Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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«rtte 248 Dr. J3locb’s MocbenscbrlN. Nr. 16 r;! . ' f' % f : ■ -?• r - Ern Schiff, noch ists ein Schiff der Träume nur, Das eiü dahin an blühenden Gestaden, Des schwersten Segens voll ist Feld und Flur, Der Weinberg blüht, es reist das Korn in Schwaden. Und die vorüberfahren all dem Blüh'n Und all die wundervollen Ufer grüßen, Sind frohe Kinder, die nach Hause ziehn, Nachdem fie lange haben wandern müssen. Ihr Weg war schwer und manchem schien es oft, Als gab' ihm nur die Hoffnung Mut und Kraft, Und mancher hat verlernt gar, wie man hofft, Und mancher blieb am Weg erschöpft, erschlafft — Doch alles ist vorbei wie Windesweh'n, Nun, da Erfüllung soll die Sehnsucht lohnen, Da sie auf dem geschmückten Schiffe steh'n, Und Zion grüßt als letzte der Stationen — — Ein Schiff der Träume! Mancher schilt's vielleicht, Der tut nicht recht; blickt nur durch diese Räume, Wo Freude herrscht, so weit das Auge reicht. Was wär' auch unser Leben ohne Träume! Kalt, grau und fteudlös zöge es dahin. Von keinem gold'nen Schimmer hold geschmückt, Den nächsten Tag nur im versorgten Sinn So schlichen wir im Alltagsjoch gebückt. Und unsre Brüder erst im Russenland, Die nie der Stunde sorglos leben dürfen, Die dort gehetzt, geächtet und verbannt, Den Kelch des Leides bis zur Neige schlürfen, Was meint ihr wohl, erhält den zähen Stamm, Dem Dornbusch gleich, der stets in Flammen steht, Dem Feuer trotzend, das nicht töten kann, Wenn jener Traum nicht, den ihr vor euch seht! Drum ehrt den Traum und laßt den Hader schweigen, Reicht ftöhlich euch zu ftohem Fest die Hände, Damit aus dieser Stunde flüchtigen Reigen Für unsre Brüder quelle reiche- Spende. Ihr aber sollt aus diesen bunten Räumen Mit Bildern von den wundervollsten Fernen Vor allem lernen unfern Traum zu träumen, Vielleicht wollt ihr ihn später leben lernen. Seligmanu und Wittelsbach. Dieser Tage wurde aus Paris berichtet, daß Herr Louis d'E i ch t h a l seiner wiffenschaftlichen Verdienste wegen zum Mitgliede des Instituts ernannt worden ist. In Frankreich ahnen wohl die Wenigsten noch, daß die Familie Eichthal, von der ein Zweig schon seit hundert Jahren im Besttze des ftanzösischen Bürgerrechtes ist, von den Ufern der Isar nach denen der Seine gelangte. Denn in München stand die Wiege dieses Geschlechtes, dessen Name ursprünglich „Seligmann" lautete. Aron Elias Seligmann, ein außerordentlich gewandter Finanzmann, war der Hofbankier des Königs Max Joseph von Bayern und, da er sich des Vertrauens des Königs erfteute, einer der mächtigsten Männer im Lande. 1814 verlieh ihm der König den Adel und Freiherrnstand, indem er zugleich seinen Namen Seligmann in „Eichthal" verwandelte und ihm das Wappen der alten erloschenen Familie von Thalmann erteilte. Von den Söhnen dieses ersten Freiherrn von Eichthal begründete ein Aeltester, Ludwig, in Paris das Banchaus „Louis d'Eichthal", während ein Jüngerer der Schöpfer und erste Direktor der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank wurde.. Von ihm stammt die noch in Bayern blühende Nachkommenschaft des Hofbavkiers, die mit den vornehmsten Familien des süddeutschen Adels verwandt und verschwägert und sogar mit dem Hause Wittelsbach dadurch in Blutsverwandtschaft getreten ist, daß der derzeitige Familienchef, der kaiserliche Legationssekretär a. D. Freiherr Karl von Eichthal, mit einer Gräfin von Otting und Fünfstetten verheiratet ist, — die Grafen Otting, die ftüher Freiherrn von Schönfeld hießen, stammen in direkter Linie von dem Pfalzgrafen Friedrich Michael von Zweibrücken, dem Vater des Königs Max Joseph. Erwähnt sei noch, daß zwei der hervorragendsten Münchener Maler, die Professoren Leo Samberger und Albert von Keller, jeder mit einer Freiin von Eichthal vermählt sind. Albert von Keller hat die schönen Züge seiner Gemahlin, die zu den gefeiertsten Erscheinungen der Münchener Gesellschaft gehört, auf manchem Bilde festgehalten, und eines ihrer Porträts ist auch in der Münchener Neuen Pinakothek, für die der Staat es erwarb, zu erblicken. Paris. Anläßlich der Vermählung des jungen Eduard von Rothschild in Paris mit Fräulein Germaine H a l p h e n erzählte die antisemitische „Libre Parole", der Urgroßvater der Braut sei ein armer Raritätenhändler in dem Metzer Ghetto gewesen und habe einmal nicht drei Francs bezahlen können, die er auf einer Auktion für ein Kupfergefäß geboten hatte, das ihm, da er keinen Kredit besessen, nicht ausgehändigt wurde. Arm wie Hiob sei er gegen 1810 nach Paris gekommen und jetzt seien er wie der aus dem Frankfurter Ghetto entschlüpfte Rothschild die Könige der Welt re. Darauf mußte die „Libre Parole" auf Grund des Gesetzes eine Berichtigung bringen, in welcher gesagt wird, die Erzählung könne sich nicht auf den Urgroßvater beziehen, da dieser bereits im Alter von elf Jahren mit neun Francs in der Tasche und einem kleinen Warenpack auf der Schulter Metz verlassen habe und 1785 in Paris angekommen sei. Hier habe er so fleißig gearbeitet, daß er bereits nach vier Jahren im Stande gewesen sei, seine ganzen Ersparnisse, dreitausend Francs seinem alten Vater zu schicken, um den Verkauf des Familienhauses zu verhüten. „Sie werden zugeben", heißt es in der Berichtigung weiter, „daß ein würdigerer Gebrauch von diesen ersten Ersparnissen nicht gemacht werden konnte und daß dieser Zug kindlicher Energie und Sohnesliebe wenigstens ebensoviel wert ist, wie die erzählte Auktionsgeschichte. Mein Urgroßvater — wird weiter berichtet — starb 1840 geachtet und geliebt von allen, die ihn kannten. Ihm zu Ehren - haben mein Großväter und sein Onkel, die beiden Halphen- Preise an der französischen Akademie und an der Akademie der Moralwissenschaft gestiftet." London. In der Sitzung der Anglo Jewish Association verlas der Sekretär Herr Duparc ein Schreiben des Herrn David Wolfsohn-Köln, in welchem mitgeteilt wird, daß das zionistische Aktionskomitee ein aus den Herren L. Greenberg-London, Dr. Alexander Marmore k-Paris und ihm selbst bestehendes Subkomitee mit dem Auftrag eingesetzt hat, mit den größeren jüdischen Wohltätigkeits-Gesellschaften sowie einzelnen einflußreichen Privatpersonen in Verbindung zu treten, um das zionistische Uganda-Projekt zu verwirklichen. Die zur Erforschung des von der englischen Regierung den Juden offerierten Gebietes entsendete Kommission sei von der Expedition zurückgekehrt und ihr Bericht werde im Laufe des Monates April veröffentlicht werden. „Die englische Regierung erhält von anderer Seite in Bezug auf diese für die Zionisten reservierte Kolonie fortwährend anderweitige Anerbietungen und drängt uns, sobald als möglich ihr unsere endgiltige Entscheidung mitzuteilen, weshalb die Erledigung dieser Sache einige Eile hat. Da die Ausführung dieses Projekts, einerseits mit dem Zionismus nichts zu schaffen hat, andererseits aber das zionisttsche Aktionskomitee sich nicht für berechtigt hält, die günstige Gelegenheit zur Errichtung einer neuen jüdischen Kolonie unbenutzt vorübergehen zu lassen, so wenden wir uns unter Anderem auch an Ihre Korporation, welche für die verfolgten Juden stets ein warmes Interesse bekundet hat, um zu erfahren, ob und inwiefern Sie an der Verwirklichung dieses Planes teilnehmen wollen. Wir beabsichtigen nämlich eine Konferenz der verschiedenen jüdischen Körperschaften, sowie einzelner jüdischer Persönlichkeiten einzuberufen. Selbstredend verpflichtet die Teilnahme an dieser Konferenz die einzelnen Teilnehmer noch zu gar nichts. Wir bitten Sie daher, uns möglichst bald wissen zu lassen, ob Sie sich an dieser Konferenz beteiligen wollen". In der sich anschließenden Diskussion erinnerte der Vorsitzende, Herr Claude Mon-