Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 15 Dr. Dlocb's TKHocbenscbrift Seite 251 fefretär Ladislaus Vörös, Baron Ludwig Doczi, die Barone Edmund, Ladislaus und Wilhelm G u t m a n n, Baron Moriz Herzog de Csete, Baron Friedrich Harkanyi, Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai, Magnatenhausmitglied Alexander Hatvany- Deutsch, die Ministerialräte Joseph Szterenyi, Elemer Szabo und Geza Bakonyi, die Hofräte Franz Freund de Toßeg, Ludwig Jeney, Berthold Stiller, Armin Neumann und Georg Szerb, unter Führung des Hofrates Joseph Hüvös und Eugen Csaßar's die Josephstädter Stadtrepräfentanten und der Jofephstädter Klub korporativ, eine Deputation der Kaufmannshalle mit dem Präsidenten Hofrat Heinrich Jellinek de Haraßti und dem Vizepräsidenten Franz Kunz an der Spitze; eine Deputation des Landes-Jndustrievereines unter Führung der Herren Hofrat Ritter Sigmund v. Falk, Andreas Thek und königl. Rat Moriz Gellen, der Börsenrat mit dem Vizepräsidenten Sigmund B. Geiger an der Spitze, die Redaktion des „Pester Lloyd" mit dem Chefredakteur Abgeordneten Dr. Max Falk an der Spitze, die Redaktion des „Pesti Naplo" korporativ, in Vertretung der Salgo-Tarjaner Kohlenbergwerksgesellschaft Präsident Magnatenhausmitglied Dr. Franz Chorin, die Direktoren Lazar Reimann und Jakob Friedmann und der Prokurist Gabriel Göröny, Verein der ungarischen Handlungsreisenden unter Führung des Präsidenten Robert Auer, eine Deputation der Lloyd-Gesellschaft unter Führung des Präsidenten Hofrat Sigmund Kvhner, Vorstandsmitglieder der Pester Chewra-Kadischa, viele Vereine und Korporationen. Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn hielt eine tiefempfundene Rede, in welcher er der ersprießlichen Wirksamkeit des Verstorbenen gedachte, mit welcher er sich die Achtung und Liebe seiner Mitmenschen erworben hat. Das Testament Ludwig v. Kraust. Die wichtigsten Bestimmungen des einige hochherzige, humanitäre und kulturelle Stiftungen enthaltenden, drei Bogen umfassenden Testaments sind die folgenden: Zur Errichtung eines Asyls für arbeitsunfähige verarmte hauptstädtische Großindustrielle und Großhändler sind X 500.060 bestimmt. Unter den übrigen gemeinnützigen Legaten, beziehungsweise Stiftungen im Gesamtbeträge von X 505.000 befinden sich u. A. die folgenden: dem Wohltätigkeitsfonds der Pester israelitischen Religionsgemeinde - .. . ..X 50000 dem israelitischen Taubstummeninstitut 15000 des isr. Handwerks- und Ackerbauverein.„ 10000 des israelitischen Spital . ...... 30000 dem Adele Brody-Kinderspital - -.• . „ 20000 dem ,,Ez Chajim"-Verein des Rabbinen-Seminars.... „ 2000 für die armen Zöglinge der isr. Lehrerpräparandie.... „ 5000 dem isr. Stipendienverein. 5000 dem isr. Knabenwaisenhause ..„ 20000 dem isr. Mädchenwaisenhause.• . . . . „ 10000 dem Pester israel. Frauenverein. . -.„ 20000 dem Volksküchenfonds des israel. Frauenvereins - . . - „ 10000 dem Pester israel. Waisenmädchen-Asyl.„ 10000 der Talmud-Thora-Schule . . •.„ 2000 dem Kinderbekleidungsfonds der israel. Gemeinde . > . „ 5000 dem Stipendienfonds der israel. Gemeinde .. 2000 dem Gemeinde-Pensionsinstitut. 5000 der Pester Chewra-Kadischa. „ 30000 dem isr. Landes-Lehrerverein -. 5000 dem Waisenfonds desselben Vereines. 5000 dem isr. ungarischen Literaturverein . - . ...... 2000 dem Landesverein der israel. Gemeindebeamten. 2000 für einen Ausstattungsfonds für arme israel. Mädchen. „ 20000 Als Stiftung zur Unterstützung von armen Familienangehörigen . . .X 100.000, welche nach 20 Jahren als allgemeine Wohltätigkeits-Stiftung der Pester israel. Religionsgemeinde znfällt. Außerdem haben die Erben an die israel. Religionsgemeinde zur Verteilung an Arme X 3900 und an den Bürgermeister der Hauptstadt zur Verteilung an Arme ohne Unterschied der Konfession X 2000 zu übermitteln. Der Gesamtbetrag der kulturellen und humanitären Stiftungen gewidmeten Legat» und Spenden beträgt X 1,005.000. Jeder Diener erhält den vierfachen Betrag seines Jahresgehaltes. Auch der Beamten der Gisela-Dampfmühle gedachte der Erblasser in hochherziger Weise. Er bestimmte, daß die Beamten, die mindestens zehn Jahre bei der Mühle bedienstet waren, ein zweijähriger Gehalt, die aber weniger als zehn Jahre in Stellung waren, ein einjähriger Gehalt ausbezahlt erhalten. Der Erblasser ernannte ein Kuratorium, bestehend aus Isidor v. Krauß, Baron Wilhelm Gutmann und Bela Suränyi, denen als Schriftführer der Advokat Dr. Eduard Krauß beigegeben wird. Dieses Kuratorium hat die Austeilung des Verlassenschaftsvermögens innerhalb dreier Jahre abzuwickeln. Ghör Am 3. d. M. wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der zu den hervorragendsten Mitgliedern unserer großen Gemeinde zählte und eine Zierde des Judentums gewesen ist. Herr Samuel Ehrlich, der im patriarchalischen Alter von 86 Jahren gestorben ist, hat während eines halben Jahrhunderts unentwegt sein ganzes Können und Wollen in den Dienst unserer humanitären Institute gestellt. Sein segensreichstes Wirken entfaltete er aber in unserer Chewra-Kadischa, der er als Vorstand und Präsesstellvertreter ein Menschenalter hindurch angehörte, indem er sich im wahrsten Sinne des Wortes als Vater der Armen und Leidenden mit aller Hingebung bis an sein Lebensende bewährte. Mit diesem Manne, der als angesehener Kaufmann puritanischen Charakters war und sich auch bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern hohen Ansehens erfreute, der eine streng religiöse Lebensweise führte, dabei ^iber tolerant gegen jedermann gewesen ist und sich den kulturellen Anforderungen nicht verschlossen hat, scheidet wieder einer jener für das wahre Judentum begeisterten Menschen, die leider immer spärlicher werden. Feuilleton. Frauenleben. „Ja, gnädige Frau, uns Aerzten bleibt nichts verborgen, nicht die Leiden des Körpers, nicht die Leiden der Seele." „Und finden Sie, Herr Doktor, die Leiden der Seele nicht noch viel verbreiteter als die des Körpers? Ich denke, es müßte so sein, denn wie viele von Gesundheit und Kraft strotzende Männer tragen Leid in ihrer Seele, — wie viele blühend schöne, lachende oder stolz einherschreitende Frauen bergen tiefes Seelenleid!" „Darin haben Sie recht, gnädige Frau, und der Arzt, dem die Wissenschaft nicht Melkkuh ist, wird daher nicht nur den Sitz des körperlichen Uebels suchen, sondern stets die Sonde auch an das anlegen, was wir Seele, Gemüt, Geist nennen; denn seelische Depression, Gemüts- und Geistesaffektionen unterwühlen in leiser Minirarbeit den ganzen Organismus." „Fanden Sie das Leiden der Seele, des Gemütes, des Geistes, wie Sie sagen, nicht in hohem Perzentsatz bei Frauen vor?" „Gewiß. Sie sind ja zum Leiden gewissermaßen von Natur aus prädestiniert und durch die vieljährige Ausgeschlossenheit von so mannigfachen ernsten Gebieten des Lebens verzärtelt und darum umso empfindlicher. Auch der Tätigkeitsdrang des Individuums wurde in der Frau nicht berücksichtigt, und deshalb geschieht es so häufig, daß fie zu dessen Befriedigung, gerade weil ihr Gebiet, ihre Tätigkeit eng abgegrenzt worden war, auf Irr- und Abwege gerät, dem immerhin ein Leid der Seele voran geht und ganz sicher ein solches nachgeht.- Nun sehen Sie, gnädige Frau, es ist aber eine ganz bestimmte Altersstufe, in welcher wir ein fast typisches Seelenleid bei der Frau zu beobachten Gelegenheit haben. — Es ist dies das Alter der verheirateten Frau, von den Dreißig bis zu den Vierzig — und darüber —, und umso intensiver, wenn sich die Frau — um einen landläufigen Ausdruck zu gebrauchen — gut konserviert hat. Die Literatur hat sich mit diesem Thema im Uebermaße beschäftigt; die französischen Dichter haben dieses Alter das „gefährliche" benannt, — uns darin die „unverstandene Frau" gebracht und beides, das „gefährliche Alter" und die „unverstandene Frau" in Romanen und Dramen reichlichst verwertet. — „Der unverstandene Mann", natürlich auch in einem gewissen Alter stehend, wurde erst durch Ibsen in die Literatur einbezogen. Betrachten wir nun einmal die Gesellschaftsklaffe, aus welcher dieser Frauentypus von den Literaturen herausgenommen wurde, und in welcher er tatsächlich auch zu finden ist. Es