Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 250 Dr. Dlocb's Uölocbenscbrm. Nr. 16 dorfes geschmückt hatten. Als eine der Schaluppen anlegcn wollte, richtete ein hier ansässiger Russe vom Rande des Kais aus das Wort an die Ankömmlinge. Mit einer automatischen Bewegung wandten sich alle Köpfe ihm zu. Einer der Einwanderer, welcher hochanfgerichtet neben einem Haufen Gepäck stand, antwortete im Namen seiner Gefährten. Es war ein schöner Typ eines gereiften Mannes, mit gerötetem, schon von weißen Fäden durchzogenen Bart, hoher Stirn und energischem, klaren Blick. Die Unterhaltung vom Kai zum Fahrzeuge hinüber kam bald in Fluß, und alle lauschten begierig den Worten ihres Landsmannes. Die einzelnen Gruppen belebten sich, die Frauen lächelten, man warf fich Bemerkungen zu und flüsterte dem Gefährten, welcher als Wortführer diente, Fragen ins Ohr. Da aber das Dampfboot fich entfernte, um an einer anderen Stelle anzulegen, tvurde der Unterhaltung ein Ende gesetzt. Es erfolgte nun die Ausschifflmg: über ein Brett hinweg kamen die Einwanderer ans Land. Einige führten die Kinder, andere hielten Gepäckstücke umschlungen. Die Kinder überschritten das Brett im Laufen unter Schreien und Lachen. Die älteren Leute riefen einer dem anderen zu und erbaten Hilfe, um ihr Gepäck herüberzuschaffen. Es entstand ei» fröhlicher Lärm, an dem die Unbeschäftigten, welche sich längs des Kais angesammelt hatten, teilnahmen. Dies war der zweite Transport Israeliten, der hieher gekommen ist; die Zeitungen berichten, daß soeben ein dritter angelangt ist. — „Mögen sie kommen zu tausenden, zu Hunderttausenden, diese Fremdlinge welche mit der Kraft ihrer Arme und der Fruchtbarkeit ihrer Körper dieses große, brach und verlassen daliegende Land bebauen und bevölkern helfen wollen. Hier werden sie zum erstenmale die Luft der Freiheit einatmen und ein Stück Land besitzen, das ihnen eigen ist und auf dem sie ungehindert den Gott ihrer Vorfahren verehren können. So sehr auch Leute sich bemühen mögen, unseren Charakter zu verderben und unsere Einrichtungen zu verschlechtern, gibt es doch in unserem Lande, von Nord zu Süd, ein zu großes Maß von Menschenliebe und Freiheit, um nicht allen Rassen und Religionen Obdach zu gelvähren, ohne daß Despotismus oder wilder Kastengeist arme, vom Unglück verfolgte Wesen von uns weist. — Mögen diese Glieder des der Auflösung nahen russischen Volkes für uns arbeiten, unsere Felder bebauen und als neue nützliche Arbeitskräfte für die Größe und das Gedeihen unseres Landes Mitwirken. Lasset sie uns mit Freundlichkeit behandeln und mit Sorgfalt aufnehmen, denn das Glück kommt mit diesen Geschöpfen ohne Brot und ohne Heimat zu uns. Wohlbefinden und Dankbarkeit werden aus ihnen gute Brasilianer machen, woran sie ihr Glaube nicht hindern wird. Seien sie uns willkommen, alle, die das gesegnete Land aufsuchen, welches uns durch das Schicksal zugefallcn ist." So schreibt die Zeitung „Viaria äs ksrnambneo". Sehr verschieden von der Sprache der Antisemiten. Arthur Lewin in Peruambueo. Vermischtes. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Mittwoch den 26. April d. I. findet im Festsaale des österreichischen Ingenieur- und Architelten-Vereines, l., Eschenbachgaffe 9 ein großer Vortrag mit Lichtbildern seitens des Herrn Universitätsprofessors Dr. Felix von L u s ch a n aus Berlin über „Die anthropologische Stellung der Juden" statt. Beginn präzise 7 Uhr abends. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Am Samstag den 29. April 1905, präzise halb 8 Uhr Abends, findet in Khuners Restauration, I., Adlergasse 6 die XV. ordentliche Generalversammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt. 1. Verteilung a) von 10Prämien, bestehend in Sparkassebüchern a 20 Kronen, an Lehrlinge, die ob ihres Betragens eine Auszeichnung verdienen; l>) Verteilung von lo Prämien, bestehend in Sparkassebüchern ä 40 bis 50 Kronen an Gehilfen, die mehrere Jahre mit gutem Erfolge tätig gewesen. 2. Jahresbericht erstattet vom Präsidenten. 3. Kassabericht. 4. Bericht der Revisoren. 5. Wahl des Präsidenten. 6. Wahl der 12 Vorstandsmitglieder. 7. Wahl der Revisoren. 8. Wahl der Schiedsrichter. 9. Aenderung des § 10 der Vereinsstatuten. 10. Anträge und Interpellationen. Nach § 16 der Statuten müssen selbständige Anträge, sowie Anmeldungen von Kandidaturen für den Vorstand 5 Tage vor der Generalversammlung schriftlich eingebracht werden. Wien. Der Talmud-Thora-Verein für die Bezirke XII bis XV veranstaltet Sonntag den 23. April 1905, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde, Wien, XV. Turnergasse 22, die IX. ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über die Schule. 2. Kassabericht, Erteilung des Absolutoriums. 3. Statutenänderung. 4. Ergänzungswahl des Vorstandes. (Nach § 6 der Statuten trifft die Reihe des Austrittes aus dem Vorstande die Vorstandsmitglieder Herren Jacob Herzog, Moritz Stärk, Ludwig Spitzer, Moritz Oesterreicher; die Austretenden können jedoch wiedergewählt werden.) 5. Wahl der Revisoren pro 1905—1906. 6. Anträge und Interpellationen. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Im abgelaufenen ersten Quartale 1905 wurden seitens der Chewra-Kadischa Unterstützungen und Kurbeiträge im Gesamtbeträge von X 9010 bewilligt; weiters wurden 303 Bandagen, orthopädische Behelfe, Augengläser rc. verabfolgt und 5332 Rezepte unentgeltlich angewiesen. Wien. Der Wohltätigkeits-Verein „Chewra-Kadischa" im XVIII. Bezirk hält Montag den 24. April 1905, 5 Uhr abends, im Sitzungssaale, Schopenhauerstraße 39, die Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre. 2. Bericht der Revisoren über die Prüfung der Kassa, der Bücher und der Belege: Erteilung des Absolutoriums. 3. Festsetzung des Jahresbeitrages. 4. Bericht des Vorstandes über die Tätigkeit des Vereinsarztes im abgelaufenen Vereinsjahre. 5. Anträge und Interpellationen. 6. Laut § 9 der Statuten Neuwahl von 6 Vorstandsmitgliedern. Ausgelost und wieder wählbar sind die Herren:. Fantl Wilhelm,, Frankl,Jakob,..MMgex.. Eduards seicht Sigmund, Werner Jakob, Zernik Max. Alle Mandate mit dreijähriger Funktionsdauer. 7. Wahl zweier Revisoren. Wien. Der Kranken- und Humanitäts-Verein „Gamle Chesed“ (Wohltätigkeit aus Pietät), welcher im nächsten Jahre das vierte Dezennium seines Bestandes vollendet, hat für das laufende Verwaltungsjahr nachstehende Herren als Vorstandsmitglieder gewählt: Moriz Ban m, Obmann; Louis F l a m m, Obmann-Stellvertreter; Dr. S. Elias, Schriftführer; Michael Neurath, Kassier; David Kornfeld, Kontrolor; ferner die Herren: Leo Brandt, Dr. M. B l umenth al, Dr.Leo Ehre nt h e i l, Doz. Dr.Jos. Grünfeld, Moritz Graf, I. I a i t e l e s, M. I o k l, Siegfried O s e r, L. Kaufmann, Sigmund Werner. Die Maskirfeier dieses Vereines wird wie alljährlich aucki diesmal nächsten Donnersatg % 8 Uhr früh im kleinen Tempel (II, Tempelgasse) abgehalten. Leitmeritz. (Austritt aus dem Judentum.) Herr Otto Popper, gebürtig in Laun, derzeit Buchhalter in Leitmeritz, ist aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgetreten. Krems a. D. Samstag den 15. d. M. fand in der k. k. Männer-Strafanstalt in Stein ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem der Vorsteher der Kultusgemeinde Krems und viele Beamte der Anstalt teilnahmen. In einem festlich geschmückten Saale waren die jüdischen Häftlinge versammelt, und andächtig begleiteten dieselben den Vortraq ihres Vorbeters und des ausgezeichneten geschulten Chores. Herr Rabbiner Doktor Diamant hielt eine Rede, in welcher er die Häftlinge zur Einigkeit ermahnte und zum Gehorsam gegen ihre Vorgesetzten. Die Häftlinge gaben dem Wunsche Ausdruck, Rabbiner unb Kultusvorsteher wollen die Freundlichkeit haben und sehr oft dem Gottesdienst anwohnen. Leichenbegängnis Ludwig v. Krauß. Unter außerordentlich großer Beteiligung wurde in Budapest Ludwig Krauß de Megyer vom Trauerhause (Andrassystr. 12) aus zur letzten Ruhe bestattet. Der schwarzdrapierte Hof war mit einem vornehmen Trauerpublikum dicht gefüllt, und noch während der Trauerzeremonie fanden sich so viele Leute ein, daß die Polizei nur mit großer Mühe die Ordnung aufrechterhalten konnte. An der Leichenfeier nahmen u. a. teil: die Minister Hieronymi und Berzeviczy, Oberbürgermeister Joseph Markus und Bürgermeister Johann Halmos, der pensionierte Staats-