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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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■.unawigitga I '•*' i l'v fr |;;! 5' * acttf 238 aber die heilige Kirche eine gütige und wohlwollende Mutter ist, welche auch die rebellischen Söhne, wenn sie zurückkehren, ihre Fehler einsehen und wahrhaft bereuen, in ihrem Schoß gütig und wohlwollend ausnimmt; so soll der oft genannte Johann Pitha, wenn er seinen Irrtum erkennt und Zeichen wahrer Reue und Buße zeigt, wie auch Lukas Wolny, Wenzel Wazek und Ludmilla Bauer, nachdem sie das Bekenntnis des orthodoxen Glaubens abgelegt haben, von Apostasie und jeder Art Ketzerei von dem Pfarrer des Ortes, in welchem sich diese Sektierer befinden, in der gewöhnlichen kirchlichen Form absolviert, in die Gemeinschaft der heiligen Mutterkirche ausgenommen und zum Genüsse der Sakramente zugelassen werden. Auf diese Weise sprechen wir das Urteil bestimmt aus, legen es schriftlich nieder und ließen es in der bischöflichen Kurie lesen und veröffentlichen. Gegeben zu Königgrätz am dritten Dezember 1748 (Siegel), Johann Joseph Sax, Viearius in spiritualis generalis et ofticialis. — Johannes Franziskus Michalek, eonsistorii assessor et sacretarius. Das geistliche Gericht hatte seine Pflicht erfüllt, Pitha und seine Genossen verfielen nun in die Hände der weltlichen Gerechtigkeit. Der Jude Mendl starb, treu seiner Religion standhaft auf dem Scheiterhaufen; zur Ehre der Menschheit wollen wir nicht glauben, daß die Volkssage wahr ist, worauf ihm, als er bat, bedeckten Hauptes zum Richtplatze geführt zu werden, das Käppchen auf das Haupt genagelt wurde. Prager Glaubensgenossen begleiteten Mendl auf dem letzten Gange und sprachen aus einer nahen Anhöhe, welche der Verurteilte, der bis zum letzten Augenblick mit ihnen betete, im Auge behalten konnte, mit lauter Stimme bis zum Ende der Hinrichtung die nach hebräischem Ritus für einen Sterbenden vorgeschriebenen Gebete. Später gelang es ihnen, sich durch Bestechung des Henkers eine Reliquie des Hingerichteten zu verschaffen, welche sie in den Gebetmantel desselben einhüllten und mit allen bei einer jüdischen Leiche üblichen Zeremonien auf dem Prager Friedhofe begruben. Ein Leichenstein mit hebräischer Inschrift bezeichnet heute noch die Stätte, wo der letzte sterbliche Ueberrest Mendl's ruht. Johann Pitha wurde von den Patres Missionären mit großer Mühe (magno eum labore sagt das lateinische Original) zur Reue gebracht und starb fünfzehn Tage nach seiner Auslieferung an das weltliche Gericht am Scheiterhaufen. Es war am 18. Dezember 1748, als die Hinrichtung Pitha's das Städtchen Neubydzow in Aufregung versetzte. — Man nähte den von der Tortur ganz zerschmetterten und betäubten armen Sünder in eine Kuhhaut, band ihm einen „Judenbart" um und drückte als Bezeichnung seiner Frevel in seine Rechte den Rosenkranz, in die Linke das Alte Testament. Am Schweife der Kuhhaut war eine Schleife befestigt, an welche sich zwei Henkersknechte vorspannten. Auf das Schaffot mußte der Unglückliche, dem fortwährend die beiden Patres, die ihn begleiteten, Gebete ins Ohr schrieen, getragen werden. Ein Magistratsrat verlas der versammelten Menge das Sündenregister und das Urteil Pitha's, brach über seinem Haupte ein Weidenstäbchen und übergab ihn dem Scharftichter, der ihn am Scheiterhaufen, welcher auf einer kleinen Anhöhe vor der Stadt gelegen war, sestband. Pitha, der gar kein Zeichen des Schmerzes äußerte, starb rasch im Dampfe des nassen Strohes, welches ein mitleidiger Henkersknecht in den Scheiterhaufen gesteckt hatte. Der Körper des Hingerichteten, der lange nicht verbrennen wollte, wurde mit eisernen Haken zerschlagen und die Asche in alle Winde zerstreut. — Der Magistrat der Stadt Neubydzow ließ das von uns bereits beschriebene Bild anfertigen und im Rathause aushängen, woselbst es zum Hohne der Zivilisation die Weisheit und Unabhängigkeit des städtischen Gerichtes verkündete. Im Jahre 1848 verschenkte es der Bürgermeister als charakteristischen Beitrag zur Zeit- und Sittengeschichte des achtzehnten Jahrhunderts an das Prager National-Aiuseum, woselbst es sich noch heute befindet. Von den Anhängern des Unglücklichen wurde der Taglöhner Wenzel Wazek in Königgrätz zum Feuertode verurteilt, jedoch zum Tode durch das Beil begnadigt und nur seine Leiche verbrannt; dasselbe Schicksal traf die Bäuerin Ludmilla Bauer, Irr. 15 die sich bis zum letzten Augenblicke durch ihre Standhaftigkeit auszeichnete und nicht zu bewegen war, ihrer Ueberzeugung untreu zu werden und ihre Jrrtümer abzuschwören. Ihr Mann, Johann Bauer, starb im Gefängnisse in Prag während der Untersuchungshaft; auch seine Leiche wurde in einer Kuhhaut auf den Richtplatz geschleift und daselbst von Henkershand verbrannt. Die Brüder Lukas, Karl und Georg Wolny wurden gleichfalls der Todesstrafe für schuldig erkannt und im Gnadenwege auf drei Jahre ias Zuchthaus verwiesen. Ferner wurden noch zu dreijähriger Zuchthausstrafe verurteilt: Johann Psenicka, Anna Zimka und die drei Kinder des Bäuerischen Ehepaares: Johann, Jakob und Magdalena, weil sie „mit den Ketzern in näherer Verbindung gestanden waren". Dieses Aktenstück schließt mit einer Liste von weiteren 24 Personen, welche als der Ketzerei verdächtig unter die besondere Aufsicht der Ortspfarrer und Behörden gestellt wurden. Das bewegliche und unbewegliche Vermögen sämtlicher Verurteilten wurde konfisziert. — Ausdrücklich wird noch bemerkt, daß auch die an Neubydzow grenzenden Dominien mehrere Ketzer zu Zuchthausstrafen verurteilten; Namen und Anzahl derselben sind jedoch nirgends angegeben. Strenge bekehrt nie einen Fanatiker. — Wie es scheint, gelang dem bischöflichen Konsistorium in Königgrätz, trotzdem es sich zur Bekämpfung der Jrrtümer des Geistes der weltlichen Gerechtigkeit in so furchtbarer Weise bediente, die Unterdrückung dieser Sekte nicht besser, als die Vernichtung der Adamiten, welche sich trotz der energischesten Verfolgungen bis auf den heutigen Tag in der Königgrätzer und Budweiser Diözese in Böhmen erhalten haben und für deren Existenz am lautesten der Umstand spricht, daß es noch vor wenigen Jahren für notwendig erachtet wurde, einen Hirtenbrief gegen das adamitische Treiben zu erlassen und vor ihren Gebräuchen, Konventikeln und Gebeten die katholischen Christen zu warnen. Augenzeugen haben mitgeteilt, daß noch vor achtzig Jahren am jüdischen Versöhnungstage fremde Bauersleute in das israelitische Bethaus in Neubydzow kamen, vierundzwanzig Stunden in Gebet und Fasten zubrachten und dann wieder verschwanden. Niemand fragte sie, wer sie wärenwoher sie kämen und wohin sie gingen, und doch kannte sie jeder; es waren dies die letzten Anhänger des unglücklichen Pitha. KriefkaZerr. B. K. Jüngstens wurde konstatiert, daß der kürzlich verstorbene phantasievolle Autor naturwissenschaftlicher Romane, Jules Verne, ein polnischer Jude war! In jedem Lexikon wird seiner eigenen, falschen Angabe nach sein Geburtsort mit Nantes angegeben. Verne heißt eigentlich: Julian Olschewitz und ist zu Plotzk in Polen gebürtig. Er leitete den Namen Olschewitz von dem russischen Oischa — Erle ab und hat das Wort — ins französische übertragen — als Familienname angenommen. Wilh. Neumann, Wien. Am Jubiläums-Stadttheater wirken gegenwärtig auch Schauspieler jüdischer Konfession. Man kann derzeit nicht sagen, daß dieses Theater direkt antisemitisch geleitet werde. A. H. Der 17. Marcheschwan 5632 war am 1. November 1871. National. „Observer" gehört einem getauften Juden, der vor zwei Jahren zum Katholizismus übergetxeten ist, und einen solchen Reneg-'ten zu unterstützen, können wir uns nicht entschließen. „Rumania". Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß eine neue rumänische Anleihe geplant ist und auch schon in nächster Zeit die diesbezüglichen Unterhandlungen angeknüpft werden sollen. Darauf weist auch die Tatsache hin, daß ins Kapitel der Annuitäten im neuen Budgetentwurf ein Kredit von 973.220 Francs für Zinsen „für die zur Deckung der dem Staatsschätze zuzuführenden Mittel", wie sich der betreffende Motivenbericht ausdrückt, eingestellt wurde. Es wäre eine Schmach, wenn jüdische Finanzleute sich wiederum dazu hergeben würden, diesen verlotterten Barbarenstaat durch Pump zu fördern. K. F. Im russischen Justizministerium liegt seit zwei Monaten des Rekurs eines Juden Srul Mowschowicz, der eine schwere Strafe erhielt, weil er im vorigen Jahre eine Nacht, länger als ihm als Inden gestattet war, in Port Arthur verbrachte. Er hatte nämlich den jüdischen Soldaten Mazzes gebracht und sich länger verweilt. Dafür erhielt er eine Strafe. Nunmehr, da P. A. nicht mehr russisch ist, hat er beim Ministerium wegen jener Strafe den Rekurs überreicht und man ist nicht wenig auf den Erfolg gespannt. Ad. Fluß, Finsburg. Uns bereits von anderer Seite zugekommen. Dr. Mocd s Mocbenscvrttt.

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