen, was alles deutlich in dieser Novelle zum Ausdrucke kommt. Er verbietet der einen Seite, fren Rabbinen 7cpeaßöxepot, otoaaxaXoi D'Jii die Vorlesung des Griechischen durch Machinationen zu Hintertreiben; ebenw verbietet er den „Bibelauslegern", D'iOp' die sich^ansschließlich mit Auslegung der heiligen Schrift befassen*) beim Vorlesen des Hebräischen den Sinn zu verdrehen. Die Novelle sagt aber deutlich weiter: „Die von ihnen sogenannte Dentorosis verbieten wir ganz und gar". Wenn man an das Wort „Dentorosis" keine theologischen Spitzfindigkeiten knüpft, wie manche es tun, da selbstverständlich in Novellen mit Gesetzeskraft kein Platz für solche zu suchen wäre und man diesen Ausdruck in wörtlicher Bedeutung als „Wiederholung" und dem Sinne nach beznalich der hier in Frage kommenden Schriften als Wiederholung, Erklärung und Eroänznng der heiligen Schriften nimmt, passen die erhobenen Anklagen nur auf die Schriften der Inden des Ostens, wie eine noch im Buche der Jubiläen erhalten ist. Der Kaiser in seiner Rechtgläubigkeit geht noch weiter und scheint den Rabbinen beizupflichten, indem er betont: „Weil diese Dentorosis nicht in den heiligen Büchern, noch von oben durch die Propheten überliefert, sondern Erfindung von Menschen ist. die nichts Göttliches in sich hat". Da wird ja der Gegensatz zu der Tradition deutlich hervorgehoben, daß sie sich auf Ueberlieferung durch die Propheten nicht berufen können, daher ihre Zutaten nur von Menschen herrühren, die einfach als Erfindungen zu bezeichnen sind und nichts Göttliches enthalten. Die Novelle fahrt dann fort: „Sie sollen die heilige Schrift „selbst" lesen . . . und nicht das darin Verkündete verheimlichen", d. h. nicht durch Apokryphen die heilige Schrift ersetzen und das darin klar Verkündete in mystisches Dunkel bullen, sondern die heilige Schrift „selbst" soll gelesen werden. Daraus ließe sich entnehmen, daß man das Buch der Jubiläen, das „die kleine Genesis", während das Buch Moses „große Genesis" genannt wurde, als Erbauungsvortrag während des Gottesdienstes vorgelesen hat, und dagegen nimmt diese Novelle Stellung und droht mit schweren Strafen denjenigen, die dieses „atheistische Geschwätz" in Vorträgen ei »führen Es kann kein Zweifel mehr obwalten, gegen wen sich dieses richtet, wenn man in Rücksicht zieht, mit welcher Deutlichkeit die Novelle die Vorwürfe erhebt: „Daß sie die Auferstehung leugnen, die Werke Gottes in Verbindung mit Engeln bringen, durch die alles zustande gekommen sein sollte". Diese Vorwürfe können einzig und allein die Juden des Ostens treffen, da nur bei ihnen *) In diesem Sinne wird dieses Wort auch schon im Talmud und^Midrasch gebraucht. diese Ideen anzutreffen sind, wie bereits hier mehrmals hervorgehoben wurde. Der Kaiser hat also den Juden des Ostens und ihren Anhängern im byzantinischen Reiche das Recht zngesprochen, betreffs der griechischen Version, sich solcher neben dem hebräischen Texte beim Gottesdienste zu bedienen, und als Rechtgläubiger hat er ihnen die christologisch durch tendenziöse Interpolationen entstellte Septuaginta und die dem Gesetze sich streng anpassende Uebersetzung Aguilas empfohlen und den Rabbinen streng verboten, dies nicht zu Hintertreiben; dagegen ist er aber als Sachwalter der Rabbinen anfgetreten und hat ihre Partei ergriffen, indeß der Gegenpartei direkt verboten, sich ihrer Schriften als Vorträge in der Synagoge zn bedienen, und bezeichnet sie als atheistisches Geschwätz. Der Kaiser begünstigte hier die Rabbinen aus Neigung zur Orthodoxie, wie er auch orthodoxe Orden unterstützte und förderte, angebliche Ketzer aber haßte und deshalb auch die Samaritairer stets verfolgte. Die Feststellung und Aufklärung dieser Tatsache hat für unser Thema größere Bedeutung, nicht nur weil es Vorgänge einer an Nachrichten überhaupt dürftigen Zeit erhellt, sondern weil diese eine Kontinuität einer in alter Zeit ausgegangenen Wirkung in ihrer Entwicklung klarstellt, die bisher mißverstanden und demzufolge unbeachtet blieb, aber im Stande ist, zur Erklärung späterer wichtiger Erscheinungen und Ereignisse den Schlüssel zu liefern. _ S. Spinner. Korrespondenzen. Rabbiner M. Kayserling. Die Pester israelitische Kultusgemeinde, mit ihr die ganze Judenheit und die jüdische Wissenschaft haben einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten: Oberrabbiner Mayer Kayserling ist am 21. d. M. nach kurzem Leiden an den Folgen eines Gallenergusses gestorben. Er stand im 76. Lebensjahre und war seit dem Tode des berühmten Kanzelredners Meisels, dessen würdiger Nachfolger er wurde, Oberrabbiner und deutscher Prediger der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Ein Gelehrter von Weltruf, hat Kayserling, der auch als Kanzelredner zu den hervorragendsten zählte, eine lange Reihe historischer, philosophischer und exegetischer Werke geschrieben, die von bleibendem Werte sind und seinen Forscherruhm begründeten. Seine Mendelssohn-Biographie und seine sonstigen aus diesen Philosophen bezüglichen Arbeiten, ebenso wie seine Werke, welche die Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden behandeln, sind geradezu grundlegend und Quellenwerke ersten Ranges. Er war ein Mann, der nur seinem Berus und der wissenschaftlichen Forschung lebte: letzterer widmete er seine ganze Muße, die ihm sein schwieriges und arbeitsreiches Amt übrig ließ. Wie groß sein Ruf als Gelehrter war, geht aus dem Umstand hervor, daß er anläßlich des Columbus-Zentenariums im Jahre 1892 von der spanischen Regierung damit betraut wurde, die Geschichte des Anteiles der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen zu schreiben, welchem ehrenvollen Auftrag er in der glänzendsten Weise entsprach. Er war u. A. Hauptmitarbeiter der gegenwärtig erscheinenden, bis zum neunten Band gediehenen großen Encyklopädie des Judentums (Jewish encyclopaedia) und entfaltete überhaupt eine staunenswerte literarische Tätigkeit. Dr. Mayer K a y s e r l i n g wurde am 17. Juni 1829 in Hannover geboren als Sohn des Hannoveraner Kaufmannes Abraham Kayserling. Seine Gymnasialstudien absolvierte der junge Kayserling in seiner Vaterstadt mit glänzendem Erfolge; er besuchte sodann — um in den jüdischen Wissenschaften sich zu vervollkommnen — die Talmudschule Gerson Josaphat's in Halberstadt. Hier lebte damals ein junger jüdischer Kaufmann, dessen hohes talmudisches Wissen weit und breit bekannt war, der Lehrer Kayserling's und nachmalige berühmte Rabbiner von Kismarton, Israel Hildesheimer. Von Halberstadt kam Kayserling später nach Nikolsburg (Mähren), wo er ein Schüler Dr. Samson Raphael Hirsch's war. Bald darauf kam Kayserling nach Prag als Schüler des Rabbiners S. L. Rappaport und später nach Würzburg an die Schule des Rabbiners S. B. Bamberger, damals die größte Talmudschule Deutschlands; hier erhielt er auch das Rabbinerdiplom, worauf er sich dann im Jahre 1851 an der Universität Würzburg inskribieren ließ. Im Jahre 185.-;

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