Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr 16 tefiore, an den seinerzeit veröffentlichten Briefwechsel zwischen Dr. Herzl und der Jewish Colonisation Association. Die letztere halte noch jetzt an ihrem damals bekundeten Standpunkt fest und werde 'sich ganz bestimmt weigern, an der Konferenz teilzunehmen, so lange die Forderung der Autonomie von den Zionisten aufrecht erhalten wird. Redner bittet die Gesellschaft, den gleichen Standpunkt wie die „Jca" einzunehmen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, die Konferenz unter der Bedingung zu beschicken, daß von derselben auf die Autonomie der jüdischen Kolonie in Uganda verzichtet werde. — In der Sitzung des Unterhauses richtete Mr. Wason an den Minister der Kolonien die Anfrage, ob die englische Regierung die Kosten der zionistischen Uganda-Expedition bestritten habe, ferner, ob sie die von dieser Kommission empfohlene Expedition zur Pacifizierung des Nandy-Stammes auszurüsten gedenke, und wer die Kosten dieser Expedition tragen solle. Der Minister erwiderte, weder zu-wissen, wer die Kosten der Expedition getragen habe, noch irgend welche Vorschläge der Kommission zu kennen. Ein jüdischer Dichter Rumäniens. Es ist eine köstliche Ironie, daß in dem judenfeindlichen Rumänien, in dem antisemitisch durchseuchten Bukarest ein von einem nicht naturalisierten Juden geschriebenes, einen Juden verherrlichendes Drama, ein echtes und rechtes Judenstück das große Theaterereignis, nein das Tagesereignis ist. Das Stück hatte einen Erfolg, wie noch kein einziges rumänisches Drama je zuvor. Der Verfasser, Ronetti Roman mit Namen, ist seines Zeichens — o weitere köstliche Ironie! — Landwirt, der seine Mußestunden dazu benutzt hat, in Menasse ein dramatisches Werk zu schaffen, dessen literarische und dramatische Bedeutung so zwingend ist, daß selbst antisemitische Kritiker sie anzuerkennen sich bequemen müssen. Das Drama wird im Nationaltheater aufgeführt und hat bereits so zahlreiche Aufführungen erlebt, daß es mehr eingetragen hat als jedes bisher an diesem Theater gespielte Stück. Die königliche Familie, namentlich die Königin Carmen Sylva, haben wiederholt der Vorstellung beigewohnt und der König und die Königin haben den Verfasser wiederholt in Audienz empfangen und ihm ihre Anerkennung ausgesprochen. Wir versagen uns, aus den Inhalt des Stückes näher einzugehen, da die Wiedergabe der Fabel auch nicht annähernd den in der feinen und wahren Charakterzeichnung, in dem Gedankenreichtum und in der Poesie liegenden Wert des Dramas erkennen lassen würde. Genug, daß die Presse das Stück ungemein lobt und daß der nicht als Philosemit geltende Professor Dragomirescu sich über das Werk u. a. in folgender Weise ausläßt: Von allem, was bis auf den heutigen Tag in rumänischer Sprache geschrieben worden ist, hat das Drama Menasse den größten Wert. Der Held des Dramas Menasse und Selig Schor, eine Nebenperson, sind zwei vollendete Schöpfungen, denen fast nichts fehlt, um sie an die Seite der gewaltigsten Gestalten der dramatischen Kunst zu stellen u. s. w. Ein Roman aus dem Newhorker Ghetto. „Central News" berichtet aus Newyork: Mr. Jg. Phelps Stokes, ein wohlbekannter junger Millionär und Mitglied vornehmer Klubs, hat soeben seine Verlobung mit Miß Rose Harris P a st o r bekanntgemacht. Diese ist eine junge russische Jüdin, die er in einem Universitäts- Settlement im Newhorker Ghetto kennen lernte. Sie ist in einer Zigarrenfabrik beschäftigt und ernährt ihre Mutter und ihre Schwestern. Mr. Stokes erklärt, er sei von ihrem Geiste und Charakter berückt geworden. Die Hochzeit ist für den Juli angesetzt. Das junge Paar wird auf der Hochzeitsreise die Oertlichkeiten in London aussuchen, wo die Braut Jahre halbverhungernd verbrachte. Das Verlöbnis ist deshalb so ungewöhnlichen Charakters, weil die Newhorker Plutokratie sonst in blinder Anbetung der europäischen Autokratie aufgeht. — Weiters schreibt das „Berliner Tageblatt": Die bevorstehende Heirat des vielfachen Millionärs GrahamStokes, eine der angesehensten Persönlichkeiten der Newhorker Gesellschaft, mit Rose P a st o r, einer aus Rußland stammenden Jüdin, dir zehn Jahre lang Arbeiterin in Zigarrettenfabriken war, bildet für ganz Newyork den Gegenstand allgemeinen Interesses. Rose Pastor ist 26 Jahre alt, stammt aus einer armen russischen Familie und kam 1882 mit ihren Angehörigen nach London. Dort lebten sie einige Jahre in dem ärmlichsten Viertel von Sette 249 London, wo Rose die jüdische Freischule besuchte. Als das Mädchen 12 Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Cleveland (Ohio) ans, wo Rose Zigarettenmacherin wurde. Ihre freie Zeit benutzte das hochbegabte Mädchen dazu, sich fortzubilden. 1902 kam sie nach Newyork, wo ihre poetische Begabung ihr zu einer Stellung bei einer Zeitung verhalf. Trotz der bitteren Armut, in der Rose Pastor ihre Jugend verbrachte, erwarb sie sich eine tiefe Geistes- und Herzensbildung. Sie ist nicht hübsch, aber ihr ernstes Gesicht trägt einen äußerst gewinnenden Ausdruck. Graham Stokes, ihren Verlobten, lernte sie in ihrer journalistischen Tätigkeit bei einem Interview kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine warme Freundschaft zwischen beiden, die schließlich zu der Verlobung führte, die jetzt das Hauptgespräch der aristokratischen Kreise bildet, denen Mr. Stokes angehört. Die Inden in Südafrika. Man schreibt der „Oest. Wochenschrift" aus Johannesburg: Sehr geehrter Herr Doctor! Ich lese in Nr. 7 Ihres geschätzten Blattes, daß die Wahl der Herren Gemeinderäte Grauman und Goldman die Zahl der jüdischen Mitglieder im hiesigen Gemeindehaus aus drei erhöhte, da bisher nur e i n Jude die jüdischen Wähler vertreten habe. Erlauben Sie mir jene Mitteilung, die nicht ganz korrekt ist, richtig zu stellen. Die Herren A. Epler und Alfred Rogaly sind lange vor Herrn Langermann und gleichzeitig Gemeinderäte gewesen. Die Juden in Südafrika erfreuen sich überhaupt großen Ansehens und üben einen entscheidenden Einfluß auf den Gang der innern Angelegenheiten aus. Sie sind die reichsten und manche von ihnen zählen zu den intelligentesten Bürgern dieses Weltteils. Die leitenden Pariser Journale „Figaro" und „Le Temps" haben unlängst einem unserer hiesigen Glaubensgenossen, Herrn Samuel Marks, leitende Artikel gewidmet, in welchen sie unter Anderem bemerkten, daß Herr Marks viel dazu beigetragen habe, daß die Boers mit den englischen Bürgern nun wieder friedlich zusammen leben. Einer der größten Journalisten Londons nannte ihn einen regierenden Fürsten ohne Krone. Der Grundbesitz des Herrn Marx, der Gold-, Diamanten- und Kohlengruben einschließt, soll nach dem „Figaro" eine Flächenweite bedecken, die dem vierten Teil Frankreichs gleichkommt. Sie wissen ferner, daß der Bürgermeister von Capstadt ein Jude, ein gewisser Herr Liebermann, ist. — Lord Milner, der vor seiner Abreise unseren Herrn Rabbiner D r. I. L. L a n d a u und dessen Frau zu einem Abschiedstee eingeladen, bemerkte ihnen gegenüber: „Die jüdische Gemeinde und ich find immer die besten Freunde gewesen." Seine Excellenz hatte ein gutes Recht, jene Bemerkung zu machen und wird ihm das Zeugnis aufrichtigen Wohlwollens uns gegenüber von keiner jüdischen Gemeinde versagt werden können. Lord Milner zählt übrigens hervorragende jüdische Persönlichkeiten Londons zu seinen intimen Freunden. Brasilien. Ans Pernambuco berichtet die Zeitschrift „gm deutschen Reich": Dem Staate Rio Grande do Sul war es infolge eines Vertrages seiner Regierung mit einer deutschen Schiffahrtsgesellschaft Vorbehalten, einen Teil dieser Schiffbrüchigen des Lebens (auswandernder Juden) auszunehmen. Wir wohnten im hiesigen Hafen der Ausschiffung einer Anzahl dieser Unglücklichen bei. Unter den zahlreichen Flüchtlingen sahen wir keinen einzigen Jüngling, nur ältere Männer, Frauen und Kinder. Die waffenfähigen Leute waren für die Schlachtbank im äußersten Osten sestgehalten worden. Die Einwanderer wurden in zwei großen Dampfschaluppen von Bord gebracht. Aus den vom Gepäck gebildeten Hügeln bildeten sich malerische Gruppen, was einen intereffanten, aber zugleich auch traurigen Anblick gewährte. Man sah unter ihnen die Typen der elenden Mujiks der ruffischen Steppen; alte, vom eisigen Hauche des Schnees verdorrte Männer, durch harte Arbeit gekräftigte Frauen, junge Mädchen mit unruhigem Blick und von Scham geröteten Wangen, Keine Kinder die in schmutzige Tücher gehüllt waren. Einige alte Kisten, Fässer und Bündel waren das ganze Gepäck der Unglücklichen. Deutlich war zu erkennen, daß sie bei der Flucht nur Zeit gehabt hatten, die Lappen mit sich zu führen, welche ihnen auf der Ueberfahrt als Bedeckung dienten. Einige junge Mädchen hatten alte Kleider angelegt, welche eine I gewisse Zierlichkeit in der Arbeit erkennen ließen. Es waren sicherlich die Gewänder, die sie bei den Festlichkeiten des ihnen nun für immer entschwundenen Heimats- Dr. Dlocb's MlocvenscbrM. l