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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Dlocb s MlocbenscvrLN. Seite 281 Lohn und Strafe, die ganze Offenbarung dürfe nur so aufgefaßt werden, daß sie nirgends mit der Erfahrungswiffenschaft im Widerspruch stehen. Die Wahrheit des Bibelwortes deckt sich genau mit der wissenschaftlichen Wahrheit, da Gott sicherlich nur die Wahrheit offenbart haben kann. Das ist ein tiefgründiges, den Geist befreiendes Theorem, für den Gläubigen der einzige Haltepunkt im rasenden Fluge, den der menschliche Geist mit Hilfe der Erfahrungswissenschaft macht. Bölsche gebraucht ein schönes Bild, in dem er die Wissenschaft mit dem Sonnenwagen vergleicht und den menschlichen Geist mit einem glücklichen Phaeton, der, in die Höhe fahrend, nicht zugrunde geht und die Welt nicht verbrennt. Maimonides zeigt, wie das Judentum die Fahrt mitmachen kann. Vor ihm sagte man: jede Wissenschaft, die nicht mit den Glaubenssätzen übereinstimmt, kann nicht wahr sein; der kurzsichtige Mensch irrt mit seiner ganzen hochgerühmten Wissenschaft, und da sie oft irrt, ist sie schädlich, denn sie drängt den Menschen von der ewigen Wahrheit ab. Nach Maimonides sagte man: Die Wissenschaft kann nie im Widerspruch mit der Offenbarung sein; sie deckt vielmehr den Inhalt der Offenbarung auf und des Menschen höchste Aufgabe ist es darum, sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen. Der Kampf gegen sie führt zu falschen Anschauungen und vom Judentum ab zum Aberglauben und Heidentum. Die Wissenschaft lehrt uns die Bibel lesen und ihre Sätze richtig deuten. Es handelt sich um kein Umdeuten des Bibelwortes, sondern nur um seine richtige Bedeutung. Es ist gar nicht nötig, die Wissenschaft mit der Religion versöhnen zu wollen, da von vornherein kein Widerspruch vorhanden ist. Die Religion gibt aber nur die Form, den Inhalt die Erfahrungswissenschaft. Lehrt diese, daß die von Gott erschaffene Erde schon Millionen oder Billionen von Jahren besteht, ist die Schöpfungsgeschichte darnach zu erklären. Lehrt die Wissenschaft, daß die Arten sich alle aus der Urzelle entwickelt haben, ist die Bibel darnach zu erklären. Das Bibelwort ist die feststehende Form, in. die hie Erfahrung ihren Inhalt erließt. Vor 700 Jahren hat Moses Maimonides so die Bibel erklärt, daß die damalige Wissenschaft restlos in sie einging. Nach Moses Maimonides ist die Wissenschaft gewachsen. Vor 150 Jahren gelang es wieder einem Moses, Moses Mendelssohn, denselben Weg in kongenialer Weise einzuschlagen. Seit Mendelssohn hat die Erfahrungswissenschaft eine ungeahnte Höhe erreicht. Der glückliche Phaeton hat ein gewaltiges Stück des Sonnenweges zurückgelegt. Das Gesetz von der Konstanz der Energie und der Materie, die Theorie von der Entstehung der Arten und andere Erfahrungsgesetze haben eine Revolution des Geisteslebens hervorgerufen. Bibelkritik und Ausgrabungen uralter Inschriften haben die vergleichende Religionswissenschaft geschaffen und nur der von Maimonides aufgedeckte Weg rettet uns vor einem Kampfe zwischen Religion und Wissenschaft, in dem jeder Sieg todbringend ist. Der Sieg der einen Richtung führt ab vom wahren Judentum zum Aberglauben, der Sieg der anderen Richtung führt ab von der Religion zum Unglauben. Darum muß auch in unserer Zeit Judentum und Wiffenschaft als unlösbare Einheit gefaßt werden und selbst weitgehende wissenschaftliche Anschauungen müssen ruhig rezipiert werden; denn, wie gesagt, die Glaubenssätze sind die Form, den Inhalt gibt die Erfahrungswissenschaft. Um einen sicherlich sehr wichtigen Glaubenssatz als Beispiel zu nehmen: Die Seele ist unsterblich, das ist der Glaubenssatz, die Form. Was man sich aber unter Seele vorzustellen habe, der Begriff, wie ihre Unsterblichkeit zu behandeln sei, darüber belehrt die Wissenschaft. Auf- und angenommen muß werden der Satz von der Konstanz der Energie und der Materie, auf- und angenommen müssen werden die sicheren Ergebnisse der Bibelkritik und der Weltgeschichte, denn die Wahrheit unseres heiligen Buches muß wie der Glaube an unfern einzigen Gott vor jedem Aber- und Ueberglauben bewahrt werden. Man sei nicht furchtsam, denn man soll nicht vergessen, daß die Historizität nicht das wichtigste Moment irgend einer biblischen Erzählung ist. Das wichtigste ist die Darstellung, daß ein gerechter Gott in Allmacht und Allgüte das Schicksal der Menschen leitet. Dazu kommt freilich die nationale Bedeutung der biblischen Erzählungen, indem sie beweisen, daß unsere Volksgeschichte in jene Zeit hinaufreicht, in der Sage und Geschichte innig verbunden sind und die Sagen selbst einen konkreten historischen Hintergrund zu bilden vermögen, weil sie irgend einen solchen Hintergrund besitzen. Man darf ferner nicht vergessen, daß selbst bei Berücksichtigung aller dieser Umstände die Erzählungen nicht wie bei anderen Religionen die Tragbalken des Judentums finden.Das Judentum,das find seine religiösen Vorschriften, denn es ist im guten Sinne die Religion des Gesetzes, das Gesetz von seinem Ursprünge an in fortschreitender Entwicklung und dieses Gesetz ist dasselbe und von demselben Werte ohne und mit Erzählungen, ohne und mit Berücksichtigung der Ergebnisse der Bibelkritik. Was verschlägt es z. B., ob die Historizität der Paradiesgeschichte fichergestellt ist, oder nicht? Was verschlägt es, ob eines der biblischen Bücher in diesem oder jenem Jahrhundert entstanden ist? So hätte Maimonides in unserer Zeit gedacht und es ist nicht genug, den Namen des Maimonides hochzuhalten, es ist nicht einmal genug, den Einfluß der maimunischen Religionsphilosophie auf nichtjüdische Denker nachzuweisen, der Geist dieser Philosophie muß bewahrt werden und in diesem Geiste muß fortgeschritten werden, sonst wandelt man die Wege des Rabbi Abraham ben David, des Gegners Maimonides'. Aber nicht dieser Gegner und nicht jene, die über die maimunische Philosophie den Bann verhängt hatten, haben gesiegt, sondern Maimonides. N cht die Gegner Mendelssohn's und nicht jene, die über seine Pentateuchübersetzung den Bann verhängt hatten, haben gesiegt, sondern Mendelssohn. Auch im vorigen Jahrhundert, als die neue Wissenschaft des Judentums entstand, gab es eine ihr gegnerische Richtung, deren Wortführer Raphael Samson Hirsch war. Aber selbst diesem genialen Mann g-lang es nicht, dos Judentum aus das Niveau naiven Glaubens hinabzudrücken und nie kann das endgiltig gelingen, denn die Existenzberechtigung des Judentums ist seine geistige Freiheit, die zur Wissenschaft spricht: „Du bist meine Schwester". Dies zum erstenmal zum klaren Ausdruck gebracht zu haben, darin liegt die wahre Bedeutung von Maimonides für die geistige Entwicklung des Judentums bis aus unsere Zeit. Gesang und Spiel der Leviten Von Rabbiner Stark. Amicus Aristoteles, amicus Plato, amicissima veritas. Bekanntlich haben die Leviten beim Gottesdienste im Tempel zu Jerusalem beim Ausgießen des Weinopfers ihren von Musik begleiteten Psalmgesang angestimmt. Für jeden Tag der Woche war ein anderer Psalm bestimmt, weswegen auch jetzt noch an allen sieben Tagen der Woche zum Schluffe des Morgengottesdienstes ein anderer Psalm gesprochen wird, und zwar imnier derjenige, den einst die Leviten am betreffenden Wochentage im Tempel zu Jerusalem sangen. Da im jerusalemischen Tempel alle gottesdienstlichen Funktionen auf's Genaueste geordnet und geregelt waren, so war selbstverständlich auch der Platz genau bestimmt, von welchem aus die Leviten ihren Gesang und ihr Spiel ertönen ließen und ebenso auch die Zahl der Pausen, welche sie beim Gesänge eintreten lassen sollten, damit der Psalm in Absätzen gesungen und die Priester zwischen den Absätzen die Trompeten schmettern lassen. Es ist nun merkwürdig, daß Grätz, der in seinem großen Geschichtswerke auch die innere Einrichtung der Tempellokalitäten und der in jedem Teile derselben stattgefundenen gottesdienstlichen Handlungen schildert, nicht weniger als dreimal ein und dieselbe falsche, auf einem Irrtum beruhende Angabe wiederholt. Im zweiten Teile des zweiten Bandes S. 104 und 192, wie auch im dritten Bande, S. 116 schreibt er, daß die Leviten bei ihrem täglichen Gesänge auf den fünfzehn Stufen, welche vor dem Weiberhofe (Ezrat-Naschim) in den Männerhof (Ezrat-Jisrael) führten, standen. Das aber ist unrichtig, denn die Leviten standen auf diesen fünfzehn Stuft» nur bei ihrem Gesang und Spiel bei der Feier des Wasserschöpfens am Hüttenfeste, bei ihrem täglichen Chorgesange hingegen standen sie auf einem Emporium (Duchan), das in der Höhe von einer Elle zwischen dem Männerhofe und dem Priesterhofe (Ezrat-hakohonim) sich befand. Die Richtigkeit meiner Behauptung ergibt sich aus folgendem: Im Traktat Midot wird der äußere und innere Bau des Tempels beschrieben. Nun heißt es dort (Abschnitt 2, 5): Von der Frauenhalle führten 15 Stufen zur Männerhalle, auf welchen di.

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