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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Selte 246 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 16 Meeres, wo der längste Tag je nach der Lage bis 14 Stunden Dauer hat. In das nächste Klima bis zum 36. Grad fällt der größte Teil! des Mittelmeeres mit 14'/, ständiger Dauer des Tages. In der siebenten! Zone, die über den 46. Grad hinausreicht und das Schwarze Meer! wie auch den Kaukasus durchschneidet, hat der längste Tag 15'/, Stundend Das Klima, das ungefähr durch die Gegend des Don geht, hat den längsten Tag mit 16 Stunden und so im Winter viee versa. —W; Wieso er nach diesen, Von ihm gemachten Angaben nach Egypten oder * Palästina versetzt werden konnte, muß einfach rätselhaft bleiben; ebensowenig konnte man wegen seines wirklichen Vaterlandes nicht im Geringsten in Zweifel sein, da aus dieser Stelle fast mit mathematischer Sicherheit sich solches ergibt, und konnte er irgendwo anders nicht gesucht werden, da unter diesem Breitengrade nirgends das Griechische als Umgangssprache existierte, als hier. Dieser Beweis steht so felsenfest, daß alle sonst ausgestellten Hypothesen sich wie Dunstgebilde im strahlenden Sonnenlichte verflüchtigen müssen. Steht dies einmal fest, erscheint seine Angabe 13,7: „Ich ging und setzte mich an die Wasser des Dan in Dan. rechts von der Abendseite des Hermon" auch in einem anderen Lichte. Abgesehen davon, daß es in Palästina „kein Wasser des Dan" gab, paßt ja die bezeichnet Lage des Stammlandes Dan dahin nicht, da dasselbe südlich vom Hermon lag; dagegen stimmt alles, wenn es auf dem Fluß Don im Norden bezogen wird, nur bezeichnet er, wie dies oft auch anderweitig der Fall ist, die schneebedeckte Bergkette des Kaukasus mit dem biblischen Namen Hermon. Im Altertum hieß aber dieser Fluß Tanais und begegnet man erst im V. Jahrhundert der Bezeichnung Don; es ist doch auch möglich, daß diese Benennung schon etwas früher dort angewendet wurde, und wenn man genau feststellen könnte, wann diese Bezeichnung sowohl für den Fluß als auch für das Land zuerst in Anwendung kam, würde dies gleichzeitig eine Handhabe liefern, die Zeit unseres Verfassers zu ergründen, die in das III. Jahrhundert fallen dürste. Auch noch eine andere Stelle kann als deutlicher Hinweis auf seinen Aufenthaltsort gelten. Kap. 60, 8. heißt es: „Das männliche heißt Behemoth, welches mit seiner Brust einnimmt eine öde Wüste, Dendaim genannt, im Osten des Gartens, wo die Auserwählten wohnen". Die Alten suchten den Gan Eden am Fuße des Kaukasus und ist mit Dendaim zweiflellos a-rm gemeint, wie die Gegend Ciskaukasiens bis zum Fluße des Don auch von arabischen Autoren im frühen Mittelalter und gewiß viel früher schon von heimischen Einwohnern genannt wurde. Alles dies würde die Annahme rechtfertigen, daß die Zeit unseres Verfassers jüngeren Datums sei, als dies bis jetzt allgemein angenommen wurde. Dem sollte jetzt aber die Erwähnung unseres Autors schon im Judasbriefe (14, 15) im Wege stehen.,Liest man diese Stelle aufmerksam und vergleicht solche mit Henoch 60, 8.,' bestätigt sich gerade das Gegenteil von dem, was man sonst annimmt, und bekräftigt dies noch unserer Annahme. Eingangs der angeführten Verse der Epistel Judas heißt es: „Es hat aber auch von solchen geweissagt Enoch, der siebente von Adam und gesprochen" 2c., mit welchem unser Autor absolut nicht gemeint sein kann, da er selbst auch sagt: „Mein Großvater (Henoch), der siebente von Adam, dem ersten Menschen an" rc. und muß angenommen werden, daß beiden eine ältere Schrift gleichen Namens, „Henoch" Vorgelegen ist oder noch richtiger, es zirkulieren über Enoch alte Sagen (wie sie auch Sirach 44, 16. und Ebräer 11, 5. kennen), die in der Epistel Judas benützt wurden, und unser Autor hat folglich bereits diese Epistel kennen müssen. Bemerkenswert ist noch seine Aeußerung Kap. 56, 6, wo er die politisch wirren Zustande jener Länder zu seiner Zeit kennzeichnet, indem er sagt: „In jenen Tagen werden die Engel sich versammeln und ihre Häupter gegen Osten richten, nach den Parthern und Medern hin, um eine Bewegung unter den Königen dort anzurichten, daß ein Geist der Aufregung über sie kommt und werde sie aufregen von ihren Thronen" rc. „Und sie werden „Heraufziehen" in das Land ihrer Auserwählten und das Land wird vor ihnen sein wie eine Dreschtenne" ff. Im dritten Jahrhundert ist ein Dynastiewechsel im Medoparthischen Reiche eingetreten, die Arsaziden sind von den Sassaniden (226) vertrieben worden. Der arsazidische Stamm war auch im pontischbosporischen Reiche (gegen 250) erloschen und bemächtigten sich die Sarmaten des Reiches; so auch wurde auf Anstiften Artaschirs (Affanide) Ehosrev I., auch ein Arsazide, in Armenien ermordet und gährte es damals dort unter den Völkern unaufhörlich, daß Throne fielen und andere aufgerichtet wurden. Zu dieser Zeit, als in jenen Gegenden ein modifizierter Parsismus herrschte, hatten anfangs die Christen dort große Verfolgungen zu bestehen und haben gewiß die Juden darunter gelitten, worauf vielleicht in einer Aeußerung eines über jene Gegenden sonst gut informierten Predigers, nämlich des Verfassers des „Midrasch Thilim", Kap. 109 (über welchen später mehr), eine Anspielung sich finden läßt: ritt 12LV r»iiv ivp a« n»r na »•’anab misan, „was hat Jakob eigentlich den Barbaren und Skythen (Sarmaten) getan, daß man ihn verfolgt." — Nachträglich ist auch noch zu bemerken, daß in unzähligen Stellen der Verfasser das Christentum zeigt, und zwar nicht mehr in seiner ersten Phase, zu kennen, wie auch macht sich da der verstärkte Einfluß des durch die Sassaniden neu belebten Parsismus geltend. Schließlich möchte ich noch zu dem hier mehrmals erörterten Thema bezüglich der Auffassung der Prophetie bei den vom Osten herkommenden Autoren, die sie alle als eine intuitive Schauung durch Inspiration des Weltgeistes (o-ppn nn) und die solche auch in Verbindung mit einem Mittelwesen (Engel) bringen, ebenso die prophetischen Visionen als Traumgesichte erklären, hervorheben, daß diese Ansichten einen großen Teil der erwähnten drei Apokryphenbücher ausmachen und scheinen diese hiefür als Quelle gedient zu haben, welche Ideen dort von jeher gewiß allgemein verbreitet waren und allmälig Gemeingut Aller wurden. Diese eigentlich durch die Kirchenväter aufbewahrten und auf uns gekommenen Schriften bilden gewiß nur einen kleinen Bruchteil der dortigen in griechischer. Sprache abgefaßten Werke jener Juden') des fernen Ostens oder Daniten, und hat es gewiß dort eine ähnliche reichhaltige Literatur philosophischer und pseudoepigraphischer Werke gegeben, wie dies auch noch später Nissi b. Noa bestätigt. — Da es damals viele jonische Kolonien um das Schwarze Meer gegeben hat, die eine rege Handelsverbindung mit dem Mutterlande und den Inseln unterhielten, an welcher gewiß die Juden, deren es in Griechenland viele gegeben (vergl. Apostelgeschichte), auch einen großen Anteil hatten, sind diese Schriften auf dem Handelswege zuerst dorthin gebracht worden, während die Juden in Palästina und Babylon solche nur wenige kannten. S. Spinner. C&ffiS Ikorrespondenzen. Verein zur Erhaltung eines Heimes für israelitische Handelslehrlinge in Prag. Dieser im Jänner d. I. neugegründete Verein, dessen Vorstand eine stattliche Reihe von Großkaufleuten, Industriellen und Advokaten ängehören, hat sich die Aufgabe gestellt, bedürftigen Handelslehrlingen vom Lande, für die bisher in keiner Weise vorgesorgt war, durch Bequartierung und Verpflegung hilfreich an die Hand zu gehen. In dem zu gründenden Heim sollen diese Knaben zugleich elterliche Fürsorge und die nötige Beaufsichtigung in ihrer freien Zeit finden, damit sie den Gefahren der Großstadt entrückt bleiben. ß (Wie sehr dieser Gedanke auf ftuchtbaren Boden gefallen, zeugt der Umstand, daß in kurzer Zeit dem Vereine bereits über 500 Mitglieder, darunter 4 mit Gründungsbeiträgen, beitraten, so daß er in der nächsten Zeit seine Tätigkeit, aufzunehmen in der Lage sein wird. Anfragen, sowie Beitrittserklärungen sind an den Geschäftsleiter Herrn Sigm. Heller, Prag, Porte 9, zu richten, wo bereitwilligst jede Auskunft erteilt wird. Der Umgang mit Menschen nach dem Talmud. Wir lesen im „A g r a m e r T a g b l a t t": Ueber dieses Thema sprach über Ersuchen des hiesigen jüdisch-literarischen Vereines Oberrabbiner Dr. Simon Ungar aus Essegg im Gebäude der israelitischen Kultusgemeinde. Auf Grund eines Talmudtraktates, der über den sogenannten von ton oder das savoir vivre handelt, entwickelte der Vortragende in interessanter Weise die Grundprinzipien, auf welchen die Anstandslehre der Juden vor etwa 2000 Jahren aufgebaut war. Je nach dem Besitz von Anstand teilte man in der jüdischen Gesellschaft von anno dazumal die Menschen ein. Die sogenannten „Chaberim" waren jene, die sich mit der Thora beschäftigten und auf sittlich-religiöser Basis ein geselliges Leben führten, das genau umschriebene Umgangsformen, eine strenge Etikette besaß. Alle anderen nannte man „Amraacim". Von den ersteren verlangte man wahre Bildung, die in gefälliger Form zum Ausdruck gelangte. Die Anstandsregeln bezogen sich auf die Ausgestaltung des Charakters sowohl wie auf die Art der Kleidung und des Grüßens. Derjenige, welcher sich nach ihnen richtet, soll nicht bloß gesittet und wohlerzogen scheinen, sondern muß die Eigenschaften auch wirklich besitzen. So wurde der Anstand zur Anständigkeit. Zur Illustrierung der damaligen Sitten und Gebräuche des von ton führte der Vortragende zahlreiche Beispiele an. ') Es verdient noch erwähnt zu werden, daß Akylas, der griechische Uebersetzer der heiligen Schrift auch aus der Gegend des Schwarzen Meeres, aus Pontus, herstammte und scheint das übermäßige Lob, das ihm R. Akiba zollte, darauf zurück/uführen zu sein, weil er in der Hermeneutik die Tradition berücksichtigte und ihr treu folgte, was bei den anderen Juden jener Gegend nicht der Fall war.

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