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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Mocb's Mocbenscbrttt. Seite 235 Sozialisten veranstaltete der organisierte jüdische Bund Manifestationen unter Entfaltung von roten Fahnen. Eine Patrouille von zwölf Infanteristen und Kavallerie trat der Menge entgegen und feuerte. Vier Juden blieben tot, neun Manifestanten, darunter zwei Mädchen, wurden schwer, viele leicht verwundet. Beim Kopernikus-Denkmal wurden Proklamationen ausgestreut. Odessa. Die „Odeska Nowosti" veröffentlicht den folgenden Brief eines jüdischen Soldaten der Mandschurei-Armee an seine- Frau, die sich bei ihren Eltern in Kiew aufhält: „Geliebte Frau! Deinen Brief habe ich gelesen und — habe geweint. Du schreibst mir, daß Du und die Kinder hungern und deshalb im Begriffe bist, zu Deinem Vater nach Kiew zu reisen. Mir scheint dieser Entschluß noch schlimmer zu sein, als der Hunger. Neulich las ich einen Brief der Frau meines Kampfgenossen und Freundes Simcha. In diesem Brief teilte dieselbe mit, daß sie zu ihrem Bruder nach Kiew gereist war und nach kurzem Aufenthalte von der Polizei gezwungen wurde, die Stadt wieder zu verlassen. Dies geschah auf folgende Weise: Die Polizei überfiel das Haus des Nachts um 2 Uhr und ergriff sie und ihre Tochter, die sich vor Furcht in einem Kleiderschranke versteckt hatten. Einer der Polizisten befahl ihnen, ihm nach dem Polizeikommissariat zu folgen. Und als die Frau flehentlich bat, sie doch in Ruhe zu lassen, da ihr Mann auf dem Kriegsschauplätze weile und sie mit ihrer Tochter sonst verhungern müsse, da stieß sie der Polizist roh zur Seite, schimpfte wild „Judenweib, halt' Dein Maul" und schleppte die beiden auf das Polizeikommissariat. Am nächsten Tage wurden sie aus der Stadt entfernt. Darum weinte ich, als ich Deinen Brief las. Ich seh' Dich und unsere Kinder in finsterer Nacht aus den Betten herausgerissen und unter Flüchen und Mißhandlungen nach dem Polizeirevier geschleppt. — Ach, wie groß ist die Schmach! Ich bin schon zum zweiten Male' verwundet — vielleicht falle ich noch in einer Schlacht -; und meiner Frau und meinen Kindern nimmt man den einzigen Aufenthaltsort, wo sie vor Hunger geschützt sind. Sind etwa auch nicht sie Bürger des Landes, für das ich kämpfe!?" Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa Wien, I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der fei. Deborah Brannstein: Von Heinrich Drncker K5.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Friedrich Licht: Ungenannt K 2. . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Lndwig Bortstieber: Von Minna Tauisig 10.—, L. Tauber 10.—, Josef Mautner 10.—, Ignaz Scharwann 10. . Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Albert Speyer: Von kais. Rat Paul Lemberger 20.—, Eduard u. Klementine Wiener 20.- , A. Traub 20. , Siegfried Fraenkel 20.—, kais. Rat Moriz Hirsch 20.—, Salo u. Camilla Cohn 50. , Dr. Paul Cohn u. Frau 30.—. Zusammen X 180.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Berta T a ' l e r: Von Josef Stiaßny, Brünn 100.—, Moriz Reif 20. , Otto Strakosch 20.—, Bernhard Strakosch 20.—, Josef C. Löwenberg 30.-, Dr. Adolf Lettner, Budapest 30.—. Zusammen X 220.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Elise 3t e u w i r t h: Ungenannt X 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Karl Kaiser: Von Albert Kaiser und Frau 10.—, Dr. Moriz Ludwig Weiß 10.—, Max Weiß 2.—. Zusammen X 22.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr Wilhelm Back: Von Dr. Albert Brunner u. Frau 15.- , Frau Julie Husserl 10.— , Emil Husserl Proßnitz 15.—, Ernst von Back 20.—, Familie Ludwig Zweig 40.—, Dr. Wilhelm Back 10.—. Max Burger 5.—, Dr. Heinrich Kosel 15.— Zusammen X 130. -. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Lazar Schön mann: Von Jacques Schönmann 5.—, Moriz Schönmann 5.—. Zusammen X 10.-. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde.) In den Kundmachungen des n.-ö. Landesausschusses, betreffend die Aufnahme von Zöglingen in die n.-ö. Landes-Lehrerfeminarien in Wien, Wr.-Neustadt und St. Pölten unter allfälliger Verleihung von Stipendien, wurde von den Aufnahmswerbern nebst anderen Nachweisen der Taufschein gefordert, wonach die Angehörigen der israelitischen Religionsgenossenfchaft von der Aufnahme in diese Seminarien, beziehungsweise von der Verleihung von Seminar-Benefizien ausgeschlossen wären. lieber Beschwerde des Kultusvorstandes wird nun demselben mittelst Note des n.-ö. Landesausfchusses vom 6. April 1905, Z. 431/(1, erklärt, daß „in künftigen Jahren die Kundmachungen die beanständete Stelle nicht mehr enthalten werden; daß weiters auch für das laufende Jahr Gesuche um Ausnahme in die n.-ö. Landes-Lehrerfeminarien seitens Angehöriger der israelitischen Religionsgenosienschaft trotz Ablaufes des ursprünglich festgesetzten Einreichungstermines nachträglich noch angenommen werden." Eine Hochzeit im Freiherrlich von Springer schen Hanse. Mittwoch den 12. April, vormittags 11 Uhr, fand im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung der Baronesse Marie von Springer, Tochter des Freiherrn Gustav von Springer, mit Herrn Eugen Fould aus Paris statt. Selbst die Gänge und Haupthalle dieses altehrwürdigen Hauses hatten für diese heilige Handlung Festschmuck angelegt. Punkt 11 Uhr intonierte Oberkantor Singer mit seiner immer noch mächtigen und modulationsfühigen Stimme und begleitet von dem von Prof. Joseph S u l z e r trefflich dirigierten verstärkten Chore den Eröffnungsgesang Null towu in künstlerischer Weise, worauf Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n in einer wohldurchdachten Ansprache die rühmenswerten Traditionen der beiderseitigen Familienhäuser des Brautpaares und die idealen Eigenschaften von Braut und Bräutigam selbst in trefflichen Worten zeichnete. Die Traditionin der beiderseitigen hervorragenden Familienhäuser zeichnete : er ehrwürdige Redner bis zu den Urgroßvätern hinauf in prägnanter, wahrheitsgetreuer und den bedeutungsvollen Verhältnissen entsprechender Weise, worauf der eigentliche Trauungsakt und die Ueberreichung des üblichen schlichten Ringes an die Braut erfolgte. Hierauf stimmte Oberkantor Singer die sieben Segenssprüche an, nach deren Beendigung vom Chorperfonale eine von Prof. Joseph S u l z e r zu diesem Anlässe komponierte herrliche Trauungshymne zum Vortrage gebracht wurde, welche allgemein ausgezeichneten Eindruck übte. Beim Trauungsakte waren anwesend: Fürst Karl Trauttmansdorff, Fürst Kinsky, die Fürsten Franz, Josef und Engelbert Auersperg, Gardekapitän General der Kavallerie Graf Alois Paar, Graf Adolf Dubsky, Gräfin Misa Wydenbruck-Esterhazy, General Alexander, die Gemahlin des Sektionschefs Freiherrn Wladimir v. Beck Baronin Beck, Graf Wodzicki, Gräfin Mels- Colloredo, den Leiter der General-Intendanz Freiherr v. Plappart, Charlotte Baronin Königswarter, Albert Freiherr v. Rothschild samt Tochter, Baron Eugen v. Rothschild, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und den Vorstandsmitgliedern, die Freiherren Ludwig und Felix v. Oppenheimer, David Ritter v. Gutmann, Othon Baron Bourgoing, Freiherr v. Biedermann, Georg Graf Stockau, Hofrat Regner v. Bley leben, Hofrat v. Mittag, Statthaltereirat Graf Lamezan, Statthaltereifekretär Dr. Guido Freiherr v. Sommaruga, Kapitän v. Ritschl, der gewesene Abgeordnete Rud. Auspitz. Freiherr v. Apfaltrern, Frau Jenny und Fräulein Marie v. Glaser, Frau Irene Spanner-Sigl, Eugen Grimm v. Adelsbach, Generaldirektor Palmer, Generalkonsul Ritter v. Schoeller, Julius Ritter v. Leon-Wernburg. Frau Klarisse v. Lindheim, die Bankdirektoren Bauer, Otto Wiedmann und Wollheim, Maler v. Mehoffer, Generalrat Klein, Hofrat Professor Dr. Monti, die Bauräte Hellmer und R. v. Goldschmidt, kaiserl. Rat Wilhelm Pollak, kaiferl. Rat Sachs, Gemeinderat Zifferer, viele Advokaten, Aerzte u. s. w. Die Zeremonie, deren Einfachheit von maßgebender Seite ausdrücklich verlangt wurde, übte auf alle Anwesenden eine mächtige Wirkung und wird sicherlich im Herzen Aller' eine bleibende Stätte der herrlichsten Erinnerung sein.

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