Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021618--14426-3039134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 337 Czernowitz. (Trauung.) Sonntag den 16. April d. I. um 4 Uhr nachmittags findet im Tempel zu Czernowitz die Trauung des Fräulein Marie Strauche r, Tochter des Reichsratsabgeordneten und Landesausschufies Herrn Dr. Benno Strauche r, mit Herrn Carl Fisch er statt. — In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde fand eine Versammlung von jüdischen Gemeinde-, Handelskammer- und Kultusräten, sowie Kaufleuten und Gewerbetreibenden statt, in der zum Erlasse der Regierung, betreffend die sukzessive Abschaffung der russischen Emigranten aus der Bukowina, Stellung genommen wurde. Nach einer überaus lebhaften mehrstündigen Debatte wurde ein 12gliedriges Komitee gewählt, dem die Aufgabe zufällt, für die sich hier aufhaltenden russischen Emigranten Arbeitsgelegenheit zu suchen, respektive sie mit Reisegeld zu versehen und über die Landesgrenze zu schaffen. Bielitz-Biala. Bei der Generalversammlung des jüdischen Turnvereines wurde M. Huppert zum Obmann, Professor Dr. Werner zum Obmann-Stellvertreter und L. C i trin zum zweiten Turnwart gewählt; die übrigen Funktionen verblieben deren bisherigen Inhabern. Außerdem faßte die Versammlung den Beschluß, einen Turnlehrer zu engagieren. Dem Gemeinderate wurde von der Versammlung für die Ueberlaffung des Turnsaales der jüdischen Volksschule zu den Turnübungen der Dank ausgesprochen. Der Kassenbericht wies bei 1637 Kronen Einnahmen einen Ueberschuß von 943 Kronen und ein Vereinsvermögen von 4891 Kronen aus. Bielitz. Dank des politisch klugen und taktvollen Verhaltens unserer Kultusgemeinderepräsentanz einerseits, sowie infolge der allgemein höheren Intelligenz, welche die Bevölkerung unserer Stadt seit jeher auszeichnet, ist das Einvernehmen der hiesigen Judenschaft mit den übrigen Konfessionen ein vorzügliches. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn, wie es jüngst geschah, der katholische, evangelische und israelitische Frauenverein sich zur Veranstaltung eines Wohltätigkeitsfestes vereinigten. Der „Bielitz-Bialoer Anzeiger" schreibt hierüber: „Es ist immerhin ein erfrerrliches Zeichen unserer materiell angelegten Zeit, daß sich die Kunst bereitwillig in den Dienst der Wohltätigkeit stellt, doch noch erfreulicher ist es, daß in den Wohltätigkeitsbestrebungen das konfessionelle Moment kein Hindernis bildet. Das WohUätlgkeitskonzert der drei hiesigen Frauenvereine fand unter Mitwirkung bedeutender Kräfte für Klavier, Harmonium und Streichinstrumente statt. Aber auch durch gesangliche Aufführungen wurden die Konzertbesucher überrascht, indem der bei uns als hervorragender Sänger bekannte Lehrer und Kantor Friedländer die Gralserzählung aus „Lohengrin" unter nicht enden wollenden Avplaus zu Gehör brachte, welcher den trefflichen Sänger zu einer freundlichen Zugabe veranlaßte. Weiter brachten die vereinigten katholischen und evangelischen Frauenchöre zwei dreistimmige Tondichtungen zu gediegener Aufführung: „Im Frühling" (Dirigent Ehordirektor Czajanek) und „die Libellen" (Dirigent Lehrer Bock) Die beiden Tonmalereien fanden die wohlverdiente freundlichste Aufnahme." Troppau. Der hiesige jüdisch-literarische Verein hatte vor Kurzem die Gelegenheit, als Vortragenden neuerlich Herrn Rabbiner Dr. I. Mandl aus Neutitschein begrüßen zu können. Derselbe hatte sich als Thema gewählt: „Die jüdische Weltanschauung als Vitelität." Er führte den Nachweis, daß sich dieselbe auf den 3 vitalsten und aktuellsten Gebieten alles sozialen Strebens dokumentiere: 1. Auf dem Gebiete der Wissenschaft führt die Weltanschauung des Judentums zu dem „Rechte auf Wissen". Dies wurde erhärtet aus Kant und Cohen; 2. auf dem wirtschaftlichen Gebiete erweist sich unsere Weltanschauung als das „Recht auf Arbeit". Dieses wurde insbesonders an der Hand der Theorien Ludwig Stein's und Hoch's gleichnamigen Essay dargetan; endlich 3. in humaner Hinsicht ist die jüdische Weltanschauung die Quelle für das „Recht auf Persönlichkeit, Individualität", nachgewiesen an der Hand der modernen Anthropologen. Der Vortragende erntete mit den äußerst gediegenen und verständlich durchgeführten Ausführungen reichlichen Dank. Der Monat März sah bei uns den fchlesi'chen Vortragsmeister Herrn Lehrer I. Proksch und am 5. d. M. hielt Herr Dr. M. Haß einen Vortrag über „die Bibel"; anschließend daran ehrte er das Andenken Maimonides und Raschis. Etsdorf am Kamp. Am 8. April l. I. beging der Sohn Simon Schafrane t% Jakob Schafrane k, sein Barmizwahfest. Der Konfirmand trug die Haftora korrekt und vorzüglich vor. Györ. Einen herben Verlust hat die hiesige israelitische Kultusgemeinde erlitten. Herr Moritz Ehrlich, Rabbinats-Assessor der Kultusgemeinde, verschied nach langem schweren Lerd.n. Das pietätvolle letzte Geleite zu geben, fanden sich beim Trauerhause ein: ein großer Teil der Gemeinde, Präsidium und Repräsentanz der Chewra- Kadischa, die israelitische Schuljugend der Oberrealschule mit ihrem Direktor und 2 Professoren, sowie die israelitische Knabenschule mit dem Lehrkörper. Die sterblichen Ueberreste des geliebten, frommen Mannes wurden in den Tempelhof überführt. Der Azur des Himmels begann sich allmälig zu bewölken und ein warmer Regen mengte sich mit den Tränen der Leidtragenden, welche den Sarg umstanden. Oberrabbiner Herr Dr. Moritz Schwarz würdigte in seiner Trauerrede die strenge Frömmigkeit, das unbegrenzte Gottvertrauen, welches der Verblichene im Erdulden seiner grenzenlosen Leiden bekundete, sowie seinen aufopfernden Fleiß während des 17jährigen Unterrichtes in der Talmud-Thora. Herr Oberkantor Adolf Szänto und Herr Kantor Ludwig Weiß stimmten nun den Leichenchoral an. worauf sich der Kondukt zum Friedhof bewegte. Köln a. Rh. Rabbiner Dr. S. Frankfurter, Sohn des Stiftsrabbiners D. Frankfurter in Holleschau (Mähren), wurde zum Dozenten für die talmudischen^ Fächer am hiesigen Lehrerseminar ernannt. Alliance Israelite Universelle. Das Zentralkomitee bewilligte in feiner Sitzung vom 5. April 10.000 Frcs. für die Notleidenden in Grodno und Minsk und für die in Moskau aus der Mandschurei eingetroffenen Verwundeten; ferner 1000 Frcs. zur Beschaffung von Mazzoth für die in Japan internierten russischen Kriegsgefangenen. Der Auftrag nach Japan wurde sofort durch mehrere dort vertretene Firmen telegraphisch übermittelt. Feuilleton. Gin Autodafe in Oesterreich im Jahre 1748. (Schluß.) Inzwischen berichtete Dechant Escherich über die Resultate der gegen Pitha und feine Genossen gepflogenen Untersuchung an das Konsistorium, von dem alsbald folgende Exkommunikation der Angeklagten herabgelangte und in den Kirchen der Königgrützer Diözese von der Kanzel herab verkündet wurde: Im Namen des Herrn, Amen! Im Religionsprozeffe des Johann Pitha aus der Diözese Königgrütz, Pfarrei Neubydzow, welcher durch eine gewisse Sekte, allgemein die jüdische genannt, in schlechten Ruf gekommen ist, wurde vom geistlichen Tribunale die Untersuchung gepflogen. Wir, des erleuchtetsten, ehrwürdigsten und hochgeborenen Herrn, Herrn Johann Josef, von Gottes und apostolischer Gnade Bischoses zu Königgrütz, des heiligen römischen Reiches Grasen Wratislaw von Mitcowitz (folgen die Titel), General- und Osfizialvikar in geistlichen Sachen, Johann Joseph Sax usw., der Archidiaconus und das gesamte Königgrützer Konsistorium! Nachdem Johann Pitha von unserem Vikar Johann Joseph Escherich, Dechant in Neubydzow, den Wir statt Unserer in dieser Angelegenheit als Stellvertreter delegierten, verhört worden war, ergab sich aus den Autworten der an ihn gerichteten Fragen, daß Joseph Pitha in verschiedene Jrrtümer, welche nach dem Unglauben des Judentums riechen und den Glauben an Christus aus dem Grunde Umstürzen, und in Blasphemien gegen Jesus Christus, den wahren Messias und Sohn Gottes, verfallen sei. Da er diese Jrrtümer auch in Gegenwart anderer, namentlich in Beisein des Lukas Wolny und der Anna Zimka gelehrt hat, so haben Wir, die Wir zu Gerichte saßen, nachdem Wir zu Unserer Unterstützung die Hilfe Gottes angerufen hatten, den ostgenannten Johann Pitha der Treulosigkeit an der katholischen apostolischen Kirche schuldig befunden und haben ihn allen geistlichen und weltlichen Strafen, welche vermöge der Bulla coena § 1, in den heiligen kanonischen Gesetzen und anderen kanonischen Bestimmungen gegen treulos vom Glauben Abgesallene, Abtrünnige, Sectierer und Ketzer, sowie gegen die Verbreiter von Ketzerei gegeben und veröffentlicht find, unterworfen; insbesondere aber gegen den namentlich ostgenannten I. Pitha wie auch gegen alle anderen, die diesem neuen perversen Dogma anhänglich sind, die Excommunikatio major ausgesprochen und erklären, daß auch alle anderen, welche dieser Sekte verdächtig, aber vor dem Kirchengerichte nicht in Untersuchung gewesen sind, insolange bis ihr Prozeß kanonisch entschieden sein wird, für Exkommunizierte zu halten find. Weil