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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 345 haben sie vier Lehrkräfte. Hebräisch lernen die Kinder nur soviel, als sie zur Tefilla brauchen, und etwas Pentateuch, die anderen heiligen Schriften oder gar Talmud kennen zu lernen, so weit kommt es nicht. Die Sprache, der sich die Juden untereinander bedienen, ist die Landessprache oder spaniolisch. Es gibt sehr wenige, die einige hebräische Brocken verstehen. Das Judenquartier besteht aus einigen engen Straßen, die aber sonst reinlich aussehen. Nicht weit vom Hafen ziehen sie sich der westlichen Seite der Stadt entlang hin. Wir werden in der , Gasse" mit freundlichem Interesse betrachtet, aber nicht belästigt. Nach und nach bildet sich ein Kreis uni uns. Wir schreiten zur Synagoge. Von außen ist dieselbe nicht als solche erkennbar, sie sieht in ihrer Front den anderen großen Häusern ähnlich. Wir steigen durch einen engen Eingang einige Treppen hoch hinauf und dann durch einen schmalen Seitengang in den Tempelraum hinein. Es ist eigentlich nicht eine Synagoge, sondern es sind deren mehrere in ein einziges Gebäude eingeschachtelt. Es wird nämlich nach verschiedenen Riten gebetet, und für jeden Ritus ist ein eigener Raum reserviert. Wir hatten nur Zeit, die zunächst im Parterre liegende" zu besichtigen. Es ist die spaniolische Synagoge, nicht groß, aber ziemlich hoch und sehr rein und nett gehalten. Man sagte mir, sie sei erst jüngst renoviert worden. Sie ist genau ein Abbild der Abarbanel-Synagoge in Venedig, die ich vor einigen Jahren gesehen habe. Das Holzwerk ist dunkelbraun gehalten; gegenüber dem Eingang in die Synagoge die Frauenabteilung, im Halbstock, mit schmalgittrigen, hoben Fenstern versehen, unter jedem Fenster ein schöner hebräischer Spruch aus der Heiligen Schrift angebracht. Zu Osten die Heilige Lade, fast die ganze Vorderwand einnehmend, gleichfalls in braunem Holz gearbeitet, hoch oben die Zehngebottafel in Goldbuchstaben. Tiefer unten in Goldbuchstaben der Gruß: Dah lifneh mi atta omed! Kanzel ist keine, aber ein schön gearbeitetes, dunkel gehaltenes Eisengitter, rund um den wenigen Stufen, die zur heiligen Lade hin rufführen. An der Westwand befindet sich die Bimah, unser Almemor, ein erhabener Aufbau, gleichfalls in braunem Holz gearbeitet, aus dessen erhöhter Rundung sich eine zierliche, das Ganze bedeckende Krone erhebt. Der Raum zwischen der heiligen Lade und dem Almern ^r ist von der Länge nach aufgestellten Bänken ausgefüllt, so daß die zum Vorlesen herausgeholten Thorarollen durch die ganze Länge des Tempels getragen und von jedem Tempelbesucher bequem geküßt werden können. Beim Ansgang erwarteten uns schon viele Aermste der Armen, um Almosen entgegenzunehmen. Wir entsprachen, gerne aber — mit Wehmut, selbst auf dieser gottgesegneten, mit Reichtümern des Bodens ausgestatteten Insel so großer Armut zu begegnen — auf jener Insel, die so viel jüdisches Geld aus allen Weltenden für Ethrogim erhält, dem schönen jüdischen Rituale — dessen Kosten nicht den auf Corfu darbenden Inden, sondern der feindseligen Bevölkerung zu Ente kommt — und da wird noch von unseren Gegnern von jüdischer weltumspannender Solidarität gefaselt — wie viel unbebauter, brach liegender Boden zeigt sich uns auf diesem Gebiete, wenn wir in der weiten Welt Umschau halten, der noch der Bearbeitung harret. Es ist die letzte Station vor unserer Heimkehr zu unseren Lieben, die uns diese Lehre predigt — unsere jüdische Reisegesellschaft, die sich international zusammensetzt, sie hat diesen Eindruck überall empfangen können, von Kairo bis Jeruscholaim und von Jeruscholaim bis Corfu — wir sind in unserer jüdisch-politischen Tätigkeit gegen alle andern Nationen und Konfessionen im Rückstände. Es wird im Allgemeinen viel geleistet von einzelnen großen jüdischen Philanthropen und großen jüdischen Vereinen — aber bei Weitem noch nickt so viel, als es die heilige jüdische Sache erfordern würde, und gewiß bei Weitem nicht so viel, als es von anderen Nationen schon seit langer. Jahren geleistet worden ist und als es bei geringen Anstrengungen geleistet werden könnte. Es wird die Aufgabe der einzelnen Teilnehmer der ersten jüdischen Reisegesellschaft bleiben, diese Erkenntnis in den ihnen zugänglichen Kreisen in Wort und Schrift zu verbreiten. Mögen sich diese Kreise immer mehr erweitern und verbreitern, mögen sie sich vervielfältigen, mögen die Opfer, die wir an Zeit, Geld und Plage gebracht haben, Früchte tragen für die jüdische Allgemeinheit, daß ein neuer frischer Zug in den Urwald engherziger Anschauung eindringe, der seit 1800 Jahren nickt gerodet wurde, und der Ruf des feuersprühenden Propheten in allen jüdischen Herzen Widerhall finde: „Bahnet, bahnet den Weg zur offenen Straße!", daß oft und Viele uns alljährlich nacheifern, hin nach — Jeruscholaim! — Leschanah habuah bijeruscholaim!— Sa Dir „Ken« Hadani" in der jüdische« Literatur des IL. «nd X. Jahrhunderts. V. Obzwar es nicht mehr in den Rahmen dieser Artikelserie gehört. auf dieses Thema, das noch weit ins Altertum zurückreicht, zurückzngreifen, gestatte ich mir nichtsdestoweniger, einige Worte an die letzten Zeilen anzuknüpfen, um die Aufmerksamkeit auf weitere zwei, dem Buche der „Jubiläen" geistesverwandte, schriftliche Denkmäler aus derselben alten Zeit und jener Gegend zu lenken, da dadurch der Gesichtskreis erweitert wird und die neu gewonnenen geschichtlichen Resultate zugleich einzelne Bausteine mehr abgeben und beitragen, eine festere Basis zur Aufklärung der späteren uns hier interessierenden Zeit zu schaffen. Die pseudoepigraphischen und apokalyptischen Apokryphenbücher ..Henoch" und IV. Esra tragen dieselben Merkmale an sich wie das besprochene Buch der „Jubiläen" und sind solche zweifellos aus demselben Boden entsprossen, wie letzteres. Wenn die ganze ausgedehnte Literatur aber die Autoren dieser Schriften bald nach Palästina oder Egypten, bald aber auch wegen mancher diesen Hypothesen sich entgegenstellender Schwierigkeiten, diese zwischen beiden Ländern wiederum hui- und herpendeln lassen, geschieht es nur aus dem einfachen Grunde, weil man kein anderes Milieu kannte, wo griechisch schreibende Juden florieren könnten und wohin man solche noch anderweitig plazieren sollte. Nachdem ich nachgewiesen habe, daß die Juden des Ostens im Altertume in dem politisch-bosporiscken Reiche, wie auch unter der Herrschaft der Arsaziden, die sich Philhellenen nannten und griechische Kultur dort im Norden verbreiteten, damals auch Juden dort griechisch schrieben und der Verfasser des Buches der „Jubiläen" dort lebte, ist es schon ein Leichtes, nachträglich llarzustellen, daß die Verfasser des „Henoch" und IV. Esrabnches auch dort lebten. Diese Apokryphenbücher sind in vieler Beziehung dem Buche der „Jubiläen" so auffallend ähnlich, daß man nach oberflächlicher Prüfung schon zugeben muß, alle gehören einem gemeinsamen Vaterlande an, und da überdies Rönsch in seinem „Buche der Jubiläen" p 403—41: diese unzähligen Vergleiche zieht und die vielen Aehnlickkeiten aufzählt und zusammenstellt, will ich davon weiter absehen, nochmals darauf zurückzukommen, vielmehr werde ich mich nur darauf beschränken, nachzuweisen, daß solche auch im Norden entstanden sind, um gleichzeitig möglichst bestrebt sein, noch die Abfassungszeit derselben zu eruieren. Von allen anderen gemeinsamen Eigentümlichkeiten abstrahierend, halte ich die Beweise, daß der Verfasser des IV. Esrabnches auch nach Jubeljahren ä 49 Jahren zählt und der Beginn dieser Zrhlung mit der Besitzergreifung des heiligen Landes datiert, was bekanntlich der Rechnung sowohl der Rabbinen als auch derjenigen der Samaritaner widerspricht, dagegen aber nur mit der Ansicht des Verfaffers des Buches der Jubiläen in Einklang steht, für die wichtigsten Kennzeichen, daß dieser Autor auch im Norden lebte, nämlich kurz vor der Zeit des Autors des Jubiläumsbuches, welch letzterer jenen auch benützt zu haben scheint. Auf das Vaterland des Verfaffers weist deutlich hin eine Stelle Kap. 13, wo er von den zehn Stämmen Israels erzählt, daß eine beträchtliche Anzahl derielben sich entschlossen, aus dem Exil jenseits des Euphrat anszuwandern, die anderen nachbarlichen Völkerschaften daselbst zu verlassen und sich an Orte zu begeben, wo Menschen seit jeher nur wenig wohnten, um dort nach den Vorschriften ihrer Thora ganz ungestört leben zu können. . . . „Diese mußten die schmalen unwegsamen Pfade beim Ursprung des Euphrat passieren, und Gott ließ sie durch Wunder unbeschadet diese schmalen Wasseradern überschreiten, bis sie in den Landstrich genannt . . . (Oarus?) nach einer Wegreise von einundeinhalb Jahren an's Ziel gelangten, um sich dort niederlassen zu können bis heutigen Tages." Diese Einzelheiten konnte nur ein dort lebender Nachkomme der dorthin eingewanderten Ahnen, nach einer gewiß in dortigen Kreisen im Umlaufe sich befindlichen Tradition, niederschreiben. Viel mehr Kopfzerbrechens verursachte den Kritikern das Buch „Henoch", schon des Umstandes wegen, daß dies Buch von neutestamentlichen Schriften erwähnt und von den Kirchenvätern mit gleicher Autorität wie kanonische Schriften zitiert wird — das aber mit sieben Siegeln geschlossen zu sein schien und fast gar keinen Anhaltspunkt bot, daraus den Aufenthaltsort und die Zeit des Verfaffers wenigstens mit einiger Sicherheit errathen zu können. Aus apokalyptischen Schriften lassen sich überhaupt keine sicheren Schlüffe ziehen, wenn man sich nicht nebulösen Konjekturen hingeben und den realen Boden unter den Füßen verlieren will, da dunkel, orakelspruchartig gehaltene Reden eine jede verschiedenartige Deutung zulasfen; da bisher das Land des Verfaffers nicht ermittelt werden konnte, mußten selbstverständlich seine sibyllinischen Aussprüche auch Mißdeutungen erfahren und ganz mißverstanden werden. Man muß es aber unbegreiflich finden, wie da in Betreff dieses Punktes ein Irren möglich war, angesichts eines Faktums, das dieses Buch enthält, welches als Fingerzeig dienen kann, den Aufenthaltsort dieses Schriftstellers in solcher Weise sicher ermitteln zu können, so daß ein jeder Irrtum hiebei fast ausgeschloffen ist. Der Verfasser gibt nämlich Kap. 69 eine genaue Spezifikation, um wieviel seit Eintritt des Frühjahrs-Aeqninoktiums in seiner Gegend der Tag in den Sommermonaten stetig zunimmt, bis solcher die längste Dauer von zwei Dritteln erreicht, während sich damals die der Nacht auf ein Drittel reduziert; mit der Herbstnachtgleiche tritt wiederum das Gegenteil ein. Die Tage nehmen kontinuierlich ab und die Nächte in diesem Maße zu, bis die Nacht zwei Drittel und der Tag nur ein Drittel einnimmt. Nach dieser Angabe läßt sich ganz genau feststellen, wo der Verfaffer lebte. Bekanntlich ist die Länge des Tages und der Nacht nicht überall und zu jeder Zeit gleich und reguliert sich dies je nach der Entfernung vom Aequator. Zur beiläufigen Feststellung dieser verschiedenen Tageslängen wird von jeher eine Regel angewendet, daß der Raum zwischen dem Aequator und den Polarkreisen zu diesem Zwecke in vierundzwanzig Klimate eingeteilt wurde, so daß z. B. in das vierte Klima die Gegend vom Wendekreise des Krebses bis zum 30. Grad fällt, nämlich bis zu den nördlichen Spitzen des Rothen

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